Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 4 (28.1.1910)
- Date
- 1910-01-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 4. JUEDISCHE RUNDSCHAU dass sic von IhrctuKaincradon in mancher Be- Ziehung getrennt •sind." Also durch Trennung beim Religionsunterricht erfahren die Kinder ers♦, dass sie von ihren Karneraden in manclier Beziehung getrennt sind? Ist eine grössere Beleidigung des Hauses denkbar? Als ob gewissenhafte Eltern diese ״trennenden“ Begriffe den Kindern ni«?ht schon erklärt haben, bevor dio Schule die KlchUiu äufnimmtl Aber wie weltfremd lebt Herr Geiger dahin! Als ob je ein deutsches Kind in die, Schule gebracht würde, dem nicht vorher schon der Ernst des Lebens insofern nahegekommen dst, dass es beim Spiel auf der Gasse schon erfahren, dass bei uns die Menschen sielt teilen in Christen und Juden 1 — Herr Prof. Beiger bedauert die Trennung beim Rcliglonsuntcrrieht, anstatt zu bedauern, dass Kirche und Schule nicht grundsätzlich getrennt s i n ü. Her Wind, der aus den Gcigcrschcu Darlegungen uns ciugcgcuwcht, das Ist derselbe Wind, aus dessen Sausdu die Botschaft uns entgegentünt von der Absicht, die Reformgemeindc unter die Verwaltung der grosse״ Gemeinde zu bringen. Ich bin gewiss gegen jeden Zwang und für Freiheit jeder religiösen Spul<11. aber diese gemeinsame Verwaltm.rr erscheint nur wie eine Sanktionierung des Sun 11 tagsgottesdlenstes, für dnn *יי:. Judo nieli! emtreten kann, der Pietät besitzt und der das uli.iiien will, dessen so viele scheinbar sicli schämen. Je lauter im Lärm des Tages der Antisemitismus s ,1׳ regt, umso /,aller müssen wir fcsthaltcn au uiisc- t Judentum in der Gestalt, in der es unseren \ .!;erii heilig war und teuer! Deshalb ist die vorzeitig laut gewordene Fanfare dis Herrn Prof, Geiger für uns nichts weiter, als e ine ernst c M a h 11 u n g, noch fester uns mi s a tu tu c n z u s c U l i 0. s s• 0 u und kampfesmutig /:u Verteidigung zu treten auf die Schanzen, die be- . 11t sind von einem Liberalismus, der kein LibemIisiiius sein kann, weil er des Zwanges nicht zu imk'hrcu vermag, um sich ais alleinseligmachend zu l'ii.uigcn! Epilog Von Dr. G. W11 k 0 w s k i. Niemand wird behaupten können, dass der l.\. Kongress mit grossem Enthusiasmus auseinanderegangen ist, und kein Delegierter, wie auch immer seine Steilung auf dem Kongress war, wird die Not- Wendigkeit einer Klärung der gegenwärtigen Lage verkennen können. Es ist gut, dass in den Ortsgruppen zurzeit hitzige Debatten filier den unbefriedigenden Verlauf des Kongresses geführt werden, und dass eine gründliche Aussprache besonders über die!־’rage staufindet, wer die Schuld an der tmeruuickliciicn Lage trage. In unsere Presse aber sollten wir den Meimuigsatistausch über Vergangenes nicht liineiutragmt. da es sinn- und zwecklos wäre, dieser oder jener Landsmamiscliaft eine Sünde nacliziisagen und theoretisch fcstzustelleu, wie es hätte kommen können, wenn man nicht so, sondern anders gestimmt hätte. Es kann und darf uns nicht darauf ankoinnien, die gegenseitige Verlotterung zu schüren, solidem wir haben uns nur ■ uit der einen Erage zu beschäftigen, wie wir weiter k׳ innen; wir haben uns zu fragen; I. Was haben wir in der laufenden Kongress- 1'niode au zionistischer Arbeit zu leisten? י. Wie ist der nächste Kongress vor/.