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Jüdische Rundschau · 1910-03-18 · Heft 11 (18.3.1910) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 11 (18.3.1910)
Date
1910-03-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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lURDISCHK RUNDSCHAU Seite 124. AUS ALLCR WC LT -! Vesterreien j l)r. Karl Luefjer Her ״ungekrönte König von Wien״ im tot. ober i der Tod ist für uns keine Veranlassung, plöt/.ticli unsere Ansichten zu iüldoru, und aus Gegnern zu Lobhudlern zu werden. Wir haben auch keinen Anlall, das Unte. das!.neuer fiir Wien und Oesterreich geleistet haben mag. zu beurteilen und zu besprechen, aber noch weniger zu verschweigen, was unsere Ansicht ist. Or. Lueger hat seine politischen Ansichten oft genug geändert und modifiziert, bis er endlich den grollen Treffer machte, als er sich in Antisemitismus etablierte. Sein ganzes Wesen war von dem Prinzip der ZweekinälSigkeit beherrscht, und so tat er alles, was ihm und seiner Partei'nützen konnte, mit der ganzen bruialen Skrupellosigkeit, die ihn zeitlebens auszeichnete. Oie ״Jüdische Zeitung" in Wien schreibt dazu: ״Oie Reichen liell er unbehelligt, ja er arbeitete mit ihrem Holde die Armen aber hat er dem Boykott und der Verzweiflung ausgeliefert, l'.rst nahm er ihnen das Recht und als sie völlig wehrlos und geknebelt waren gab er ihnen die Gnade .... Mit llkcl wenden wir uns von der entarteten indischen Bourgeoisie und ihren Leihorganen, die sich au sein Schmerzenslager drängten und ihm fi'iinlich die L'nlle leckten ihm, der noch vor vier Jahren mit einem Pogrom gedroht und von den Juden gesagt halte, sie hätten die Pest nach Wien gebracht . . . ." Pie Israelitische Kiiltusgcmoinde von Wien hat sich natürlich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen, j um sich wieder einmal öffentlich zu kompromittieren. Sie richtete au das Gcmeinderatspräsidiinn ein Bei- ן leidsschrcibeii, in dem es iieilit: j ״Möge die heilige P 11 ־ e d e n s s t i in j mniig. wie sie in letzter Zeit die Kundgebungen 1 des n.ihingcsciliedcnen durchleuchtete, auch 1 seinem Gedenken unserer Vaterstadt dauernd gewahrt sein, so wie auch unsere (ilaubensbriider sich beugend der Macht des Todes mit allen unseren Milbüigern tiefbewegt an dieser B a h r e stehe n.“ Ja, tiefbewegt stellen wir an dieser Bahre. Aber nicht, weil wir um den 'Föten trauern, dazu haben wir auch nicht die geringste Ursache, und das kamt niemand von uns auch nur erwarten, sondern weil wir uns schämen, dass derartige Speichel• leekei'eieu in unserem Namen von denen ausgeheu, die unsere Füll rer sein wollen, von denen, die das Judentum repräsentieren wollen und sollten .... ftussinnd Pas ״seliwar/e" Kultusministerium hat seine erstaiinlielie BrfiiHliingsaiifgabe in der Prodiizieriuig neuer Beschränkungen gegen die Juden noch lange nicht erschöpft. Vor einigen Wochen haben;tut Veranlassimg des jüdischen Abgeordneten Priedmann vierimdiimizig Pmnamilglicdcr eine Oesctz.c.svorlage ausgeai heilet, welche die Gewährung von Alters- Pensionen au die jil di selten Lehrer der staatlichen B l c m e 111 a r s c 11111 e n t u r Juden betrifft. Nach einem Gesetz aus dem Jahre 1873 gelten diese Lehrer als Staatsbeamte, die das Recht auf Altcrspensioncn haben. Für den Pensionsfoiuls wurden von den Gehältern dieser jüdischen Lehrer jahrzehntelang Abzüge gemacht den Lehrern wurden aber bisher keine Pensinnen gewährt, obwohl der Ponds nuf 144 850 Rubel angewaelisen ist. Ps ist mm deshalb in der Puma die genannte Uesctz.esvorla״c eiugebraclit worden, deren Bestätigung die Regierung auch versprochen