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Jüdische Rundschau · 1910-02-04 · Heft 5 (4.2.1910) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 5 (4.2.1910)
Date
1910-02-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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JUEDISCHK RUNDSCHAU Seite “>5. No. 5. LITCRARISCHC RUNDSCHAU Bücher-Besprechungen A. Ilcppncr und J. Herzborg, Aus Vors .111 g c 1111 c i t 11 n d OcRcnwart der Juden סnd der jüdischen (1 ctncindc 11 in den Pose ner Lunden, nach gedruckten und 1 ״- g c d r 11 c k t c 11 Quellen. K0scUmin• Br 0 111 borg. 1. 1909. Die Verfasser betonen in einem Vorwort die Notwendigkeit. dass zwischen die allgemeinen Dar- >ul!!mgcn jüdischer Geschichte und die Gemeindeec schichten Zusammenfassungen provinzialen Umi.nigos eingebaut werden. Diese Notwendigkeit muss lt11 erkannt werden, ebenso, dass keine andere preussiv, •c Provinz sich für diesen Zweck so sehr als einheitliches Ganzes darstellt wie Posen. Den GesiclitM'iuikt. unter welchem ihre Leistung auf geinmaiun und beurteilt werden soll, haben die Vert.n.wv selbst bezeichnet: den vorhandenen, durch eigene \rchivforschungen vermehrten Stoff ״in ״,״cliclist zusammenhUngender Form" darzustellen, ,Ina־ eigentlich ״eine Geschichte darzubieten", Es >01110 . '•so ein Volksbuch auf wissenschaftlicher (ifwull.ice werden, und der Umfang des zum ersten Male aus Lieht gehobenen oder zu zusammenfassen- .!er P.nStellung gebrachten Stoffs erlaubt, den wissenvlintnullen Ertrag stärker zu betonen, als die Veruvmi selbst getan haben. obwohl bisher nur der erste Band vorlicgt, kann ,1■ י eistung bereits als Ganzes gewürdigt werden. IG Veriasscr haben den Stoff geteilt, geben erst eine i.siimiienhüngende Darstellung der Gesamtge- -.•!;,eine, daun eine alphabetisch geordnete Geschichte ״er cm/cluen Gemeinden, die im ersten Bande bis k;׳ t!,eil gediehen ist. Inzwischen ist auch das erste liv.it d.1% zweiten Bandes. Krolosehin-Lissa. erm mviieil. Die Verfasser haben sich als Leser der einzelnen 1 יc acinJcgeschichtcn wohl in erster Linie die Mit- -heiler der Gemeinde gedacht: sic stehen mitten im i 'h iicuulelelicn und keimen die Auffnsstmgswcisc und viv : llurizont. den sic bei diesen Lesern voarauscc: ׳eii müssen. Ich nehme deshalb an. dass die eui ״artige Form, in welcher sie nicht Geschichten .iei einzelnen Gemeinden, sondern, wie übrigens mehr 1< ׳.: weniger alle mir bekannten Geschichten jiidivur Gemeinden, sehr imglcielnnüssig verteilte N1: ׳;cn zur OcineiiHlegeschiehte gehen und mit ge- 'Ciichtliehem Brust Schauderand Wuiidcrszencii 1'• iicrzählen. aus der Absicht floss, an die Erimiclaugen der Gcmcindcmitgiicdcr anzuknüpfen und in ihnen in dieser persönlichen Weise mit den Dingen der Vergangenheit zugleich die starken jüdischen Empfindungen der Vergangenheit wiederzuerweeken. Unter diesem Gesichtswinkel, den ich nicht dis- Kuticrc, kann die Tatsache, dass Rabbi Josua Besehet יו. Kabln Aron Kutner in Wreseben geboren ist und ..von Seilen des Vaters ein Nachkomme des Ziilzer Rabbiners R. Salomoii und seitens seiner Mutter Wieble ein Urenkel des Rabbi Naftali Cohen, des Rabbiners in Posen und Frankfurt a. M." war. innerhalb einer Gemcimlegcschiclite allerdings wichtiger '1 erden als etwa, um eines von vielem zu nennen, icr Versuch, die wirtschaftliche Stellung der Juden ui einer Stadt an den allgemeinen Wir.sehaftsver-!!;Miiiissen abzumessen und in ihrer Entwicklung auf- /•!,lecken.!11 der Verästelung der Notizen a״f Ntiicrsumnic, Einwdlmcrznhlen (einige statt vieler!). 