«• bereiten? Nachdem sich die Aufregung der Kongressfrage gelegt hat, muss cs uns im Augenblick gleichgültig sein, ob diese oder jene Richtung unter uns sich als die historisch berechtigte erweisen wird. Jetzt heisst es unsere zionistische Position in Deutschland überhaupt stärken. Mag es richtig sein oder nicht, was die Opposition hehauiuet, dass wir, die deutschen Zionisten, die Verantwortung allein zu tragen Italicn, wir müssen um unserer selbst willen tingc* wohnliche Anstrengungen machen, um die Zahl der Selickelzalilcr durcli eine umfangreiche Agitation möglichst zu verdoppeln. Wir müssen ferner der Leitung, falls •sie cs für notwendig hält, durch Neu- Schaffung eines Parteifonds die Mittel zur Verfügung stellen, nachdem der Kongress die Besteuerung der Einaiizinstitutc abgelchnt hat, und wir müssen drittens von den in Palästina arbeitenden Institutionen die Land Development Company als das im Augenblick bedeutsamste Unternehmen durch energischen Verkauf von Aktien unterstützen, um durch »lie Tut die törichte Behuuptung zu widerlegen, wir sog. politische Zionisten sträubten uns auch gegen systematische praktische Arbeit in Palästina. Kein Unkenruf, keine noch so wohlgemeinte Warnung soll uns duvon abhaltcn, d!03cn Weg zu gehen. Wenn wir mit wirklichen Erfolgen unserer Arbeit auf den nächsten Kongress kommen, dann wird Seite 39. das die beste Rechtfertigung unserer Haltung in Hamburg sein. Der nächste Kongress soll uns auch besser vorbereitet linden. So darf cs nicht wieder kommen, wie cs dicsinul war, ein Chaos, in dem man sicli nicht mehr zurechtzufindcn wusste. Wir müssen Jetzt zu der Erkenntnis kommen, dass der Kongress in seiner bisherigen Organisation dem Dlffcrcnzlcrungsprozcss der zionistischen Aufgaben nicht mehr entspricht. So lange cs galt, Immer wieder Jlc grossen Richtlinien im Zionismus iestzuhaltcn und die sog. praktische Arbeit darin bestand, bedeutsame Institutionen (Nationalfonds, Bank usw.), über deren Notwendigkeit cs kaum differierende Ansichten gab, zu gründen, konnte ein Kongress von 500 Männern, deren Wald und Erscheinen vielfach einer Reihe zufälliger Umstände zuzuschreiben war, einen halbwegs parlamentarischen Verlauf nehmen. Das ist tun anders geworden. Aus der Zeit der grossen Reden sehnte man sich heraus, und mit Ungestüm wurde ein ״A rbe its-Kongross" verlangt. Hatten aber diejenigen, die solche gewiss berechtigte Forderung erhoben, einen Augenblick nur überlegt, wie ein Kongress von Hunderten unvorbereiteter, in Palästina* und Bankfragen debattiercudcr Rabbiner, Literaten, Aerzte, Rechtsanwälte usw. bedeutende technische Eachfragcn entscheiden sollten, ohne sicli auf Uintertreppcnklatsch, Gctuschcl und Gerede, im besten Palle auf die Autorität der leitenden Beamten in ihrer Stellungnahme zu stützen? Wer als Laie diese Situation erfasste, musste von der Pülle der Verantwortung erdrückt werden und konnte nur mit schmerzlichen Empiiudungcn manche weder durch Sachkenntnis noch durch das Gewicht eigener Leistungen autorisierte Kritik an der Leitung über sicli ergehen lassen. Darum war, was der Kongress leistete, keine parlamentarische Arbeit, was er rhetorisch brachte, von wenigen Höhepunkten abgesehen. Volksversammlungsstil. Wir alle aber wollen ein jüdisches Pariament. Wo gibt es nun in der ganzen Welt ein Pariament, in dem jeder Abgeordnete reden kann, so »dt er will? — Deshalb muss es unsere Aufgabe scir, dem nächsten Kongress eine Geschäftsordnung vorzulegen, mich der zunächst die Vertreter der Lands- 111;11mschaften mul Föderationen mich Massgnbe ihrer minierisclieu Stärke in allen wichtigen Prägen gehört werden. In der ״zweiten Garnitur" kämen dann erst die dissonierenden Vertreter zum Worte. Aufgabe der Landsmannschaften