Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1910)
- Date
- 1910-01-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 32. JUEDISCHE RUNDSCHAU No. 3. Russland Auf Grund des bekannten Zirkulars des Minister• Präsidenten btolypin betreffs des jüdischen Wohnrechts wurde hier vor längerer Zeit achthundert jüdischen l aiiilUeii der Aufenthalt gestattet. Infolge einer besonderen ״Erläuterung" zu jenem Zirkular ist ihnen über nun das hiesige Wohnrecht wieder entzogen worden, und sic haben sämtlich den Befehl erhalten, spätestens bis zum 15. April d. J. die Stadt zu verlassen. Man schreibt uns aus Petersburg: Am II). .lamiar fand hier die Jahresversammlung der ״(lesellschaft zur Verhroltuii« von lillduug unter den .luden 111 Russland" statt. Aus dem vom Vorstand erstatteten Bericht ist zu ersehen, dass die Gesellschuft Zwoigabtciltmgc» in Odessa, Riga mul Kiew und ein Vertreterkumitcc in Moskau besitzt. Die Rigaer Abteilung unterstützte Elementar-, Mittel• und Uewerbcschüler, die dortige Handwerksschule, Abend* und Nachmittagskurse, eine Lesehalle und Bibliothek. Ausserdem sammelte sie Archivmateriallen für die Geschichte der Juden in den baltischen!,rovlnzen. Die Abteilung in Kiew unterstützte jüdische Elementursclmlcn in mehreren Städten jenes Gouvernements, sowie mehrere zum Lehrerexamen sich vorbereitende junge Leute: gründete eine Bibliothek von Lehr* biiehern für Selbstunterricht u. a. m. Der Vorstand entsandte einen Agitator in verschiedene Provinz* Städte zwecks Gründung neuer Zweigabtei* lungen. Mit Vertretern aus der Provinz wurden mehrfach Beratungen gepflogen über die zur Vcrbreitung von Bildung unter den {inneren jüdischen Massen geeigneten Mittel. Zu diesem Zwecke wurden vom Komitee Bevollmächtigte mit der Erforschung der einschlägigen Verhältnisse beauftragt. Die Ge* Seilschaft zählt 3327 Mitglieder, davon t>‘)3 hicrselbst. ״fl. J. K. 0.“ Bei der Begründung der ״Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation" hofften wir, unter dieser Spitzmarkc bald von einer fruchtbringenden positiven Tätigkeit dieser Gesellschaft berichten zu können. Leider kam es anders. Unserem in letzter Nummer veröffentlichten Dementi müssen wir heute folgende weitere Dementis anreihen, die der Kon* statinnpeler Korrespondent der ״Well" seinem Blatte übermittelt. ״Ich hatte Urnen jüngst die Äusserungen des Efkafministers 11 a in a d a P a s c 11 a über das Kolo• nisationsprojekt der A.J.K.O. mitgctcilt. Ich bin heute in der Lage, Ihnen weitere authentische Erklärungen über diesen Gegenstand zu übermittclu, die unserm Gesinnungsgenossen Krctschmur, Korrespondenten des ״Rasswjet", der sich die Klar* Stellung der Sachlage angelegen sein Hess, gemacht worden sind. Der Minister des Innern Talnat Bcy erklärte, dass der in Ausarbeitung befindliche Gesetz* entwarf über jüdische Einwanderung mit den Plänen und Dcmüluiugcu des Dr. Nossig In absolut keinem Zusammenhang stehe, geschweige sie zum Gegenstand habe. A d i l B e y, Müsteschar des Grosswesirs, erklärte, dass zwar ein Projekt zur Ansicdlung von Juden im Grosswcsirat ein gelaufen sei, dass aber noch keine feste Meinung über den Plan existiere und keinerlei Beschluss darüber gefasst worden sei. Rifaat Pascha, der Minister des Attswärtigen, endlich gab die Erklärung ab, dass der tiirklscho Botschafter In Berlin weder schriftlich noch münd'.lch ein Memorandum der A.J.K.O., weder von Berlin uns noch hei schier Anwesenheit In Konstan* tlnopel, empfohlen oder übermittelt hübe. Wahr ist nur, dass Dr. Nossig Informationen über den Stand seiner Sache von dem türkischen Botschafter bezogen hat." Das ist einstweilen leider alles, was von dem mit grossem Pomp der europäischen Presse übermittelten Erfolg des A.J.K.O.