Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 7 (18.2.1910)
- Date
- 1910-02-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2651657-2651665--06890-2664014- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seife 74. JUEDISCHl RUNDSCHAU No. 7. DCr neunte Konoress | Stellen ilie Vorbcrcitungsarbciten für die ge . .. ... 1 plamcn Waldpflan/unKni im Oa11(>«. Von Dr. L W e i n b erg, Dortmund (Schluss.) Ich will nunmehr noch kur/, von den /io• nisti sehen Institutionen berichten, die in der KongressdebaUe, wie es natürlich ist, den breitesten Kaum eingenommen haben. Es. is: auf dem Kongress ein umfangreicher Bericht des P a 1 ii s t i n a r e s s 0 r t s erstattet und da• 1 in der I ortschrilt aller von zionistischer Seite unternommenen oder unterstützten Arbeiten dokumontiert. Her Fortschritt der Kunstgewerbe• schule ״Beza lei“ unter der Leitung des Pro• fessors Boris Schatz tat sich auf den! Kon• grosse allen Blicken kund. Wer die in den Rät!• men des Komrressgebaudcs veranstaltete ,Aus* Stellung des Bezalel betrachtet hat und im Geiste die Ausstellung vor 2U Jahren im Haag an seinem Attge vorüberxiehen liess, der wird die Ueber/.eugung gewonnen haben, dass durch den Bezalel für die palästinische Judenheit und da• mit für die Judenheit Überhaupt etwas sehr Be• deutendes sich vorbereitet. Von allen Arbeiten der Schule hat die T e p p i e h k n ii p f e r e i den grössten Aufschwung genommen. ׳ Man glaubt, jetzt schon das Recht zur Annahme zu haben, dass die Tepipchkniipforei als Industrie in Pa• liiStinn sich einführen wird und damit der Um• Wandlungsprozess eines noch immer grossen Teiles der in den S'ädten wohnenden palästini* sehen Judenheit sich vollziehen wird aus einer armen unproduktb en Bevölkerungsschicht in eine wohlhabende werktätige, betriebsame und na• ronal hochwertige Bevölkerung. Hie Arbeit in Palästina, die unter der l.ei* ttutg von Professor Warburg geleistet wor* den ist, hat auf dem Kongress grosse Anerken• r.ung gefunden, liier auf Einzelheiten einz.it• gelten, würde zu weil führen. Per J ii d i s e 11 e Nation a l f o 11 d s, dessen Bestimmung es ja ix. palästinischen l’oden als Gesamteigentum lies jüdischen Volkes zu erwerben und auf ewige /eiten zu erhalten, befindet sich in einer dauernd auixeigenden Entwicklung. Pas Jahr 1000 hat seit Bestehen des F'onds die grösste Ziffer an I mgüngen zu verzeichnen - über 400 000 Mk. Pabei sind nicht mitgerechnei zwei vor kurzer Zeit unter besonderen Verhältnissen dein J• N.-P. überwiesene grössere Spenden und die Schenkung des Gebäudes des hebräischen Gyiuu;.si1uu>, das auf NationalfotuKland errichtet wird, durch den Friedensrichter Moser aus ITadiord. Fine gleiche Popularität wie der Nationalfonds hat die ihm angegliederte aber getrennt verwaltete ()elbmimspende gewonnen, die. wie Ihnen bekannt ist, zur Aufforstung Palästinas dient und deren Erträgnisse für kulturelle Zwecke in Palästina bestimmt sind. Ihre Einnahmen haben sich im letzten Jahre betleutend gehoben. E.s sind bereits an verschiedenen Der Bericht über die F i n a n z i n s t 1 tute unserer Bewegung, unsere Banken, lässt deren hohe Bedeutung lut־ den wirtschaftlichen Aufschwung des jüdischen Palästina erkennen. Es ist bekannt, dass wir eine Mutterbank haben, den Jcwislt Colonial Trust in London, und dass von dieser Zentralstelle aus selbständige Tochteriustitute in Palästina und in Konstautinopcl errichtet worden sind. In Palästina ist es die Angln-Palästiuabnnk mit ihren Niederlassungen in Jaffa, Jerusalem, Beirut, 1 lehron und I laifa, in Konstantinopel ist cs die Anglo I.evantine Banking Coutpanv, die jüngste Blüte am Batttue des Zionismus. Wie es natürlich ist, bestehen hinsichtlich der zionistischen Bankpolitik Gegensätze, die auf dem Kongress zum Austrag gekommen sind Was die Täligkeit der jüdischen Kolonialbank in London betrifft, so ging die An•' siebt des Kongresses dahin, das$ die europä• isehen Geschäfte der Bank möglichst eilige* sihräukt und die freiwerdeiuleu Mittel in Pa• l.istina angelegt