Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 7 (18.2.1910)
- Date
- 1910-02-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Seite 79. No. 7. -jJ!£PI$ch c._k 1•י n üs.c.h a u CIUNG ISRA6L Merkspruch Curd» Wohltaten mach! man den freien zum Sklouen, ftn Jung Israeli \U>m man euch tragt: Was wollt ihr sein, Herr njei Sklave: so wird ein jeder von euch ohne H,׳M111u11 .1utworu־11־ ich will Herr sein! \\״ .die verachten tlen Sklaven aber wimnn meי■1' ״" ״' ciKcmlicl»? Im Grunde ist ja die Sklave-u ein meistens unverschuldetes Un* {ha״! ,'׳ul 'vir sollten vielleicht nichts als Mitleid ,,,11״ ״ asiaiischen. afrikanischen und germanischen \ .!k. ׳.iniHien empfinden, die einstmals von den!ine. ״! ׳ui Römern ihrer Freiheit beraubt wurden!■ml; :lue Herren niedrige Arbeiten verrichten tmi'M-' l -ce! aber in der Sklaverei eine Gefahr für ו," e •aktei. die leicht aus dem 1111 tr lüc k I ie 11 e n \Uuv .. einen v e r ii c 1111 i e h e n macht: die Oc- :.dir , luii. dass der Sklave um des Vorteils willen m.-Ii . ־ seinem Herrn mul dessen Lande anpasst. j.i>s < •eine eigene Volksuatur anigilti und sein , ce!:v 1•and mul Volk vergisst. Lin solcher Mensch;Uni- .iiliesslich selber, dass er geringer ist als ,,וו"■ ' :igebnng: man nennt das: er hat seine scH- ■!eilt 1111R verloren. Ihr habt in der ti.־NV׳. •'stunde Rcliürt. dass Sklaven, deren Herr ׳:tu.1 - Freiheit zmiiekgeben wollten, weinten und •lei׳. m׳*gv sie hei sich behalten und weiter ihm Ji.ik . 'va. denn sie wüssten nicht, was sie mit ,1,1 ci 1'!ei! bcRimien .sollten. Sehr ihr, das waren . Ui. :-..ach, die die SelbsaelitmiR und den eigenen Willen 'uioren hatten und ׳.lariim sind sie ver- . ׳litlU• Mo■• .in auch, dass cs viele .liuleii Ribt, die auf 1\,׳« V. 1.. mikI, leise Sklaven zu werden.■׳ die cs c.a schon geworden sind? ScL. -tr .luden leben Rlcicli manclieu Volker• 'i.miiAi kl. - Altertums, fern von der Heimat, in der \vrl’.iui, st Alter das ist mm das grosse mul stolze 1 liulu;.m 1: Verbannte sind wir wohl, nicht aber SUui.! V\1! sind unseren Sitten und Gebräuchen;׳ei ,ei-1 .1-111 und trauen seit /.w eitanseiui daliren die Jcuüc »!m» schauerliche Liebe zur Heimat im Her• /eu. Nun uilit es aber dennoch Juden, die ihren וי •!, sc.1 11.׳׳ nahen und danach streben. Ranz, wie 11»!c!’ 111 c. 11mg zu werden, damit niemand erkennt, kl,iss sc Uibainite sind. Has sind die Leute, die t n׳»sk!. kci'.en Gebetbuch m den Tempel Rehen, 1k ,1! kic! Imle nur mit ehrstlichcii Mitschülern ver• ,seliten :! s.1* die ihren indischen »Namen undeutlich '.»gen. ki.i iai ilm keiner 'erstellt. Wenn man zu ilncii siicslieii wollte: kommt zurück in euer Land!,.il.isiin.1! sie würden winseln: Nein, nein, wir!Reil nicht zurück, •vir v. issen nicht, was wir mit »iiscici i ledicit machen sollen! Has eben sind solche tciciirn.s. die aus Verbannten Sklaven wurden. 