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Jüdische Rundschau · 1910-02-25 · Heft 8 (25.2.1910) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 8 (25.2.1910)
Date
1910-02-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 8. JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 87. c!!!י. Na, Uli, I... i'v 1 sl.1* l>! s•:. Kot׳ zu; Cli! 1>s!1 mik .׳u , Sic.. K״ Hinkoimnci» sind sic Sozialdemokraten, bis öOOO-AUc Freisinnige, bis 20 000 Mk. Nationallibcralc. darüber Konservative.“ Das spöttische Wort stimmt im grossen und Ranzen; wenn sieb auch natürlich einzelne den Einflüssen ihrer wirtschaftlichen Klasse /.« entziehen vermoRcn; im Durchschnitt bestimmt die soziale Lage über den Clrad der Staatsbcjahiiiig. iit'ei die Hohe des Patriotismus gerade diesem Staatswesen RCRCUüber. Nun befinden wir Juden uns in der eiRcntilmlichcn l.acc. dass iiber unsere soziale LaRe nicht nur VerinoRen und Erziehung. sondern auch die Konfession entscheidet., Ls Ribt zurzeit kein Kulturland ohne iimeen Antisemitismus. Wahrend jeder Nichtjude ,,lu:e weiteres in diejeniRe Klasse rezipiert wird, der er ii.icli wirtschaftlicher Lurc und Erziehung aiiRC- In * 11. so Hilft ucr Jude iiberull «uif grossere oder jjc* 1e Widerstünde. Und darum stuft sich sein aalbew usstseiii auch danach ab. Der englische ler amerikanische Jude sind bei Rlcichcr sozialer notwendigerweise bessere ״Staatsbürger“ als wutsche oder Rar der mcussischc Jude, der viel , r imier dem Antisemitismus zu leiden bat. Es :attw'CR eine Unvcrsehüiutheit, von uns preussi- , .luden, die wir überall Rescllschaftlich boy- .1 und von den Behörden widerRCSCtzlidi ’ gesetzt werden, den Rleichcn Grad der ״staats- Mulen UesinnmiR“ zu fordern wie von einem •'eben Lundjunker. dem dieser Staat die ade Kuh ist, dessen Klasse ihn beherrscht und ei Ehre und ihrem Vorteil lenkt. , in diesen Gründe״ hat der amerikanische Jude .1 Wirtschaftslage ein viel stärkeres National- •'isein als der französische, dieser ein viel is als der preussDehe oder österreichische, und um!:11:" ״!,.!! n c . Je iu\l;.llld. Kic:...■• i.vt’ei‘ r;:s"v '.-.. ....... ..I'.i!!. ׳!miius" kommen sollte, abgesehen von etwas lie ...;,eit, das ist nicht einzuschen. |!.,s 1\1 der zweite grosse Unterschied zwischen i.tis!:!:.! den Ostjuden; wir sind, je nach unserer ndi.ut ivilen Klassenmul Wirtschaftslage und je noch de!:! Lande unserer Staatszugehürigkeit, mehr ,der v einher Nationaldeutsclie 11s\v., -- sie aber sind rar 11. seltenen Ausnahmen im geringsten Grade N.11i..r..1l1.1ssen oder Natioiialpolen oder National• ryt1,״ue:,. Sie sind N a t i o 11 a I j u d e 11, wie mw k i!!; a r j tt d e tt sind. Sie sind und emp- . m,;i dalu r als Angehörige eines Premdvolkes, das liei!1,11!:״s unter I'rctmleu lebt, eines f־'remdvolkes mit ciienc! Sprache. Religion. Tradition. Kultur, das imter eiuviicii barten entwürdigenden Gesetzen lebt. fei! uwiss. dass viele von uns im Westen sielt י ן t .י: I,׳ ebenfalls ״Nationaljuden’‘ nennen. Einige 1 ׳ een ev wirklich sein: Männer der besitzenden I I.we \1!,׳ besonders empfindlichem Ehrgefühl, die •ia ge',; •vhaitliebe Zurücksetzung als unerträgliche selnii.Kli viupiinden, einige ,.Enterbte", denen ihr י:••"! in,!;:s gibt lind alles versagt: einige junge le!ur׳K> |,ie. die den gröbern Keil auf den groben bi׳!-׳ M!.ן,׳! und das Kind mit dem Bade ausseltiitten; einige. <k sozusagen schon zur Reise nach Palästina •ukt haben. N ■. entlieh die Letztgenannten verdienen unsere!,lue• Aufmerksamkeit. Sic nehmen das Volks• '•>1'e1a vor,ms, das sie empfinden werden, wenn in einem jüdischen Gemeinwesen leben. Denn au• 'er 01׳t viel stärkeres als der russische oder .,•he Jude. Denn dessen Nationalbewusstsein!