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Jüdische Rundschau · 1910-02-11 · Heft 6 (11.2.1910) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 6 (11.2.1910)
Date
1910-02-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Seite 65. No. 6. JUEDISCHE RUNDSCHAU diese schliesslich dem Kollcslum (entsprechend dem 2c1)1r.tl!'0״''*ct'^ Ha diese neue Gruppierung: keinen zionistischen JuiiKiuden von seinen zionistischen pfliv'litcu. wie hinreihen in die zionistische Organisation etc. .»!»liUlt oder auch nur nblcnkt, da die funktion-'ire ferner selbst mit dieser Organisation eng verknüpft sind, bedeutet das Ganze eine segensreiche Arbeit Steilung und eine Verdoppelung der 'ArbciNi1«ighcl1keit. Das Werk des Hilfsvereins Am \hend des 2. Februar (and im Saale der Ge* jclHcli׳•: der Freunde eine Versammlung des Hillsvcroii' der Deutschen Juden statt, die »heraus zahlreich 1■•■•Miclit war. Der Vorsitzende des Hillsvcrcins Jcr p,!:sehen Juden. Herr James Simon, eroiittoi« die Versammlung mit einem kurzen Rückblick .,1״ dv ״'י mulmig. Entwicklung und die last neun- T.iiigkcit des Vereins. F.r führte aus, dass ן,!" /,!•.. J.iliie l0״t die deutsche Judenheit siel» nicht ״,. :Vsten Vereinigung zur Linderung des Klcnds jcr 1,;;!»eusgenossen in den Ländern des Drucks mui d« Verfolgung zusammcngcschlosscn habe, ob- \U)l«l .׳,־ Notwendigkeit eines solchen Zusammenh-Ii!hv ebenso dringend bei uns wie In Frankreich, hucl.n;md Oesterreich gewesen sei. Hin überaus criicl ' ■•'•׳.,r Teil der Arbeit bei allen grossen Ka- ״s!r,: die über die Judenheit des Ostens in den let/u!! ׳.dir/clmten hercinhraehcn, sei immer von der u,,.:'dien Judenheit geleistet worden, und das scj!;. ilielt infolge der geographischen Lage Pcui'v nds. Die Komitees, die speziell für diese Arbeit \-׳t1 Fall zu Fall eingesetzt werden mussten,!utica ' eh aber bald wieder aufgelöst. Ihre Kri.,!uu:u :■ ihre Arbeit und ihre F.nergic sei für spüterc hen — die leider nicht ausbliebcn — verl״rt:1 k. •iigen. so dass solche Seliiiplmigen des Augenblicks 1,11״,ei ' .v .lei von neuem ins Leben gerufen werden 1m!v>u •, Viel kostbare Zeit wurde damit verloren, ehe k■11. ־ ׳1׳. wenn es nötig war, ein Komitee zu- S.1:;> “1 -S. I:1wl ן Zustande habe der Ililfsvcrcirt ein linde fcV.M-lv!.• Die luuieklung des Milfsvcrcius zeige, wie fühl- 1ז,.י div i!vke gewesen sein muss, die er ausgcnillt lut. Y> a den 300(1 Mitgliedern im ersten Jahre ist der Iv.!ein jetzt auf über 201100 Mitglieder geu.Jisva Die regelmässigen .1 a 11 r e s b e i t rii g c li .icii Sk! von 20 000 Mark im ersten Jahre auf über Di •׳! .v.uk vermehrt, ln den noch nicht 9 Jahren vvir.vs Pissdieus habe der llilfsverein für seine laii.i.iiatai v 11 Zwecke bereits über -Iי - Millionen Mark .aiMifgdHii. So sei der Hilfsverein mächtig emporgcw.u’hvvii und nehme unter den jüdischen Organisat.«11011׳ tme aclitunggebictendc Stellung ein. Herr Si111׳»n! > 1״m wieder, dass der llilfsverein keine p! iiitvvhvii Hestrehungen irgendwelcher Art verfolge und sivl. .iiissciilicsslicli seinen humanitären Aufgaben wiJaie. I'r stellte mit Dank fest, dass die deutsche R e 1 c 11 m e g i e r u n g jederzeit die Tätigkeit de י« Hillsvcrcins, soweit politische Interessen mein v:!gegenständen, unterstützt habe. — II! ׳.