hat. Plötzlich aber ist das Kultusministerium auf den Bilifall gekommen, sämtliche jüdischen BI e m e n 1 a r - und V 01 k s s c 1111 Ic n. wie auch | das i ii d i s c 11 e I. c 11 r e r s e m i 11 a r in Wilna zu sch liehe 11. Damit wäre die leidige Pensionsfrage ״radikal gelost". Per Vorschlag befindet sich noch im Aiiiaiigsstadium. Bs werden noch Beratungen mit den Kreisseliiilinspektoren und den verschiedenen Ressorts gepflogen. Wer aber die Energie mul die K011se1|11enz, des schwarzen BI hl u n g s m i n i s t e r s kennt, der wird daran nicht zweifeln, dal! er die Sache schon zum ״richtigen Bude" bringen werde. Pie ״Tatkraft" dieses Ministers macht sich gleich• zeilig noch weiter in mehrfacher Hinsicht bemerkbar. Pen jiidisehen ],rivatmittclsclmlen sollen ihre auch ohnehin knapp bemessenen Rechte genommen werden: ben den Bxtraiieerprüfiingeii sollen Prozentnormen für Juden eiugefiihrt werden; die Schuldirektoren sind aufgeforilert worden, die Pro/eniiiornien streng inncziilialtcu, für Zuwiderhandlnngen sind harte M a II r e g e I u n g c 11 angedroht worden; den Petersburger Schulleitungen ist der Befehl z.iigegangen. nur solche jüdische Schüler anl/iiiielimcn, deren Bltern das Wohnrecht daselbst besitzen. Türkei ISrief «ms Konsl.inlionpel 111 der türkischen Hauptstadt herrscht jetzt lebhafte Bewegung. Zahlreiche Trupps von zum Milit ä r d i e n s t ein g e z o g e n e 11 N i e 111 in o 11 a m - me da n e r 11, Juden. Griechen mul Armeniern, ziehen durch die Strallen. an ihrer Spitze Militärkapellen, von I «ler Bevölkerung lebhaft begrünt. Nach Schätzungen j der türkischen Blätter sind bisher etwa 251)00 Nicht- ׳ uioliaiomedaner zum Militärdienst eingezogen worden, mul ihre Zahl diiiftc nach Beendigung der Aushebung ungefähr hiimleriimd/.w aiizigtniiseml erreichen. Pie linkische Regierung bereitet einen Gesetzentwurf vor. wonach auch Nichtmoli.uniiiedaner zu den höheren Staatsämtvrn im Verhältnis zu ihrer Bcvölkerungszahl zugvlasscii werden sollen. -!•'einer hat sie im Reiehsrat eine (lesetz.esvorlage eiugebraclit. Wonach die Rinwanderer in Syrien während der ersten zehn Jahre /tun Militärdienst uielil heiaiige/ogmi werden sollen. Zwischen den hiesigen Scphardim und Aschkenasim sehwehen jetzt Verhandlungen auf Beilegung der wegen der ״Gabclla“ der Ktillusstcner. ausgebrochenen Streitigkeiten. Beide Seiten sind zum Nachgelien geneigt, und man kann daher auf einen l'.rGlg der diesbezüglichen Bemühungen rechnen. In einem au den C 11 a e h a in l> a s c 11 i gerichteten Schreiben verlangen die Asch kenasim, bei der Aufstellung des nächstjährigen Gcinchulcrates mitarbeiten zu dürfen, um dadurch künftigen Differenzen vorzubciigcn. Per Brief schlicht mit den Worten: Dadurch würden alle Zwistigkeiten vermieden werden. In Prieden und Bi ח heit w e r «I e n w i r brüderlich a r b c i t e n f ii r die Würde unserer Gemeinde und die Ult re der g rollen jüdischen Nation, deren K i n d e r wir alle in g I c i c h e r Weise s i n d," dein Cii'ldo יוסוו «.las Stlmli'cUl };ennimiH'ii. Pas war fiir (!olles Imiliue Lohre mul für seine Lehre! darf man sein Held verwenden, sonst aber niieht! j Und hat der liebe Gott von jetzt an einen Hesse- ( ren Hüter seines l'iandes, so sei sic zufrieden, j Mütfo er es nehmen und dem andern ^ehen. ן Der Prophet I liliu hörte sich die Sache an und 1 verschwand. 1.1־ ühcruab cs dem obersten Geriehtshoi und der obci'sAc Gerichtshof entschied, es gäbe keinen besseren Pfandbewahrer und so haben denn die sieben Jahre nicht aufgehört, so lange Tcwjn und seine Frau Seol am Leben blieben. E. M. Lilien Graphische Ausstellung 1910.