Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 8 (25.2.1910)
- Date
- 1910-02-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2651657-2651666--06908-2664033- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Aleppo 1× ep/1047811
- Haifa 1× ep/1047930
OCR text
pALAe5TINA:RUNDSCHAU Wahlen In Jerusalem. Die Jerusalemer jüdische Bevölkerung ist letzt l״U den Vorbereitungen zu zweierlei Wahlen bcschädigt• In erster Reihe stehen die Wahlen für Jen Siadiraf (M u 11 i z I p a 1 i t ü t), die diesmal um so grossere Bedeutung haben, als cjtzt ausser fünf neuen Mitgliedern auch der R!)s Bclladic (Bürser• tneister) gewählt werden soll. Wahlberechtigt sind om Muhammedaner. .?00 Christen und über 300 Jude״.!■*IM ‘l;,l'cr *י• hotten, dass auch die jüdischen Wühler ihre Vertreter im Qcmcindcrat II(,Ih־,i werden. Die anderen Wahlen werden inner- 11.11b der jüdischen Gemeinde und zwar bei den Aschkcnasim stattfinden. Seit dem Hinscheiden Rabbi Samuel Salants wird dahin gearbeitet, einen von allen Klassen und Schichten anerkannten Waad zu wühlen, der das Vertrauen von Jerusalem wie auch der ausländischen Judcnhclt haben soll. Auf die Einladung der Unci-Brlth-Loge faiul in dieser Angelegenheit eine Besprechung von Delegierten aus 15 Vereinen statt. Zu einer end- Kiliigca Klärung ist man noch nicht gelangt. Pflege der hebräischen Sprache. Mit dem Jargon als Umgangssprache will ein seit «" ei Jahren in R i s c h 0 n I c Zion bestehender .111 4׳ c n d ץ e r e i n ״I* i r c h c 11 - Z i o 11” aufräume״• Der Verein hat sich die Pflege der hebrä*!sehe t Sprache auch ausserhalb der Schule, im biglicheii <-e.»rauche zur Aufgabe gemacht. Der Hafenbau In llalla. langem spricht nun davon, dass in Haifa cm II.!! cn angelegt werden soll. Obwohl man den haietü’•! stets als hold he vorstehenden bezeichnet«;, 151 j <c!< bis unlängst nichts in dieser Richtung gescliche:». Hrst in dics«'11 Tagen ist eine Kommission \on Ingenieuren aus K o n s t a n t i n 0 p e I hier an- Kdaiic:. ׳״•! die für den Hafenbau notwendigen VermcsMiiU'arbi;len vorziincluneu. Hs gc.vinnt somit Jen Ans.tu״״, dass der für den hiesigen Handel so miuu'.nu.• Hafen nun endlich gebaut werde׳.! wird. I in jüdischer Tierarzt In Galiläa, licri I. Sa m sono w, der in diesem Jahre in!’.ins die tierärztliche Hochschule absolviert hat, lut sich 1׳.1'<׳ in Haifa niedergelassen. Kr ist der Sohn eines Kolonisten am Chadarah und ist zugleich der erste jüdische Tierarzt in Palästina. Nach einem Abkommen, das er mit Cliadcrali ge* umicii lut. ist er verpflichtet, einmal wöchentlich dase kt>i1׳״ic zu besuchen, einen Kolonisten zu mierweisei:. wie min bei gewöhnlichen akuten Är.nikii 'it’.ti /!! verfahren habe und bei besonderen Anlässen .ms Haifa für 20 l־'rs. zu kommen, Herr Samson!.u bezieht von der Kolonie cm jäliilUlies Iiel1.il! von 90(1 l'rs, Reform der Talmud-Thorah. Ihe Ta Im ud-T 110r ah in Pc tbach- Tikwali befindet sich im laufenden Schuljahr unter der l.citung des Herrn Pr. Moses Auerbach aus Halbvrstadt. Es bestehen b Klassen mit insgesamt Pu Scliiil.r;;. Neben Bibel und Talmud, die dio Haup1«e.:e11stiiude bilden, wird noch hebräische tiraminatik. Rechnen, Naturkunde, Ocograpliic, Cie* schichte mul Vuhisch unterrichtet. In den untersten Klassen ,!.tuen die tägliche Unterrichtszeit ö Stun* dem in der obeicn 8 Stunden. Ausser der Talmud- IhoMii bt*.teilen ׳hm noch eine Knabenschule, eme M a d c h e n s c 11 u l c und ein Kinder* «arten. Audi in R i s c h o n 1 e Z i ״ n wurde, wie m einigen air.lercn Kolonien, in letzter Zelt die IjIiii u d •T h