1 י c' s suul verächtlich. Wenn :!!»er an uns der Rute ergeltt: kelirct zurück ־״> eine Heimat! so sollen wir uns freudiR unsere 'uiliki׳ zniiickcroheru. Wir wollen zeiRcn. dass wir ׳••k׳• trotz d:r zweitaiisendjährigeii Verbannung 1/ waren, um Sklaven zu werden, dass wir IIv 1 e 11 geblichen sind! H. II, C. Der rechtschaffene und freigibige Arzt '•׳!>.» war ein berühmter Arzt, von Krossem Hoi;׳ V׳״. seiner Kenntnisse, in grosser AchtuitR timl - cu׳.. atu: wegen seiner Rechtschaffenheit. ״ .־ Haus war von einer Krossen Mchrc Leine I'tMiv .:. die ihn konsultierten und bei ihm Hciltim! suci.u t*. |;1 hielt zwei Rctrenntc Zimmer, eines ו .Ir ,he I ».ulen bestimmt. das andere für die Männer. ' 1 Hinem Hause hielt er eine Hüchse, in v.c'■ '1‘ei. v ci ihn gebrauchte, irgend eine Münze hinein• "an. wenn u ktninte oder wollte, ohne dass ein .111• dcrci ׳ s sah: und wer wcniRcr Kab, brauchte nicht zu ern iui. Den Armen Kab er seihst Geschenke, indem 'r saKu■: ..Hier, um die Arzencicn zu kaufen!" laues Tages nahmen sich die Gelehrten vor, sein 'leim t auf die Frohe zu stellen. Einige von ihnen «vheii. ilm zu besuchen; sie werden glänzend aufKc• ״1״innen, reichlich bewirtet und auf weiche Teppiche velilafcn gelegt. (IeRcn MorRcn stehen ^ic auf, ohne •111 Wort zu sprechen, packen die Teppiche zu• ..!ui und traKcn sie mit sich fort. Her «ule Arzt geht aus nnd sicht diese seine ,'äste mit dem Pack unter dem Arme, wie wenn sic etwas verkaufen wollten. Sic gehen Ihm entgegen! Wiegenlied Schlaf mein Kind, denn Ober Nacht Deine treue Mutter wacht. Wenn In Zion wir vereint, Niemals mehr ein Kindlein weint. Schlafe süss, eh׳ du's gedacht Blüht uns Zion über Nacht. Wird der Traum zur Wirklichkeit, Weck ich dich zur rechten Zelt, Bis dahin mein liebes Kind Schlafe, schlafe geschwind. Tilly Salomon. zciuen ihm die Tcpniclic und shkcii zu ihm: ,.Herr, um welchen Preis WinJet Ihr sie kaufen?" Der gut« Arzt betrachtet sie und bietet. Seine Freunde stellcii sich hierüber aufgebracht mul rufen: ״Das ist ein zu gcritiRcs Gebot." ״Entschuldigt," antwortet der Arzt unbefangen, .,es ist gerade der Preis, den sie mich gekostet haben." ״Sie sind euer, ja sind euer." sagen endiieli jene Gelehrten, von Bewunderung und Achtung erfüllt; ״uelmit sie zurück. Aber, gestellt doch giitigst. als ihr sähet, dass euch die 'Teppiche fehlten, welchen Verdiu'lil li.iht ihr gehegt?" ״Ich vermutete, dass ihr Geld zum Loskuiifen ווו .׳ Sklaven zu sammeln hättet und nicht wagtet, es •!»ir zu sagen. Aber cs sei: Ich habe auf diese Teppiche schon verzichtet. Sie sind für die Armen bestiiiin•. “ Das Ghetto von Venedig Wie eine kostbare Perle, von einem goldenen 'omienrmgc eingefasst, hegt zwischen Hii.nnel und '׳leer Ja hello Venezia", das schölte Vei.erig, das el/t wieder von vielen Tausenden atifgesuelit wird. Und doch imuiilcn dieser allen Dogenstadt »efmdet sieh ein eigenartiges Stadtviertel: das die Ghetto, in dem noch eine grosse Anzahl Juden!treiig in ihrem Glauben lebt. Ihre Synagoge .ami sieh wohl mit den anderen herrlichen Bau• .verkeil der Stadl messen. I'.m prachtvolles Ban• ,verk ist dieser ״Tempi״ Israelitico spaguuolo". den lie eingewamierteii spanischen Juden im lalire lb,ר.