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Jüdische Rundschau · 1910-02-18 · Heft 7 (18.2.1910) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 7 (18.2.1910)
Date
1910-02-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 76 £UEl)isCHE RUNDSCHAU No. 7. .seinem Charakter. Vor nichts schreckte er zurück, weder vor Personen noch vor sozialen Schwierigkeilen und äussere» Hindernissen. Ganz mittellos, mit nur 11)0 Gulden, begründete er im Jahre 18(10 in Wien die hebräische Monatsschrift ״llasehaehar". die von «rundlegender Hcdcntuu« für die nculicliräischc Literatur werden sollte. Pas Hrseheiuen jedes Heftes dieser Zeitschrift war ein Hreigtiis für die hebräischen I.eser. Sie führte einen Kampf «egen zwei l'ronten: gegen den Panatisinus einerseits und gegen die Assimilation andererseits. Der ״llasehaehar" ver* kündete zuerst den modernen nationaljiidischen (ledanken mit voller Klarheit, mit all seinen Konse* uiien/en. Besonders eingehend behandelte Smolensky diesen Gedanken in einem grossangelegten Aufsatz gegen die Behauptung Moses Mendelssohns, dass das Judentum keine Nation, sondern eine Religümssekte sei. Hier erhöh sich Smolensky zu seiner höchsten publizistischen Kraft. Aber auch seine anderen l.eisluugen auf diesem t’iebiete waren von hinreissender Dialektik und von feurigem Schwünge getragen. Die Publizistik war jedoch keineswegs das einzige Betätigungsfeld Smolenskys. Seine zahlreichen grossen Romane sind mit lebendiger Anschauliclikeit und mit viel Temperament geschrieben. Wenn auch ihre künstlerische Vollendung bestritten werden kann, so ist jedenfalls dir kulturhistorischer Wert em ausserordentlicher. Smolensky war migemein produktiv. Die zwölf Jahrgänge des ״llaschachar‘‘ wurden zum grössten Teile von ilun selbst ausgefüllt. Die ununterbrochene, aufreibende Tätigkeit hatte aber nach und nach seilte gewaltige ( Arbeitskraft untergraben und im Jahre 188.1 erkrankte ן er an Lungentuberkulose. Nach zwei Jahren ward! er dahingerafft. Am Morgen des 10. Schewal 5015 i fand ihn seine Krankenpflegerin leblos auf dem | Boden liegen. Hin schmuckloses Denkmal zeigt sein Grab auf dem jüdischen l'riedliofe zu Meran ein unvergängliches Denkmal aber bat er sich im Herzen des jüdischen Volkes errichtet. Unser Organisalionsstatut Referat zum IX. /hmisteu-Kougress. Von Dr. AL J. Boden hei me r. <1׳01־tseizung.) Was die gegenüber meinem Vorschlag auitauchenden Reorganisation'idün•״■ anlangi, so kann ich mich bezüglich einzelner derselben des (iedankens nicht erwehren, als 011 mau den Teufel durch; Beizebuh;ihmreiben voll־;. Die Idee, welche das 1 Wiluaer Zentralkomitee propagiert, ist nach zwei J Richtungen hin bereits erprobt und als schlecht hej fmi.lcn worden, und hätte icn nicht geglaubt, das; j unsere sonst so überaus tüchtigen russischen ITeunde; auf ein solches Projekt z.uniekiumnneu wurden. Der j Vorschlag ist nichts anderes als eine Neuauflage des j 5iebeuerkomitees oder des allen Dreizclmeruusj sclmsses, der nach dem Tode llerzls als ein l'rnvi•! sorium geschaffen worden war. Dieser Dreizehner• , aiisschuss ist aus der Idee hervorgegangen, das in Wien ansässige H. A. C. durch Zuwahl von ausserhalb Wiens wohnenden Mitgliedern zu ergänzen. Den Mitgliedern des russischen A. C., welche den neuen Reformplan unterbreiten, dürfte es wohl be• kannt sein, welche kläglichen Resultate diese Kom- Intuition gezeigt hat. Das Komitee in Wien war beim besten Willen nicht in der Lage, die übrigen Milglieder des Dreizelmeraussclmsses auf dem laufenden zu hallen. Diese Mitglieder blichen blosse Schaltenfignren, denen jede Mitwirkung an den <;eschäften unmöglich war. Diejenigen, welche