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Jüdische Rundschau · 1910-02-11 · Heft 6 (11.2.1910) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 6 (11.2.1910)
Date
1910-02-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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JUKDISCHE RUNDSCHAU \ Seite 61. No. 6. zu sein. Durch dieses Verhalten zogen sich die Juden die offene Verachtung der einen und den glühenden I lass der andern zu. Das Auflehen des jüdischnalionalen Oedankens in Oesterreich hat dieser unwürdigen und gefährlichen Zwitte!Stellung der Juden das l'ude angekündigt. Die gesunde ürundanschauung der nationaljüdischen Partei in Oesterreich, die von ihren tüchtigen Abgeordneten, an der Spitze den hervorragenden Abgeordneten D1\ Karl Strauche r aus C/.ernowitz mit grossem Ernst vertreten wird, bestellt darin, dass sie die Heslrebungeu der einzelnen Nationalitäten, ihren Angehörigen Raum für nationales!.eben zu schaffen, anerkennt, und dass sie dieses natürliehe liecht in gleichem Masse für die j ii d i s c 11 e Nationalität in An- Spruch nimmt. Dagegen hält die jüdische Nationalparlei es für unklug, taktlos und die jiidisehen Interessen aufs Tiefste schädigend, dass Juden in einen fremden häuslichen Streit, in den Streit fremder Nationalitäten, sich hineinmischen und für die eine oder andere Nationalität Partei ergreifen. Das Ereignis des letzten Jahres in dein Kampf um die Anerkennung der jüdischen Nationalität in Oesterreich war der Beginn des Kampfes um die j ii d i s c he I. a n d t a g s - k u r i e in der Bukowina, in Galizien und in dem neuen österreichischen Kronlande Bosnien, in dem Kronlande Bosnien ist der jüdischen Nation ausser der Stimme des jeweiligen Oberrabbiners von Serajewo ein Volksmandat für die Landesvcrwaltung bewilligt. Ein Erfolg in den »ihrigen 1 ändern der österreichischen Krone, ins* besondere der Bukowina, ist sicher in der Zukauft zu erwarten, zumal gerade in der Buk()- wina die übrigen Nationalitäten die Bereehtigung der jüdischen Eordorung anerkannt haben. Der andere Punkt auf den ich Sie hinweiscu möchte, ist das Aufleben des Zionismus i n l i n g a r n und die bedeutsamste Tatsache ־ das Auflebeu des Zionismus u n t e r d e 11 orientalischen J u den, den sephardisehen Juden der Türkei. Die Ausbreitung unserer Bewegung in Ungarn ist besonders dein tatkräftigen Eingreifen des Präsidenten Wolf[- solin zu verdanken. Ein Vertreter der ungari* silien I audsinamiscliaft hat sich für vcrplliclilet gehalten, auf dem Kongresse fcstzustellen, dass durch Wnlffsolnis Arbeit eine gegen den Zionisnms unternommene Kampagne im Keime erstickt worden ist und die Ueberzcugung von der vollständigen Loyalität der zionistischen B.'strebimgen bei der ungarischen Regierung sich Bahn gebrochen hat. In der Türkei haben mellrere grosse jüdische Zc i t u n g e 11 sich in den Dienst des Zionismus gestellt. Es gibt kein besserer* Mittel, den Zionismus der türkisehen Regierung zu empfehlen, als ihm hei den otlomniiisclien luden Eingang zu verschaffen, d. 11. bei jenen Juden, die der Türkei alles zu verdanken haben und sicherlich nie dem ottomanisclien Staatsiuteresse entgegen handeln wiir* den, und von deren Treue die türkische Regie* lung überzeugt ist. (Schluss folgt.) Die Erziehung zum Zionismus Von Heinrich Margit lies. U. I!s sind hier also drei Dinge zu unterscheiden: 1. Referat über das Wesen des heutigen jungen .luden, Uber seine intellektuellen, kulturellen Bcdiirfnisse. über seine Wünsche, sein Streben, sein Sehnen, über die Motive, die all dies, die all sein Suchen und Seimen dirigieren cle. . 