ר von dem grossen Baumeister Longheiia ׳״meinen Hessen, demselben, der die prachtvolle, «tolze Kn ehe ״Maria die Salute'•, die auf der anderen Seite ries Cau.de gründe liegt, geschaffen hat. Das Ghetto liegt, wenn man vom Markusplatz len Cauale gtaiule entlang gondelt, zur rechten Seite, md schon von weitem fragen wir uns erstaunt, was Jas fויr 1 iesengrosse, fünfstöckige. ״amerikanische" Häuser sind, die so düster über die alten, praclit• vollen Palazzi der veiieti«»niseliwii Grossen ragen. F.s kiud die eisten Häuser des Ghetto, dessen Strassen iocIi enger, noch menselieiigefülltei sind, als die der t״deren Stadtteile Venedigs. Wenn wir uns durch Jie schmalen Gassen drücken, werden wir von •ineiti ganzen Schwarm schwarzäugiger Buben und Mädchen begleitet, die auf klappernden Holzschnhen ms umkreisen, dabei alle nur um einen Sold» oeUeUul. Aber wenn wir nicht wüssten, dass wir im Ghetto sind, wurden w׳ir es kaum merken. Beim Jie Gesichter der Bewohner sind fast rein italienisch, mir selten, dass ein Gesicht mit der charakteristisch semitisch gebogenen Nase auffUIlt. Aber die Häuser wenn wir weiter in das ühetto hinein• kommen, finden wir noch ganz alte, ans deren Mauurspultcn Blumen und Gras wachsen - - bieten oft einen ausserordentlich nittoresken Anblick, lu die Strassen, wo die vielfenslerigeit Riesen• Häuser .stehen, kommt fast gar kein Strahl der goldeneu Sonne, die mit so verschwenderischer Pracht und Glut über der übrigen Stadt liegt, und von dem blaue.» Himmel ist nur ein schmaler Spalt sichtbar. Die Cholera und die Pest wnren in früheren Zeiten häufige, cntsetzc.ibringcndc Gäste Venedigs, und man denkt unwillkürlich mit Grausen, wie sie wohl hier In den engen dumpfen (lassen gehaust haben mögen. Denn früher, in alten Zeiten, waren die Juden streng an ihren Stadtteil gebunden, den sie nur nih besonderer Erlaubnis verlassen durften. Aber ihre Begräbnisstätte Hegt herrlich atn Ufer des rauschenden Meeres auf dem Lido. Sie durften nicht auf ״geweihtem Boden" liegen und so mussten sie Iller draussen ihren Friedhof anlcgcn, den Himmel und Meer dafür mit unendlicher Schönheit ״geweiht" und in dem die schlanken Zypressen zum Himmel ragen und im leisen Winde sich wie betende Priester zueinander neigen. Jetzt ist cs der freie Wille der im Ghetto Wob• nenden, wenn sic hier im Judcnviertel bleiben. Viele mögen wohl die Piclüt und die Familicnlicbc, diese Hauntgiitcr des Judentums, dazu bewegen, weiter hier an der Stätte zu wohnen, wo Vater und Grossvatcr lebten und starben, wo zwischen den bemoosten Steinen und dem alten Ephcu die Krinne• rungen wachsen, immergrün wie das Moos und der Ephcu. Und so hat sich dieser Teil als Zeuge einer glänzenden nur für uns Juden finsteren Vergangen• heit erhalten in der Stadt, deren Name schon auf uns alle einen unbeschreiblichen Zauber austiht. Venezia - Venedig. Es wird einmal sein