Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 6 (11.2.1910)
- Date
- 1910-02-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile (»2. protestiere rcrcii sie Im Namen des Journalisten■ ן beruf cs und des Rcscllseliaüliclien Ansehens des Kritikers, denn wenn die Methode des Herrn LcssIiir erlaubt sein soll und Rellbt werden darf, so sinkt die literarische Kritik auf das Niveau des Zuhältertums," Und woiler: ״Ist schon diese niedcrtrüchtiwo und von klein• lieber k’achsuclu diktierte Methode widerwiirtl«, so muss man fast noch mehr die Würdelosigkeit he* klauen, in der hier der Semit I.cssiim den Juden l.ublfnski wetten seines Hintes vcrun«limpft. Und das in der von Siegfried Jacob o 11 n rcleiteten ״Sehaub!ihne"l Wer je Herrn Jaeohsolm von Angesicht zu AiiRcsieht Rcsehen hat, der wird nicht auf die VcrmututiR verfallen, Rcrmanisehe Hasse vor sich zu halten. I>a ist jede Uesichlsfalte!־leiscli rcwordener Talmud. Ich schlitze darum Herrn Jacobsohn durchaus nicht RcriuRcr. Alter ich bcklaRC den Tiefstand an literarischem Geschmack (u n 11 A n s t .111 d), der darin I i c r t, d a s s ein Jude zur ordinärsten J ud e n v e rbölmuiir die Hand bietet. Herr Jacobsohn darf mir nicht satten: ich kann in meiner Schau- Ihilmc brinRcu, was ich will, das Rcht Sie ,neu Dreck an! So laiiRe dieses Hlatt in der Öffentlichkeit erscheint und ernst Rcnomiucn werden will, so lanRC ist es zu einem Rcwisseit Niveau verpflichtet. Das ckcIcrrcRcndc Schauspiel aber, dass zwei mehr oder wcuiRcr RCtaufte Juden den dritten Juden lediRlieh deshalb aupübeln, weil er ein Jude ist, diese literarische Affenkomödie fordert im Namen des Menschentums zum Protest heraus." Muss man wirklich über Herrn Dr. Leasing noch mehr sagen? Muss man, ja, lohnt es sieh, ihn daran zu erinnern, wie feinfühlig er früher einmal selbst war, dass er nicht die geringste j Regung tles Judenhasses duldete und lieber;ms 1 einem kleinen Selmlstaaie verschwand, als dass er sich beugte? Und nun diese unglaubliche Verrohung eines Privatdozenten — irren wir nicht — der P h i 1 o s 0 p h i e?. Der ״Fall Leasing“ könnte damit erledigt sein, wie Herr Dr. Lessing selbst es ist. Aber hier spielen noch z w e i a u d e r e J u d e וו mit: Herr Siegfried Jakobs« h n und Herr Ocheimer Regierungsrat Prof. Dr. Ludw i g Geig e r. Nun, wir denken, wem dieses edle Trias Lessing— lakobsohn—(teiger die Augen nicht über gewisse Dinge öffnet, dem werden viele Worte auch nicht nützen. Dass aber der Solm Abraham Geigers es wagen darf, das von Ludwig Philippsolm gegründete und bis vor kurzen» noch von einem Gustav Karneies redigierte Blatt zur Aufnahme antisemitische r R ü p e l e i e n eines Juden zu missbrauchen, das sollte jedem Juden die Schamröte ins Gesicht treiben, das sollte einen solchen Stur m der Empörung in der deutschen Judeuheil hervorrufen, dass Herr Geiger noch plötzlicher, als er zu ihm kam, von seinem Posten wieder verschwindet. tim den niemand weinte ....ן Von Wilhelm B e r k e 1 s h e i m c r. Ls traf sich, das tief bei Nacht einige JVlinu- ן ten vor der kleinen Dorfstrassc B. in einem Waggon der dritten Klasse ein Jude hinstarb. Ls entstand eine grosse Aufregung und unter den Frauenzimmern ein panischer Schrecken, Bald war der Raum von Leuten leer. Das trübe Lichtlein schaute traurig flackernd auf den Toten und seinen Wüchter herunter. Wenn der Wagen oft auf den Schienen hin- und hersprang, zitterte unruhig die Flamme. Nach einer Weile kam der Kondukteur, und mit sichtlichem Widerwillen bemusterte er die Leiche. Lin dumpfer Pfiff durchsclinitt indessen das Dunkel der Nacht. Bald hielt der Zug vor der kleinen Dorfstation und der Wagen mit dem loten wurde ausgespannt und zur ־ Rampe hingeschoben. I Der Wächter, ein armer Jude, begab sich ins Dorf. Er fragte nach Juden, und als man ihm einen nannte, ging er hin. Ein greiser! Mann trat ihm entgegen. Der Wächter erzählte, 1 was ihn zur nächtlichen Stunde herführc. ... Der Verstorbene war ein Handwerker, ein armer, ein blutarmer. . . Die Frau und Kinder