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Jüdische Rundschau · 1910-03-18 · Heft 11 (18.3.1910) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 11 (18.3.1910)
Date
1910-03-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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JUEP ISCHE RUNDSCHAU Seite 123. No. H ._ [11 r Sic. Jeיל ״״« liabcn nicht allzu Angenehmes übersehen. Uns ist es weniger gut gegangen. Also: wir u״d Sic liabcn leider in diesem Punkt nicht dieselbe Anschauung. Z״'״ Politischen. Wir haben doch auch dasselbe politische Programm? Ich stocke wieder. Ja, welches ist denn eigentlich Ihr und Ihrer Freunde politisches Programm? Lassen bie mich Ihnen sagen, was ich Ihnen, den einte reu ״I olitischen", schon vor drei Jahren n.icli Hresl.in sagte: Ich kann Ihr Programm trotz. lu'iHein Bemühen nicht fcststcllcn. Eine Grund- Ijce, ich "eilt, war jener diplomatische Cliartcrisinus u*c!וווו in recht mystisch-unklaren Wendungen Ihr Wortführer Alexander Marmorck vorzutragen pflegte Dazu waren die einen im Prinzip {«r ein Nachtasyl- Land, andere gehörten der JT O-Organisation an. sic waren auch allesamt gegen reelltlich nicht gcsicltcrtc Arbeit m Palästina. Hut sich aus diesen Urncbcln {!was .iiuleres herat»sKr> stallisicrt. und was ist dieses - Austrittsmeldung ... weil! nur oder schien cs mir so. dall;er Zionismus‘• ttacli der Konstitution in der aa.l vor dem letzten Kongreil nach aullcn sich!.׳.׳.äs forcierten: ״Gegen jede Aenderung des!,lograiiims“ manifestierte, das sozusagen all- . ivmgrelSparole wurde, übrigens die einzige, die Abstreichung des Passus von den .'-Zustimmungen“ waren, wurden für 0 die öffentlich-rechtliche Sicherung intcricscn wollten, für Clunvcxvc-Zionistcn ereh seihst hatte das Vergnügen, dall mir der , ' ״!'gesprochen wurde, weil ich die Möglich- . .'11/.crunitäts-Vcrhältnisscs leugnete. Gut. u warf den Charter in die eine Ecke. die '-Zustimmungen in die andere, und die ganze aienpoiitik ward ein Häufelten Asche und echten stürmisch Beifall, und nun sind sic Ich (innere mich an ein Detail: Als nach der Konstitut :! m der ersten A.-K.-Sitzung Idclson und ich lehii. ׳ für eilte von Grund aus zu ändernde Taktik. 1 . Arbeit int Volk, Aufklärung usw. in der Türkei v; .t;.1 teil, da wurde ich (mit einem höflichen Komplm c! :• vom Präsidenten des A.-K. unterbrochen: Ks sei uiiK׳•:reiflich, wie iclt so ״unsachlich“ sprechen könne. I'.mmls war nach undiplomatischer Kunst noch ein Konen.•׳ in Konstantinopci eine politische Aktion. (Hei Nord.m liest sich's ja anders.) Nun, die wirklich primitive, v. n Idclson und mir damals verfochtene Weisheit Nt ja jetzt ״Gemeingut", ist sie’s? Wenn sie cs ist, v, um auch Sie und alle Ihre Freunde der Meinung sind, dall die Politik nicht Sache eines, sondern das Resultat der Arbeit vieler sei, wenn Sic in diesem Sinne jetzt politische Zionisten sind, dann mache ich Ihnen den viel schwereren Vorwurf, dall Sie nicht nur an dieser Arbeit nicht tcilnchmcn, soweit sie von hier aus erfolgen kann, ihre Voraus- Setzungen melit studieren, dall die deutschen Zionisten in ihrer Mehrheit dafür überhaupt kein Interesse haben. Wurden Sie sich darum bekümmern, Sic würden vielleicht schnell verstehen, wie sehr cs nötig war. den Punkt klar zu formulieren als einen, der sich in Wahrheit erst durchsetzen muH im Zionismus. Denn, leider muH cs gesagt werden, der