1'r.itiumcraiiten. Apprnhnntcn. Stadtverordnete und •׳mlerii quaiitites iidgligcublus ist aber ohne Zweifel ücs Guten zu viel getan: weniger wäre mehr. Der Flciss der Verfasser sichert dem Buche ein lasches Fortsebreiten. Ihrem Zwecke, mit der Kenntnis der jüdischen Geschichte zugleich das Be- s ״linis zum Judentum zu steigern, könnte am besten g׳ hem werden, wenn das Buch auch unter der 1״gcml verbreitet wird. Br. F. Tü 11 bl er. Friedrich Porges: ״Licht.“ Schauspiel in einem Am/.og. Jüdischer Buch- und Kunstverlag Max llickl. Brünn. Us ist halt unmöglich, eine gross angelegte itagüdic von eigentlich drei und mehr Aufzügen in ׳ iiicii einzigen zusammeii'/tiprcsscn; das wissen wir ivreits, und Herr Friedrich Porges hätte nicht not- ,!endig gehabt, uns dies noch einmal zu bc- '־' eisen. Sein Schauspiclchcn ״Lieht" vereinigt die charakteristischen Schattenseiten aller einaktigen Schauspiele. Die Übergänge sind schroff, utivermittclt und darum unglaubwürdig* Von Aufbau kann ihiturgcmäss keine Rede sein. Der Zusammenhang ist oft sehr locker und gekünstelt. (Beispielsweise: Der philosophische ״Jude” in der ersten Szene. Ich vermisse den inneren Connex: den Beweis seiner Hxistenznotwendigkeit.) Der Stoff ist zusammenge- Pfercht. Das Oanzc abrupt, Silhouettenhaft, nur andeutet. Hätte sich der Autor etwas mehr Müsse und Papier gegönnt, wäre vielleicht ein ganz gutes Drama entstanden; so kann man cs aber nur als einen Entwurf gelten lassen, dem hoffentlich »ult der Zeit die sorgfältige Ausführung folgen wird. — lnhaltllch ist cs nicht gerade wclterschüttcrnd, aber von einer angenehmen MittehnHssIgkcit. Motiv: Konflikt zwischen Altjudentum und Kulturmenschentum, Christentum. Also etwas Abgeklappertes; nur durch die Gestatt des getauften Juden erhält cs einen gewissen Reiz. Aber gerade dieses Moment Ist hier nur embryonenhnft angcdcutct. — Die Sprache Ist gottscidank ruhig, objektiv — nur in der obligaten Llcbcsszcnc verfällt der Immerhin ganz talentvolle Autor In den obligaten Lyrismus. H. M. Ewige Weisheit. Spruchpocsic des Talmud, übersetzt von Max Weinberg. (Bibliothek der Gesamtlitcratur des In- und Auslandes 2096—2099.) Otto Hendel Verlag, Halle a. S. (I,- Mk.) Populäre Uebersetzimgen aus dem uncrschöpfliehen Gebiete talmudischcr Lebensweisheit gibt cs in Masse auf dem Litcraturmarkt, und schlecht und recht. -־ mehr schlecht als recht —, stielten die Herren Verfasser die Geistcspcrlcn unserer Ahnen dein Zeitalter ״in das geliebte Deutsch zu übertiagen.'“ — Ich muss daher gestehn, dass ich das Büchlein mit einem gewissen Vorurteil in die Hand nahm. Aber ebenso gross wie angenehm war meine Enttü'iseimiig. Die vorliegende Sammlung stellt 11 och über dem Durchschnitt der gewöhnliehen Marktware. Der Verfasser hat cs verstanden, in langjähriger mühevoller Arbeit die zahlreichen Sentenzen, Sprichwörter etc. der rnbbinischcn Literatiir derart meisterhaft zu formen, dass man mit poetischem Genuss und einem seltenen ästhetischen Wohlbehagen das Büchlein liest und nicht müde wird, immer wieder darin zu blättern. Gleich wohl geseliliffcncn und facettierten Brillanten funkeln liier bekannte und unbekannte Sprüche. Das Büchlein dürfte viele Geschwister überdauern und einen bleibenden Wert in der deutschen Literatur beanspruchen. l!s wird in hohem Masse den Zweck erfüllen, die Leser aller Konfessionen