Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 12 (25.3.1910)
- Date
- 1910-03-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Diese Nummer musste des Karfreituges wegen bereits am Dienstag abgeschlossen werden und gelangt auch bereits einen Tag früher in die Uiinde unserer Leser, — Die nächste Nummer erscheint, wie gewöhnlich,am Freitag; Redaktlonsschloss Mittwoch früh, für grössere Manuskripte Dienstag früh. Gesinnungsgenossen! Starker noch als bei früheren Anlässen ist auf den־ " Kongreß in Hamburg das Bestreben htrvoruciulen, die in unserer Bewegung vorhandencu Kräfte praktischer Arbeit in Palästina dienstbar /w machen. Aus den Worten fast eines ietitii Redners klang die Liebe zu dem lande der Jugend unseres Stammes, zu dem Boden, auf dem der ruhelose Wanderer unter dtn Völkern Frieden finden soll. Das Ziel aberallen Strebe ns ist die Schaffun g eines freien, kraftvollen bauern st a n des auf der eigenen Scholle. D i e I'. L. D. C. w i 11 d i e s c P1 ä n e v e rwirklichen, indem sic größere Grundstücke urbar macht, parzel- Iiert und an neue Ansiedler verkauft oder an Arbeiter verpachtet, die von ihr selbst sorgfältig auf allen Gebieten landwirtschaftlicher Tätigkeit ausgebildet worJen sind. Die Gesellschaft, die nunmehr zwei Jahre besteht, verfährt dabei auf rein gcn׳l1äftlicl1cr Grundlagt.*. Sic bewirtsc haftet gegenwärtig das dem Nation a 1 f o n d s gehörige Landgut Kiner>• 11! am Tiberiassec. Leid,':• hat das für die wirtschaftliche FrschlieRuui; Palästinas so überaus wichtige Unter- Pehmen!*islicr nur in sehr geringem Maße die Lutersti:!.1׳mg der Zionisten gefunden. Die Zahl jknenü׳. u, die sich mit eigenen Mitteln beteiligt ״aben. Ut bis zum heutigen Tage eine verschwineend uu mgc geblieben. Die P.L.D.C. zählt "י ganz Deutschland nur etwa 300 •'*ti1!ח ä re, und doch kann heute 1 d m ehr. welcher Richtung er auch die absolute Notwendig- ־••r Gesellschaft fürdasGelingen ' v s t c m a 1 i s c h c n K 010 n i s a - A hrede stellen. Audi für das Gedeihen der geplanten Kr a r l. a n k ist die Tätigkeit der P. L. D. C. .?? J-iogu-ifcndster Bedeutung. Da bisher die .'0glicUk.v;un, auf gesunder Basis agrarischen fwit zu gewähren, nur außerordentlich be• r/ankt sind, so wird eine Agrarbank für «rö• ,rc Summen nur dann ein Betätigungsfeld fm- 3 wem, cs bis dahin der P. L. D. C. gelungen S Vv,r<J. die Mittel für eine Kolonisation großen 11 auf/.ubringen und so einen kreditwürdigen *1***»iutkreis zu schaffen. U|tnVesi״I>ungsgenossen 1 Die politischen Verft* '!K Orients, die schnelle w ttehafl- 6 Entwicklung Palästinas, dulden nicht iän* ״ ie in A ZI0J«,mu• *ntrebt IOf uii ladliche Volk dl• * ..* ntf 01,c״Ulch1־cchlllch *cilcherien Hulmttltte 10 p*l,״lM• BiieUf Protramm. Aus dem Inhalt Aulrul der P. L. I). C. — Zweifacher Zionismus. (Schluß.) Von Hcrtliolü F e i w c 1. •- Replik. Von L. E s t e r m a 11 n. — Noch einmal ״Galizien". Von Prof. I)r. Ka Ilse her. — Unser Orgunlsutlousstalut. (Selilull.) Von Dr. M. J. Bodenhei in er. — Aus aller Weil. Deutschland, Rußland, Finnland, Riiiiiänlen, Türkei. — Palästina- Rundschau. — Rundschau der Presse. — Vorclnsniiidscliuu. — Feuilleton: Der Baum des Verrcssciis. Von Richard 11 u I d 5 c H i n c r. — Purim Im Clicdcr. Von A. I d c I e. VersammlmiKSkalcuder siehe S. I3S. ger einen Aufschub unserer z\rbeit. Nur unter großen Opfern, unter Ans p a n n u n g a 11 e r 11 n s c r e r K r ä f t e w e rden wir verhindern können, daß der Boden von F. rez Israel in f remde Hände gelange. Darum gilt es ohne Zögern zu handeln. Hier ist ein Weg, der zum Ziele führt! Ifat doch die preußische Regierung nach demselben System während 15 Jahren in den Ostprovinzen 125000 Menscheu s e s s 11 a 11 ge m acht! Laßt uns sorgen, daß im weit fruchtbareren Palästina gelinge, was in Preußen möglich war. Laßt uns zeigen, daß die deutschen Zionisten die Einsichtigsten und Opferwilligsten sind! Palästina braucht nicht nur Pioniere der Arbeit, sondern auch des Kapitals! Das Zentralkomitee der zionistis c 11 e n Vereinigung f. Deutschland. Rechtsanwalt Dr. M. J. Boden heim er. Köln a. Rh. Dr. A. Frietlcm ann, Berlin. Rechtsanwalt Groncniann, Berlin. Dr. Georg H a I p c r n, Hamburg. Rechtsanwalt Dr. Arthur H a n t k e, Berlin. Dr. Max J u n g m a u ח , Berlin. Dr. Emst Kalmus, Hamburg. M. K a u f m ann, prakt. Arzt, Freiburg i. Br. Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, Berlin. Rechtsanwalt Dr. Max K o 11 e n s c h er, Posen. Rechtsanwalt Dr. Eduard Leszynski, Berlin. Zahnarzt Hugo Schachtet, Breslau, fulius Simon, Mannheim. Fritz Sondh e i m e r, Frankfurt a. M. Rechtsanwalt Hans S t e i ni t z. Berlin. Hermann Struck, Berlin, Arnold Wiener, Kattowitz. Max Woilsteiner, Berlin. Zeichnungsschein für die P.L.D.C. (Muster). Hierdurch zeichne ich folgende Anteilscheine der Palestinc Land Development Co. Griinderactie . . . ä Mk. 1025,— Namensactic . . . ä Mk. 20,50 Inhaberactie . . . a Mk. 22, und übersende den Betrag an das Bankhaus A. H. H e y m a n n &■ C 0.» Berlin NW. 7, Unter den Linden 59. (Oefl. deutliche Unterschrift.) Zweifacher Zionismus Von B c r t h 01 d P c i w c I. (Schluß.) Wir sauten: Es ist der Wille zur Erhaltung und Produktivicrung des in Seele und Blut Uberkomincncn Erbguts, der angeborenen Qualität Jude, was die Grundlage des jüdischen Nationalismus ausmacht. Daraus folgt: Ursprung und Zweck des jüdischen Nationalismus sind für Ost und West, für Nord und Süd v o 11 k 0 in m e n g l c i c h a r t i g. Die grollen Abstufungen ergeben sich erst im Prozesse der Durchbildung des Nationalismus. Da ist cs denn richtig — aber in einem anderen Sinne als bei Oppenheimer, der von der Icbcndig-wirkcndcn Qualität Jude überhaupt nicht ausgeht — dall in den westeuropäischen Ländern (Österreich immer ausgcnominell) cs für gewöhnlich die Vergangenheit sein wird, aus der der national gerichtete jüdische Wille seine stärkste Förderung empfängt. Natürlich eine Vergangenheit, deren lebendige Durchdringung dem jüdischen Individuum ermöglicht, eine voilempfundene Kontinuität zwischen dem Einst und Jetzt, zwischen allen Ahnenreihen und sich herzustellen. ״Blut unserer Ahnen voll Unruh und Stolz, Blut von Gewesenem zu Kommendem rollt's," wie der Dichter singt. Das Gegenwärtige dagegen, das Milieu, hat dem jüdischen Nationalismus nur Kärgliclics zu bieten. Das Religiöse allerdings kann (muß aber durchaus nicht) dem Nationalismus starke Impulse geben. Sonst aber kann man für die westeuropäischen Länder im allgemeinen angesichts des Mangels einer jüdischen wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen oder politischen Gemeinsamkeit höchstens von einer ncgat'ivcn Milicuwirkungj sprechen, die den Nationalismus stützt: der des Antisemitismus in allen seinen Äußerungen. Demgegenüber gewährt der Osten mit seinem aktiven jüdischen Kulturleben, (von dessen absolutem Kutturwcrt hier nicht gesprachen werden soll) seiner passiven jüdischen Ökonomie und der räumlichen Geschlossenheit der jüdischen Massen der nationalen Tendenz natürlich unvergleichlich größeren Spielraum und EntfaltungsmügUciikcitcn. Die Folgerung daraus aber ist nicht, wie Oppenheimer sagt: ״Der westeuropäische Zionist hat nur Stammcsbewußtscin, der osteuropäische Volksbewußtscin," sondern (und auch das gilt mit Ausschluß einer nicht unbeträchtlichen osteuropäischen Schicht, die den obenerwähnten fördernden Momenten des Nationalismus cntriicklcr ist oder sich ihnen entrückt hat): Der westeuropäische Zionist wird sich mit größerer Anspannung, unter größeren Schwierigkeiten bcm il h c n müssen, seinem Nationalismus die Lebens-, die Produ'Ktivitätsmöglieh kei ten zu sichern. Innigste Verknüpfung mit der Vergangenheit, strenge Zucht seines (eh dem Milieu gegenüber, Anschluß an eine Gesellschaft üleichstrcbcndcr, das sind die Vorstufen dieses Bcmühens. Die zweite Stufe ist die gcfühls- und ver- MnndcsmUßigc Verbindung mit «lern jüdischen Kulturleben der Diaspora, die, mag ihr absoluter Wert, ihre absolute Kraft auch nicht zu groß sein, doch dein Nationalismus ein lebendiges Element zuträgt. Auf solche Fundamente gestützt kann sich der Nationalismus eine Zcitlang gegen das Milieu wehren und bchaupten. Aber am letzten Ende wird für das einzclnc Individuum und selbstverständlich auch für eine Kollektivität diese Fundierung sich zu schwach erweisen auch nur zur Aufrechthaltung einer nationalcn Tendenz, geschweige denn zu ihrer Umgestaltung in eine schöpferische Macht. Und darum gilt gegen die westeuropäische Milieufeindlichkeit statt des Oppenheimerschcn Satzes vom Unterwerfen, Ja vom völligen EinUben in das feindliche Milieu der zweite: Der westeuropäische Zionist benötigt, um seinem Jüdischem Nationaltsmus die Produktivität! mögllchkcltcn zu sichern, die Verbindung 11ויי dem nationalen -Boden, mit Pa-