alte Geist seht noch um, und die unverantwortliche Politik Einzelner verpfuscht im Augenblick, was fünfzig Hände muhsani zusammengebracht liabcn. Audi unser Grundsatz, der der Palästina-Arbeit xilt. rennt nach Ihrer Meinung offene Türen ein. Da nt in Ihren Ausführungen ein Passus, verehrter Herr «tcrinann, dessentwegen man Urnen wirklich böse werden könnte. Sie wenden sicli nn die ״zu groHen 0״!gen sich berufen fühlenden" Faktoren in Palästina,!.sie mögen doch aus ihrer Verborgenheit herausiretcn und uns sagen, was bisher an praktischer Arbeit versäumt wurde." Gerade Sie hätten solches nicht sagen dürfen. Herr Estermann, zur Zelt, als cs noch ein schweres Stück Mühe kostete. In der ״Welt" auch nur das Wort ״praktische Arbeit" unterzubringen, als Ihre ״politischen" Freunde die Herren woiffsohn, Marmorck, Greenberg als Männer ihres Vertrauens die politische Fahne hochlmltcn licHcn und die rechtliche Sicherung aller Arbeit In Palästina verlangten, als die Zionisten in der JTO jede Arbeits- }Möglichkeit in Palästina mit Fanatismus bestritten, zu lener Zeit erstand im Osten eine neue Pionicr-Bc- 1)'11»( — «י ■ו ו■■".,;..■ .... ״11 ■ »aiM Versammlungskalenden Berlin, Verbindung Im K. Z. V. ״Ilasiuonaca" und Freier Zionistischer Diskussionsklub. Dienstag, 22. Mürz.־) Berlin. Vereinigte zionistische und liidlsclinatlonale Organisationen Groß-Berlins. 26. März.*) Charlottcnbiirg. Zionistische Ortsgruppe Charlottenbürg. Mittwoch, 23. Mürz.*) Hamburg. Turn verein Uar-Kochha. 20. Mürz, Ausflug der Mitglieder. Treffpunkt 3 Uhr nachm. Balmhof Ohlsdorf. Hamburg. Jargon-Vortrag J. Flclschntann. 20. März, abends 8 Uhr, Logenheim. Hamburg. Zionistische Ortsgruppe. 22. März, abends 9 Uhr, Logenheim. Hamburg. Zionistische Ortsgruppe. 28. März, 2'A bis 7 Uhr nachm., Purim-Kinderfest. *) Näheres slcito Verelus-Rimdscliau.) *%<j *־“■׳ wegung mit manchen dem Bilu-Pioniertum verwandten Zügen. Sic fragen, was versäumt wurde? Alles wurde versäumt, und dank wem? Diese Pionicr-Bcwegung, der der offizielle Zionismus nichts entgegenzubringen hatte, ist allmählich erstickt — ein psychologisch bedeutsamer Moment wurde kläglich verpaßt. Nach der Konstitution in der Türkei : kam ein neuer Hochgang des Wellenschlages. Ich war damals einige Monate in Rullland, ich habe cs gesehen: cs war der Moment da, für ein Agrarinstitut groRc Mittel zu schaffen, wie immer die vorläufige juristische Form gewesen wäre. Was wurde versäumt? Alles. Zum zweiten Mal wurde ein kostbarer psychologischer Moment kläglich verpaßt. Aber jetzt figuriert ja die Agrarbank im Arbeitsplan — und der Präsident fragt harmlos: Hier ist mein Programm, — wo ist das Programm der Opposition? Und wenn Sic neugierig sind, die Faktoren in Palästina noch weiter auszufragen, so werden Sic von ihnen die betrübende Mitteilung erhalten, daß sic von der zionistischen Organisation (gelinde gesagt) herzlieh wenig erwarten. Ja, so ist cs. ob cs auch schmerzlich ist, cs auszusprechen. Erst lief) man sic warten, weil die rechtliche Sicherheit fehlte, sic merkten allmählich, daß auch die innere Sicherheit fehlte. Hätten die Leute den Vertreter des Hapocl Hazoir auf dem Kongresse verstanden, es hätte ihnen rot ins Gesicht steigen müssen. Solange Sic auf ihren rechtlichen Sicherheiten herumrltten, hatten Sic die Bank ais Tat. Zerlegen Sic sie in ihre Filialen, machen Sic Statistiken und