o r :1 h •S c h u I c wesentlich verlies- Hrt. Während bis jetzt nur im Jargon gelehrt "urdc. ist in diesem Jahre die Unacrrichtssprache, rni AiiMialinie des Talmudiinterrichts. die hebräische. Auch wird auf Ordnung und Sauberkeit bei den ^htilern :,.!id in den Scluilzimmcrti gehalten. Dieser Aandd zum Besseren ist hauptsächlich das Ver- •licrAt des Lehrers Kleis. Mlsrachlkolonlc. In der Jerusalemer jüdisch-orthodoxen Bcvöl- Kerum; ist ciu surLcr Drang bemerkbar, aus dem ׳״slieriueii beschaulichen Leben herauszutreten und ״l tat'gcr Arbeit in der Landwirtschaft über- *1״::he׳j. Ks haben sieb bis mmn zu diesen! Zwecke ׳J'ui Vereine. ״A s c 11 u s a 111" und ..K e 11111 n 111 Ji'colt׳. gebildet, die insgesamt zirka 5t) Mitglieder 11‘׳.'len mul bereits nicht unbctrüchltichc Summen in ״ur Ai.glo.paleslinc Company deponierten. Sic m,״en besonders von Milchwirtschaft, Q c ״׳id Geflügelzucht, die sic in der Aa״e von Jerusalem betreiben wollen, leben zu kön- "־י■" u«ul wollen zu diesem Zwecke eine besondere 1',׳Ionie gründen. I lektrlsclic Strnssenbahn In Bcyrulh. Seit 5־ Monaten gibt cs in ßcyruth eine clck- 1[1'«l> c S t r a s s c n b a h n. Die elektrische Kraft •'Hit sie aus dem Hundsfluss (Nähr il Kolb). In ה?«" Tal sie ein miiehtiges Stauwerk errichtet Hi" Huhn durchläuft alle Strassen von Ucyruth ׳״!u bildet besonders eine billige Verb ndung mit K.'Hievrutli, wo sieh das amerikanische College;Hindet. Der Kinheitspreis für eine Fahrt in der 1.״.c,lcn Klasse ist 10. in der ersten Klasse 15 Cen- ’״ w Anfänglich kamen einige Verunglückungen assanten vor. jetzt aber scheint sich das '״״likuin bereits an die Bahngewöhnt zu haben. Nach Damuskus Ist Beyrut die zweite syrische Staat, die eine elektrische Strnssenbahn hat. noffent- *if».ycrden bald die beiden nächsten grossen Städte, vor allem Aleppo und Jerusale m diesem Beispiele folgen. *VOM ZIONISMUS•:•:• Banksltzungen Am 13. Februar fanden im Haag Board-Sitzungen I der Anglo Palestlne Company und der Anglo Levantlnc Banking Company statt, an denen der Präsident des Direktoriums, Herr David Wo!ff so 11 n, sowie die Direktoren Kann und Co wen, der Manager Herr Hirsch, Herr Direktor Levontin aus Jaffa ' und auch Herr L. Kessler tcihiuhmcn. Aus den Beratungen des Direktoriums der A. P. C. ist bcsonders die Vorlage des Geschäftsberichts pro 1909 zu erwähnen, aus dem sich ergibt, dass die Geschäfte J der A. P. C. sich auch Im abgclaufcncn Jahre höchst befriedigend entwickelt haben. Die Summe der von ihr in palästinensischen Geschäften investierten Kapl* tallen hat sich gegen das Vorjahr uni 2 Millionen Fres., nämlich von 5 200 00 Fres. auf 7 200000 Fres. vermehrt. Das Direktorium beschloss, der Gcncralvcr- Sammlung die Verteilung einer Dividende von 4l/n % (wie im Vorjahre) vorzuschlagcn und dem Reservefonds reichliche Dotationen zuzuführen. Anfang voriger Woche fand in London unter dem Vorsitz des Präsidenten des Direktoriums, Herrn Dr. N. K a t z e n c I s 011, auch eine Dircktoriumsitzung des Jewish Colonial Trust statt. ftilletlungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinig, für Deutschland Wir veröffentlichen in dieser Nummer ein P u r i 111 f c s t s p i c 1, das uns Frau Dr. W a c h s n c r, Gross-Strchlitz, in liebenswürdiger Welse zur Verfilgung gestellt hat. Die Aufführung dieses Stückes ist nur denjenigen Ortsgruppen und Vereinen gestattet, die dem Jüdischen Nationalfonds oder der O c I b a u m s p c n d e eine grössere Zu- Wendung machen. Aufruf! Der Redaktion der ״J. R." geht folgender Aufruf mit dem Ersuchen um Veröffentlichung