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Jüdische Rundschau · 1910-02-25 · Heft 8 (25.2.1910) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 8 (25.2.1910)
Date
1910-02-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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JUEDISCHC RUNDSCHAU Seite 89. No. 8. ei״,linier liallcn. HcutsclilaiuJs und Frankreich« Kultur beruht nicht in letzter Linie auf dem W?« hewerh der verschiedenen Stamme und Laudcstcilc. Wo die Freiheit den Kapellmeister macht, wie in der <clnveiz. Kibl das Zusammcnspicl selbst vor. scliiedener Spraclistitimnc den reinsten Klang! In diesem, nur in diesem Sinne wollen wir in P.iListina ein jüdisches Volk bilden. Wir denken an keinen .Itidenkönig mit Ministern. Hofstaat und Harem und haben keine borge. oh sich ein iildlschcr Admirai wird finden lassen, der nicht seekrank wird. Wir!»teilen auf alle staatsrechtliche Souveränität und wollen nicht einmal einen Vasallenstaat bilden nur einen I.andestcil mit vorwiegend jüdischer Bcvölke- 11111C und jüdischer Selbstverwaltung in dem Umi.imte. wie sic in allen Kulturstaatcn ohne Schaden jnr den Staatszusammcnhalt besteht. Aber das wollen wir auch! Und darin unterscheiden ^ir uns grundsätzlich von den Pliilantropon. Mein die Mildtätigkeit treibt uns, sondern das jüdische Stammcsbcwusstscin. Wir wollen das alte edle Reis des Stammes, das über Jahrtausende lierid'1;gerettet worden ist. wieder in seine Muttererde m nken. damit cs zum weithinschattenden RiesentMiir. eines verjüngten Volkes hcranwachse, der die Hin!» a und Früchte einer neuen, hohen, jüdischna ti •»na len Kultur trage, zur Ehre des Stammes, zur l’hre aller Stammesgenossen der Ranzen Welt. Purimfestspiel \ I ran Pr. Wachsncr, Oross-Strehlltz. PERSONEN Ki'oicln Esther Ha man .lin'iti» Der Tahmidhaucr (Figur aus York Steiners Roman) .Mirjam, seine Braut (gleichfalls) ria l'nrlm-llarlcklii Hatiernmädclicn und Knaben (etwa je 3) Ocltiäimichen (8—10) tSatmlict.e Figuren sind als Geister Redacht. Die 8/cr.e 1«.! leer, mir mit Blattpflanzen dekoriert. Im llitiurcrniul ziemlich in der Mitte ein Armsessel). Esther (kommt durch die Mitte herein und schreitet bnss.im u.icli vorn. — Sic ist in ein orientalisches PrachtRcwand Rcklcidet). Ich cruss' euch, edle Damen, werte Hcrr’n, l'ie ihr /um heiit'Ren Feste seid erschienen! Ihr käme! reich an Zahl, das sch' ich Rern; UV mit die FraRc aucli in euren Mienen: Wer!»׳. mc. die zu diesem schönen Feste IU /!יי. ו• criissen waRt als ihre (lüste? Und d.<rum mach' ich mich soRlcich bekannt . . . . Aus meinem Schlaf, dem tauscndjiihriRen, tiefen, Ich um des Festes willen auferstand. Weil viele Stimmen sehnend ״F.st 11 er” riefen. Nun Inn teil liier, ich, die einst TodRcwcihtc, Durch meiner Bitten Macht und Kraft befreite! '!'!׳.!״lieh atifhorchcnd. Geheimnisvoll): Wie im mir? Hör ich da nicht rasche Schritte? W.ies jemand sich in diese Znubcrnülic? iN'.ali rechts der Kulisse sich zunciRend): Gei!» icht auch einer aus der ücistcrmitte? Ei1 ״ :aunlicli Wesen scheint's, wenn recht ich sehe! ütmmn, Figur ü la Mephisto, nähert sich mit Skullenden Schritten. Esther ruft ihm entRCRen, eii en I aut der UcbcrraschiiitR ausstossend): \k'l! da. Herr llaman! wirklich Ranz scharmanti •iei.dU’s Euch auch, auf Erden zu erscheinen? (Malitiüs): Ihr nicht kitzlich noch? Man sollt wohl meinen, יי•! Ihr am GnlRcn hingt im Pcrscrland? Esther (schmerzlich bcwcRt): Nicht schön find' ich die Welt, nicht lohnte das Erwachen Um zu vernehmen solche Schmcrz.cnskundc Von dir, mein Volk, das nach so mannlRfachcn Leiden kein bcss res Los Rcfunücn bis zur Stunde. Doch schlimmer stcht’s noch