Tabellen, nützen Sie alles, was Kanu anfaiiticn sollen. Und deshalb frage er sie m Rat: Wann? I’tu! Scol denkt nicht lange nach und sagt: ־־ Heli, lieber Mann, und sag’ dem Herrchen, t'aß di! die sieben guten Jahre jetzt gleich haben willst! - Aber warum, Seol? fragt Tewja verwunden, nach sieben Jahren verfallen wir ja wieder der Annut, und der Heruntergekommene schwerer, wie der einfache Arme? — ־ Hu kannst nicht alles aussorgen, mein 1׳eher ,Amin. Nimm vorläufig, was dir gegeben wird und sage: Gelobt sei Gott Tag für Tagt 0nd h« Minders, wo man Schulgeld für die Kinder braucht. Man hat sic mir heute nach Hause goeäickt. Da sich, wie sie im Sande spielen. Das genügte um Tewja in Trab zu setzen, er brachte dem deutschen Herrchen die Antwort, er wolle die guten sieben Jahre 1er Stelle haben. Da sagte das Herrchen: ־־־ Ucbcrlcg’s dir noch, Tewja. Jetzt bist oeli ein kräftiger Mann und kannst dir was enen, einmal mehr, einmal weniger . . . pochst du aber später, wenn du alt wißt dann herunterkommst und keine Kraft mehr Arbeiten hast? — Doch Tewja antwortete: — Meine Frau Scol will’s gleich haben. Erstens sagt sie, gelobt sei Gott Tag für Tag und mag nicht für spätere Zeiten sorgen, und zweitens hat man uns die Kinder aus der Schule nach Hause geschickt!. . . — Wenn es so ist, — meinte das Herrchen, — so geh״ nach Hause und noch bevor du die Schwelle deines Hauses übeßchritten hast, bist du ein reicher Mann 1 Gerade wollte Tewia wegen der sieben re noch einmal um Bescheid fragen, da war das Herrchen auf einmal entschwunden. So ging er denn nach Haus. Tewja wohnte, schon erzählt war, außerhalb der Stadt, beiauf freiem Felde. Wie er in die Nähe des!seitens kommt, sieht er die Kinder am Häus- 1 im Saude spielen, und wie er noch näher mit sieht er, wie sic aus einer kleinen Grube d schaufeln, keinen Sand, sondern reines d, ganz echtes Gold. .. Mehr brauchte man irlich nicht. Die sieben Jahre hatten ange- _ ״liirHifhcn fahre. . . Die Zeit fliegt aber, wie ein Pfeil aus dem Bogen und sieben Jahre vergehen geschwind. Nach sieben Jahren kommt das deutsche Herrchen zu Tewja, um ihm mitzuteilen, die sieben Jahre seien um und daß noch am selben Abend 1 daran wertvoll und nützlich ist, aus! Gut. Aber um Hinuuclswillcn, ist das die ״praktische Arbeit in Palästina," etwas, was ein kleiner Bruchteil ist vom Allcrnotwcndigstcn? Denken Sic einen Augenblick daran, daß der ״Hilfsvcrcin" in vier Jahren ein System von 20 Schulen fundieren konnte mit einem Technikum als Krönung — und vielleicht verstehen Sie dann, was die Zionisten indessen getan haben müßten! Und weil wir von dem Wortiührcr derer, die, wie die ״Welt" nach dem Kongresse schrieb, ״die Palästinaarbeit bis vor kurzem für verfrüht, zwecklos oder schädlich hielten," weil wir von Norduu, dessen Rede Woiffsohn in allen Punkten zu unterschreiben erklärte, auf dem Kongresse die bczeichnende Bewertung der Palästinaarbeit hörten: ״Wenn man will, mag man auch In Palästina arbeiten.