zu: Berlin, im Februar 1910. Der neunte Kongress, der zu ernster Zeit zusaminciilrat, hat sich der Bedeutung des Augenblicks und der Verantwortung, die auf ilun ruhte, leider nicht gewachsen gezeigt. Die tiefgreifenden Umgestaltung gen innerhalb des türkischen Staatswesens haben die zionistische Bewegung vor Krwägungen und Aufgaben von ausscrgcwöhnliclicr Wichtigkeit und Tragweite gestellt: Der Kongress war dazu berufen, über die wichtigsten Objekte der künftigen zionistischen Politik Klarheit zu schaffen, für einen voraussichtlich längeren Zeitabschnitt Wegweiser zu sein. Er war dazu berufen, angesichts einer so bedeutsamen wie folgenschweren Veränderung der äusseren Umstände, in einem vom Standpunkte unserer Bewegung vielleicht historisch zu nennenden Momente alle zionistischen Kräfte z u sa m m c n z u sc 111 i e s s c n. Die zionistische Anhängerschaft sollte, erfüllt von dem Bewusstsein des ganzen Ernstes der Situation, vor ein grosszügiges A r b c i t s p r o g r a m m gestellt werden, dem sic mit einer neuen, machtvollen Anspannung aller Energien, im System einer planvollen Arbeitsteilung zu dienen gehabt hätte. Der nennte Kongress hat demgegenüber völlig versagt. Er hat nichts anderes vermocht, als den Status quo ante bcizubchaltcn. Damit ist ein im höchsten Masse unerwünschter Zustand verlängert worden: Statt einer eindeutigen und klaren Politik müssen wir die Fortdauer eines programmatischen Kurses befürchten, der, von den Nachwirkungen der besonders in der Uganda-Periode krass licrvortrctcnden ״Politizismus” beeinflusst, durch Schwanken, durch Unklarheit, durch seine Vorliebe für ein schon lange unzcltgemüsses Diplomatisicrcn charakterisiert war. Ein Aktionssystem bleibt aufrcclitcrhaltcn, das direkt und indirekt die lebendigen und wesentlichsten Elemente zionistischer Tätigkeit, das palästinensische, das nationalkulturcllc und rcalpolitisclic zurückdrängt und das administrative Moment zum beherrschenden und regulierenden macht. Eine formale Burcautcchnik droht alles Höhere, alle geistigen und seelischen Triebkräfte aus dem Zionismus zu verbannen und eine ״Rcnaissancc־־-Bcwegung In einen Vcrwnltungsapparat zu verwandeln, dessen automatischer Abluul das Ringen um eine Innere Durchbildung und Kräftigung des Zionismus, die Initiative der Einzelnen und der Masse ersetzen soll. Dazu kommt ein O r g a n i s a 110 n s - systent, das absolut auf eine Einzelperson clngcrichtet durch die Ausschaltung einer grösseren Mitarbeiterschuft, vor allem durch die bewusste Aus- Schliessung des östlichen Judentums zur Verkümmerung der In der Organisation ruhenden Machtlaktorcrt und manchmal fast zur Sterilität führte. Um so beklagenswerter ist es, dass auf dem letzten Kongresse die schroffe und abweisende Haltung gegenüber dem ostjüdischcn Elemente eine solche Steigerung erfahren hat, dass auch das Innere Qclüge unserer Organisation dadurch aufs Empfindlichste gelockert wurde. Es ist jetzt nicht an der Zeit, über Verlorenes lange zu klagen, Uber Verfehltes sich durch langatmige Kritik zu beruhigen. Man muss vielmehr alle Mühe daran wenden, die schweren Schäden zu beseitigen und vor allem dafür zu sorgen, dass in der Periode bis zum zehnten Kongresse die Bewegung nicht all das büsse, was der neunte versäumt hat. Als ein unentbehrliches Mittel hierzu erscheint uns, dass alle die Zionisten, die den gegenwärtigen Zustand für anormal halten, sich Zusammenschlüssen. Die russische und österreichische Landsmannschaft haben ihrer Mehrheit nach auf dem Kongress ihren auf eine gründliche Reform hinziciendcn