*) Leipzig, Anfang März. Nach dem Aussprüche Goethes, der, wie der selige ״Scl1!cmicl" meinte, lehawdil ein ganz, verniinftiger Mensch war, wäre cs für die POrdcrimg des Menschengeschlechts von nicht geringer Bedeutung, wenn jeder täglich einige gute Bilder betrachtete. Prcilich, woher soll man dazu im Hasten des Alltags die Zeit nehmen, wie sic der wcimarischen Exzellenz •) Die Ausstellung befindet sieh im Buchgewerbehaus, Dolzstr. 1, und kann täglich von 9—1, Sonntags von 11—4 Uhr, unentgeltlich besucht werden. zu Gebote stand? Nun bin ich zwar im tiefsten überzeugt• «1:1 B der (lelieimrat v. Goethe hcseliäftigler war. als wir alle, die wir wirklich keine Zeit lialien. aber —- Gedankenstrich - reden wir nicht 1 davon. Wir begnügen uns mit den Bildern, die wir au unseren vier Wänden haben, die man In der ״Woche" mul andern schönen Zeitschriften in mehr oder minder - meistens noch weniger als minder schönen Abdrücken bewundern kann. Und wenn's buch LmwuU, besuchen wir das Museum oder eine Ausstellung. Ich gestehe, dafl ich beides nicht oder sehr selten tue. — Wenn ich von meinem Schreibtisch mifhlicke, dann leuchtet mir vom Postament die hohe Gestalt unseres grollen Lehrers Moseheh entgegen, und die Bilder zu beiden Seiten machen mich zum stummen, tief ergriffenen Zuschauer der Welt- und Menschenschöpfung. Dann höre ich das leise Plätschern eines Baches in einem Jndenfrledliof, eine Mahnung au das grolle Vergehen alles Irdischen. — Ja, es ist ein Jiidcnfricdhof; denn kein andres Volk konnte dem Holländer Rttlsdacl ein so wirksames Symbol für jene Idee sein, wie wir Juden. Poch nein! Noch treten wir nicht ab vom Schauplatz, dieser Welt. Und ich werde den Judenfriedliof lierimtcrncliinen und ein Bild I.iliens hinhängen, eins von jenen, die Ich gestern In der hiesigen graphischen Ausstellung gesehen habe. Welches soll ich wühlen? Bs sind fast 2(X) Bilder ausgestellt, da fällt Ule Wahl nicht leicht. Also Ich wähle die ״Sintflut". Mir gcfällt diese Auffassung; ein Mann, auf der linken Schulter sein nacktes Wclb, sucht sich vor den zischenden Wogen zu retten; über I'clskllppcn hin- No. 11, Am 6. März fand hier eine vom Chachai״,! base hi N a 1111111 einberufeue Versammlung maliger Alllmiec-Schiiler" zwecks Gründung ein״ , besonderen Vereinigung statt, per Obcrr.ibhintt hielt eine französische Rede, in «1er er auf du• '1 keit der ״Alliance" in der Tiirkei Imiwies 1,:.! Notwendigkeit eines Zusammenschlusses der datn;!!,.; j: gen ״Alli.mce"-Zoglinge zur Stärkung üCs i J 11 den t ums in der Türkei hervorhob. ו l;.vl : der jungen Generation befänden sich auch «׳,!:|lt .luden, die das Judentum und seine Verg.1׳ .; :Ki; nicht kannten und sich von ihm mit Veracht״! g wendeten. Pie neue Vereinigung imisse : streben, die Kenntnis und Schatz 1111,־! Judentums zu verbreiten. In der Versammlung :,■ן1 .]!!,ן;; es auch nicht an einer Kritik der Albane•: - י Bin Spaniole wies auf die Mängel der Alliance•;- hU,׳! namentlich in bezug auf den Unterricht nt. brüiselieu und Türkischen lim, und \;1H den Antrag, «lall die ncuzubegriiiHleiuk• \W einen Se 11 u I i n s pc k t o r ernenne. Auf \< :!!,״• des Chaeliambasclii wurde dann ein Komitee g;1111, das einen Statuten- und Programmenlu יחוו t|;l i neue Gesellschaft ausarbeiten soll. : PflLfl65TINA*RUMDSCH׳':U : j Die Wahlen zur JcrtiGil •inzr mi/.ip; i!a : j Am 28. Pehriiar wurden die Wahlen zu er 1 .1 c r 11 s u I c m e r B c I a d i c tStaiitruO nbgesch! c!> die für die jüdische Bevölkerung ein g.ל.־;. •:!