Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1910-01-28 · Heft 4 (28.1.1910) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 4 (28.1.1910)
Date
1910-01-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2651273-2651657-2651662--06854-2663975
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 41. No. 4. JÜDISCHE RUNDSCHAU zu sein Wie Ule Kongrcsslste״ von llaniburir. denn Ich vermute,!lass unsere jüdischen Patrioten sich nicht in eine Affäre stürzen werden, bei der sie wüssten, den Empfindungen des Landes zuwider Vu handeln. . v ״ Dje Entwicklung des Verkehrs in Palästina nie Alliance isrnölltc hat den ,türkischen Juden }totes getan, scheint mir. Nun denn, die Alliance hat die Juden nie dazu angchaltcn, andere ißt? zu fordern als die, welche ai'ctt ottomaiüsehen Staatsangehörigen ohne Unterschied des QlaubcS zuerkannt werden. ״ ״־ Die Allianco steht dem Zionismus feindlich gegenüber. ‘ ״ — Sie hat vollkommen recht. Kann man sie beschuldigen, sich mit den unglücklichen Juden nicht zu befassen? Und doch, schauen Sie, was sich in Dulgarien ziigetragcn hat, wo man der Alliance so- Nicj Verlegenheiten« soviel Jammer bereitete. Ich weiss. was sic alles hier und in sämtlichen musclmanischen Ländern tut; Ich weiss, was sic In Rumü. men tut. Und sehen Sie, wir werden eine grosso /.alil r u m d n I s c h e r Kolonisten auf nehmen mul in Mazedonien an sie dein, wie wir deren andere haben, nahezu 45000 bei Angora und Koma. Diese rumänischen Juden und alle, die gleich ihnen kommen wollen, werden offenen Armes etnnfangen werden; wir werden Ihnen Erde und Qerüte gehen, wir werden Ihnen beistohen, soweit wir koinu n Die anderen aber werden die Tür verschlossen linden. Und so werden die Zionisten, anstatt Ihren (ilauheiisgenosscn Gutes zu tun, Ihnen das grösste Unlieil zufügen, ln Jedem Falle werden sic sie lanet 1. sehr lange noch den Verfolgungen ausgesetzt I.inmii und aller Art Unhill, mit der man ihnen ihr I eheii verbittert, überall da, wo sic in stärkeren Massen angehUuft sind. Mögen sie handeln, wie sic cs verstehen. Wir " erden unserseits alles tun, was wir zur Wahrung der Interessen unseres Landes filr nützlich erachten, ti.is wir den mehr oder weniger erklärten, mehr oder weniger ernsten Begehrlichkeiten cntrclsscn wollen. Mögen die Zionisten warten . . ." Aus der Unterredung selbst geht bereits genüncnd hervor, woher D r. N a s i m u e y seine 1 iegnorschaft und sogar seine einzelnen Arg u mente gegen den Zionismus bczieht. Die Alliance Israölitc Universelle wird in• direkt von ihm selbst als Quelle angegeben, und wir brauchen daher nicht Verstecken zu spielen. Wir brauchten uns also auch mit dieser wenig lauleren Quelle nicht erst ubzugeben, die wir bereits mehrfach zur Genüge charakterisiert haben, wenn es nicht eben Dr. Nasim Boy wäre, der diese Argumente zu den seinigen macht. Nasim Bey ist einer der angesehensten!׳(Ihrer des jungUirkischcn Komitees ״Union et Progräs“ — das allein macht seine Acusscrungcn bedeutungsvoll. Aber das Komitee, die unter seinem Einfluss stehende Regierung und die türkische Volksverirc• tung werden es sich gewiss noch reiflich überlegen, che sie die angeführten Anschauungen zu den ihrigen machen und sic einen Niederschlag in der Gesetzgebung linden lassen. Eine ״neue l freie Türkei", die mit derartigen Bcschrän-n kungen ihre kolonisatorische Wirksamkeit begänne,g hätte sich natürlich von allem Anfang an] jedes Kredites in den Augen aller freiheitlich ge•* sinntcu Völker beraubt, hätte vor allen Dingen auf indische Sympathien kaum noch zu rechneu. Und die Jüdischen Gegner des Zionismus wür• den am Ende clnschcn müssen, dass sic nicht den Zionismus sondern die jüdische Kolonisa- 1 i0n und damit ihre eigene Arbeit schwer ge* '' liiidigt haben, indem sic die zionistischen Bestre• iumgen verleumdeten und denunzierten. Die ״Aurorc" widmet den Auslassungen Nasim Beys vitien langen Artikel unter der Uebcrschriit ״Oui nous