Willen bckündet und werden wohl auch jetzt in dem Bemühen fortfahren, ihren Prinzipien zum Durchbruch zu verhelfen. Wir können uns daher darauf beschränken (ohne in die administrative Form der bestehenden Organisationen störend cingrcifcn zu wollen), unsere engeren Gesinnungsgenossen ausserhalb Russlands und Oesterreichs zu gemeinsamer Aktion aufzurufen, also die mit uns übereinstimmenden Zionisten Deutschlands, Englands, Hollands, Belgiens, der Schweiz, der Türkei, Palästinas, Amerikas und anderer Länder. Wir halten es in diesem Augenblicke für entbchrlich, ein detailliertes Programm aufzustellcn. Wir haben vor allem das Aktuellste im Auge und formulieren im Nachfolgenden die vier Hauptthesen, die die wesentliche programmatische Grundlage unserer Bestrebungen bilden sollen. Es sind damit zugleich jene unterscheidenden Gesichtspunkte charaktcrisicrt. die, durch die leider so sehr persönliche Zuspitzung der Frage verdunkelt, in Wahrheit der Scheidung der Gruppen auf dem Kongress zugrunde liegen. I. Die innere Kraft der zionistischen Bewegung bcruht auf einer einheitlichen, geschlossenen nationalen Grundanschauuug. Sic kann nicht erhalten werden ohne gegenseitiges Verständnis, ohne Zusammena r b c i t und ohne f ru c 111 b a r e Wechsel- Wirkung zwischen O s t und West. Dieser unentbehrliche Zusammenhang, auch früher von der zionistischen Organisation noch lange nicht erreicht, ist in den letzten Jahren auf das Empfindlichste geschwächt worden. Der Streit zwischen Ost und West ist ebenso bedauerlich, wie cs im höchsten Interesse aller Bcteiligten liegt, ihn zu einem klaren Austrag zu bringen. Es ist ein bequemes Mittel, ihn auf persönliehe Motive zurückzuführen, den unseligen Riss, der sich zwischen Ost und West geöffnet hat, der sich immer mehr erweitert, durch schablonenhafte Parteischlugwortc erklären zu wollen. Es ist heute schon soweit gekommen, dass das Ostjudentum, noch immer vorn Pulsschlag des nationalen Judentums belebt, im Westen nicht nur ausgcschaltct, sondern nicht einmal mehr verstanden wird. Diesen gefährlichen Prozess, der unsere Organisation und unsere Sache aufs Schwerste bedroht, wollen wir aufzuhaltcn suchen. Durch Wort und Tat die Gemein- Schaft aufzubaucn, soll unsere vornehmste Aufgäbe *ein. 11. Die Palästinaarbeit bildet den Kern unserer politischen und praktischen Tätigkeit. Sic ist Voraussetzung und wesentliche Unterlage unserer Politik, die ohne sie erfolglos bleiben muss. Die Palästina-Arbeit ist in grosszügiger Weise zu führen, alle finanziellen und sonstigen Machtmittel der Organisation sind ihr in grösstmöglichcm Umfange zur Verfügung zu stellen. Damit Ist scheinbar nur eine Wahrheit ausgcsprochcn, die man bereits für programmatisches Gemcingut der Gesamtorganisation halten könnte. Aber nur scheinbar. Es genügt eben nicht, ja es liegt eine grosse Qefahr darin, dass diese Wahrheit mit Worten jetzt allgemein zugegeben wird. Die entweder mit geänderten taktischen Verhältnissen begründete oder mit allerhand politischen Vorbehalten verklausulierte, ja auch die vorbehaltlose Proklamicrung dieser natürlichen Forderung ist wertlos, wenn nicht die treibende Kraft zu fühlen Ist, wenn nicht die Tat folgt. Eben dieser Mangel an Impuls, an Plan und Aktivität, dieses nur gezwungene, un- Pcudlgc Begleiten der paar Unternehmungen des Palästina-Ressorts ist es, was die Zionisten, was insbesondere die Palästinenser trotz aller Worte schmerzlich fühlen. Durch die Tat soll bewiesen werden, dass man in Palästina in gemeinsamem Wirken aller dortigen Paktoren vorwfirtsschreitet.