mit den Weishcitsspriiclieit innerer Altvordern vertraut zu machen. Herrscht doch hier endlich einmal eine künstlerische Harmonie zwischen Inhalt und Form. ״ ־goldene Früchte in silbernen Schs'leu" sind es, die durgereiolit werden. F. nt II Lev y. Sonne und Schild Ist der Ewige. Fcstprcdigtcn nebst einem Anhang: Sabbatlt- und Gclegcnhcitsreden von Dr. Max Beernuum, Rabbiner der Kreis- Synagogcn-Gcmeimle Insterburg. Frankfurt a. M. 1909. Verlag von J. Kauffmann. (Preis 4.50 Mk.) 478 Seiten. Der Verlag Kauffmann übersendet mir obiges liucli mit der Bitte, es zu besprechen. Dieser Bitte komme ich hiermit nach, obgleich cs ein etwas leichtsinniges Unterfangen ist und nur mit allem Vorbehalte liier geschehen kann. Denn ich gestehe offen, dass ich die in dem Buche enthaltenen 75 Predigten nicht alle, ja. sogar nur zum allergeringsten Teile, sozusagen in Stichproben gelesen halte. Trotzdem unterziehe ich mich der Aufgabe gern, da ich lohen kann: Das Buch ist gut. ״Aus dem!.eben und fürs Leben" will der Verfasser predigen. So sagt er in der Einleitung. Ein Krosses Wort, ein schweres Wort. Aber dass er das Wort gebraucht, ist ein Beweis, dass er eine löbliche Tendenz 11:11 und dass er die Not unserer modernen jüdischen Predigt, die über die Köpfe der Zuhörer hin wegpredigt, cikannt hat. Und dass er sich müht, zu seinem Teil beizittragen, dass das Kanzclwort lebendig und modern sei, geht aus den Predigten, die ich las, hervor. Trotzdem glaube ich. dass der Verfasser selbst sein Buch erst für eine Station auf dem Wege zu seinem Predigtideal betrachtet. Diesem Ideal ״aus dem Leben und fürs Leben" kann man noch einen anderen Ausdruck gehen: ״Der moderne Maggid". Wenn cs uns Rabbinern gelingt, wieder Mnggidim zu werden. Maggidim für den Kurfiir.stcndamm und die Tauentzienstrasse. Maggidim fiir ״Licbcssclmtcrzcn und kranke Nerven", dann wird cs gut sein. Wer je einen Mnggid. einen richtigen Maggid gehört hat, der weiss, wie sehr so einer aus dem Leben und fürs Leben spricht. Die gute Eigenschaft des Maggid ist seine Plastik. Wenn die modernen Rabbiner diese Plastik des Lehens hätten, so würden ihre Synagogen voll werden, wenigstens voller. Die Ansätze zu dieser plastischen Redeweise finden wir auch bei dem Verfasser. Es wäre erfreulich, wenn er diese Fähigkeit, die nicht jedem gegeben ist, noch weiter ausbauen würde. Zum Schluss: Gedruckte Predigten sind Küchenrezepte. Man kann uus einem Kochbuch nicht die Kunst der Hausfrau erkennen, nicht erkennen, wie’s schmeckt. Man muss den Prediger hören. Die Art des Vortrags macht vielfach den Eindruck, kann ihn ebenso verderben. Es ist deshalb ein undankbares Geschäft, ein Predigtbuch herauszugeben. Dass in unserem Falle die Predigten trotzdem ihre Wirkung auf den Leser ausUben — was übrigens mit an ihrer durchweg erfreulichen Knappheit liegt — Ist ein Bcweis für sorgfältige Kunst, mit der ihr Verfasser gearbeitet hat, und die angesichts der extemporierten Schludcrcicn, die wir von unsern ״grossen und herühmten" Kanzclrcdncrn gewohnt sind, nicht genug anerkannt werden kann. Wir empfehlen deshalb das Bccrmannschc Buch. Rabbiner Dr. Cohn, Kiel. Israel In Kalten. Eindrücke und Erlebnisse. Zwölf Skizzen von Israel Cohen. Autorisierte Uebersetzung aus dein Englischen von Not'ml Baneth. Berlin 1909, Verlag von Louis Lamm. Ein wundervolles Buch. Weich und warnt erzählt cs von den italienischen Brüdern aus Vergangcnlicit und Gegenwart, von denen wir doch so