2. Vorschläge betr. licranzilchtuiig eines indischen fieschlechlcs; betr. Jud.iisierung der kommenden Oe• »eralion. , _ ,, 3. Diskussion über die beiden ersten Punkte. Das Referat selbst soll, wenn irgend möglich, jemindein übertragen werden, der seihst noch zu den jungen Juden gebürt, jemandem uns der Mitte der jungen Generation heraus. Es ist bei dem so überaus raschen Aitern unseres Geschlechtes schlechterdings 2in Ding der Unmöglichkeit, von einem Drcissig- oder gar Vierzigjährigen volles Verständnis für Fünfzehn- bis Zwanzigjährige zu verlangen. Im Orundc ist cs doch auch eine Selbstverständlichkeit, dass man sich über solche schwer fasslichen, Uusscrst nuancierten Dinge nur von solchen Menschen berichten lässt, die all das aus sich selbst heraus verstehen und beurteilen können. Was den Punkt selbst betrifft, die Frage nach der tatsächlichen psychologischen Beschaffenheit des jungen Juden unserer Zeit, so will und kann ich liier nicht näher darauf eingchen. Ich habe bereits früher davon gesprochen und hin der Meinung, dass eine Diskusshm hierüber vor dem auf dem Dciegiertcnlag zu haltenden Referate keineswegs von Nutzen wäre. Anders ist es jedoch mit dem zweiten Punkt. Hierüber zu debattieren, hierüber bereits jetzt Vorschläge zu machen und Vorschläge zu hören, scheint mir von denkbar grösster Wichtigkeit. Zu diesem Zwecke will ich mmmclir eine kleine Anzahl knapp skizzierter Anregungen tiuseinniiderrulhcu. In erster Reihe: Was bedeutet ״Judnisicrung" statt ״Zionisienuig"? Was bedeutet: wir sollten in der Erziehung zu unseren Zielen nicht so sehr das Zonistisclie auf Kosten des Jüdischen betonen, nicht so sehr das Jüdische in den Hintergrund drangen? Sind das wirklich nur Phrasen? Wortspiclcrcicn? Unsere bisherige Jugcudagitatiou ist iiniucr noch zu sehr - und darin liegt eine enorme Gefahr nhgestimmt auf den Schlachtruf: Hie Zionismus! Hie Antizioiiisinus! Die Geschichte zeigt, dass in derartigen Fällen der Wurtiuhalt stets allmählich immer mehr erstickt wurde durch den Wortlaut, dass das ursprünglich positiv gemeinte Wort immer mehr zu einem Schlagwort erniedrigt wurde. Gegen diese Gefahr, die Gefahr pathetischer Einseitigkeit, müssen wir unsere Jugend zu schützen suchen. Jeder Nicht* zionist, mag er noch so sehr im Judentum wurzeln, wird als Anti/ionist bekämpft. Seihst in ürganisationen, die von Juden geschaffen wurden, um jiidisehes Leben zu fördern, werden diese unfruchtbaren Kämpfe hereiugetragen und zu sehr in den Vordergniml geschoben, Es muss darauf hingcarbcitct werden, dass derartige Kämpfe durch ein gemeins a m es, f 111 ־ c 111 b r i 11 g e n d e s , j ii d i!1 c 11 e s Arbeiten ersetzt werden. Einem Nocli-nicht-Zionistcn das Baseler Programm uuscinuiulcrziisctzcn, ihn zu einer Anerkennung desselben zu zwingen, ist unter der Jugend hei weitem nicht so wichtig wie das Wecken der Liehe zum Judentum. Der Zionismus ist bei den jungen Juden unfruchihar. so- 11:1111 er nur eine Erkenntnis ist. etwas, dessen Riehtigkeit mail schlechterdings nicht bestreiten kann. Der Zionismus wird erst dann schönfcrisch und fruchtbar, wenn er das persönliche Bekenntnis des Einzelnen geworden ist, wenn er der Ausdruck ist tiefster Liehe zum Judentum, tiefiunerster Sehnsucht nach jüdischer Kultur. So wie der heutige Religions- 11־hrer durch einfaches Leruenlasseu der jüdischen Geschichte mul der lichrüischcn Sprache nichts anderes erzielt, als dass die Schüler, sobald sic das von! Gesetz hierfür vorgcselniebeiic Alter erreicht