-Plancs übrig bleibt. zionistisch BeweGUMG Gruppenverband Obcrschteslcn Die am Ui. Januar in Kattowltz nbgelialhmc Gruppenvcrbandssltzung war von den Vertretern sämtlicher obcrschlesisclicn Orts* und Schekclzahlcrgruppcn und zahlreichen aktiven Gesinnungsgenossen besucht; auch Parteisekretär Blum enf cid und die Kongressdclcgicrtcn von Sosnowlcc und Bcndzln waren anwesend. Die Vcrhandlungcn, die vom Vorsitzenden Herrn Arnold Wiener geleitet wurden, betrafen zunächst organlsatorlschc Prägen. Es wurde beschlossen, bei ge* nUgcndcr Tcllnchmorzahl hebräische Sprachkurso clnzurlchtcn und einen Wanderlehrer anzustellen. (Diesbezügliche Anfragen an Herrn Ing. Loovy, Qlclwltz, Bahnhofstr.). Zur stärkeren Vcr* tretung Jüdischer Literatur wurde in Bcuthcn olno Verkaufs zentrale des Jüdischen Vcrlag cs für Obcrschlcslcn eingerichtet und mit der Wahrnehmung der Geschäfte Herr Hugo Lasser betraut. Das Hauptinteresse konzentrierte sich auf die Berichte über ״die Ergebnisse des Kongrosses und die Stellung der dcutsehen Landsmannschaft". Die Kongressdelegierten R.-A. Dr. D o b r z y n s k 1, A rnold Wiener, Dr. Stahl und Ing. Hcckcr legten ihre Auffassung dar. Hierauf stellte sich Parteisekretär BI u m c n f c I d den Erschienenen vor, um in längeren Ausführungen auf verschiedene Erscheinungen des Kongresses clnzugchcn und im Hinblick auf die Kritik des Verhaltens der deutschen Landsmannschaft die Intentionen des Zentralkomitees bei der Agitation und Organisation zu entwickeln. Unter der stürmischen Zustimmung der Versammlung wandte er sieh gegen die opportunistischen Methoden und trat für eine vertiefte und national fundierte Propaganda ein. Zum Schluss wurden die Dispositionen für die inclirwöchcnilichc Agitationstour des Parteisekretärs durch Obcrsehlcsien getroffen. ftiUcilunncn des Zentratbureous der Zionistischen Vereinig, für Deutschland Wir richten an alle Ortsgruppen und Vertrauensmiiimcr die dringende Bitte, das zweilollos durch den Kongress sehr geförderte Interesse für unsere Bcwe* einig nach Kräften aus/mmtzeii. Vor allem bitten wir überall Versammlungen mit dem Thema ״Der IX. Kongress" chiziihcritfcu. Alle Gesinnungsgenossen, diu lierclt sind, Referate über den Kongress aticli mtsserhalh Ihren Wohnortes zu übernehmen, bitten wir um umgehende Aufgabe Ihrer Adresse. Eine Reihe von Geslmmiigsgeuosscn haben sich zur Ucberimlunc von Vorträgen bereit erklärt, so dass wir hoffen können, die aus allen Teilen Deutsch• lands vorliegenden Gesuche um Redner allmähllcli erfüllen zu körnten. Der Ortsgruppe Hamburg• Altona sind wenige Tage nach dem Kongress bereits spontan 100 neue M11 g 110 d 0 r bclgetrctcu. Wir hoffen, dass mich andere Ortsgruppen uns bald ein erfreu• llclics Anwachsen Ihrer Mitgllcdcrzalit werden melden können. Herr N a 11 tun S 0 k 01 o w, der bisherige Qettcralsckretär der Zionistischen Organisation und Leiter der ״Welt" in Köln ist von seinen Ämtern zurückgetreten und verabschiedet sich in einem in der ״Welt" veröffentlichten Schreiben von allen Gesinungsgcitossen und Kollegen. Herr Sokolow ist nach Berlin übcrgesicdclt, wo wir ihn hcrzliclist begrilsscn in der Hoffnung, dass cs Ihm auch hier vcrgönnt sein wird, seine