werden sollen. Pie Auglo-PaUistinabaiik, die sich gut reutiert, ist in Palästina für die ansässigen Juden und nicht nur für diese ein fast unentbehrliches Institut geworden, das int vorigen Jahre bei einem Run auf die Bank seine Feuerprobe glän* zuul bestanden hat. I in objektives Zeugnis für die Bedeutung der AugloPalästiuabank bildet der letzte br i t i s c h 0 l< o 11 s u I a r b e r i c h t, in dem die zionistische Bank als eine der vier grösseren in Jaffa bestehenden Banken genannt wird und zwar gen,mm wird neben der Kaiserheb ()((omanischen Bank, dein Credit Lyonnais und der Peutschon Palästinabunk. Pie Bank hat, wie ich aus dem Bauk-Bcricln hervorheben will, zur Belebung des I andes beigetragen durch Bereitstellung von Mitteln zur Gründung von I eihgeuossensehaften. I s bestellen im Lande 2S Genossenschaften mit über 1100 Mitgliedern. Sie fördert die Einführung neuer Geschäfts• zweige, hat den Ban von zwei j ii d i s c 11 e n Stadtvierteln mit 100 Häusern in Jerusakm, den Bau von 00 Häusern in Jaffa und 10 in Haifa ermöglicht. Und cs wird die Zeit kommen, wo die Bank zu ihrer grösseren Aufgabe kräftig genug sein wird, sich an der Er wer• billig von Konzessionen zu beteiligett.!. Ich würde unvollständig berichten, wenn ich zum Schluss nicht sprechen würde von den zionistischen A u f g a b e n d e r 11 ä c 11• s t e 11 Z u l< u 11 f r. Es handelt sich um die wichtigste zionistische Frage, um die Schaffung der Bedingungen zur Entwicklung eines gesun• den jüdischen Bauernstandes in Palästina. Zwei Aufgaben sind es, die auf das gleiche Ziel hin• stieben und augenblicklich im Vordergrund de> Interesses stehen: Pie Schaffung eines Boden• k r e d i t i u s t i t tt t e s in Palästina und die Aufnahme der genossenschaftlichen l< o 1 o n i s a ti o n sin e t h o d e in den Bereu I» 11er zionistischen Organisation. Ein Bodenkreditinstitut setzt Bode11recht>• Verhältnisse voraus, wie sie in den meisten Rechtsstaaten vorhanden sind, wie sie aber einstweilen noch nicht vorhanden sind in der Türkei Nachdem die Türkei in die Reihe der Recht־• Staaten cingetretcn ist, wird sie nicht 11111111! können, zur Lösung ihrer grossen Wirtschaft• liehen Aufgaben sielt der modernen europäischm Immobiliarrechtsformen zu bedienen. Pie Lin• fülirung dieser Bodenreclitsrelormen ist nach all gemeiner Ansicht eine Frage kurzer Zeit. Pn Kongress hat eine Kommission von Sachverxän digen gewählt, welche die zur Gründung eine• Instituts für Bodenkredi! erforderlichen Mass• nahmen durchführen soll. Pie genossenschaftliche Sicdlungsmcihode die demnächst von der zionistischen < )rganixt•!חסו an einem Beispiele der Welt gezeigt wer• den soll, ist ein Gedanke, den der bekannte Ge• lehrte Pr. Franz (י p p e n 11 e i m c r wissenschaftlich ausgebaut und den er bereits voi sieben Jahren auf dem VI. Kongress vertret11 ־ hat. Damals ist bereits beschlossen worden, di• genossenschaftliche Sicdlungsmcthndc in den Tätigkeitsbereich der zionistischen Organisation aufztmehmen. Es war damals ein platonischer Beschluss. Es war eine ungünstige Zeit. Pa* mals war es, als das lז g a 11 d a ין r o j e k t auf• tauchte. Wir haben mittlerweile jene Krise über• \,׳unden. Wir sind ein׳• kraftvolle Bewegung geworden. I leute unternehmen wir kühn und mutig das Wagnis. Per Jüdische Nationalfoiuls wird der zu cnich.mulen genossenschaftlichen Kolonie den erforderlichen Boden zur Verfügung stellen, sobald ein G e n o s s e 11 s e 11 a f 1 s f o 11 d s gebildet ist, der an den Jüdischen Nationalfoiuls angegliedert werden soll. Und dieser Genosscnschaltsfonds wird gebildet wer• dm. Er soll für den ersten Versuch nur den Betrag von 10000 Eres, haben; weitere 100 000 Eres, stellt der J. N.-E. zur Verfügung. Nach der Rede Pr. Oppenheimers sind aus dem Kreise der Delegierten in ganz kurzer Zeit für den Ge• iiossensehaftsfoiids 10 000 Mk. gezeichnet wer• den. Pr. i■'ranz Oppenheimer ist die kraftvolle 1 crsöitlieiikeit, die U’>V.bigt ist. das Werk der genossenschaftlichen •Siedlung zu beginnen mul 1!