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Jüdische Rundschau · 1910-01-21 · Heft 3 (21.1.1910) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 3 (21.1.1910)
Date
1910-01-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 3. JÜDISCHE HUNDSCHAU Seite 27. Nach dem IX. Kongress Von Rstcrrnnnn, Hamburg.; Herrlich, begeisternd hatte er begonnen und mit einem Misston hat er geendet. Aul früheren Kon• gressen war cs 7war manchmal viel stürmischer zugegangen; da waren die (leister noch mit ganz an• derer Helligkeit aulelnatider geplatzt; aber dann war es stets Kampf um Ideen, der unter allen Um• ständen erhebend wirkt, wahrend diesmal — so haben cs wenigstens weite Kreise aufgelasst lediglich um eine Person gekämpft wurde. Dies wirkte verstimmend, auf viele geradezu deprimie- 10ml. Und als zum Schluss nach langer ermüdender Nachtsitzung endlich die ״Ifatikwah" angestimmt w urde, da blich den meisten der Ton in der Kehle stecken. Von der allgemeinen Begeisterung, die am Tage der Hioifmuig geherrscht hatte, war kaum noch c 111 Hauch übrig geblieben. Und doch bat dieser Kongress mehr als mancher :einer Vorgänger positive Arbeit geleistet. Allerdings darf die Arbeit nicht nach der Anzahl der auf sic verwendeten Stunden gemessen w erden. Und dies ist ger ule ein Beweis, wie innerlich erstarkt unsere Bew .•1>•״ g bereits ist, dass selbst so weit• wehende persönliche Zerwürfnisse und Verstümmln• gen inner den leitenden Männern, wie sie auf diesem Kongresse zu Tage getreten sind, den Kongress nicht;iiheitsmu' iltig /u machen vermochte. So unver• iiiittclt. anscheinend imvcrsönlich sielt gewisse 1 1 irunpeii auch gcgeiuiberstanden, in den wichtigsten 1 *.iigeii trat eine geradezu überraschende Bintuütig- 1,1t zu Tage. Mies wird auch der wesentlichste tnninl .sein, warum die positiven Arbeiten des Kon* gie'-scs von der breiten Ocficutlielikcit, ja sogar von einem Teil der!!elegierten selbst so wenig bemerkt finden. Um die einzelnen Positionen hatte sich aber l.iui weithin sichtbarer und hörbarer Kampf abgc• >״iell. Ms die allerwichtigste positive Leistung des IN. Kongresses möchte ich die authentische Interpretation der von gewisser Seite ge•; ׳"•entlieh verdunkelten Punkte I und IV unseres I ׳ogramms neztielmeu. Bas gehört nicht, wie ich von mancher Seite iiussern hörte, in den ..de• m >> u s t r a t i vc n" Teil des Kongresses. Das war!»״sitive. praktische Arbeit im besten Sinne’ dt s Wortes und es ist in hohem Masse erfreulich, ,!.iss, obgleich auch auf diesem (Ichictc vor dem Kongresse Meinungsverschiedenheiten bestanden 'i.'itcn, auf dem Kongresse selbst die programmati• ' lien Erklärungen unserer verantwortlichen Leiter mit einer in der Geschichte des Zionismus beinahe beispiellosen Einmütigkeit aufgetiommcn wurden, .letzt weiss die Welt mul wissen auch die leitenden Männer in der Türkei, wer wir sind und was wir wollen. An den lapidaren Sihzen eines in der Tat vielleicht zu knapp gefassten Programms konnte ge• mäkelt mul gedeutelt werden; die von unseren hemfensten Biilirern, dem Präsidenten der Orguni• s.uiop und dem Präsidenten des Kongresses, in voll• Mer Oeffeiitliehkcit, unter einmütiger Billigung des gesamten Kongresses abgegebenen programmatischen Erklärungen stellen fest und unerschütterlich wie ein l'els im Meere, an dem die Verdreliungskünste in ihrer Binflussspliüre bedrohter Assimilatoren und die Verleumdungen geschäftiger und geschäftskundiger 1 eherpatrioten wirkungslos zerschellen müssen. Dpn zweiten Posten auf der Aktivseite des IX. Kongresses bildet die Schaffung der Möglichkeit, mit dn seit *«,vielen Jahren Immer mir theoretisch diskutierten Oppcnhcimcrschcn Sicdclungsplüncn auf genossenschaftlicher Grundlage endlich einen praktischen Versuch zu machen. Wohlgcmerkt: diesmal wurde nicht eine Resolution zu Uuustcn dieser Pläne gefasst, sondern cs wurden die Mittel zu deren Inangriffnahme bcreitgestcllt, ja zum Teil sogar auf dem Kongresse selbst aufgebracht. Und auch dies vollzog sich ohne Jeden Kampf, ohne jegliche Meinungsverschiedenheit. Von nicht geringerer, in ihren näelistliegciiden Boigen vielleicht sogar von noch grösserer Bedeutung Ist die Hinsetzung der Agrarkredit-Kommission, die die Aufgabe hat, die Gründung einer palästinisch-jüdischen Agrarbank in die Wege zu leiten. Mit klugem Bedacht wurden in diese Kommission keine Redner und Politiker gewählt, sondern zum überwiegendsten Teil Männer, die mitten im ÜOE*cao?ssi»liiQd03I!zaSQn(iQp Wir bitten auch die auswärtigen Vereine und Ortsgruppen dringend, uns Ihro Versammlungen und Zusaminenkiinltc regelmässig behufs Aufnahme in den Vcrsammlungskalendcr ar.zuzelgen. Kurze Angaben, dlo nur an dieser Stelle publiziert werden, können wir bis Donnerstag früh aulnchaien. — Die Redaktion. Berlin. Verein zur Erhaltung d. überltef. Judentums, Vortrag Dr. A. Kahn; Protest gegen Geiger, 25. Januar, Lehrcrvcrcinshaus.