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Jüdische Rundschau · 1910-01-28 · Heft 4 (28.1.1910) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 4 (28.1.1910)
Date
1910-01-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 4. Uussci« ־.am cntccrcu A.-C. mul damit von der un- Mittelbaren Leitung׳ der J* *arici misgesohaUct sind Man kann für die Dauer unmöglich die Küssen die •die eigentliche Wurzel der Bewegung. bilden, linbe• lüchsichtlgt lassen; besonder^ Jetzt, da der Kongiess im Prinzip ihnen zugestimmt liut, wird sieh ein solcher Hehler bitter ruehen. /ininindesteus! muss verlangt werden, dass man die russischen rubrer zu den Beratungen des I*. A. C. Iiluz.uzleht mul keine wichtige Unteriielnuung ohne ihre Zustim* imiiig ausiilhrt. Nur auf diese Weise kann die Pur- 1ei vor weiteren Zwistigkeiten bewahrt und ihr Jene innere Kühe gegeben werden, ohne die wir eine ge- ,leibliche l'ortentwicklung für ausgeschlossen halten.“ ♦ Puter dem litel ״Nach dem Kongress" schreibt du Jüdische Zeitung, Wien: ..Her Kongress hat in Jener Präge, die uns äugen* Mick lieh die wichtigste dünkt, in der Präge einer udikal.m Aendening im Systeme unserer l. citung, keinen entscheidenden P.rfolg gebracht. Pies erscheint uns umso bedauernswerter, als der Verl,!ui der Kongress-Verhandlungen uns in dieser nnseier K.inl.n.ilfordcruiig mir noch bestärkt hat. Per K<׳!u!«ss '>•;1 ohne Pntseheidnng in der Leitimgsii.ige not Si.iiiiierung eines Provisoriums geendet. Per imlier definitive, gegenwärtig provisoliselie l’MMdeiii. wollte mich weiterhin nicht mit i:nein Kollegium arbeiten und lieber Zurücktrelen, als einem solchen angcliörcn. Kr will nicht ein* ssheu. vla's unsere Bewegung ein persönliches Ko- Kirne mein vertrügt. Kr hat das absolutistische .־־» s!,iu. welches er im Haag begründete, in der letzun Vaujltungsperiodc und vornehinlieh am Hamhinge•• Kongress selbst auf alle mögliche Weise aufleelit 1׳ erhalten gesucht. Die Mittel, deren er sieh tl.1/11 i‘;■diente, mögen geschickt und bei einem Teile tk■' Kongresses augenblicklich wirksam gewesen wm:!׳ei ruhiger Erwägung werden sic wohl selbst \at Woiiisuhns unbedingten Anhängern nicht ver* u .:;4! werden können und zur Pürdertittg seines eiiais nicht bmgetragen haben. Kmes dieser Mittel — wir müssen es post fcstmu ״ ׳>!! schärfer betonen wie vorher — war die Kinbc* iimmg des Kongresses in den Wintcrmonatcn nach H. siil'iirg. Kr wusste, dass man im grossen Kuss, i .nd. in Wcstöstcrrcich. in Galizien und in Palästina um ihm unzufrieden ist. Qloichwohl berief er den Iv-hiKicss dorthin ein, wo er glaubte, an der durch Mi l.iiiik.iuiselic tmd rumänische Mandate ganz im- •.<׳'׳ .iirlieli verstärkten Reichsdeutschen l.ainlsmannschait einen Rückhalt zu linden.' .... Ks ist möglich, dass die Leitung in Hamburg manches zugelerut hat und dass die sein־ sachliche Kritik einzelner Kedner doch, ad notain genommen wurde, wenn mau sie auch im Vcrhamllungssale absichtlich überhörte. Der sofortige P.rfolg, den das Projekt Oppenheimers halle, wird vielleicht doch eine Revision des Kölner Orundsatzes, Idee!