haben, sieh vom Religionsunterricht dispensieren lassen, so wie diese Lehrer mir dann etwas Segensreiches hewirken können, wenn sie es verstehen, in dem Schüler die Liehe zum Judentum zu wecken, ebenso werden mich wir einzig mul allein auf diesem Wege etwas Positives erreichen. Wenn wir dann eines Tages hören werden, dass irgend eine Veranstaltung irgend einer Jiigemlverelnigung in ähnlichem Rahmen verläuft, wie beispielsweise in Wien oder Prag, wenn wir einmal auf irgend einem Programm einer derartigen Veranstaltung Namen wie ihiber, Feiwel, Salten. Gollanin etc. lesen werden, wenn mau uns berichten wird, dass mau diesen Männern zugcjtibelt hat, mehr zugcjuhclt als Soubretten vom Thalia, theater dann werden wir das als einen unvergleiehlich grösseren Sieg nreisen, als wenn wir in irgend einer Jugcmlvcreinsdehatte irgend einen helangloscn Antizionisten in Grund und Hoden zu reden Gelegenheit gehabt hätten. Damit sind die ungefähren Richtlinien nngcdciitet, die meiner Ansicht nach unser Wirken bestimmen und gestalten müssen. Nunmehr komme Ich zu positiven, spezialisierten Vorschlägen. III. Die .lugciulkommlsslon. Das Wichtigste ist meines Erachtens dies: Es muss ein Zentrum geschaffen werden, ein Kollegium aus einigen jungen Juden, das sich der Sache widmet, die Entwicklung jungjlidischcn Lehens in der Provinz verfolgt, fördert und unterstützt. Was bisher durch zeitweiliges freiwilliges Anerbieten ein- /einer Studenten versucht wurde, die sich dem Zentralbureau in Berlin dann und wann zur Verfügung stellten, soll von nun an organisiert und systematisch betrieben werden. Es muss verhindert werden, was sich unter den bisherigen Umständen nicht verhindern Hess, dass diese bisher sowieso nur überaus kärgliehe und nachlässig betriebene Arbeit durch den Universltütswcchscl der betreffenden Studenten ins Stocken gerät und durch nur scheinbares Existieren mehr schadet als nützt. An Stelle der oft unterbrochcncn, dilcttantcnhaftcn Einzelarbcit soll ein System treten, an Stelle freiwilliger, zeitweiliger Helfer ein Kollegium, die Jugendkommission I Tätigkeit der J u g c n d k o m m i s s i», ״, Die Aufgaben dieser Kommission liegen weniger;,״{ organisatorischem als auf informatorischem Gebiete, Es handelt sieh nicht darum, neue Organisationen /״ schaffen: vielmehr sollen die bereits bestellen׳h.־n Verbände, soweit nur irgend möglich, gefördert und unterstützt werden. Aber in erster Linie muss .!lc Kommission in Fühlung treten und einen geregelten Verkehr pflegen mit der Provinz, in ihr müssen .!Ile Fäden zusammen laufen, von ihr aus müssen vj! unzählige Nervenstränge über das ganze Land zid! sie muss stets unterrichtet sein über geplante <0 ׳,. diingcn von Turn- und Jtigeiulverelneii; sie n! ,s einen regen Briefwechsel unterhalten mit eiuzd׳ ׳ n hierzu auserwühltcn jungen Juden, muss ihnen u Rat und Tat zur Seite stellen, ihnen Material /.!ז Agitation und Belehrung zur Verfügung stellen mit einem Wort: sie muss informieren mul sd s: informiert sein, muss wie das menschliche Deukor;: ח stets wissen, was die Gliedmassen tuen und iln!1 Direktiven gehen. Diese Tätigkeit darf sich keinesfalls nur auf (> ׳.: beschränken, in denen bereits Jugciidorgunisntim1, ׳ bestellen: sie soll keineswegs ein Zionisiereu ein/ '■ ner Jngendvcrcinc bedeuten; sie soll einen im r persönlichen Charakter tragen. Das Kollegium 11 einen Zentralpunkt, einen Sammelpunkt bilden ו r die jungen Juden, die in Städten leben, in denen v! weder gar keine oder nur antizionistische nt r azionistisclie (lies: antijiidiselie