׳auf ergrilf Herr Generalkonsul Fugen Landau das Wort, um in grossen Zügen einen l'vbvr! kk ulier das Hilfswerk des Vereins für Russl.unl in ul die Auswanderung aus dem Osten zu geben. Kr hg,um mit einer Schilderung der schweren He- Svhra;.:ingcn, denen die Juden Russlands unterliegen mul gi:des Kälteren auf die Verfolgungen ein, denen seit dv 1 .!;ihre IHHt die Juden Russlands ausgesetzt su־\uh!i sind, Fr führte noch einmal die Hilder aus tlt.c Sclireckcuszelt der russischen Pogrome der ,1,11,1e 1005/(1 den Zuhörern vor Augen und zeigte, wie in liesett Jahren der Hilisvcrcin das Licbcswcrk org.mi* arte, und in welch grossem Massstabc er den Opfern der blutigen Verfolgungen Linderung und Hilfe gi br.ielit habe. Die Ausgaben des Hilfsvcrcins f״r ki'vvi.nui ן!, jcll Seiireckcusjahrcn 1905/0 allein 1,ünigcii 72(. י (MM) Mark. 1 »IC grösste Hilfe aber, die der Verein den (ist- Iwlieii Glaubensgenossen angedeihen lassen konnte, war, die Auswanderung aus den Ländern des Drucks und der Verfolgung zu leiten und für die Regulic* זu 11 g der Auswanderung zu sorgen. I'a Deutschland das Zwisclicnland zwischen den Au•• und Ein* wandcruiigsllindcrn '■ so nehme der grösste Teil der Aus- ׳anderer ihren Weg durch Deutschland. Diese lassen haben an die Arbeit und die Mittel des Hills• ctciiis ausserordentlich hoho Anforderungen gestellt, ׳ne Vorstellung über die Qrössc der jüdischen Ausanderung erhalte man, wenn man die Einwandc- ״״«zahlen nach Amerika sich vergegenwärtige. Cs 'ien in <jcn letzten 5 Jahren nach Amerika etngeändert: 1905 129910 1906 153748 1907 149182 1908 1 03387 1909 57 551 insgesamt also 593778 Personen. Das sei aber nur die Einwanderung von Juden nach Amerika. Dazu treten etwa noch 118756, die nach anderen Ländern auswanderten, so dass in den letzten 5 Jahren 712534 Juden ausgewandert seien, davon 475022 allein aus Russland. Zum Schluss führte Herr Generalkonsul Landau aus, dass die Lage unserer Glaubensgenossen im Osten so bcdroh lieh geblieben sei, dass cs für alle dcutselten Juden eine Pflicht sei, den Hlifsvcrcin für alle Eventualitäten finanziell zu stärken. Geber das Schulwcrk des llilfsverein• | der Deutschen Juden, das er besonders im Orient unterhält, referierte der folgende Redner, Herr Dr. Paul N a 111 a n. Die erzwungene Auswandcrtmg unserer Glaubensgenossen au» dem Osten, so führte Herr Dr. Nathan aus, stellt uns vor eine weitere Aufgabe. Da grössere Massen des Ostens nach dem Orient eiugewandert sind, so sei es unsere!*flickt, diesen nach dem Orient Eingewanderten und auch der gesamten orientalischen Judenheit diejenige Bildung zu vermitteln, die sic in den Stand setzt, im Orient selbst bodenständig zu werden und wirtschuftlich sielt cmporzultelien. Neben den Ländern, die jetzt die jüdischen Auswanderer autnehmen und die eines Tages, sei cs infolge wirtschaftlicher oder infolge anderer Ereignisse nicht mehr in dem Masse aufnahmefähig sein könnten, wie sie cs heute noch sind, müssen auch die Länder des Orients der jüdischen Einwanderung offcngchaltcn werden. Für eine grössere Einwanderung in der Zukunft kämen diese aber nur dann in Betracht, wenn die bereits im Orient ansässigen Juden durch Er- Ziehung und Bildung von der Armut, in der sic sich jetzt befinden, zu wirtschaftlicher Selbständigkeit emporgehoben würden. Das sei nur möglich, durch einen ausgedehnten Schulunterricht der jüdischen Jugend, den der llilfsverein der Deutschen Juden organisiere. Der llilfsverein beginne sein Erzichungswcrk bei der Jugend im frühesten Kindesalicr. Das