hervorragenden Pühigkciten /um Segen für unsere grosse Sache fruchtbar zu machen. * Während des Druckes dieser Nummer geht uns die Nachricht zu, dass einer unserer ältesten und geschätztesten Mitarbeiter, Herr Dr. P.. Adler (Lübeck) In seinem derzeitigen Wohnort Nordrach In Baden verstorben ist. AUSD€N G£M£IND€N Dl« Mitarbeit unserer Leser nn dieser Rubrik lu besonder» —— crwümchu————— Klef. Am Sonntag, dem 2. Januar d. J. fand hier die feierliche Einweihung unserer neuen Synagoge am Ifohenzollcrnpark statt, ln weniger als Jahresfrist erbaut, macht sic mit Ihren ernsten eindrucksvollen Partiten tltretu Uthatter, Architekt Thecdc, alle Ehre. Es ist sicher der eigenartigste Synagogenbau, der In Deutschland existiert. Ucber zwei sich schneideuden Tonnengewölben erhebt sich eine mächtige Kuppel, von der aus flimmerndem Blau der goldene Davidsstern hcrabblickt, bewacht von einem Kranz stilisierter Adler, ln den Rundbögen die Wappen der zwölf Stämme nach dem Midrasch, teilweise von Dornenarabeskcn umzogen. Im grossen Rundfenstcr, von der Zionistischen Ortsgruppe gestiftet, neben anderen Symbolen die aufgehende Zionssonnc. Die Purbcnwirkung des Ganzen ist fabelhaft. Es Ist ein Beweis für die Opferfreudigkeit der kleinen und durchaus nicht wohlhabenden Kieler Gemeinde, dass fast die gesamten Mittel zum Bau, der über 100000 Mark kostete, von ihr aufgebracht wurden. Ucber den Verlauf der Pcler selbst bringen wir den Bericht der ״Kieler Tagespost", der aus der Peder des Rclchstagsabgcorduetcn Dr. Leonhard stammt: ״Der Einladung zur Elnwclltungsfeicr, welche um Sonntag vormittag 10 Uhr stattfand, waren zahlreiche angesehene Bürger unserer Stadt gefolgt. Die städtischen Kollegien waren durch Oberbürgermeister Dr. Puss, den stellvertretenden Stadtverordnetenvor®!eher Döring, sowie mehrere Stadtrute und Stadtverordnete vertreten. In dem rechts vom Hauptportal gelegenen Gcmciiidezimntcr versammelten sich die Geladenen, unter denen sich auch zahlreiche Mitglieder der jüdischen Gemeinden unserer Provinz befanden. Herr Architekt Thecdc überreichte mit einer Ansprache dem Vorsitzenden des Bauaus- Schusses, Dr. iitcd. Jacob, den Schlüssel, welchen dieser nach Worten herzlichen Dankes au alle diejenigett, welche zum vollendeten Werke mitgeholfen hatten, dem Rabbiner D r. Colin überreichte. Darauf begab sich die Pcstvcrsammlung unter Klängen einer ernsten Musik in den von einer hohen Ktmpel überwölbten, im ersten Stock gelegenen KuJtusranm, dessen Scitcncmporcn von den Damen der jüdischen Gemeinde besetzt waren, während die der Apsis gegenüber liegende Empore dem Sängercltor lind der Musikkapelle Raum hot. Die Parben* Wirkung der Wände und Fenster wirkt äusserst stimmungsvoll, auch die Akustik scheint eine ganz vorzügliche zu sein. Unter Chorgesang wurden die Thorarolien, welche die heiligen Gesetze enthalten, hcrcingcbracht. Der Kultusbeamtc zündete die ewige Lampe an, und der Rabbiner Dr. Cohn sprach ein Gebet für den Kaiser, das Kaiserliche Haus und die Obrigkeit. Sodann wurden die Thorarolien in den hörigen Schrein, gestellt, vor welchem ein roter Vorhang hängt, auf dem in kunstvoller Goldstickerei die zehn Gebote angebracht sind. Dieser wertvolle Vor• hang ist ein Geschenk des jüdischen Praucnvcrcins. Nach erneutem Chorgesang betrat der Rabbiner die Kanzel, um itt einer gedankenreichen Weihepredigt die Bedeutung des Tages zu feiern. Ucber dem (jemeindezimmer und dem Schulzimmcr Italic sich der Kultusraum auf, so stelle