oder unindische) V, eiuigungcii bestehen: diese jungen Juden, die dm 1 derartige Milicuverlüiltnisse vom Judentum und v : jüdischer Eigenkiiltur bislang nichts wussten, Komi 1 und sollen lierangezogen werden, lind zwar wem.: ־׳ zum Zionismus (der kommt später als imanslikiblie! . notwendige Folge von selbst), weniger zu zionist scher Agitatioustätigkeit, als zum Judentum. Noch eins, bevor ich zur Sirnktur der Jugend• Kommission übergehen: Mau wird vielleicht eo wenden, all das, ,vas ich über die Tätigkeit der Ko:,, missioii gesagt habe, enthalte keinen einzigen greis baren positiven Vorschlag und sei weiter nichts ab eine Anhäufung von Sehlagworten und Redensarten. Man wird vielleicht ciuwemlen, eine Tätigkeit, wie ich sie hier angedeutet habe, würde nicht viel Früchte tragen, würde sogar voraussichtlich unmöglich sein. Ich möchte hierauf erwidern: ich bin mir vnllknmmen bewusst, dass die Jugendkommission nur ein Versuch ist. (Allerdings, wie ich glaube, der einzig mögliche Versueli. der einzige Versuch, der wenigstens Aussichten auf Erfolg gewährt.) Es ist möglich, dass der Verusucli scheitern wird, aber da . kann kein Einwand sein. Die Tätigkeit der Kommission bereits jetzt schon zu verklausulieren, Statuten״!,'issig festziilegen und bis ins kleinste zu formulieren, ist ein Ding der Unmögliclikeit. da es sieb um Faktoren bandelt, die noch imaginär sind; ich muss mich daher vorläufig darauf beschranken, allgemeine Rieliiliuien ungefähr auzu• deuten. Wenn auch die Jugeudkommission nicht Endzweck ist, sondern nur Mittel zum Zweck.*) so müssen wir doch in erster Reihe uns darum sorgen, das Mittel zu schaffen und zu konsolidieren. Struktur der Kommission. Die K<>m imssii.n ist zusammengesetzt ans sagen wir 1b» i jungen Juden, di1.׳ ihren Wohnsitz in Berlin haben. L«. wird dafür Sorge zu tragen sein, dass in dem K• ' legimu mindestens je ein Student und ein jnn :׳: Kaufmann sitzen. Als drittes käme eventl. ein weil־• liebes Mitglied in Betracht. Da man von Berlin aus immöglich direkt bis י die kleinen Provinzstädte hinein w irken kann. 1: jedem Griippeiivcrbandsvorsit/.ciulen ein besonder■ r Eiizelarheiter zuzutcilcn, dessen Aufgabe es wiederu1״ ist. die Kleinarbeit innerhalb der betreffenden l’r vinz in seiner Person zu vereinen und mit Hilfe d! Ortsgruppen Vorsitzenden und Vertrauensmänner!1 den einzelnen Städten UutctümkUouure t.w seUmü \ die sich in die Arbeit teilen. Diese Unterfunktion.!׳ ׳ j gelten in jenen Städten, in denen eine zionistis!.׳l.e . Ortsgruppe besteht, ohne weiteres als Mitglied d.־s | Ortsgruppcnvorstandes. Ähnlich ist es mit den de n J (irupnemcrhandsvorsitzcndeu zugctcilteu OI>crhm׳• j ti״närcn. Auf diese Weise würden wir eine bis ins ־,'* ן'inste geltende Organisation erhalte 1■ , Alle jungen Juden in den einzelnen Städten, gm׳/ j gleich, oh bereits irgendwo inkorporiert oder nie!!׳ 1 gruppieren sich um den Unterfunktiouär (entspreche. I dem Ortsgruppen Vorsitzenden oder Vertrauensmann): diese Unterfunktionürc unterstellen den Oberin1״.- tioiiarci! (entsprechend dem Griippcnvcrhuiid) und owiMHiim; v :,״׳/ ״^ I LR• noismciswcisi' die < (״hsclien Volksbihliothck ähnlich der ös.rrreichisol J J «•יו ..?״ Uur.. ״jssischen 2 Kop.-Diblioihek: ׳׳ d! 1 1.זי״ lcr Sar׳cn l״״l Gesellichtsbih r,.K׳ih1״a wnru '״ dcr 1*■«twicklnne der Juc< S bu-’. I n ,c 1׳e Wielen, wie bisher 0״s b iV" ״״,i‘ m" rC.U’ S״vc,f* Grobes ..Geschicl S&L UJ״־.«S.nl,cÄcז»‘01״?, ״ ‘‘her deutsche, xi enische, römische Geschichte usw. usw.

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