attendrons!" Wie sehr wir aucli den temperamcntvolicn Acusscrungcn dieses Artikels beistimmen wir meinen, dass dieses ״Warten" immerhin eine nicht unbedenkliche Politik involviert. Wir werden und müssen aber der türkischen Regierung und allen ernstmeinenden türkischen Politikern die Ueberzeugung beibringen können, dass die Ein- Musterungen gewisser jüdischer Ges:• ncr des Zionismus nichts sind als schmäh• liehe Verdrehungen, als ein Bluff, um dem Zio• nisiuus, der ihre assimilatorischen Kreise stört, eins anszuwischcn. Und der Tag der Entlarvung dieser Macher wird auch dem patriotischsten türkischen Politiker die Einsicht von der Ungcfährllchkelt, ja von der Uebcrcinstlminung des Zionismus mit dem höchsten türkischen Patriotismus bringen — ohne dass wir Zionisten darum unsere Ziele auch nur um Haaresbreite zu ändern brauchten. Das werden türkische Politiker verstehen, und unsere Politik muss eben darin eins ihrer Ziele suchen, das Vertrauen in die Ehrlichkeit unserer Angaben zu wecken, nicht durch haarspaltende Tüfteleien, sondern durch knappe eindeutige Erklärungen — öffentlich und ln privaten Unterhandlungen — und — durch die Tat! Dann wird Nasim Beys ״KlrschcndUto mit Privilegien" niemanden mehr schrecken, denn man wird sehen, dass wir keine Privilegien brauchen,und fordern, sondern nur absolut glelcho Rcchto mit allen anderen Bürgern des osmanlschen Reiches. Wie schnell —, wcnlgslcns im Verhältnis zu früher und auch zu anderen Tellen des türkischen Reiches — die Vcrkchrscntwlcklung Palästinas vor sich geht, ersieht man aus der hlcjt reproduzierten Kartenskizze, dio schon von einer ganzen Anzahl Bahnlinien belebt ist. ln der Tat haben ja auch die TUrkon ein ganz besondere! Jnterosso daran, gerade KARTEN-SKIZZE JiteOT COLONIEN , - in ~ PALAESTINA. »«■׳•׳ I׳,, hier eine regere Bahnbau-Tütlgkclt zu entfalten, denn nur über den schmalen Landstreifen Syrien und Palästina - zwischen Meer und Wüste — kann die Verbindung zwischen dem nördlichen׳ Hauptteil des Reiches und den ihrer religiösen Bedeutung halber 1,0 wichtigen arabischen Provinzen bewerk• stelligt werden. Dasselbe gilt auch für den Anschluss des grossen afrikanischen Schicncnnctzcs (K.ap-Kairo-Üahn etc.) mit den asiatischen und curo• päischcn Linien. Alles das führt dazu, gerade Pa• KARTENSKIZZE VON PALAESTINA mill'inachtiarion Gebiet•״ u Citonbohnlmlin, ׳ Prvmnt Gnntw &stniah»1n m B1tmt ( SINAI ) lästina eine Lebhaftigkeit des Verkehrs zu sichern, die für unsere Bestrebungen von allergrösstcr Bedeutung werden kann: im günstigsten Sinne, wenn wir schnellstens das denkbar grösste Ma&s an wirtschaftlicher Tätigkeit im Lande entfal• ten,-Im ungünstlg• ton Sinne, wenn wir uns Zeit lassen . . . , , Dlo Kartenskizze ist dem soeben erschienenen Palästina-Handbuch von Davis Trletsch entnommen, das von der zionistischen Vcrcinigum. für Deutschland (Chnrloitcnbiirg. Blcibtrcustr. 49), zum Preise von drei Mark (Vereine erhalten bei grösserer Abnahme Rabatt) zu beziehen ist. — Die Kartenskizze der jüdischen Kolonien (Status von Anfang 1910) entstammt ebenfalls dem Hand• buch. Aus den Urzeiten der Alliance Reden Charles Netfers und Crötulcux. Aus Konstantlnopcl wird der ״Welt“ von ihrem dortigen Korrespondenten geschrieben: Die meisten derjenigen, die heute staunende Zeit• genossen des skrupellosen Kampfes sind, weichen die kleinen und grossen Organe der Alliance zur ßchauntung ihrer Existenz oder ihrer Politik der monopoiisierten Judenrettung gegen Zionismus und Nationalismus führen, haben keine Ahnung davon, wie ganz anders geartet die allererste Epoche der AMiancc gewesen ist und wie sehr das klägliche Verhalten der heutigen Epigonen den schöneu Prinzipien ihrer grossen Wegbahner ins Gesicht schlägt. Ganz besonders im türkischen Orient, wo die Judenheit heute von einem Netz kleinerer und grösserer Tyrannen beherrscht wird, die ihre Existenzwurzeln «us den Wohltaten der Alliance gezogen haben und die daher