•gesellen von einigen sehr reichen und darum •gs *•'/.inierten tmd gesicherten Ausnahmen, 1v sein. Demi er hat kein Vaterland wie ciikaiter und Engländer, auch kein Stiefvater- 1e der Pretissc, sondern überhaupt kein Vatereine Heimat. Kr lebt in Peindesland, als!. m seinem Vermögen tmd oft genug in seinem bedroht, ein vogclfrcier Paria. Wie ein ui oder rumänischer jüdischer Proletarier zu ' kV 1 V 'A das ist natürlich klar: wenn ein Jude irgendwelcher Herkunft in einem solchen Volkstum sollte leben können, so wird er jüdisches Nationalbewusstsein haben, mindestens soviel, ja. wegen der vollen gesellschaftlichcn Gleichstellung sogar mehr, als wenn er Bürger der Vereinigten Staaten oder Kanadas geworden ist. ״Uhl bene, Ibl patrla." Man spottet wohl darüber, dass jüdische Bmhr-1nten schon im Zwischendeck des Dampfers, der sic liinlibcrbringt, sich als amerikanische Staatsbürger fühlen und benehmen, aber mau sollte nicht darüber spotten! Was den Deutschen, die Könige von Ruiniinlcn, Bulgarien. Belgien, Zaren von Russland geworden sind, recht war. sollte armen genlacktcn Juden billig sein. Auch Alexander von Bulgarien empfand bereits ein glühendes bulgarisches Nationalgefilhl. ehe er noch das Land seiner ״angenehmen Erinnerung" betreten hatte; verlobten Prinzessinnen wird cs zur heiligen Pflicht ge* macht, noch vor der Trauung 80ן|י׳י־יי. Glauben und Sitte Ucr neuen Heimat nnzunchmen. und so grosse j Magnaten wie der Herzog von Arcuberg haben gar t!»׳üB1»■11׳ ,i•»..״«<״’?■■!. Hl י t Versammlung&kalenden Halberstadt. Gruppeuverhattd Sachsen-Anhalt. Sonn* tag, 27. Februar.*) Berlin. Berliner Zionistische Vereinigung und Ortsgruppe Charlottenburg. Sonntag, 27. Febrnar.*) Berlin. Ilcrzl-Cluh. Dienstag, 1. März״*) Berlin. Neuer Jüdischer Gemehidevcrclii. Mittwoch, 2. März, Uhr, Rcsidcnzfcstsälc, Landsberger Str. 31. Oeflcntl. Versammlung. Laz.urtis Barth; Die jüdischen Renegaten und ihre Bundesgenossen. Küln. Zionistische Vereinigung. Sonnabend, 26. Febrnar. *) Näheres siche Vereins-Rundschau.) j mehrere ..Vaterländer'‘ tmd ״Nationalbewusstscinc". . י Wenn also einer von uns. der an das Wort glaubt I ״nächstes Jahr nach Jerusalem!" bereits nationaljüdisches Bewusstsein hat, so befindet er sich in guter Uesi'Uschuft. In so guter Gesellschaft, dass ich mich persönlich durchaus nicht geniere, es bedingt für mich selbst zuzngeben. Gesetzt den Fall, das grosse jüdische Gemcinweseii. das Herzl vor seinem geistigen Auge hatte, existiere in der Tat: ein Volk mit einer Kultur, die keiner andern weicht, und dieses Gemeinwesen beriefe mich in einen Wirkungskreis, der mich befriedigte: ich zweifle Hiebt daran, dass schon von dem Augenblicke an. wo ich den Pntschluss gefasst hätte, iibcrzusiedcln. ich mich in sehr hedeutendem Masse als Natioualjude und Kulturjiidc fühlen würde, ganz, so, wie sieb der dänische Georg als Nationalgricclic fühlte; aber ich würde voraussichtlich bis zu meinem Tode dann -־ deutsches Stammesgefühl haben, d. 11. würde mich immer noch dem Deutschen näher verwandt fühlen als dem Pngliinder oder Franzosen, ganz so,•wie der dänische Georg vermutlich lieber mit einem ehemalige« Landsmanu in seiner alten Muttersprache spricht als mit einem andern in fremder Sprache. Aber - י von uns glauben nur wenige für sielt selbst au das Wort: ״nächstes Jahr in Jerusalem“, und darum haben auch mir wenige dieses Nationalgcfiihl auf Vorschuss, wenn ich cs so nennen darf. Ps sind nur wenige, und sic werden immer