in den eiRenen Reih'n. Der Vater alte Glmibcnsstürkc ist dahin, Und die des Volkes Führer sollten sein. Verleugnen cs mit feiRem Sklavcnslnn. Man schämt sich seiner Art und seiner Ahnen, Die Heimat und die IicII'rc Sprache sind verloren. Es heftet sich das Volk an fremde Fahnen, Das einst als auscrwühltcs ward erkoren. Esther (iraurlR): Du alter Schleicher, Reh' mir aus den AuRen, Du hast mir schon RcmiR das Herz beschwert. Ha in a n: Dir möRcn die Berichte nicht recht tauRen, Dagegen sind sic mir sehr lieb und wert. (Esther macht eine abwehrende Bewegung). Doch Inss die UiiRcduld, Ich will schon Rehen, Um mir das Treiben aus der Nähe anzuschcn. Esther allein (pathetisch): 0! aufwärts fllcRt mein Sehnen zu den Sternen! Aus tausendjähriger Schmerzen dunklem Schoss Wird nicht mein Volk, das Icldcnsinüdc. lernen Zusammen sich zu schlicsscn, stark und gross? (Stellt mit ausgebreiteten Armen da.) (Man hört ferne Musik. — Erstaunt): Doch still! Ich hör’ von fernher leisen Ton! Was wird denn diese Nacht noch alles bringen? (nach links horchend): Noch mehr der Ocistcr aus der vierten Dimension? Ein Zur von I.undlciitcn, die fröhlich singen! (Während der letzten vier Zeilen Hört man hinter der Szene leise singen: cs erscheint allmählich bei der dritten Zeile der Bauernzug von links kommend. — Sic schreiten unter dem Gesang der ersten Strophe des nachfolgenden Liedes über die Blilme. stellen sich dann links von der Königin auf und singen die zweite Strophe.) B a 11 e r 11 C h 0 r (altes Volkslied): (Melodie: Steh' ich in finsterer Mitternacht.) Der Slimnnn streut mit voller Hand Den Samen auf das heilige Land. Und wunderbar, was er gesät. Das Körnlein wieder aufcrstchl. (Die 2 letzten Zeilen wiederholen.) So hauen wir mit Lieh’ und Treu' Der Väter Boden an aufs neu. Wir sind ein frei mul froh' Geschlecht. In Glauhcnstrc'ic warm und echt. Esther (geht voll Entzücken auf sic zu): Wer seid ihr denn, ihr freundlichen Gestalten? Und welch ein Zufall führt euch hier herein? Stammt ihr aus unseren Zeiten, aus den alten? Haucht euch ein Dichter Blut und Lehen ein? (Der Tnlinudbaucr tritt aus der Gruppe hervor, Mirjam an seiner Seite): Ich hin der Talimidbaticr, lebt' in Jerusalem In meinem Eltcrnltausc nicht grade angenehm. Der Vater, alt und milde, hat seine ganze Zeit Dem Studium der Thora und dem Gehet geweiht. Ich war sein treuer Schüler, forscht' eifrig so wie er. Doch in der dumpfen Enge ward mir das Almen schwer. Dazu die Mutter leidend, schnell kam die Not ins Haus. Blieb mal die milde Spende, von der wir lebten. aus. — Almosen fand ich drückend, wollt’ wenden mein Ocschick. Des Vaters schmerzlich Bitten hielt immer mich zurück. Esther (aufspringend in Ekstase): Wie? kann Ich euren holden Worten trauen? Soll diese Phantasie zur Wahrheit werden? י Blühendes Land kann man in Palästina schau n? Und grüne Wiesen mit weidenden Herden? Talmudbauer: Und diese frischen Mägdelein und diese strammen Knaben Sind auch aus unserer Kolonie, wirst Freude an ihnen haben! Esther (die Kinder streichelnd): Ihr seid ja wahrhaftig ganz prächtige Rangen! Wisst wohl mit der Zeit recht viel anzufangen? Erster Knabe (tritt hervor und ruft aus): Erst gehn wir zur Schule, dann heidi aufs Feld. Wo Vater gar emsig den Acker bestellt. Erstes Mädchen: In Haus und Hof wir helfen' der Mutter. Bel Kochen und Füttern, bei Käse und Butter. Zweites Mädchen: Wir stricken und flicken, wir nähen Kleider, Zweiter Knabe: Ich werde Schlosser. Erster Knabe: Und ich werde Schneider. Dritter Knabe: Und wer von uns ist nicht so dumm, Besucht in Jaffa das Gymnasium. Dort wird uns alles, was des Wissens wert, in unsrer Väter Sprache