׳ seien unnütz, wenn keine Mittel •Ja .sind, zur Polgo haben, Ks hat sielt prächtig gezeigt, dass diu Mittel sofort zur Stelle sind wenn eine Idee da ist. Sieht man das in Köln ein, begreift man. dass du־ Leitung der zionistischen IJcwegung mehr sein imi's. als ein blosser Verwaltungsmeeliaiiismus, dass ׳ ’•. •c Initiative von oben diu beste Arbeit In den ein- /einen Ländern ohne Prüclite bleibt, daun wird die •dMime I.eiiiing wiilircnd Ihres Phrctijnlircs noch m. mches leisten können, mul es wird dem Präsidium mn H.ichsiv Kongress, der vorzeitig cinzubcrtifcu 1s• »nni der an Arbeitskongress und keine Volksvcr* ••.miiiilniig mit Stimmitngsiiiaclie sein müssen wird, «la Vorwurf erspart blcibim, dass manches gescaalit, aber nichts getan wird. Pis dahin ist die Krage der Leilung, die auch ׳ ■ ׳־icrliiu im Vordergrund stellt, lediglich vertagt. Wir konstatieren, dass auch die russische Lands- Mannschaft die Kinsetzting der provisorischen Leiumg nur so verstanden Ivat. Sie Ist durchaus nicht niedergedrückt und seltiekt stell an, mit den politisch luicn Westlern gemeinsam weiterzuarbeiten. Mit dem grössten Kifcr und mit vornehmer saehliehkcit muss fortan gezeigt werden, dass die Zionistische Weltorganisation eine andere Leitung, ״•iss die zionistische Bewegung eine andere Pührung, «lass die zionistische Arbeit ein anderes System i'iiiiieht," ♦ Das Hamburger Israolltlsclio Pumlllcnblutt schreibt ״her ״Die Hrgcbnissc des Zionisten- Kongresses": Das wesentlichste Krgcbnis des 9. Zionistcnkongrosses ist die Krhaltung der bisherigen Parteilciti'iig und damit die prinzipielle Billigung der von du! verbündeten russischen und österreichischen Landsmannschaften heftig angegriffenen Partcipolitik und Parteitaktik, wie sic namentlich der reformierten Türkei und Palästina, sowie den Bunkprolektcn der Ostitiden gegenüber von WoHfsolm gehandhabt wurden. Das Vertrauensvotum Ist nur nach stör* mischen Debatten, aber doch mit sehr grosser Majoritüt erteilt worden, Indessen Ist nicht anzuncltmen, _ JUKD1SCHK KUNDSCHAU_ Mitteilungen Wir inuchen imsuro OestmmnKSgoiiossun und Abonnenten darauf aufmerksam, dass von uns lMIclicrfodorArt ohne Verzögerung oder Preis•; erliülning bezogen wcrilen könnoii, und wir bitten Im Interesse unseres Verlages, von dieser Einrichtung regen Gebrauch zu imichon. Femur machen wir nochmals darnnl aufmerksam, dass die Subskription aut die Sonder• a 11 s g a b c der ״Jüdischen Rundschau" — auf besscrem Puplcr gedruckt — gebunden zum Prclso von G,—• Mark — bald ge sch 10 *,.ton werden must. Wir bitten daher, Bestellungen umgehend aulgehen zu wollen, Verlag ״Jüdische Rundschau" e. 0. in. b. II. Berlin SW. f!8, Zlmmerstr. 77. * Wir suchen Nr. 1 der ״Welt" vom ,führe 1909 tmd bitten, da die Nummer bei der Expedition der ״Welt" nicht mehr zu haben ist, unsere Freunde, uns diese Nummer überlassen zu wollen. -- Zeutrulbnrcau der Z. V, f. I)., Blclbtrcustr. 49, Charlottcnhurg. dass dadurch die Opposition dauernd zum Schweigen gebracht ist. Dass dieser Streit um die Person des offiziellen Parteiführers im Grunde genommen ein sachlicher Prinzipicnstrcit war, gebt aus dem damit eng zusatnmenhängenden Kongrcssbeschltiss hervor, in dem Baseler Programm keinerlei Acndoruugeti vorzuneh- .men. wie solche von den temperamentvolleren östlieben Zionistcntührcrn begehrt worden waren. (Das beruht wohl auf einem Missverständnis, denn bckanntlieh hatten auch die ״Russen“ die Aendcrung glatt abgelelint! Red. d. ״I. R,") Man machte den augenblicklichen Machtvcrliültnisscn in der Türkei trotz aller freundlichen Worte noch keine realen Konzessionen. Die Partcidisziplin bewährte sich ais stark genug, tun die Unterwerfung der unterlegenen Minorität unter den Willen der Mehrheit, wenigstens äusserlicli. herbeizuführen und die Kinhcit der Partei aus diesen Kämpfen unversehrt hervorgehen zu lassen. Ihn diese auch fernerhin dauernd zu sichern, hauten die weitsichtigeren MchrheitsfUlirer den Unletk'gi'iieu goldene Brhekcn. Nach der schürfen und abfälligen Kritik, welche von der Opposition an der Geschäftsführung der Pinanziiistitiitc der Partei geübt wurde und welche sich namentlich «:egen den hei der Leitung dieser Institute beteiligten Mr. Cowvn kehrte, beschloss der Kongress, dem in einen heitigen. teilweise persönlichen Konflikt mit Cowcn geratenen Prof. Wnrhtirg. dem noch abgclehntcn P1äsideuts־.