den Sitzungen des A. C. in Wien beigewohnt haben, werden sich eiinnern, dass ich selbst auf Grund dieser Umstände damals die bittersten Vorwürfe gegen das!!tigere A. C. erhoben habe, die durili das A. C. einstimmig als begründet erachtet wurden. Auch bei einem 7■ ndrr Kgliedrigeti Ausschuss wird es unmöglich sein, dass die am Urte des Zentral• burcatis befindlichen Mitglieder die ausserhalb desselben wohnenden Kollegen über den Gang der Ge* schäfte auf dem laufenden unterhalten. Aus diesem {jruude hat auch unser Präsident auf dem letzten Kongress mit Recht darauf bestanden, dass an Stelle des 7gliedrigen Ausschusses ein kleinerer Ausschuss von drei Personen eingesetzt wurde, iunerl'alb dessen eine Verständigung rascher und leichter zu erzielen ist wie innerhalb eines schwerfälligen grösseren Komitees. Sie mögen die Katze werfen, wie sie wollen, sie fällt immer auf ihre H'üs.so, d. h. die am Sitze des llauptlmreaiis wohnenden Komiteemitglieder erledigen die Geschäfte und die ausser- 1 lialli wohnenden Personen sind mehr oder weniger \ Dekoration. Oh Sie die Wahrung dieser Geschäfte dem bisherigen Präsidium überlassen oder au Stelle dessen einen dreigliedrigen, in Berlin .residierenden Ausschuss ciuselzen wollen, ist eine Zweckmässigkcilsfrugc, die sieh lediglich nach dem Gesichtspunkte entscheidet lässt, v.׳<< man die geeigneten I*tihrer findet. Prinzipiell bin ich aber der Meinung, dass dieser Missstand, der die nicht am Sitze des Bureaus woli-!;enden Mitglieder des Präsidiums von der ständigen Mitarbeit aiisseldiesst, nur durch die Schaffung der von mir vorgcschlanencii Dezernate behoben werden : l.;:nu. Ich denke mir allerdings, dass die Dezernen- ' teil im Rahmen ihres Dezernats lediglich das Matej ןia| sammeln und in den Sitzungen des Präsidiums . eingehenden Bericht er statten, worauf eine Be-! sehlii'st'assimg erfolgen kann. Kitte Art Dezernat , hat bisher auch bestanden in Horm des Palästina- . liez.eraats. Ich glaube, dass dieses Dezernat im all-; guneiiten mit l'.rfolg gearbeitet hat. Dieses Dezeri mit hat aber bisher unter dem Missstand gelitten, dass seine Kompetenzen und H'uiiktiotien nicht genagend abgggruizt waren, so dass infolgedessen mehrfach Reihungen entstanden sind. Wenn von uirnelicmii aber der Umfang und Inhalt der Beluguisse der einzelnen Dezernenten klargestellt ist, durfte eine Veianlasvuig zu solchen Kompetenz- Streitigkeiten und Reihungen mir selten gegeben sein. Mit der HY,!ge der Verlegung der Leitung ist diejenige des Bureaus eng verbunden. Man hat zwar die Hragi Stellung mogekelirt. Das entspricht aber keinem •);׳,:auisatorisehen Prinzip. Nicht, wo das Bureau ist, muss die Leitung sein, sondern wo die Spitze der Ikv/cgum. ist, dorthin muss das Haupilmrenii folgen. In dieser Beziehung muss ich mit aller Hntsehiedcnlieit und Klarheit betonen, dass es völlig ausgeschlossen erscheint, den Sitz der Leitung und der Bewegung und das I lauptbnreaii zu trennen. Hallt der Mantel, so folgt ihm der Herzog nach, so s.!gt Hicsco. Hallt der Herzog, so fällt auch der Mantel, so sage ich. Wenn Sie die Leitung in Köln belassen, muss auch das llaiipthiireau der Bewegung jo Köln bleiben, und wenn Sic die Leitung mich Berlin ver. legen, muss das Haiiptburcaii mit allen seinen AI•, leilungen nach Berlin verlegt werden, Selbstverständlich müsste dann auch das II.in!•!, hurcau des Naiionnlfnnds nach Berlin, und so sch! ich mit allen Hasorn meines Herzens durch die Tan,;, keil der letzten Jahre mit demselben verwachs׳.!, hm, so schwer es mir fallen würde, die iintcrimm. mene Organisationsarlmit für diesen Hunds m and! Hände iegeti zu müssen, so musste eben diese K- . scuttett/. gleichfalls gezogen werden, wenn die V■::. Icgung des Sitzes der Leitung nach Merlin 1111 I! teresse der Bewegung erforderlich wäre. Ich möchte Sie aber an dieser Stelle auf d nachdrücklichste davor warnen, ubereiltc Beselilm in dieser Richtung zu fassen. U11׳1.