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Jüdische Rundschau · 1910-03-18 · Heft 11 (18.3.1910) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 11 (18.3.1910)
Date
1910-03-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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No.!ן, Seile 122. Hin 1 ilick in die Annoncen vieler Paclihlütter, von denen bisweilen über 50 Prozent für .luden gesperrt sind, 11,ts im Archiv des Xcnti'iilvereius Peiiisclier Staatsbürger jüdischen (ll.mhens seil .l.ilncn gesammelte Material, sowie eine P.miuele, die das Pril* sidium des Hundes Jüdischer Korporationen in kleinem Umiange unter jüdischen Akademikern veranstaltete, bestätigen die obigen Behauptungen in erschreckender Weise. Angesichts des geschilderten Notstandes ist die Selbsthilfe der einzig windige und gangbare Weg. Auf die Initiative des Bundes Jüdischer Korporationen ist durch eine Anzahl in» jüdischen Leben!־lettischlands prominenter Persönlichkeiten ein Arbeitsamt für jüdische Akademiker als ein gemeinnütziger Verein gegründet worden.") Die Tätigkeit des Arbeitsamtes, die sämtlielieit akademischen Berufszweigen zugute kommen soll, erstreckt sieh durch die Mitwirkung von Vertrauensleuteii an allen wichtigen Platzen über ganz Deutsch• laiui. Da die Beschaltung eines einwandsfreien statistischen Materials, uas als Urundlage für Besehwerden und Interpellationen dienen kann, die erste Aufgabe des Amtes sein wird, so ist es dringend ge* holen, alle diesbezüglichen persönlichen l!rfahnmgcn sofort dem Bureau mitzuteilen. Der zweite Punkt der Tätigkeit ltmfaüt die Vermittlung von vorübergehenden Beschäftigungen und dauernden Stellungen. In dem heutigen Verkehrsbetriebe ist Arbeit suchen selbst eine mit erheblichen Kosten an Zeit und (leid verknüpfte Arbeit. Jede Verniittbiug vermindert durch Ztisaimiienfülirung!lassender Angeböte und Nachfragen fiir beide Teile diese Arbeit, ohne im allgemeinen die Zahl der Arbeitsgelegenheiten zu vergröltern. Das Arbeitsamt wird infolge seiner Tendenz in erheblichem Malte auch das letztere tun: denn der Appell an das jüdisch-soziale Pflichtgefühl, beim Angebot gleich tüchtiger Kräfte den Stamioesgeitossen zu bevorzugen, kam! nicht vergeblich sein. Schlichlieh harrt der neuen Organisation als letzte Aufgabe eine umfassende Atiskiinftserteiliing. Durch Zcntralisierung der bezüglichen Hrfalirungen und kartographisch geführte Statistiken wird das Amt dem jüdischen Akademiker vom Begum seines Studiums bis zum P.rgrcifcn einer Lebensstellung ein wertvoller Ratgeber in vielen Dingen sein: angeführt seien mir: Wahl des Studiums. Studümtsverliiilmisse an den einzelnen Universitäten; Krankenhäuser tut־ den Medizinalpraktikanten und Publiken für den Maschinen• hau Volontär, die keine Juden abweisen; für Röteren* da re zur Portbildung geeignete Orte, Niederlassimgsnüiglielikeiteu für Juristen, Mediziner, Apotheker; Niederlassttngs- und Anstclhingshcdingimgcn im Auslande etc. Soweit sich die Tätigkeitsgebiete berühren, stellt übrigens die nette Organisation in freundschaftlichem Hiiivcrnehmcn mit dem von den Berliner Logen U.O.B.B. gegründeten, auf Berlin seihst beschränkten Verein für Arbeitsnachweis. Soll das Arbeitsamt seine Aufgabe erfüllen, so ist es auf die moralische und finanzielle Hilfe ’) Das Bureau des Arbeitsamtes für jüdische Akademiker beändet sich in Berlin, C. 2, An der Spand.iuerbrücke 15 I. Mit Ausnahme von Sonnabend und Sonntag täglich geöffnet von י)! und •1 -7 Uhr. JUEDISCHK RUNDSCHAU ■< weitester jüdischer Kreise angewiesen. Plirenpflicht! zum mindesten jedes Akademikers in gesicherter l.olnmsstelhmg Ist es, durch schien Beitritt eine Organisation zu 1mlerstiliz.cn, die dem jüngeren und weniger glücklichen Kollegen den Daseinskampf erleichtern will.