gut gelehrt. — Zweiter Knabe: Du solltest auch den Bczalcl scli’n. Dort macht man Dinge, ganz wunderschön. Teppiche, Spitzen, Filigranarbeiten. Kunstschnitzereien und dergleichen: Hier unten sind einige Proben zu sehen Und lassen sich schon recht billig erstehen. — Drittes Mädchen: Wenn wir mit Wäsche zum Strande geh'n. Und dort in die weite Ferne sch’n. Wo Schiffe schwer mit Frachten geladen. Fahren hinaus zu fremden Gestaden. Dann geht uns das Herz auf vor Dankbarkeit, Dass unser Land nun blüht und gedeiht! Esther: Was kommt denn dort die Strasse herunter? Die Gesellschaft wird ja immer bunter. M i r j a m. Was ist denn das für ein Trappeln und Trippeln? Seht doch! kleine Bäumchen, mit grünen Wipfeln. (Nun kommen kleine Mädchen als Oclbäumchen gekleidet mit grünen Baumkronen auf den Köpfen. Sic singen): Melodie: Alles neu macht der Mai. Kommt herbei, wer cs sei, Zeigt euch lieblich, flink und frei. Frisch und grün, zich'n wir hin Froh ist unser Sinn! (Während sic dieses singen, sind sic vorwärts marschiert, haben sich zu beiden Seiten der Bühne aufgcstcllt.) Denn gar bald pflanzt man uns an. Längs der neuen Jaffabahn. Dann erneut sich die Zeit Alter Herrlichkeit! (Tnnzreigen nach derselben Melodie, ein oder zwei Strophen.) llaman (recht katzenfreundlich):;'W׳s;.it geruhen einen Scherz zu machen, IR», mit Verlaub, ich nicht am Platze lind’: Ach bitte! lassen wir jetzt doch die alten Sachen, wo wir jenseits von Gut und Böse sind! eh komme ״fters auf die Oberwelt: 1.s m.iclit mir Spass, zu späli’n von Zeit zu Zelt, wie weit das Icid’gc Volk der Juden hält, l)ijS ich so gern dem Untergang geweiht! 1• et 11 er (ihm ungestüm ins Wort fallend): AG1 i.1, das wilsst' ich auch so brennend gern! Mein teures Volk, wie ist cs ihm ergangen? »1 a n (aclisclz.uckcnd, mit angenommener Qlclchgültigkeit):;un• allzu freudig sind nicht die Berichte. •״streut in alle Welt, gehetzt von Land zu Land, cm .,heilig Volk" Im Laufe der Qcschlchtc ur selten eine Frlcdcnsstättc land. ,och i1״mcr hat das Bild sich kaum gewandelt: »1 Osten wird das Judcnvolk geknechtet, Mt hlut'gem Hass verfolgt und [0h behandelt, 'uch hier im Land wird cs geschmäht, entrechtet. Ir Jam (fällt ihm ins Wort, munter und lustig): Da sah ich deine grosse Not. du armer, lieber Bube! So ernst und still, den Rücken krumm vom Sitzen in der Stube! (knixend vor den beiden Frauen): Ich heisse Mirjam, war zu Haus ein frisches Bauernmüdchcn. Und dieser Jündllng zappelte gar bald an meinem Fädclicn. Ich zeigte ihm des Himmels Blau, den Reichtum unserer Erde. Und wie die Müh' um sic für uns zum steten Segen werde. Im wogenden Getreidefeld, im Weinberg, im Olivennftirt Steckt wohl viel Mühe. Kraft und Schwciss. doch können sic das Herz erfreu nl Froh fing der Bursch die Arbeit an, der Vater Hess ihn zieh n, An, Anfang wird es Ihm ״- •»»״׳htel״ Das Boclicrchen ein Landmann ward In meines Vaters Hause Und dieser «ab mich Ihm zur Frau nach einer Wartepause. Talmudbauer: Von Jaffa nach Jerusalem. Wohin die Fahrt man sehr bequem Per Eisenbahn jetzt machen kann. Da pflanzt man diesen Wald bald an! Mir j a m. Hier, Fürstin, könnt Ihr vor Euch sch’n, Im kleinen einen Oclbaumhain. Doch sagt ihr Bäumchen, wer hiess euch entsteh’n, Bracht' euch zum Wachsen und Qcdclh’n? Erstes Bäumchen tritt hervor und , knlxt: (Mclodoic: Heincrle, hab’ kein Geld.) Ich ward bei einer Hochzeit gespendet Von der fröhlichen Gästeschar. Zweites Bäumchen (ebenso): Ich ward nach einer Sude gesendet Von dem glücklichen Eltcrnpaar. Drittes Bäumchen (ebenso): Mich erhielt ein Barniitzwaknabe Zu seinem Ehrentag beschert.

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