wäre es, analog den politischen Parteien, die durch Kenntnis und Autorität wirklich Berufenen aus ihrer Mitte zu wählen. Mit einem Schlage verschwänden dann sehr zum Nutzen der Vcrhandhmgsfähigkcit des Kongresses die Auch- Redner von der Bildiläelie, und wir hätten eine Diskussion, die ein klares Bild von der KongressStimmung auch dem schlecht Informierten gäbe. Eine so geführte Verhandlung würde mit der Zeit zweifellos zu einer Vertiefung unserer Bewegung führen. Demi es fänden sich Männer, die die Not- Wendigkeit fühlten, sieh mehr als bisher mit Detailfragen zu beschäftigen, um dem Vertrauen ihrer Landsmannschaften sich gewachsen zu zeigen, und allmählich käme der Kongress zu der fruchtbarsten aller parlamentarischen Tätigkeit, der Arbeit in K 0 m in i s s i o 11 c 11, die freilich nicht nur während der fünf Kongresstage sich zu betätigen hätten. Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands I. Ausdehnung des Verbandes, Neugriiiiduiigcii von Vereinen. Dem auf der Dclegicrtcnvcrsammlung vom 30. Mai d. J. mit 24 Vereinen begründeten Verbände haben sich inzwischen 19 Vereine angcschlossen, so dass der Verband jetzt 43 zählt. Neubegründet, mit Unterstützung der Zentrale bezw. der Verbandsvereine und der Vorstandsmitglieder sind die Voreine in: Eschwcgc, (Ilciwitz, Liegnitz, M. - OI a d b a c h, Zabrze, M a i n z, N c u w i c d, Stolp, Oberhausen, Cu Im (Wpr.); im ganzen!0 Vereine. Im Entstehen begriffen und bereits mit der Zentrale in Verbindung stehend, sind die Vereine in Crcfcld, Breslau, Leipzig, Strassburg (Eis.), Kott b us, Gelsenkirclicn, Stargard (Pom.). Bonn. Metz (Jünglmgsvcrcin), Tilsit und II i idc sbe i m; im ganzen 11 Vereine. Mit all diesen Vereinen bezw. den Gründlings- Komitees hat die Zentrale in regem brieflichen und persönlichen Verkehr gestanden, ihnen Ratschläge, Winke gegeben und das nötige Material zur Verfügung gestellt. Es ir.t daher begründete lioiinuiig vorhanden, dass der Verband in nicht allzu langer Zeit einen Zuwachs von 15 -20 Verbaiidsvereinen erhalten wird. Ebenso rege verkehrte die Geschäftsstelle mit den Vcrbutulsvcrciitcn, denen sie ein Verzeichnis der Vereint zum Zwecke des Verkehrs untereinander und zwei Rundschreiben, Rednerlisten und andere wichtige Mitteilungen enthaltend, übersandte. -׳• Die Verkundsvcrcinc ihrerseits haben der Geschäftsstelle Berichte und Arbcitsprogramme geschickt, die von reger Vereinstätigkeit zeugen, und die den jün<׳oron Vereinen als Arbeitsmaterial übermittelt wurden. Das Verhältnis des Verbandes zu den jüdischen Organisationen, wie G r o s s 10 g c f ti r Deutschlaud U.O.Ü.B., /. e ד t r a I v e r c i n Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaultens, D.J.G.U., ist das denkbar beste. Diese Organisationen haben die Verba n ds t ä t i gk c i t mit lebhaftem lntcrcsse verfolgt und den Verband in dankenswerter Weise ideell und nt a t er i c 11 gefördert. Der Verband der Deutschen Juden hat unseren Verband in den grossen Ausschuss kooptiert. Auch aus anderen Ländern sind b e - t r c {S s Gründungen von J u g e!1 d v e r - einen Anfragen;111 den Verband ergangen, w i c aus der Bukowina, RumUuicn, Palästina (Jerusalem) und () l> e r ö s t c r r c i c h. Wenn der Verband im 111• iiern erstarkt sein wird, dürfte er mich daran gehen, die Jugendbewegung nach diesen Ländern zu tragen. Der Vcrbandsvorsiizende, Herr Dr. Apfel, unterhält bereits einen lebhaften Briefwechsel mit Wien. II. Die in der ersten Vorstamlssitzuiig eingesetzten Kommissionen haben rege gearbeitet. Die A u!' - 11 all me- und S t a 1111 c n k 0 ווו m i s s i o 11 (R.