Fundament des Er/Lhuitgswcrkcs stellen die Kindergärten dar. Der Verein bcsitzt bereits 14 solcher Kindergärten, darunter 3 in Jerusalem und 2 in Jaffa. Da das Klndcrmatcrial aus den versciiicdensprachigstcn Elementen zusammengesetzt ist, war man in Verlegenheit, welche Spraclte in den Kindergärten zu gebrauchen sei. Einige Kenntnisse der 11 c b r ä i s c h e n Sprache sind aus religiösen Ursache» nun allen Kindern ge- 111 einsam. Der liilfsvcrcin hat datier aus rein pädagogischen Gründen und entsprechend den religiösen Anschauungen der dortigen Bevölkerung die hebräische Sprache als Eiiiheitsspraclic in den Kindergärten fiir angebracht gehalten. Dass übelwollende Kritiker der Benutzung der hebräischen Sprache in den Kindergärten und auch ilircr Heiltelialnmg neben den anderen Sprachen In den cigent* liehen Schulen des Hilfsvcrcins einseitige Tendenzen unterschieben, zeige nur, dass diese Bcurtcilcr das Problem der Erziehung der jüdischen Massen im Orient nicht erfasst hätten. Denn wer die Erziehung der Massen sielt zur Aufgabe macht, müsse auch den Bedürfnissen dieser Massen, die in ihrer Religion und ihrer Tradition fcstwurzcln. Rechnung tragen. Das tue der liilfsvcrcin mit der Fliege der hebräischen Sprache. Es iahe woM niemandem ein, so (ährte Herr Dr. Nathan aus, die Leiter des Hilfsvcrcins der Deutschen Juden und ihn als Zionisten zu reklamieren. Die Stellung aller dieser Persönlichkcitcn im öffentlichen Leben sei zu bekannt. Aber der llilfsverein sei natürlich int lntc resse der Judenheit vorurteilslos genug, um nicht eine pädagogischhumanitäre Massregei zu verurteilen, die zugleich der Anschauungsweise der Zionisten entspreche. Wie denn der llilfsverein, soweit cs sich mit seinen Anschauungen vereinbaren lasse, gern mit *Heit humanitär wirkenden Vereinigungen zusamittcnarbcitc. Auf die Kindergärten pflanzt der Hilfsverein als* dann die Volksschule, In der in kleinen Slädtcn, Dörfern und Kolonien, wo das Bedürfnis nach einer fremden Sprache nicht vorhanden ist, nur die Landessprachen Türkisch, evtl. Arabisch und Hebräisch neben den Realien und den allgemeinen Fächern unterrichtet werden, ln den Städten aber, die einen Verkehr, sei es einen wirtschaftlichen oder geistigen, mit Europa haben, reihe sich die ge* höbe ne Schule der Volksschule an. In diesen Städten sei cs Aufgabe des Hilfsvcrcins der Deutschen Juden als einem deutschen Vereine, die deutsche Sprache als dio gegebene Kiiltursprache zu lehren. Das geschieht überall da, wo ein Bcdürfnis hierfür vorhanden ist, in ausreichender Weise und das aus praktischen Erwägungen heraus, da deutscher Handel und deutscher Einfluss im Orient trotz aller Gegcnbcstrcbungcn ständig zunehmen, und für das Fortkommen der orientalischen Judenheit namentlich im Handel und in der Industrie werde die deutsche Sprache mehr und mehr notwendig. Die deutsche Sprache ist auch darum in den Schulen des Hilfsvcrcins zu lehren, weil die Schüler zum grossen Teil aus Familien stammen, die aus dem Osten cingcwandcrt sind und den deutsch- Jüdischen Jargon als ihre Muttersprache von Hause aus beherrschen: Um die Juden für Handwerk und Landwirtschaft tauglich zu machen, erhalten die Schüler nach Mögliclikdit Unterricht in Handfertigkeit und auch landwirtschaftliche Unterweisung; beide Zweige dieses Unterrichts müssen freilich noch wesentlich ausgebaut werden. Das Erziehungswesen des Hilfsvcrcins im ottomnnischcn