׳:e Tätigkeit . den letzten (» Jahern hat ausserordentlich darum gelitten, dass sielt fortwährend andere Personen tu der Pnhrung der Arbeiten beschäftigen intissU ausser unserin Präsidenten Wolfisolm. der jetzt m nahezu 5 Jahren an der Spitze der Bewegung st״;:׳. D׳c Krfahruug, die man in einer solchen Zeit 1:.׳ winnt, ist ein sehr beachtenswerter Huktor. 1' Vcilegimg der Leitung und des Sitzes des 11.111!׳׳ 1 bmeaiis nach Berlin wurde eine Unterhrecl ui, | wichtiger Arbeiten mul das Abbrcclicu zahlreich׳ ן Beziehungen zur Holge haben, <>lme dass hierzu ei! ' düngende Notwendigkeit vorhanden wäre.! Man hat mir zu Unrecht vorgeworten, dass 1 in meinem ()r::;׳nisali1.pss!ntiU eine Lanze für d. gegenwärtige i'iiliriing biedicn wollte. Wer ä Statut vorurteilslos priiit, wird eine solche Belum tuug nicht anirecht erhalten! dunen. Mein Lutwin hat meines!!rächten» gerade den Vorzug, von jede l’ei soiienfrage ab/usehen und es aui die eigenart:• ׳ gm Verhältnisse der zionistischen Bewegung aui/׳. j bauen, die sieh itn Laute der nächsten Jalirz.elui;! durchaus nicht ändern werden. Aber ich stelle Keim j Augenblick an, liier ganz einibliaugig von niciuc n ■ Organisationsst ittit offen 11׳ erklären, dass ich nicht als einen Vorwuri mische, wenn man tnitcistellt, dass ich meine Kraft emsetzc. mu die .Mach; der gegenwärtigen Hiiürimg zu stutzen. Von de■׳ gegenwärtigen Leitung weiss ich. was sie will, wk sie arbeitet, in welcher energischen und voisichti gen W'eise sie unsere Bewegung a 11 schwierige■!. Klippen vorbei immer vorwärts und aufwärts ge• leitet hat. Auch unsere l'iilirung hat durch die• Tat bvwiesen, dass mau an der;■'itzc einer Bewegung wie es die zionistische i־>t, in kurzer Zeit tmgebeuci viel lernen kann, und mir ist eine Leitung, von de•; ich die Grenzen ihrer Halligkeit kenne, taiisetnlin. l lieber als eine neu׳: Komposition, aus deren verwm reuen 'Ionen ich nichts anderes hernushöre als da Unzufriedenheit mit der Tatsache, dass unsere leicht■ beschwingten Hoffnungen dem schwerfälligen G;11,s der l.atwieklting der Hinge weit vorauseilen. Wenn ich nur. zur Behandlung der H'rage de: Hüderation libergehe, so möchte ich vorausscliickci׳. dass ich nicht, wie das von verschiedenen Seite; angenommen wird, ein Gegner de« H'odcrationsidc bin. Herr Dr. Roscat’eLI ans Lemberg scheint 1׳. unterstellt zu haben, indem er sich über die Lu, I schrankiing de, l'oderatio.isidee duicli das aea Böses und Schlechtes verbreitet, aber es hat sich; später erwiesen, dass das meiste falsch oder stark 1 übertrieben war. Man kamt sagen, dass Mathilde; weit besser war als ihr Ruf. Sie war ein hübsches i Mädchen; da sic keine lief angelegte, sondern im J Gegenteil eine recht oberflächliche Natur war, war J sie gar nicht imstande, dem Höhenflüge ihres (iej lichten zu folgen und sich in sein Seelenleben zu ן versenken. Wenn man aufrichtig sein will, muss mau j sagen, dass sie daroh weit mehr zu beklagen war 1 als er. Mathilde!)Hegte ihren Gatten während seiner ן langw ierigen Krankheit mit grosser Sorgfalt und J Liehe. IVt sie ausserordentliche körperliche Reize | hesuss, hätte sie in Paris leicht ihr Glück machen j können, wenn sie nicht an den kranken Heine gej fesselt gewesen wäre. Wenn man das alles ohne! Sentimentalität und ohne Voreingenommenheit erj wägt und dabei in Betracht zieht, dass Mathilde! für einen Manu, den sie nicht verstehen