•folge zu erzielen. Pr. Oppenheimer hält diese Art der Siedlung nicht nur für die einzig aus• sichtsrciche zur Schaffung eines gesunden j ü d i s c 11 e n B a u t r 11 s t a 11 des, der Grundläge jeder Kolonisation, sondern er ist weiter auch der Meinung, dass durch eine solche Sied• Gespräch A. : Es ist doch eine befremdende Erscliei• ming, dass in den letzten 10 Jahren eigentlich nichts geschrieben wurde, das jüdisch-nationales Empfindet; und wirkliche Kunst vereint. Ja, dass nichts geschehen ist. das man nur irgend• wie als eine Fortsetzung der Bestrebungen ansehen kann, die uns einen Jüdischen Almnnach und anderes gaben. Per Zionismus muss doch in den vielen Fälligen einen nachhaltigen Eindruck!unterlassen haben. Und da wir doch sonst sr> literarisch begabt sind, überrascht es mich im höchsten Masse, dass sieh gar keine jungen Talente bemerkbar machen, die über einen mehr oder minder starken Dilletantismus heraus kommen. B. : Sie haben sehr richtig beobachtet. Nach einem ganz kurzen Aufschwung, der uns wie eine Renaissance erschien, gerieten wir desto schneller wieder in eine öclc Verflachung, Aber ich glaube, dass dies eine ganz natürliche, ja begründete Erscheinung ist. Eine ehrliche, innere Renaissance, eine Neugestaltung unseres Seelenlebens, — denn unsere Kunst, die Kunst, auf die wir warten, wie überhaupt jede Kunst, ist ja nur der Ausdruck unseres Innenlebens — kann nur eintreten. wenn wir alle Grundlagen dafür geschaffen haben, kurz, wenn wir unser Ziel werden erreicht lu.bcii. Bis dahin wird all uiisere Kunst nur eine Sehnsucht sein, ein Ver• langen nach Freiheit und Befreiung; der Aus• diuck unseres Schnees nach jüdischer Kunst — 10er noeii keine jüdische Kunst. Negatives, Noclni ich (•Positives. A.: Ich muss zm׳eben, dass manches rieh• tig ist, was Sie sagten. Aber andererseits ist der Zionismus doch selbst etwas so Positives, so Be'iaheiiclcs, dass schon er die Grundlage einer nationalen Kunst bilden müsste. Er ist doch eine Weltanschauung, die Jausende und Aber• tausende erfüllt. I hui jede Weltanschauung hat noch ihren künstlerischen Ausdruck gefunden. Ich brauche Sie ja nur an Bruno Wille’s Schaffen zu erinnern, um ein eklatantes Beispiel aus 1111■ serer Zeit herauszngreifen. (Ader an die sozia• listisclien GediclHc Karl 1 lenckell's. Und au viele andere. Warum dann bei uns nicht? ß.; Sie berühren da einen der wundesten Punkte. Sie verlangen junge Talente und ver• : gossen dabei, dass wir .unsere Jugend erst zu uns heran ziehen können, wenn sie in einem •Mler ist, wo sie einer vernünftigen Uebcrlcgung fällig ist; wo also die Richtung ihrer künftigen Entwicklung bereits stark betont ist. Die braucht Jahr um Jahr, dass ihr aus der Idee eine Welt* Anschauung erwächst. Ja, wenn unsere'Jugend von Kind auf be• wusst jüdisch or/.ogen würde, dann wäre 0־ möglich, dass wir auch im Westen einer jiidi• sehen Kunst entgegengingen. A : So halten Sie also jedes Bemühen, be• reits in dieser Uebcrgangsperiodc die Anfänge unserer Kunst zu schaffen, für vergeblich? B.: higeittiieii doch nicht für vergeblich, I rotzdem ich ׳liebt glaube, dass cs uns gelinge:, wird, eine echte jüdische Kunst jetzt auch tut! in den Anfängen zu begründen, halte ich doch jedes Streben danach für äusserst wertvoll, denn es ist unsere stärkste I lib'e bei der Uinsetzuiu׳ unserer Idee in die Philosophie, bei der inner• liehen Erlebtmg des Zionismus. Und wenn das, was wir jetzt schaffen, auch nur der Ausdruck unserer Sehnsucht ist, so ix doch die Sehnsucht etwas, was wir nie verlieren (Itirfcn. Und wenn sie so stark wird, dass sie alle Banden bricht und überscliäumt, wie süsser Honig in der Sonne, so wird dies die Stunde sein, wo unsere, wo die jüdische Kunst erstellen wird. ^•־ Aber selbst wenn Sie recht haben, was teil Ihnen noch nicht so ohne weiteres zugehe. warum ist unsere Sehnsucht jetzt noch nicht so stark, dass reine Kunst aus ihr hervorgegangen ist? Spricht dies nicht gegen Sie? B•: Oh, durchaus nicht. Ich könnte Ihnen darauf so vieles antworten, so vieles. — — —