Reiche, so hob Herr Dr. Nathan mit Nachdruck hervor, wird von dem Gedanken bcherrscht, die Juden des Orients bodenständig zu machen, sie an die orientalische Heimat in Liebe zu fesseln, die Erwcrbsmüglichkeitcn der Heimat zu erscliliessen, sic zu guten und treuen Söhnen des ottomunischcn Staatswesens und zu tüchtigen Mensehen und Juden lieranzubildcn. Mit den gehobenen Schulen in den Städten ist das Schulwcrk des Hilfsvereins nicht abgeschlossen. Zur Ausbildung tüchtiger Lehrer für den Orient habe der Hilisvcrcin ein Lehrerseminar in Jerusalem geschahen, dessen Bestehen bereits von den segensreichsten Folgen fiir die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung im Orient geworden ist. Aul die Initiative des Hilfsvcrcins sei ferner die Errichtung eines T c c h n i k u in s am F u s s e des Carmd in Angriff genommen worden. Alle Vorbereitungen für den Bau, der wohl in aller Kürze beginnen werde, seien bereits getroffen. Dieses technische Institut verspricht von grosser Bedeutung zu werden, da auch Im Orient dem Techniker die Zukunft gehöre. Schliesslich habe der llilfsverein nocli ein anderes Ziel sich gesetzt. Neben tüchtigen, arbeitsamen Bürgern, neben Lehrern, die die kommende Generationen aufzichcn, die er dein Orient geben will, müsse er eine neue Organisation der Talmud- T h o r a - S c hule n (Rahhincr-Scliiilcn) herbeiführen, um auch ein tüchtiges Rabbinergcschlccht heranzuhiiden. Wenn der llilfsverein alle diese Aufgaben erfülle, dann habe er eine K u 1111 r t a t für den Orient geleistet, die nicht nur für die dort angesessene Judenheit und damit für das ottomanisclie Reich, sondern auch ein Segen fiir die Gesamtheit der Juden und für die ganze Menschheit sein wird. Durch die immer stärkere Teilnahme der deutschen Juden an den Arbeiten des Hilfsvcrcins werde die Erfüllung dieser Aufgaben sich ohne Scltwicrigkcitcn crinögliehen lassen. Nach diesen Ausführungen betrat der Landtags- •!!)geordnete, Herr (Ich. Justizrat O. Cassel, die Rednertribüne, um in warmen Worten auf die Bcdcutung des Hilfsvcrcins der Deutschen Juden nicht nur fiir die bedrückten Glaubensgenossen des Ostens, sondern aucti für die deutsche Judenheit hinzuweisen. Neben den anderen speziell für die deutschen Juden begründeten Vereinen wirke der Hilfsverein segensreich aucli fiir die deutschen Juden. Die Ereignisse der letzten Jahre haben bewiesen, dass, wenn der Hilfsvcrcin der Deutschen Juden noch nicht bestände, er begründet werden müsste, (lcwiss gebe cs Not und Eiend auch unter den Glaubensgenossen in Deutschland zu lindern, aber die heilige Pilicht jedes deutschen Juden sei cs, auch ausserhalb der Grenze seines deutschen Vaterlandes, an dem die Juden mit ganzem Herzen und mit hingebender Treue hängen, denjenigen Glaubensgenossen helfend die Hand zu reichen, die ihres OI a 11 b c n s und ihrer Abstammung wegen in anderen Ländern verfolgt werden, Die Versammlung folgte den Vorträgen der Redner mit gespanntester Aufmerksamkeit und zollte den Darlegungen lebhaften Beifall. Der Vorsitzende schloss, nachdem er noch auf die Not der rumänischen und galizlschcn Glaubensgenossen aufmerksam gemacht hatte, mit einem Dank an die Anwesenden gegen %ll Uhr die Versammlung, die als eine Imposante Kundgebung für die Bestrebungen des nllfsvcrelns der Deutschen Juden Ihre Wirkung nicht verfehlen dürfte.

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