-A. Lichtcnhcrg und Referendar Regensbürge r) hat die cingereichten Statuten der auizunehmenden Vereine geprüft und ein Normalstatut fiir jüdische Jngendvercme mit eingehender Motivicrung ausgearbeitet. Besonders wird darauf geachtet, dass die neuaufzunelmieiiden Vereine ihre Tätigkeit nicht auf eine bestimmte gesellschaftliche Schicht beschranken. Auch die Landsmannschaft erschien auf diesem Kongress als überlebte Institution. Freilich ist sie als rein vc rw a I tu n gs tcc h 11 i sc 11 e Organisation 1111 c 111 bc 11 rI i c 11, und deshalb ist die Gründung von Pedcrationen oder l'raklinnen, die von verschiedener Seite vorgeschiagen wurde, ohne schwere Schädigung unserer Gesamt- Organisation nicht durclizuführcn, abgesehen von der Unmöglichkeit, die dauernde Existenzberechtigung ן solcher Partelgruppicrungcn programmatisch festzulegen. Denn bei dem Mangel prinzipieller Gegensätze kann man keine Partei ״WolHsolm“ oder ״Warhurg" gründen. Was mir aber möglich erscheint, ist die Schaffung von K 011 g r e s s fraktionell, die besser noch als die Landsmannschaften, die keine gesclilossciic Einheit mehr darstcllcn, dem Tohuwabohu ein Ende machen können, das diesen Kongress noch beherrschte. Was den Kommenden Kongress bc* schädigen wird, kann mau mit einiger Sicherheit ein halbes Jahr vorher vorausscheu. Diese Zeit würde ausreichen, um die Stellungnahme zu den bedeutsumsten Prägen In allen Landsmannschaften vorzubereiten, die klare Scheidung der Qcister schon v o r den Kongrcssvcrhandlungcn herbeizuführen. Und dem Kongress bliebe dio peinliche Situation erspart, den irgendwie zusammengesetzten Permanenzausschuss In der Abstimmung desavouieren zu müssen. Sache der deutschen Zionisten scheint ns mir zu sein, diese nur ungedcutotcn Vorschläge auf Ihre Durchführbarkeit zu prüfen und zur Herbeiführung gegenseitiger Verständigung der Landsmannschaften die Initiative zu ergreifon. III. Den Bemühungen der literarischen K»>mmissioii (Dr. Apfel. D r. Roscnkr a n z) ist es gelungen, eine Anzahl bekannter Redner zur Abhultung von Vorträgen in den Vorbaiulsvereinen zu gewinnen; ausserdem hat sie mit Hinzuziehung von Bibliothekaren einen Bücherkatalog zur H»'־,׳״M11d11ug von Jugendvereinsbibiiotheken ausgearbeitet, der so angelegt ist, dass er auch als literarischer Wegweiser für jedes einzelne Mitglied dienen soll. Anregung des Herrn R.-A. Brodnit/. nach dem Muster ües Durer-Biindes ein Plugblait, in welchem die wich, tigsten Bücher verzeichnet sind, die jeder junge Manu nach Möglichkeit sieh selbst anscliuffen kann, her■ gestellt werden. Dem Kataloge wird auch ein Merk« blatt von empfehlenswerten Büchern für Geschenk■ zwecke beigegeben werden. Durch die in der letzten Vurstandssitzung angeregten hebräischen Sprachkurse musste die Geschäftes eile sicli mit der Prüfung der Lehr- 1111 tcl auf Anfragen einiger Vereine beschäftigen. Leider konnte sie trotz vieler Mühe nur wenige Bücher empfehlen, da die in Russland und Palästina verfassten Lehrbücher für das schulpflichtige Kindesalter geschrieben sind. Für Westeuropa und insbesondere für Deutschland, müsste ein solches Buch erst verfasst worden und zwar unter Berüeksiehtigung der reiferen Jugend und der Erwachsenen. V. 1״,n,Um,1ule *,*״3״*Verhältnisse des Verbandes - über die Herr Pclix Mover, Frankfurt, referierte ■— zu stärken, wurde beschlossen, hochherzige Persönlichkeiten für dio materielle Förderung des Verbandes zu gewinnen. Bei dieser Oe-