konnte und j der sie nicht verstehen wollte, die schönsten Jahre J ihres Lebens geopfert hat, wird man zu dem Schlüsse! kommen, dass sie nicht das gemeine mul verworfene Geschöpf gewesen sein kann, als welches viele Heinevergöttere»- sie liiustellen möchten; sie verdient mehr Mitleid als Zorn und Verachtung. Die letzte Trösterin mul H’rctmdin I leinrieh Heines war Mouche, ״die sanfte, süsse Mouche", ihr richtiger Name war H.lise von Krinitz. Ihre abenteuerliche Geschichte ist auch heute noch in Dunkel gehüllt; wir sehen sie immer mir mit Heines Augen, und da bleibt sic für uns ein köstliches Praucnbild voll Güte, Hingebung und Opfcrwilligkeit. t Misceuen 9 Slalislik der Juden*) Die jüdische G c s a in 11» c v ü I k c r u 11 g der Well /■•ilüt nach der Statistik des in London vor kurzem erschienenen ״Jewish Year hook" llf»25(»53 Köpfe; davon entfallen allein auf Htiropa יס8א Up). An der Spitze d־:r europäischen!.ander steht die jüdische Bevölkerung Russlands, die 5 082 3-12 Seelen beträgt. Österreich 11,1t 1233 11.?, Ungarn 851378, Deutschland 0117 8(12, die Türkei 282 277, Rumänien 250llll'i, (iiosMuitaiiiiicii mul Irland 2-1(151(1, 11101.1111 ׳ UM000. ln Hrankrcieh zahlt man nur!)5 000 Juden und in Spanien, das vor den grossen Judcttvei iolgimgen eine jüdische Heviilkerung von viele.) Iimulcrttausciul Köpfen zählte, mir noch •1000. 'nteressant ist die statistische Zusammenstellung, die den Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung in den grössere!» Städten zusammcnstellt. An der Spitze stellt'Jerusalem mit 55 von 100; es folgen Lodz mit •17,5'״', Odessa mit 33,75 % und Warschau mit 55,51>U, An vierter Stelle steht New York mit 20.3׳.׳'• vor Budapest mit 23׳■׳’, Wiens jüdische 1kvülkcrimg beträgt 8,75 0* der Gesamtcinwohnerschaft. In Deutschland stellt Hrankfur tmit 8,15 0• an der Spitze. In Berlin zählt man •1,85 in Chicago 3,5S׳׳, in Hamburg mir 2.31% und in London nur 2,28 5׳. In Paris beträgt der Prozentsatz 2.07, und M) Vgl, die von uns veröffentlichte Statistik des Berliner ״Bureaus für Statistik der Juden" in Nr. 52 der ״J. R." von MW. noch geringer ist er in Rom, wo die indische 1׳ vülkerung mit ׳׳'1ר,י angegeben wird. Brussel zal; 1.1(» ׳, die geringste Zahl unter den europäisch»׳: Hauptstädten aber zeigt Petersburg mit nur (),•'3 Hin jüdisches Museum in (liifjarn Aui Anregung des Dr. H’r.utz Mezev h.,t cs .! israelitische I1ter.11 iselie ungarische Ucss.-Iiscl1.1ft mit» 1 uommen, ein jüdisches Museum in Ungarn zu I | gründen. Zu diesem Zwecke soll ein besonda > ' '״!u׳s gestiitct werden, für den bereits namli.i; | Beitrage gezeichnet wurden. Die Wände des ,M; semiis sollen mit Bildern geschmückt w erden wek ן die Institutionen der einzelnen jüdischen ücmeiml . des Landes darstellen. ,,״«,ov.iv. *״inanuuscr in UilllZien In Drohobyez fand kürzlich di•: feierliche Hrotin des neuertichleten jüdischen Nation;,ihatises ״B .lelmdal1 statt. Unter dem zahlreichen Publikum landen sich auch der Rahhincr. der Vizepräsident! Kii tusvnr.standes. sowie Vertreter sämtlicher 1h»rt1 indisch-nationaler Vereine. Hs wurden mehrere sprachen —• darauntcr auch hebräische geltall in denen auf das siegreiche Vordringen des natmi indischen Gedankens, der. wie diese H’eier bewe auch von den umziehen Repräsentanten der Judciil immer mehr gewürdigt mul anerkannt werde, so׳ auf die Bedeutung solcher jüdischen Volkshtiuser I gewiesen wurde. Zur Leier waren zahlreiche I grussimgstelegramme eiugoluufen. 11. a. auch von d I rasidcnten der zionistischen Partei David Woli solin und den Reichsratsabgeordneten Dr. Stra c 11 e r und Adoli Stau d.

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