׳l1alisk!u1di1laten der Minorität, als Mitglied des Kngereii Aktionskomitees einen grösseren und seinen Wünschen und Plänen entsprechenderen Wirkungskreis in der praktischen Besiedlung Paliisiinas durch Schaffung eines dortigen Agrarkreditmstituts zu schaffen. Das Ansehen tmd der Kredit dieses allerdings noch in zweiter Linie stehenden Zlonlstenfülircrs. sowie Ule Opferwilllgkcit der Parteimilgiieder offenharten sich In den relativ reichlieben Mitteln, welche sofort für diese Zwecke zur Verfügung gestellt wurden. * Die Kongressurteile der Osllfidlscltcii Presse sind in überwiegend pessimistischem, mehr subjektivem 10110׳ gehalten. Das Fa7.it des Kongresses wird darin zumeist 11s ein durchaus ״ n b c f r i c d i gc n des, mul die dadurch geschaffene gegenwärtige Lage der Organisation als eine kritische bezeichnet. Bei der Phile der Kongrcsshetraelttmigcn der licbrä- Ischen und .InrgnnWSMcr, die den grössten Teil ihrer umfangreichen täglichen Ausgaben den VCrlianditmgcn und Resultaten des Kongresses gewidmet haben, können hier mir die charakteristischesten und bemerkenswertesten Ausführungen wicdcrgcgcbcn werden, Im ״Heed Basmuu" schreibt S. Tschcrnow ltz, ein Redakteur des Blattes, u. a.: Der IX. Zlonlstenkougress Ist ein Kongress (I c r K r I s I s. Die Stimmung der Delegierten gleicht derjenigen nach dem Ugandukongress, nur dass damals die ״Ja"- und ״Nc!!1“-Sager für eine Idco kiimpften, während sic cs jetzt um Wolffsohn und Köln taten. Mag in dieser Personenfrage auch eine prinzipielle Präge enthalten sein, — da im Mittelpunkto des Kumpfes eine Person steht, für oder gegen die gestritten wird, so wird der Kampf von selbst zu einem persönlichen Streit, der auf den Ausscnstchcndcn einen schlechten und auf den Iunenstchcndcn einen traurigen Eindruck machen muss. Und uns allen drängt sich die schwierige, abgrundtlcfo Präge auf: Was soll nun werden? Kr, Ist klar und feststehend, dass die russischen Zionisten, die «Ich «0 entschieden gegen Wolff- Seite 43. sohn gewendet haben, nicht mehr wie bisher mit ihm Hand in Hand arbeiten können. Ks ist ja für sic unmöglich, gegen ihre innere Ucbcrzcugung zu handeln. Daraus folgt notwendig, dass der offizielle Zionismus auch seinerseits den Russen fcrnblclbcn, einen rein deutschen Charakter erhalten wird. Auf den» IX. Kongress Ist eine nahezu unüberbrückbare Trennung zwischen Ost und West vollzogen worden. Die Zionisten in Russland wollen für sich allein arbeiten, ohne'die Autorität der Kölner Leitung anzuerkennen. Sic werden ihre Positionen zu festigen, die zionistische Organisation in Russland miszubaucn suchen, um zum X. Kongress mit neuen, verstärkten Kräften zu kommen — und sie werden dann Wolffsohn stürzen.