wenig Intimes wissen. Cohen beschreibt anspruchslos eine italienische Reise, aber er ist nicht mit dem Büdeker gewandert: geführt hat ihn die Sehnsucht einer romantischen Seele und begleitet hat ihn die Liebe, die Liebe nicht so sehr zu Italiens Schönheit und seiner Städte Majestät und altem Stolz, als vielmehr zu — seinem angestammten Volk, zum Judentum. Das reizte ihn. Venedig, Florenz, Turin, Rom und die anderen Städte zu sehen, deren jede ihre eigene Geschichte der Juden hat. Und wie sicht er diese Geschichte und wie malt er sic uns nun vor! Ich kann mir keine lebensvollere, saftigere, tiefere Ergänzung zu einer trockenen ״Geschichte der Juden in Italien" denken als dies Buch. Aber wie gesagt: Beileibe nicht nur Vergangenheit! Jede Skizze ist rciclt an modernem Stoff. Und was für ein Stoff! Ewig leere Synagogen, ein gut Stück Assinülationswut einerseits und auf der anderen Seite wohlgcfiillte Jeschiwas, ornatprotzende Rabbiner und Kultusbcamtcn. hoch entwickelte jüdische Wohltätigkeit u. a. tu. Tout conitnc cltcz ttous. Wirklich, ein interessantes Buch. Aber damit bin ich seinem Wert noch lange nicht gerecht geworden. Ueber jeder Seite schwebt ein Duft von Melancholie und Begeisterung und träumerischer Liehe und Hangen und Bangen, von alledem etwas: mir wars immer, als tränte über jeder Seite ein Auge: was soll aus diesem Volke werden? Diese Frage durchzilfert das ganze Buch; sic macht cs uns nicht nur interessant, nein, tausendmal mehr: lieb und teuer. Ihr ist der ganze zwölfte Abschnitt gewidmet: Rom und Jerusalem. Aber damit genug erzählt. Wer mehr wissen will, der kaufe cs sich und lese voll Andacht drin. Nointi Baneth, des Berliner Gelehrten gelehrte Tochter, hat das Buch übersetzt. Man merkt nicht, dass man eine Uebersetzung vor sich hat. Mehr Lob würde nur abscltwüchcn. Rühmend sei der vornehmen Ausstattung gedacht: ecltt holländisches Büttenpapier, prachtvolle neue Typen, die der Verlag jetzt öfter anwenden will, ein geschmackvoller Einhand: cs scheint, dass sich die jüdischen Verleger allmählich besinnen, was sic hinsichtlich der Ausstattung ihrem Publikum und ihren Autoren schuldig sind — nämlich vom Guten das Beste. Eingegangene Bücher Sendungen «Ind nur an die Redaktion der ״JOdlsehen Rundschin Charlottenburg, ülrlt>trcustr.4v, zu richten. Rücksendung kan nicht staulinden. Die mit bczdchnctcn Werke sind bereti zur Besprechung vergehen. Dr, mcd. A. Stern, Die Medizin (tu Talmu! Verlag von Sänger <5c Friedberg. Frankburt a. J\ Preis 60 PL Max Eisler. ״Allein auf der Welt", Gedanken zt Kunst des Josef Israels. Jüdischer Buch- und Kuns Verlag, Brünn. Wnlho, Moses Montcfiorc. Verlag Louis Lamr Berlin C. Preis 2,50 Mk. ,, ,* V0״!Mischer Kunst. Jüdisch( Verlag, Köln. 1910. Preis 1,20 M.k ♦Das Rasscnprnblem. Von Dr. Ignaz Zoll schau. Verlag Wilhelm BrauiniiUcr. Wien un Leipzig. Preis 7,20 Kr. — 6 Mk. tI)lc Ji״cllHr . dcr. ״lbcl.: DJ0 Llcdordlchlun (Psalmen, Klagelieder. Hohes Lied). Von F. R a h I wes, Illustrationen von E. M. Lilien. Verlag vo George Westerntann, Braunschweig. ♦ Neuesfo Gcschlchio des jüdischen Volkes, Bd. I Von Prof. Dr. Martin P h III p p s o n. Verlag Ousta Fock G. m. b. H., Leipzig. 6 Mk. br. * Grundriss einer systematischen Tltcologlo de Judentums aul geschichtlicher Grundlage. Von D Kaufmann Köhler, Rektor des Hebrew Unfo College In Cincinnati. Verlag Oustav Fock, Q. m. b. f Leipzig. 6 Mk. br.

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