*) Die ״Kampforganisation“ Ulte Antwort na Herrn liHternuiiui. Lieber Herr Lstermann, mein freundlicher Nachi bar im Pcniianetizanssehull, ich wollte die (klcgen- J heit, einem geschätzten Oegncr antworten zu dürfen, hei dem in.111 nicht befürchten 11111I1, iiiiltverstauden zu! werden, und wäre man auch ein bibchen scharf, nicht! vorübergehen lassen. Darum komme ich heule auf 1 Ihren vorwöchigen Artikel ״Zum Aufruf“ zurück. Allerdings inullte ich vorher das grolle Bedenken 1 ztiriiekdrängen, den Lesern der ״Jüdischen Kundschau" zu viel Lesematerial zu/.iimiiten ־ . aller diesmal geht’s eben nicht anders und für die Zukunft werde ich mich bestimmt bessern. Sie hielten es fiir Ihre Pflicht, die westeuroliäiselien < iesiniiinigsgeiiosseii vor der neuen ״K a m p t - O r g a n i s a t i 0 n" zu warnen. Das W ort stammt von Unten, ein Wort, das so recht darnach I angetan ist, das Volk graulich zu machen. Name ist ן Schall und Rauch. Wenn die Dinge schlecht siehcii mul sie stehen sehr schlecht . dann i.*t ein ' Schwächling oder ein Nichtsnutz, wer nicht dagegen! ankämpft. Wir sind zunächst 19 Leute unter einem ■ | Aufruf. Neunen Sie uns Kampf-Organisation, Proiulc. 1 1 Revolution.ne es wird uns nicht irre machen.! Aber um der Aufrichtigkeit willen, tun Sie doch nicht!’ so als wür's ein P.infall von Wölfen in eine friedlichj harmlose Herde. Nicht wahr, Sie erinnern sich noch I an einen .,Vorhand der politischen Zionisten Deutsch-! ■ lands", der ״nichts tkringcres" bezweckte, als gegen I die Beschlüsse des VII. Kongresses zu arbeiten, der I I gegen die praktische Palästinaarheit und für die!!rin- I j zipicllo Möglichkeit einer anderen Lamlbesiedbing < neben Palästina auf trat? Wir wenden uns gegen die J schlechte, gegen die Nicht-Durchfühnmg von Kon- . greUbescliliissen, S i e standen damals gegen den Kongrell, gegen die Organisation auf. Der Unterschied ist nicht iinbeträehtlieli. Jedenfalls es stellt Ihnen nicht gut an. so ostentativ die Sturmglocke zu zielten und ״Kampf-Organisation!" zu schreien zmii Schrecken aller ITiedlicbeudcn. Nun haben Sie zwar das l'.ine für sich, dall Sie fiir die ״Majorität" sprechen, die immer ein natürliches Interesse hat, für die P.inheit, das hciilt für ihren Malus einzntreten. Ich will nicht darüber streiten, ob Sie die quantitative. ob Sie die qualitative oder ob Sie vielleicht keine der beiden Majoritäten halten. Ilabeas! Aller eines muH man doch von denen, die sich jetzt in Berlin-Capstadt, in .! ) Dem Vorstände geboren zur Zeit an: Och. J Sanitätsrat Dr. Maret/ki als 1. Vorsitzender, Diplom• Ingenieur Max Berlowitz als 2. Vorsitzender, Rechtsanwalt Dr. Blau als 5. Vorsitzender, Rechtsanwalt Dr. Pineus und Rechtsanwalt Dr. Holländer als Schriftführer. Rechtsanwalt Hohlstein und Dr. Walter Munk als Schatzmeister und Dr. Max tiinsberg. Anfragen und Beitrittserklärungen sind zu richten an das Bureau des ״Arbeitsamtes für jüdische Akademiker". An der Spandauerbriicke 15 1. •- Spenden und Beiträge nimmt der Schatzmeister, Herr Rechtsanwalt Cloidstein, in Pirma Jarislowskv Co.. Uni- 1 versitätsstr. .)11, entgegen. Durch Zahlung von min- destetts 15(1 Mark wird die lebenslängliche, von 3( 111 Mark die immerwährende Mitgliedschaft er- I t worben; der Jahresbeitrag beträgt mindestens 5 Mk. I Il.imhmg-Johatinishurg. in I o.scn oder sonstwo S(l behaglich-stolz in den Regiermigs-Patueinls i״ls. strecken, erwarten: Dali sie groUtn-r/ig gn״,;; Ml|( weiden, nicht ganz zu veigessen, wem sie die M״״ liehkeit, auf einem Zionisten-Kongresse M.iii-ri!,!! /u bilden, eigentlich vor allem zu danken haben. wahr, wenn es nach dein Willen des Blocks vu!!, VII. Koiigreli gegangen wäre, der von Z.mgwiil ״|,cr die deutschen ״Politischen" bis Axviimw itzkv .v!1!c imd nach der Ueberzeiigimg. die ein deutsein 1 nisl in einem mir unverweltlichen Dillivr.iinlnis ,״ ,!K. Wolle Kleidete: ״Der Zionismus hatte bishei w irklich positives Brgeimis den Itoismus". c״״ nicht die ״berufsmälligci; Oppositionsinaclie 1 cm wenig sehr fest bei der Stange gehalten 11.1 ׳ •׳ :! ineht wenige von Ihren Preimdeii satten heim \!cj. leicht in einem Kyrettäa-Cotmcil, und ich w,., ts nicht an.szudenkcn, vielleicht sogar in der .Mn Viel, viel mehr iiuch als Ihnen empfehle ich gi andern Maioritätstrtmkeiien die nachdenkliche I. t dieser letzten Periode. Wir aber wollen tu. vvr. ständigen: Warnen Sie nicht zu emphatisch und v״. suchen Sie in historischer (iereehligkeit dem Oed Lvn Raum zu geben, dali die ״Minorität" etwas w:. v!n Anrecht auf ihre MeintingsüulScrung hat. Ich war leider gezwungen und werde es j! sein, auf Vergangenes ztirückzukommeii. Ich 1 ״ höchst ungern. Aber ich hin immer mehr zur l .r. Zeugung gekommen, dall es diese direkt letlu. ,::c l'äliigkeit /um All-Vergessen ist. die die de!! , |,c Laiidsinaiinschait bei ihren Kongreli-I'elilern mit « so erstaunlichen Mall von Selbstsicherheit |cr Sclbsthewiiittsein ausgestattet hat. Hat sich auch bei Hute», verehrter Herr I. ,ך. manu, die Prinnerung an Vergangenes otieiilur .n ׳,־!•- ordentlich verflüchtigt, so scheint Ihr Blick rs (iegenwärtige sich umso mehr geschärft zu I!,. ,׳״!. Sie haben die 19 durchschaut. Unser Ai ״!. sagen Sie, ״hat trotz aller schonen Worte von 1> moderner Politik offensichtlich keinen ar,?!! Zw eck, als die Beseitigung des derzeitigen Prasidu \״ und ,allenfalls' auch noch die Verlegung der Ze:1::.!e nach Berlin." Ich gebe Ihnen irei. einem P.iii/1 ,1. zu miierschiebcn. er sage ilas. aber meine 1-. s. Aber ich mul» gerade bei Ihnen meine lebhafte wtmdermig darüber aiisdruckcn. dall Sie 10 l'ers. die nach sehr reiflicher Ucbcrlegung einige ן graiiunatische l'ordcrungcn formulieren, unterste!.1: ׳. dall ihre Thesen fiir sie nur schöne Worte sind , 1! eines oder zweier praktischer Zwecke willen. D! w Argumentation mag auf eine auf den Hurra-Ton ... stimmte Menge ihre Wirkung nicht versagen, aber ve Mellt, um mich Ihrer eigenen Worte zu hedieia u ״eine nicht ganz einwandfreie Taktik dar" mul m darum Ihrer nicht würdig. Aber sic war auch deswegen von Ihrer Seite nicht angebracht, weil Sie 1;r, paar Augenblicke spater die ״schönen Worte" .,!> allgemein anerkannte und von niemand bestrittene Orundsützc des Zionismus liinstelle״. gegen die 1!;• und Ihren Prettiulcn eine Gegnerschaft zu impuitcun. nicht fair wäre. Also wir Italien dieselbe» Uriindsätze? WirkLii und wahrhaftig? Niemand xviirdc sich mehr darüber freuen als unsere 19. Aber so ohne Nachprüfung kann matt das lei, ז nicht hmnelimcn. Prüfen wir! Ps tut mir leid, dall ich gleich beim ersten \\;• suche stocken muH. Sie haben in der Ost-Wcst-Pi.! v dieselbe Anschauung. Aber für Sic ist diese Pi.,״c nichts anderes als die Pcrsonen-Alternative \\.' solni-Ussischkin. Schekelzahler von l«m׳>!; hierzu vielleicht ztistimmeiul niekcit. Aber crlaul , :1 Sie mir, Urnen liier nicht weiter zu ioRcn. Ps g, c zu viel Zeilen. Sic belieben, den Ko!»i in den S. J zu stecken. Sie wissen von nichts -• desto bc^.r Die sieben guten Jahre! Von .1. 