“ Der Verfasser äussert sich dann in zustinnnendem Sinne über den von einigen Seiten für den X. Kongross in Aussicht genommenen Vorschlag, die zionistische Zcntrallcitung nach W i c n zu legen, und fährt fort: ״Was wird aber das Los der Bewegung selbst sein? Der Zionismus befindet sieh am Scheide* weg. Manche werfen ihm vor, dass er die günstige Gelegenheit in der Türkei, die erweiterten Pcrspcktiven nicht benütze und dort nichts Positives leiste. Alle Welt erwartete, dass der IX. Kongress neue Richtlinien für die Arbeit fcstsetzcn, neue Mittel zur Lösung der dringenden Zcitproblemc finden würde. Was hat aber der IX. Kongress als Antwort auf diese Forderungen geboten? ״N i c h t s!" Das muss selbst der fanatischeste Zionist zugeben. Der IX. Kongress hat in dieser Hinsicht nichts gclcistc t". Der Verfasser meint dann, der Zionismus müsse sich jetzt vor allem der inneren Arbeit, dem weiteren Ausbau seiner Institut ionen und einer umfassenden nationalen Tätigkeit im Judentum zuwcndcn. Die momentane Lage in der Türkei sei für Verhandlungen nicht sonderlich günstig. Die Jungtürken seien in ihrem ersten Rauseite zu anspruchsvoll. Dies hätten selbst grosse Mächte erfahren müssen. Der Zionismus müsse des* halb vorläufig auf der Warte verbleiben — bis eine günstigere Konstellation cintrctcn werde. In ״Dlo Neue Welt" schlicsst Ingenieur M. N. Syrkin seinen Bericht über die ״Trauersitzung" mit folgenden Worten: ״In tief gedrückter Stimmung beginnen die Deie- \ gierten nach Schluss des Kongresses nuseiiiimderzugehen. Man schämt sich, einander in die Augen zu schauen. Jemand wolle ״öd Io abda Tikwathenu" anstimmen — der Gesang blieb Ihm aber im Halse stecken. D c r nationale JI v tu n u s klang wie ein Trauerlicü ... Hs wäre richtiger ״Deutschland, Deutschland über alles" zu singen - bemerkte ein Delegierter bitter. — Still schlich ich mich itiuaus. Am Eingang traf ich einige N'ielitzimtisteu. Ich wich ihnen aus. damit sic mich nicht selien. — So endete ein Kongress für Woiffsohns ״Herrschaft" . . im ״Unjnt" schreibt der bekannte Kritiker und Pciilllctnnist David P r i s e 11 in a u n: Alt, endlich sind Sie zu 1ms gekommen, ettd- Hell werden wir in Ilnten einen Zionisten haben! sagte zu mir einer der Führer, der soeben eine mehr als ciusU'mdlgc Rede gehalten hatte. Noch nicht! erwiderte ich — aber an jenem Tage, an dem leb erfahren werde, dass die Tagesordnung des Kon* grosses 11 tu eine Stunde früher als zu der ursprünglich bestimmten Zeit aus Mungcl an R cdtte rn geschlossen worden sei, dann, sehen Sic, werden Sic In mir einen Zionisten haben. Und um dies zu erleben, werde ich wohl recht lange leben müssen! 0, das Reden, das Reden! Bei jeder Kleinigkeit, jedem minderwertigen Zufall mel* den sielt gleich zehn, zwanzig, dreissig Redner. Eine Art Sprcch-Epidentle beherrscht um! steckt alle an. Ich habe den Verdacht, dass jemand bei irgend einem Antrag eigentlich eine Nein-Rede halten wollte, — cs war aber gerade der Ja-Zug, und so schloss er sich ihm an. Schliesslich sind doch all diese Reden Zeitungsartikel, die in der Presse erscheinen könnten, -- ein Kongress aber sollte doch von Ihnen verschont bleiben!“ 111 seiner geistreichen Art kritisiert Prisclummn dann Nordnus Ausspruch: ״Warten ist ein Kum- 111er, aber keine Schande“. Das gemarterte jüdische Volk sei des allen, in der 13. Dogmcnlchrc formalierten Messiaswartens müde. Könnte uns ein Nordau nicht besser mit einer neuen 14. Lehre betcicltern? Die Opposition hätte ihre Sache schlecht gemacht. ..Kratzen ohne Nägel“ genüge nicht. Pasmanlk wäre der beste Advokat für Wolffsohn gewesen. Es sei an der Organisation vieles zu kritisieren — aber das müsse mit ganz, anderem Temperament gemacht werden. — Im Allgemeinen zeigen Frischmanns Ausführungen, dass der Zionismus durch positive nationale Arbeit auch die skeptischen Geister im Judentum zu gewlnncn imstande ist.

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