Beul, liebe Kinder, will ich euch ein Murdien erzählen. Das fängt nicht an: ״Es war einmal", sondern: ״Es wird einmal sein". Es lebt eine grosse, grosse Familie, weit aber die Erde verstreut. Vielen geht es sehr schlecht: sie werden gepeinigt, geschlagen, ihre Verdienste erkennt man nicht an, und was sie auch tun, alles wird schlecht geheissen. Gut ergeht es keinem Gliede der Familie, denn sie wohnen ja nicht in der Heimat. Als sie noch dort lebten und nur ihrem eigenen Oberhaupt gehorchten, da wussten sie das Gute, das sie hesassen, nicht zu schätzen. Sie stritten miteinander: und wie es immer geht: wenn zwei sicli zanken, dann lacht der Dritte. So war es auch hier. 'Ein fremder König kam und nahm ihr Land. Mit roher Hand zertninimertc er ihr Heiligtum und vertrieb die freien, stolzen Menschen aus ihrem Lande. Als aber ihr Leid ubergross geworden war. da fanden sic sich endlich zusammen, und einer ihrer Bruder siilmte das Vergehen. Er opferte Gut und Gesundheit, um den Brüdern zu helfen. Und er ging zu Gottes Thron und flehte: ״II ab Erbarmen. E w i g c r. sende sie tu ihre hei in a t z u r 11 e k." Auf den Wolken aber lagen die grossen Ahnen, die Urväter jener J'amilie. und auch sic baten: ״Sende sie in ihre Heimat zurück. Ewiger, sie haben gebiisst. sie werden ihre Aufgabe erfüllen, ein Volk von Priestern werden sie sein und ein heiliges Volk." Und Gott vergab. Ein langer Zug war es. der sicli bald darauf nach ()Men bewegte. Ueberall, wo sic vorbei kamen, schüttelte man den Koni und wimdatc sicli gar sehr. Der Wind staunte und dachte: ״Zog nicht vor vielen tausend Jahren auch ein Volk dorthin?“ Ja, ja, es ist alles schon einmal dagewesen. - Die Sonne lachte übermütig dazu und schmiedete gleich Pläne mit dem Wind und dem Regen. Sie würden schon das ihrige dazu tun. um das Land gedeihen zu lassen. Endlich erreichte der Zug sein Ziel. Hoch oben auf den Bergen des Libanon standen die Cedcrn, und als sie den Zug sahen, reckten sie ihre Gipfel hoch in die Luft und die Voglern sangen ein Loblied. Die wahren Herren des Landes waren wieder da. Mussten da nicht alle jauchzen? Wisst ihr, wer die Familie ist, und wie das Land heisst? Wir Juden sind es. und das Land ist unsere Heimat Palästina. I;rcz Israel. Tragt dazu bei, soviel ihr vermögt. Dann wird es einmal wieder unsere Heimat sein! L i 11 y W i 11 k 0 w c r. Rätsel 1 b א s 6 Himmelskost 2 •I 9 3 Ein Fluss 2 2 in Eine Farbe 4 h 8 Ein Israelitischer Stamm 5 b .1 II 12 II Ein hebräischer Dichter 0 4 ö 3 Ein jüdischer Monat 7 2 12 9 13 Eine biblische Person Die Anfangsbuchstaben der gewonnenen Worte ergeben den Namen eines zum Retter seines Vo!• kes gewordenen jüdischen Mannes. * Beabsichtigen, Beratungszimmer, Hainstcrwinterbau, Nacnbargcmcimlc, Ordensdekoration, Havanna- Zigarre, Efeurankcnverzlcrung. , Entnehmet jedem dieser sieben Wörter je eine Silbe und bildet aus den so gewonnenen sieben Silben die Namen dreier biblischer Personen, die Söhne eines Vaters waren.