jedes Vorgehen dieser Organisation blindlings begeistert aufnehmen und sklavisch unterstützen, gerade liier hat man sich bislang Uber die innere Dekadenz dieser Organisation am wenigsten Rechenschaft abgelegt. Man hat daher in diesen Kreisen nie daran gezwcifclt, dass die Ablehnung und Bekämpfung der nationalen und zio• nistisehen Ideen zum ürundinteressc der Alliance Isrnüite gehören sollen und immer gehört haben. Die Ucbcrraschung war daher peinlich, als die jüdisch-nationale!,resse der Hauptstadt in doktmicntarischcn Publikationen die alte historische Wahrheit ans Lieht zog und den Bigard und Klausner von heute die leibhaftigen C r 6 in i c u x und Netter gegen-!!erstellte. Hervorragende Christen pflegen zuweilen von dem Stifter ihrer Religion zu sagen, er würde, wenn er heute in der Weit erschiene, von den Bekennern seines eigenen Namens als unchrisilieh verfolgt, verketzert und ausgestossen werden. Nicht weniger wahr als die geistreiche Hypothese muss die rindere erscheinen: dass, wenn Netter und C r ö micux cs sich cinfallen Hessen, aus ihren Gräbern a u f z u s t c h c 11 und vor den Trägern des Namens ihrer glorreichen Sache heute ihre Ideen über das jüdische Volk, seine Zukunft und Palästina zu entwickeln, sic a i s Zionisten, ..als Gefahr für das Judentum und die Türkei", nach donseihen wahllosen Methoden bekämpft werden wü rdc n, die heute den Vertretern der Alliance dein Zionismus gegenüber anwendbar dünken. Man lese beispielsweise die Worte, die Crdniiciix auf der Generalversammlung der Alliance am 11. Januar 1869 sprach: ״Ja, die Freiheit der Kulte wird überall proklamiert, überall siegreich. Und just inmitten dieser zukunftsrcichcn Bewegung trat der Qodankc an uns heran, im Heiligen Lande eine Landwirlschaftsschulc für die jüdische Jugend zu begründen. Hört ihr, Juden des Okzidcr.s? In dieser Gegend, aus der wir ausgezogen sina, in dieser ehemals gesegneten degend, die heute nocli eine gewisse Anzahl Jakobssprossen bewohnt, an jenem Punkte, dem unsere Blicke und unsere Erinnerungen zufliegen, wollen wir eine Ackerbauschulc gründeten. Wie beweinten sic Jerusalem, unsere verbannten Almen, an den Flüssen Babels! Wie in alten Zeiten fanden sie stell in über* schwcngticlicr Freude in diesen himmcigclicbtcn Ge• fiiden wieder! ״Heute noch sicht man. alle Sabbathvorabcndc. Juden auf Trümmern des Tempels beten, und sic mit ihren Tränen benetzen. Nun denn, im Territorium von Jaffa, dort, wo die Erde hart zur Arbeit, aber fruchtbar an Ertrag, dem, der sic mit Sorgfalt bebaut, tiberqucllcndc.Ernten vcrlieisst, dort in dem gelobten Land wird unsere Gründung ihre Stätte finden, werden die Juden unserer Tage die Begeisterung wiederfinden, die ihre Vorfahren für den Ackerbau beseelte. Sic ist schön und fruchtbar noch heute, diese Erde von Jaffa; sic gibt zehnfach wieder, was sie emofängt. ״Wie unsere Schiller freudig schaffen werden, wie die Liebe zum Landbau sich verbreiten wird! Noch wenige Jahre, — und die jüdische Bevölkerung wird der heiligen Erde Zuströmen. Die Distanz ist klein von Jaffa nach Jerusalem. Ja, ein neues Jerusalein wird erstehen! Erst wird es ein enges Heiligtum sein; aber man wird nicht mehr weinen und seufzen auf den Steinen, die vom Werke Salontons übrig blieben; Hoffnungsgcbctc wird man gen Himmel senden. Und hernach wird ein Tempel, des Höchsten würdig, wie im antiken Zion, unsere Nachkommen zur religiösen Andacht rufen." Diesem von Liebe zu Palästina vibrierenden Appell Crdmietix', der sich von einem religiös gefärbten Zionismus in der Idee schlechterdings nicht unterscheidet, tritt noch klarer und bewusster ein Bericht zur Seite, den Netter am gleichen Tage über den Beginn der Durchführung seines Planes zur Gründung von Mikweh der Generalversammlung der Alliance j unterbreitete. ״Indem Slo dieses Projekt annchmcn". heisst cs In diesem Berichte, ״leisten Sie. — ich bin fest davon

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.