seltener, seitdem die Hoffnungen der ersten enthusiastischen Anfänge auf den ״Charter“ sich als ebenso nebelhaft erwiesen habe» wie die Hoffnungen der Urchrisicn auf das tausendjährige Reich und der Sozialdemokraten auf den grossen Kladderadatsch. Die meisten von uns. die allermeisten nennen sich Nationaljuden auf G r u n a eines Missverständnisses. Weil das Wort ״Nation" der etymologischen Wurz.cl nach die Abstammung bcz.cichuctc. nennen sic ihr Stummesbewusstscin -- Nationalbewusstsein oder Volksbewusstscin. Man kann aber innere Gegensätze wohl eine Zeit lang durch Wortspiele verdecken, aber auf die Dauer sprengen sie das Schünpflästcrchcn in gefährlichen Explo«i׳>ncn. Die letzten Kongresse reden eine dcutliehe Sprache! Werden wir uns doch klar, dass westeuropäisches ״Nationalbewusstsein“ etwas ganz anderes heisst als osteuropäisches. Dort Stammesbewusstscin, hier Volksbewusstscin in seiner doppelten Erstreckung, als Kulturjudentum und Nationaljudentum. * » Ich habe, seit ich der zionistischen Bewegung angehöre, oft genug diesen Gedanken von der Tribüne, im persönlichen Gespräch und auch auf Druckpapier geäussert. Und fast regelmässig haben mir die Ocstlcr ins Gesicht geworfen: ״Dann bist du kein Zionist." Das ist natürlich falsch. Denn ich will ״eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina und seinen Nachbarländern", bin also Zionist. Aber in der Tat stehen ich und meine Gesinnungsgenossen dem Zionismus anders gegenüber als die Ostjuden. Wir sind soziologisch ganz anders determiniert. Für alle Menschen gilt das sozialpsychologische Grundgesetz, das als universales Weltgcsctz auch für Gase tmd Flüssigkeiten, für Tiere und Pflanzen gilt; sie strömen vom Orte des höheren zum Orte des geringeren Druckes auf der Linie des geringsten Widerstandes. Da aber die Druckverhältnissc für uns andere sind als für die Ostjuden, so ist auch die Richtung der Strömung eine andere. Russland und Rumänien sind iiir ihre Juden die Orte des absolut höchsten Druckes, der irgendwo auf einer Menschenmenge lastet. Denn es sind die Länder der vollen Rechtlosigkeit, der Unterdrückung und Ausbeutung, der Pogrome. Und darum bestellt für die Ostjuden die stärkste Tendenz, abzuströinen; sic wollen und müssen heraus, sic suchen für sielt ein Land, wo sic nicht nur für Gut und Blut Sicherheit haben, sondern wo sic M c tt s c 11 e n im cigcntliebsten Sinne sein können, Vnllbürger. Und auch darum haben sie das eigentliche Volksbewusstscin: sie wollen ״nächstes Jahr in Jerusalem" sein, sic haben bereits ihre Koffer gepackt, sie haben das Nationalgcftihl nicht nur, weil sic ein Frcmdvolk sind, ohne Vaterland, sondern aucli weil sic ideell schon auf der Wanderung sind zum neuen Vaterlandc. Fiir sie ist daher der Zionismus eine im höchsten Grade p r a k ' i s c h c Bewegung, ein Ziel des gesimdcsten, wohl beratenen Sclbstintercsscs. Für die allermeisten aber von uns ist er eine rein idealistische Bewegung, ein Ziel des unintcressierten Altruismus. Wir lebfii eben nicht am Orte des absolut höchsten Druckes, von dem überall bin Gefälle ist, sondern an Orten von viel geringerem Druck. Wir haben Sicherheit fiir Gut und Blut, und, wenn wir nicht assimilationssiiclttig sind, auch unsere leidliche gesellschaftliche Existenz, trotz mancher Kränkung tmd Zurücksetzung. Und darum haben wir Gciällc, d. 11. strömen wir nur nach solchen Orten, die noch! geringeren Druck halten. Das heisst: Viele von uns würden woltl nach Palästina uhersicdehi.?ich zu ui ul begnissen sich von der Ferne, vlnvdn der Wind ucliude über den Harten״ חש ׳, dann erbeben die