“ weil w i r Palästina - P i o n i c r t u in wollen, deswegen haben wir allen früheren Gegnern und allen, die Jetzt noch ohne innere Sicherheit der Palästinaarbeit gcgcniiberstchen, unseren Satz von der wirkliehen Arbeit in Palästina, der Arbeit in i t den Palästinensern cntgcgcnzuhaltcn das Recht. Der Arbeit mit den Palästinensern. Alle Delegierten aus Palästina gehörten diesmal zum links.cn Flügel der Opposition, und sie zogen sehr trübe vom Kongreß. Denken Sic darüber nach! Es steht jenseits unseres Aufrufs. Aber wir beide sind uns darüber einig: Gegen die 19 kann der Zionismus regieren, manche mögen glauben, daß er auch gegen Rußland regieren kann — gegen Palästina kann er nicht regieren. Wird da das Band cntzwcigcrisscn, dann ist's der Anfang vom Ende. Bei der vierten These unseres Aufrufes, die die Leitung des Zionismus durch ein kollegiales E. A. K. und das in seinen Funktionen nicht zu beschränkende Große A.-K. fordert, glauben Sie es nur mit einer Statutenfragc zu tun zu haben. Für mich ist’s eine ganze zionistische Anschauung, die dahinter steckt. Sic stellen sich offenbar mit Ihren Freunden den Zionistnus als Organisationsform und Bewegung von so müßigem Umfange vor, dall eine Person für Sic nusrciclit. Ilm zu leiten. Für mich ist's eine Suche von solcher Grölte, Verantwortung und Schwierigkeit, daß ich ,רIle Energien, die wir haben, noch gerade für das Minimum halte, das den Bau tragen muß. Ein Unterschied im Augenmaß, wie? Aber eine Bewegung kann so bei Hurrarufen und Od-lo-owdo-Singcn langsam zermürbt werden. Ein schmaler Trost, wenn wir nach ein paar Jahren dann wieder von Ihnen zu hören bekommen werden: In der Organisationslragc denken wir genau so wie . . . Und nun zum Schluß ein Wort, mein verehrter Herr Estermann: Sie wollen Verständigung? Sic sollen mehr haben, Ruhe, Frieden, was Sic wollen! Ich versichere Ihnen, cs gibt manche unter den 19, die milde sind des Schreiens ״nd vom Schreien. Aber: Klarheit und Wahrheit! Machen Sic einen Strich unters Vergangene — meinetwegen! Aber für die Zukunft setzen Sie sich ein klares Programm, ein eindeutiges, der Poiitik, der Arbeit in Palästina, der Orgunisationslcitung, das den Zionismus vorwärts bringen kann, und arbeiten Sic nach diesem Progranim — Sie werden die ״Kampf-Organisation" zur Mitarbeit bereit finden. Bleibt’s beim alten Weg — dann muß, wie leider schon seit einer Reihe von Jahren, die nächste Etappe des Eingeständnisses früherer Irrtümer durch unseren Kampf für Sic erreicht werden. Ich grüße Sie herzlichst. Ihr ergebener B e r t h 01 d F c i w c 1. das Gold in der Erde verschwinden wird, ebenso das Gold im Hause und sogar das, was sie bei Nachbarsleuten vcßteckt haben können. . . Da trifft er Tewja, wie vor sieben Jahren, mitten auf dem Marktplatz, die Rockschöße an den Hüften hochgesteckt und nach Arbeit ausschauend. Und das Herrchen sagt: Höre, Tewja, die sieben Jahre sind vorbei. Doch Tewja antwortet: Geh' und sag’ es meiner Frau Seol, denn das ganze Reichtum war die ganzen sieben Jahre hindurch in ihren Händen gewesen. So gehen sie beide aus der Stadt hinaus und kommen an dieselbe Lehmhütte auf dem Felde und treffen Seol vor der Tür. Auch sie ist ebenso ärmlich gekleidet, wie einst, nur ihr Gesicht lächelt. Und das Herrchen sagt ihr mit denselben Worten, die sieben Jahre seien vorüber. Antwortet ihm Seol, sie hätten noch kein gutes Jahr gehabt. Sie hätten das Geld nie als fir Eigentum angesehen, denn nur was ein Mensch mit seinen zehn Fingern erarbeitet, darf er als sein Eigentum betrachten. Aber ein Reichtum an dem kein Schweiß klebt und der ungesucht kommt, ist nur ein Pfand, das der liebe Gott in eines Menschen Hände legt, um es armen Leuten zukommen zu lassen. . . Sie hat von

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