gingen in die weite Welt. ... Er musste aber bleiben, denn er war krank. . . Und seine .1 ULI) I SCH K R U N D S C HAU _ Der neunte Kongress Von 01-, 1.. Weinberg, Dortmund. (P(!rtset/.1111R.) Ich habe Ihnen bereits angedeulet, dass die türkischen Ereignisse, die dem Zionismus, eine so günstige Prognose stellen, auch in die Kreise der Zionisten einige Nervosität und Verwirrung hineingetragen haben. Den Höhepunkt dieser Verwirrung stellt ein Vorschlag dar, der nichts anderes zum Inhalt hatte als die Abänderung des Baseler Programms. Was Dr. Daniel Pasm a n i k aus (ienf, der Urheber dieses Vorsehlages, an die Stelle unseres bekannten Programm* grundsatz.es gesetzt wissen wollte, war ein sehr schöner allgemeiner Satz, der so lautete: Der Zionismus erstrebt die soziale und kulturelle Wiedergeburt des jüdischen Volkes in Palästina. Gewiss ein schönes und richtiges Streben. Und all unser Tun läuft am Ende darauf hinaus: Wiedergeburt des jüdischen Volkes in Palästina. Aber der Zionismus als politische Bewegung erstrebt die Sch aff 11 ng der Bedingung für die Wiedergeburt des jüdischen Volkes, für ein normales liidisches Volksdasein in Palästina. Und als diese Bedingung hat der 1. Kongress die öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina erkannt. Diese Erkenntnis ist bereits eine geschichtliche Wahrheit geworden• Ls gibt keine bessere Fassung des zionistischen י Strcbciis als die knappen und klaren Worte des Baseler Programms. I Die Befürworter einer Programmänderung j wollten durch ihren Vorschlag den veränderten 1 /eitiimständen Rechnung tragen. Sie begingen J aber zwei grossr Fehler. Zuerst irrten sie in 1 der Annahme, das Baseler Programm sei zu eng | den neuen politischen Verhältnissen der Türkei gegenüber, und 2. verkannten sie den Grundsntz., dass ein Programm als das Grundgesetz der Bewegung seinem Wesen nach unabänderlieh sein muss und von einer bestimmten politi* selten Situation nicht abhängig sein darf, dass eine veränderte politische Konstellation niemals den Grund zur Veränderung des Programms j abgebeu darf, dass eine veränderte politische 1 Konstellation nur die Taktik einer Bewegung! ändern kann. Die zionistische Taktik allerdings muss sieh ihrem Wesen nach der gegebenen Situtation anpassen und h a t sielt ihr aiigepasst. Der Ruf nach Programmünderung ist denn auch vereinzelt geblieben. Schon vor dem Kongiess war der Vorschlag gründlich abgetan. Nordau hat auf dun Kongress diesen Vorschlag als eine bedauerliche Verwirrung hingestellt. ״Wir bezeichnen den Beschluss des ersten Zionistenkongresses,“ sagte Nordau, ״als unser Programm, weil wir gern Emphase vermeiden und uns absichtlich lieber einer nüchtern geschiiftsmassigen Sprache bedienen. Aber täuschen Sie sieh nicht! Was wir in der modernen Ausdrtteksweise des Partei- und Vereinslcbens ״Pro- Krankheit wurde immer gefährlicher, das Elend grösser. . . Das linde schien schon nahe, ganz nahe zu lauern. ... Da traf sich einer, der etwas Geld im Städtchen zusammenbrachtc. . . Für dieses Geld sollte der Kranke nach der Hauptstadt in die Klinik gebracht werdet». . . . Weil er sich aber nicht bewegen konnte, wurde ihm ein Wächter beigegebet», der seiner unterwegs warte»» sollte. . . Und so ging eine freudige Hoffnung für den Kranken auf. .. Er hoffte gesund zu werden, wie er ehedem gewesen. . . Er hoffte Weib und Kind aufzusuchen und ein neues Leben zu beginnen... Da kam die Nacht, wo er plötzlich aufwachte, ganz blass und bebend.. . ״’s ist mir schlecht“ —- konnten seine weissei» Lippen nur aussprechen, und ehe ihm der Wüchter Wasser bringen konnte, schrie er laut auf und starb. — Leise und traurig tönte durch die niiehtliehe Stille die Geschichte von dem toten Manne. •-- Als es aber früh wurde, gingen die Jude»» zum Dorfrichtcr. Dieser schickte un» einen Bauern, welcher die Leiche beschauet» und den Totcnz.ettcl ausstcllen solltt. Der Bauer war aber betrunken (es war Feiertag) und nur mit grosser Mühe gelang cs ihm, den Zettel auszustcllen. Vor der Leiche stehend, schrie er und ärgerte sich und fluchte, die Juden hätten nichts No. 0. gramm“ genannt haben, das ist tatsächlich das; in schlichte Worte gekleidete z weit a u s e ״d-! jährige g e sc 11 i c h 11 i cI» e I d ca I des J tid e n t u m s , das Ziel, das dem jüdischen , Volke in der Nacht des Exils als heller Stern ׳ leuchtete, die I loffmmt'. für die die Besten linse• res Volkes Uebermensehliches erlitten haben und als I leiden gestorben sind.