1.. Perez. i Aus dem Jüdischen v. Sania G ronctu an 11. Das ist eine Begebenheit, die sich in Turbin zutrtig. Ls war einmal in Turbin ein Träger, der J hieb Tcwiu und war sehr arm. Lünes Tages — j cs war am Donnerstag — stand er auf dem 1 Marktplatz, die Rockschüße unter den Strick geschoben, der um seine Hüften geschlagen war, und wartete und sclumte, woher ihm Hilfe käme, und er zum Sabbalh etwas verdienen könnte. Und rings umher standen die Uidcn leer. Kein Käufer ging ein, noch aus. Fs gab keine Ware zum Nachhause tragen. Da erhob Tcwja die : Augen zum I limmel in stillem Gebet, es möge ihm der Sabbalh nicht so verstört werden, daß seine Frau Seol und die Kinderchen am Sabbath J hungern müßten. Wie er so im Gebete dastcht, fühlt er plötzlieh, wie ihn einer am Rockschoße zieht. Fr blickt um sich und sieht ein deutsches Herrchen vor sich als Waldschütze auf Jägerart gekleidet, auf dem Hütchen eine Feder und grüne Aufschlüge auf dem Rock. Und das Herrchen spricht zu ihm in reinem Deutsch, wie folgt: — Höre, Tewja, sieben gute Jahre sind dir vom Schicksal beschieden, sieben Jahre voll Glück und Reichtum, voll Schätze von Gold. Von dir hängt es mir ab, wann die sieben Jahre beginnen sollen. Willst du, — dann erglänzt dein Glück noch heute, und bevor die Sonne, die jetzt über deinem Kopfe steht, untergeht, kannst du ganz Turbin mit Umgegend kaufen. Aber nach sieben lahrcn fällst du in die alte Armut zurück. Willst du aber, — dann kommt die gute, gesegnete Zeit erst am Ende deines Lebens, und du kannst die Welt als reichster Mann verlassen. — Wie es sich später herausstellte, war cs der Prophet Flihu, der sich seiner Gewohnheit nach in ein deutsches Herrchen verwandelt hatte, Tewja aber meinte — Gott verzeihe tausendmal dm Vergleich — es sei ein einfacher Zauberer und sagte daher: 7־ L iebes I leiTchcn, laß mich in Ruh', denn ich bin Galt behüte dich davor — ein sehr armer Mann, und habe keinen Heller für den Sabbalh, kann dich also für deinen Rat und deine Mühe nicht bezahlen. Als aber das deutsche Herrchen nicht nachließ und seine Worte zwei-, dreimal wiederholte, stieg die Sache Tewja zu Kopfe und er sagte: — Weißt du. liebes Herrchen, wenn du cs wirklich ernst mit mir meinst und nicht eines armen Mannes spottest, und mich im Ernste be-; fragst, dann muß ich dir gestehen, es ist mein.■; Gewohnheit, mich bei jeder Sache, die mir \י־»r-! kommt, mit meiner Frau Seol zu beraten und : daher kann ich dir ohne sie keine entscheidende i Antwort geben. ן Darauf sagt das Herrchen, es sei etwas sPu׳ j Gutes, die Frau stets um Rat zu fragen und mit ihm auch jetzt zu ihr zu gelten und sie zu De• fragen. Fr aber würde da stehen bleiben und auf Antwort warten. lewja sieht sich noch einmal nach alK!1 Seiten um, — keine Arbeit zu sehen. Da denkt er. er verliere doch nichts, wenn er nach Harne gehe und frage. F.r zieht also seine Roekschbde herab und geht zur Stadt hinaus, wo beinah schon im freien Felde seine Lehmhütte steht, um mit seiner Frau Seol zu überlegen. Wie Seol ihn durch die offene Tür — e> war Sommer — erblickt, denkt sie, er bringt ihr Handgeld zum Sabbath und läuft ihm mit großer Freude entgegen, doch er spricht: — Nein, Seol, der liebe Gott — gelobt sei sein Name, — hat mir noch kein 1 landgeUl be־ schieden, dafür aber ist ein deutsches Herrchen zu mir gekommen. . . Und er erzählt ihr den Vorgang. So und so, sagt das Herrchen. Sieben gute Jahre seien ihm beschieden und von seinem Willen hänge es ab, ob die guten Jahre jetzt oder vor seinem I leim•

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