neben Bäume, und die jununt j׳rünon Blätter Hüstem leise Gebete — R0>cl1-| Insehanah-Oebcte. — Mit jungem Grün geschmückt, erwartet die ii'di•du• Kolonie den hohen Tau* Jedes Maus, 1«K• Veranda prangt in Blumenschmuck. xh\ ihr dort den riesigen Davidstern mit far •nsdii'iu in der Milte ״Rosch-Haschanah der l iiuinu‘‘? Das ist die Siegespforte, die von;<H1s Seiten mit Palmen umkränzt ist! : Schon am frühen Morgen versammelt sich d'e•!ranze Bevölkerung. Jung und Alt erwartet I ficrtngsklcidcrn den Wettkampf: wer sich dureli seine Muskelkraft nuszcichnet, pflanzt . die erste Zeder. — ׳ Die Kämpfer, vom Volke umgeben, werfen ן ־",'e Überkleider ab, und der Kampf beginnt. . hrtist gegen Brust gestemmt, bleiben die Beiden; wie festgewurzelt auf ihrer Stelle stehen. ן Keiner vermag den andern zum Weichen zu;?ringen. Plötzlich . . . einer liegt auf dem j?öden. Ein jauchzendes ״Hedad“ erschüttert! d* Luft, alle eilen auf den Sieger zu, beglück• wünschen ihn und tragen ihn auf den Händen! heim. j Die erste Zeder wird seinen Namen führen. Inzwischen versammeln sich auch die jungen Mädchen auf dem Schulbcrg zu einem Wettkampfe. Hoch auf einer Stange weht die blauweissc Fahne. Wer sic hcrunterholt, pflanzt den ersten Baum auf dem Schulbcrg. Schon; haben viele vergeblich ihr Glück versucht. Da j springt die kleine Judiih vor, wirft ihre kleinen , Sandalen ab, und wie eine kleine Schlange klet- 1 tert sie hoher und höher, jetzt ist sie in der; Mitte der Stange . . . nun noch ein wenig — ׳ bald hat sic ihr Ziel erreicht, . . nun streckt sie! ihre Hände nach der!־ahne aus.Hedad“; — ״Hedad“. Unter jauchzenden Hedadrufen ן lässt’ sie sich herunter, schwingt freudig die , Fahne und, von begeisterten Gesängen gefolgt, . marschiert sie mit der wehenden Fahne an der; Spitze durcli das Dorf. j Gegen abend erreicht die Feier den Höhen-; Punkt, ln grossem Zuge begibt man sich zur ן Pflanzungsstättc. Zwei Jünglinge nehmen die ן grosse Siegespforte auf die Schultern und stel-! len sich an die Spitze des Zuges. Mitten da-; runter steht die kleine Judith, die erste Pflanzej rin mit einem Blumenkranz geschmückt. In I der einen Hand schwingt sie ein junges Reis. . . I Hinter ihr folgt der kleine Amnon, eine zierlich! geputzte Hacke auf der Schulter. Zwei hübsche I Mädelchen begleiten ihn, die eine trägt einen Krug Wasser auf dem 1 laupt, die andere eine Schaufel. Dann folgen die Schüler und Schülerinnen zu vieren in einer Reihe, endlich die Litern und die übrigen Bewohner der Kolonie. Auf ein Signal bricht der ganze Zug aui. Oben auf dem Schulbcrg kommt ihnen der alle Rabbi entgegen, lieht die I lande zum Seg* neu empor und spricht: ״Möge die 1 lerrlichkeit Gottes über Eurem Werk leuchten'.“ Au? der Veranda des Schulhauses erscheint der Lehrer und begrüsst den Zug. ״Gesegnet seien die Pflanzenden“ ruft er ihnen entgegen, worauf alle mit einem donnernden ״Hedad“ antworten. Auf dem Pflanzungsort angelangt, stellt sich die ganze Gemeinde in einer Reihe auf, die beiden Helden des Tages treten vor und beginnen ihre Arbeit. Wuchtig dringt das Eisen in die Erde, immer tiefer wird die Grube, an deren Seite ein kleiner Hügel gelber Erde sich allmählich auftürmt. Die kleine Judith setzt das erste Bäumchen in die Grube, die der Sieger gemacht. Nun stürzt alles an die Arbeit. Alle Hände bewegen sich, und nach einer kurzen Weile stehen lange Reihen junger grüner Bäumchen, die den kommenden fröhlichen Frühling verkünden. Glücklich und zufrieden feiert nun die ganze Kolonie das Pflanzenfest. Auf den weiss

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