׳ . Resultat ergaben. Von den inni gewühlten Gu! k i.iteu sind J M o 11 u ווו in e d a 11 e 1 mul ä I t. , f | Per ganze (iemcimlerat bestellt aus Hi Mitglu j Pie indischen Gemeiiuler.itc sind: pawid .11!, ן ן hchi,melier Schriftsteller und I.einer am Senium!ס I I tilisVereins, gewählt mit 3>2. Radium) Mist.! u! gew ählt mit 385 und Josei BI j a s c 11 c r. gewah!!1 ׳ 3>7 Stimmen. Pa die Zahl der jmhwlicn Wahle:!:« ges ollt ca. 3läl betrugen bat. so liaheii. wie ans!;! Walilresultat liei voigelit. auch iiicliljiidisclic V>.! für die jüdischen Kandidaten ihre Minimen nbgeg•? Pic gewalilteit 2 n i e 11 t j u d i s c 11 e 11 Vertreter!es Gcmeiiidcrats. Hussein el lliisseni und I i II i m N e g i b sind bekannte I1!:er.1l denkende ne jiideni'remulhclie Männer. Zum ersten Mal erreicht «tm«:11 diese Wald '•! jüdische ottoinanisclie Bcvolkei 1mg Jerusalems a ihrer Zalil aiui.diernd e 111 s!> r c c 11 e 11 d e \ ׳ :; tretung im t jemeiiulei at. Pie neuen Mi :gl.•, v der Kommune haben eine vierjährige Amts/.eit ׳.<•: sieh. Ziiiii Ras il Beladt« (lii.rgernieisier) Hussein el Hussein, der sieh ailgcinct Sympathien erfreut, gewählt worden. [ .l'.iiht. Pas Hebräische Gymnasium In Jahn sc anstaltcte diese Tage einen gröberen Ausflug, an l«•;; 11) Lehrer und 45 Schiller tciinalimeii. Sie ז! י .schienen, am frühen Morgen nach den Kol• : a: R i s c h (»11 I c Z i o n , \V a d i i I C 11 a n :!; Rcchoboth und Bkron. In B k r 11 ״ u! •eruachteleu sie und gingen von dort Donnerstag :!<1! nach dem Herz. Iwald in Hulda. Donner':.!. abends kamen sic nach Artuf, wo sie von der. Kolonisten, die bekanntlich bulgarische Sefardim s ac : sehr herzlich empfangen wurden. Freitag früh 1111 :;en sie, in froher Stimmung über das Gesehene, mit de: . Biscubalm nach Jaffa zurück. : Man schreibt uns aus Jerusalem: Bine hiesige höhere Schule, eine Handels:...!• schule sucht einen Oberlehrer oder caml. plul. I.ehrbcfähigimg für Branzi siscli mul Buglisch und weg späht er nach l.aiul. Wie furchtbar. I'.r :> sich nicht retten können, der Zorn des gr Schöpfers wird ihn und sein Weil! ertränken. 1■ .־!: ist wirklich überall ein solch grausiges Ge sc: .V Nein, seht her, seht den Snbbalhfriedeti. den ׳ " j ׳ sGhcr hehiitet; ihm z.ur Seite stehen zwei Buge' ••at | J breiten Flügeln und mit geschlossenen Fullen in .!1• ן! mutiger Andacht, und unten wandelt der Mensc in j; Frieden und Liebe. Hort aber sehe ich die I!,c { I in ihrem heraiischcndcn Frühling und ihrer Unsc' M. L | ein Vmgesang zum Hohen Lied, dort in ihrer dm';'.e»; | Zartheit, wenn Jakob Ralicl mnschlingt. und »' m j wieder in der ganzen väterlichen Innigkeit, v .:in ז { i Abraham, der einmal so vertrauend in die Stern! ׳» , j J seinem Gott aufsieht, hier des Knaben Isaak 1’ ■ud ־ j; zärtlich külit. Dann aber sahen mich zwei g: de ן ו Augen an, Ssilamith, das entlaufene Schäfchen ml { » d«׳m Arm. — Andere Besucher kamen und st••: cd { . mich. Ich ging weiter und wählte weiter. Aron v׳u ן , dem Altar, ein Bild, aus dem die Andacht.;•■־»!׳ I : jüdische, selbstvergessene Andacht redet. Alle Te ' anderen Bilder vom Ghetto, diese aber wählte ich; nicht. Doch die Zeichnungen aus dem Laude iiiim ■׳cf j Väter habe ich gesehen und unter ihnen gewählt: , dann ging ich nochmals zurück, um eine engere WMil f ׳ zu treffen. Penn Lilictis strenge Linie und sein«' j grolle Kunst, die bewirken, dall man seine Schöpfungen ׳ j unter tausend anderen mit voller Sicherheit heraus• 1 1 erkennt, machen einem die Wald gar nicht leicht. | j scheint mir unnötig, hier über jüdische Kirnst 1! ״•׳ schreiben, Ich fühle mich auch gar nicht dazu berufen• 1 ן Bs läflt mich kalt, wenn cs meinethalben keine jüdische!J I

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