auch über dem Weltlichen das Göttliche, beides in enger Verbindung miteinander. Die jüdische Religion sei nicht wcltfliichtig, sondern stelle in cng««״r Piiltlutig mit dem Leben. Mit der Vollendung des Baues sei ein Rtiliepunkt eingetreten, aber jetzt gelte cs, wcitcrzustrchcu im Geiste Gottes, in Wahrhaftigkeit und Nächstenliebe. - Auch fiir den ausserhalb des Judentums stellenden waren die Ausführungen des!Redners ein hoher Genuss, die gleichzeitig einen tiefen Einblick gewährten in diese Religion des reinen Monotheismus. Nach erneutem Chorgcsang und Ausgangsgebet leerte sich der Saal allmählich. Möge der Kieler jüdischen Gemeinde in ihrmn neuen Gotteshaus alle Zeit eine Stätte der Er• bammg, des geistigen Weiterstrebens und des Friedens l)«,'(:hieden sein." VeRCINS-RUNDSCHAU Die Schrill Uhrcr er Vereine »erden echoicn. die Itrrichie möalicn't k״app 1u halt»n um sie steis rccht/nt׳(!«m/tm•! uen Munuakrlpto nur auf olnor Salta boaohroltjon — doutlloho Sohrirtl Berlin. Am Montag, dem 24. Januar, abends 9 Uhr, veranstaltet der Verein zur Erlialiuiig des über* lieferten .liiiJeiitunis eine Versammlung, in der Herr Schriftsteller Dr. mcd. Kahn einen Vortrag hallen wird. Lokal: Lehrervereinshaus, Alcxandcrstr. 41. Berlin. Die Berliner Zionistische Vereinigung veranstaltet am Dienstag, dem 25. Januar loju, abends 9 Uhr präzise, in den Sophien- Sälen (weisscr Saal), Sophienstrasse 17/18, eine Mitgliederversammlung, Tagesordnung: B e r i c!11 über den IX. Z i o n i s t e 11 k ״ n g r e s s in Hamburg. Referenten: rlcn ׳; r. ..'0:1 P r i c d e m a n und Leo M o t z k i n. Der Zutritt Ist nur gegen Vorzeigung der Einladungskarte gestattet. Berlin. Am Montag, dem 3. Januar, fand im Tiergartenhof eine stark besuchte öffentliche Vor• Sammlung der Berliner Zionistischen Vereinigung statt, in der die Berliner Delegierten über den IX. Kongress referierten. Sie legten den äusseren Gang der Ereignisse dar und setzten die Stellungnähme der deutschen Landsmannschaft auf dem Kongress auseinander. Von auswärtigen Delegierten sprach Herr Bet teilte im aus Ungarn. Zu einer näheren Aussprache kam cs dann in einer intern e 1! Versammlung der B.Z.V. am Mittwoch, dem 12. Januar. Die Herren Dr. Ilatttke. Dr. Klee, Dr. W itkow sky . R. A. üronemann. Dr. Goldberg und andere rechtfertigten die Haltung der deutschen Delegierten, die in ihrer Mehrzahl fiir bedingungslose Unterstützung der Leitung eingetreten waren. Die Haltung der russischen Landsmannschaft wurde scharf angegriffen. Von der Gegenpartei kam Herr Puiwcl zu Wort, der sich auf einige kurze Erklärungen beschränkte. Herr S e 11 e i 11 k i 11 (Jaim) sprach int Sinuc der Palästinenser für energischere Palästinaarbeit. Die Versammlung wurde auf Dicustag, den 25. Januar vertagt. L. Berlin. Am 15. Januar fand int Burgliotcl eine Versammlung der Berliner Mlsraeltl-Griipno statt, zu der sich sowoltl Mitglieder als auch Gäste zahlreich eingcfumJcn hatten. Herr Dr. Lcszvnskv hielt das Referat ״Der IX. Kongress und die Misraelii-Kouferenz". Der Redner schilderte zuerst die eifrige Arbeit der mittlerweile auf 5000 Schckclzahler ange* wachsend! Föderation vor und auf dem Kongress. Diese Tätigkeit, wie auch die allgemeine Ancrkcnnung, die der Misrachi in waitiburg fand, sind ja inzwischen der breitesten Oeffcntliclikcit bekannt geworden. Im weiteren Verlauf gab der Referent einige beachtenswerte Notizen Über die Organisation und das Statut. Die Organisation ist dem allgemeinen