“ Und damit komme ich zu einem Ereignis des IX. Kongresses, das die lebendige Krau der zionistischen Idee erkennen lässt, wie sie im Baseler Programm zum Ausdruck ׳ gekommen ist. Es ist bekannt, dass der VII. Kongos, im Jahre PJtft zu einer Abspaltung im Zioni 1״u$ geführt hat. Aus den abgesplitterten Teilen der zionistischen Organisation hat sich eine neue Organisation gebildet, die aber niemals zu emer Volksbewegung geworden ist — die ״Jev.ish Territorial Organisation“, ITO genannt. Die ITO suchte irgendwo in der Welt ein Land, das sich eignet für eine autonome Siedlung des jüdischen Volkes. Palästina schien der ITO kein geeignetes Territorium zu sein; Palästina und überhaupt die Türkei kam für die ITO aus dem einzigen Grunde nicht in Betracht, weil die Dir• kei ein despotisch agierter Staat war, unter dessen Sonne die zarte Blume des jüdischen Volkes nicht hätte gedeihen können. Da traten die bekannten Ereignisse in der Türkei ein. Und siehe — nunmehr trat die lur• kei in das Gesichts- und Versuchsfeld der Jevvisb Territorial Organisation. Zangwill, der ITO-Eührer, der vergeblich die bewohnte und unbewohnte Erde nach einem geeigneten Flecken für das jüdische Volk abgesuclit hat, lenkte seinen Blick auf das im türkischen M.ulit• bereich liegende Land 0 y r e n a i k a. Die aus• gesandte Untersuclumgskommission kehrte mit einet»» ungünstigen Gutachten zurück. Das Pro• jekt ״Cyreiiaica'* verschwand fast so schnell von der Bildfläche, wie es gekommen war. Und dann zog es ihn, Israel Zangwill, wie mit magischer Gewalt in die Nähe des alten Lrez Israel; und nunmehr will er in einem der Nebenländer Pa• lästinas, in M e s o p o t a tn i e t», seine Zelte aufsei »lagen. Es ist ein Kreislauf gewesen, den die ITO zurückgelegt hat. Sie hat Palästina ver• lassen, ist in der Welt umhergeirrt und hält nun• mehr wieder vor den Toren Palästinas. Hamit ist aber die Entwicklung noch nicht abgeschlossen. Der ITC) ungegliedert war ein . Teil der jüdischen Arbeiterschaft, der unter den j Namen ״Territorialisteu - Sozialisten“ org.ini• siert war. Diese sogenannten TerritoriaIi>un• Sozialisten sind vor den Toren Palästinas nicht stehen geblieben. Sie haben auf dem Parteitag der Poale Zion (der!»alüstinatreueu Arlni•! terpartei) in Chicago sich mit dieser Partei ver• j einigt und so den Weg zum Z i01» is• ■ 111 u s z u r ii c k g e f u n d e u. Auf den» IX. Kon• ■ Besseres vor als I» eti te zu sterben. . . Mit den» Zettel fuhr der Dorfrichtcr in die Bezirksstadt, wo di» jüdisches Gemeindeamt war und ein jüdischer Gottesacker. Mittag kam er zurück und sagte den Juden, dass bald eine Fuhre uni den Toten kommen werde. Die Juden gingen und warteten beim Waggon und beteten stille... Bauern sammelten sich an, dem» sic wollten sehen, was mit einem Juden nach dem Tode geschehe. Auch ein Gendarm kam, um 01 d* nung zu halten. Es herrschte ein Schweigen überall, ח«י Schweigen, das den Atem stocken machte und eine geheimnisvolle Angst ringsum verbreitete . Da kam der Wagen. Ein alter, halbzvr• brochener Karren, von einem stöhnenden Pferde gezogen. Zwei Juden stiegen herab, arme ־/er* lumpte Fuhrleute, mit Pfeifen im Munde. S'c warfen den Pferden ein Bündel 1 leu vor und j:c• seilten sich zu den anderen. Indessen wurde der Waget», wo der Tote lag, geöffnet und den Juden überlassen. Sic gingen hinein und beteten stille. Dann sprach einer laut und feierlich ״El mol rachniim. . Man sang das Totenlied dem armen Juden, der das Leben suchte und den Tod fapd. Es klang so tief und markerschütternd, so schlucl»• zend und herzzerreissend! Die l-eute standen