*) ״ Zionistische Vereinigung, Mltglledervcrsammlung, Rcf. Dr. B r i 0 d c in a n n, L. Motzkin, 25. Januar, Sophicnsäk. ♦) Näheres siche Vcrclnsrurdschau. r .... “ ...״.״״Arrr.^..,j.1aa13a praktisch-kommerziellen Leben stehen, und die in der Lage sind, sobald die Vorarbeiten becndei sind, den Gedanken in die Tat umzusetzen. Und aucli liier nirgends eine Spur von Opposition, auf allen Seiten freudige Hnisehlosscnhcit. an dem Gelingen des grossen Werkes mltzuarbeiten, trotzdem es sicli doch um ein Gebiet handelt, das bis vor kurzem noch heiss umstritten war. Wir Zionisten sind eben weder iitopistisehe Träumer, noch rechthaberische Ouerköpfc. Wenn sieh die Verhältnisse, in denen . unsere Stellungnahme zu irgend einer Brage ihren Grund hat, geändert haben, so ändern wir auch unsere Stellungnahme, ohne darauf zu bestehen, j dass das, was wir gestern noch mit guten Gründen | für richtig gehalten haben, unter allen Um-J ständen auch heute richtig sein muss. Dies! sollten sich unsere Gegner, die sieh so gern uns gegenüber als die praktischen Männer aufspielen, ad notam nehmen. Von der gleichen Bühigkcit, ohne Rücksicht auf Vergangenes den gegebenen Verhältnissen Rechnung zu tragen, zeigt auch der Wiedereintritt der Territorialisten in die zionistische Organisation. Handelt j es sich auch nicht um grosse Massen, um die die j I Organisation bereichert wurde, so darf doch die!! Vereinigung aller nationalen Kräfte des Judentums j 1 unter dem Hanner des Zionismus als ein recht ansehnliches Aktivum des neunten Kongresses verbucht werden. So befriedigend sich aber auch der gesamte Verlauf des Kongresses, als Ganzes betrachtet, darstellt, so wenig erfreulich war leider das Bild, das er während eines grossen Teiles der Verhandlungen darbot. Während seine Beschlüsse, hei denen es sieb um die wichtigsten l'ragen der zionistischen Gegenwart handelte, von einer rvltcncn Kinmütigkcit getragen waren, erweckte die Debatte oft den Bindruck, als bestände der Kongress aus lauter ausciuandcrstrcbcridcn Blemcnten, die nur noch mit Mühe eine kurze Zeit zusainmengehultcn werden können. Dass dieser Hindruek ein irriger war. bewies der schlicsslichc Verlauf. Denn obgleich es gerade in den Personenfragen, die die Gemüter am meisten erhitzten, nicht gelungen war, einen Ausgleich der divergierenden Ansichten herbeizuführen, so dachte doch keine einzige Gruppe auch nur einen Augenblick daran, grollend beiseite zu treten und sich an den weiteren Arbeiten der Organisation nicht mehr zu beteiligen. Da man sich über ein Neues nicht einigen konnte, so beliess mau das Alte an seinem Platze und ging auseinander mit de' Hoffnung, dass es auf einem der nächsten Kongresse gelingen werde, eine befriedigendere Lösung für die schwebenden Brägen zu finden. Woran hat cs nun aber gelegen, dass Born! und Inhalt des Kongresses in so auffälliger Weise von einander abwicbcn? Die Antwort erscheint auf den ersten Blick nicht schwer: Bs handelte sich um Persoiicnfrugen, und ein Streit um Personen pflegt bck.iniilcrnmsHcii stets, was ihm an innerem Gehalt abgeht, durch die Heftigkeit der Bonn zu ersetzen. Dies ist aber nur zum Teil richtig. Wie auch die Person des Präsidenten im Mittelpunkte des i Kampfgewoges stand, so lag die Ursache des j Kampfes doch immerhin für die meisten der Kämpfer auf prinzipiellem (ichictc. Das war für jeden, der die Debatte mit Aufmerksamkeit verfolgte, trotz aller überflüssigen und verletzenden persönlichen Rckriininationen nicht schwer zu erkennen. Ich habe an der Hand der gefassten Beschlüsse gezeigt, dass es auf diesem Kongresse in rein zionistisehen Brägen (also abgesehen von der allgemeinen Weltanschauung) kaum noch prinzipielle divergie-!ende Anschauungen gab. Aber dieser Zustand ist noch sehr jungen Datums. Bis zur Umwälzung in der Türkei standen sich die Gegensätze, wie ullgemein bekannt, noch ziemlich schroff gegenüber, und wenn auch heute die Scheidewand gefallen ist und sieb alle Ziunisten zur praktischen Arbeit in Palästina bekennen, so bedarf es doch einer verhältnismässig längeren Zeit, bis bei den ehemaligen Gcgnc.n das volle Vertrauen zu einander wiederhergestcllt ist. Und noch länger dürfte es dauern, bis auch die persei 11 liehen Verstimmungen, die ebenfalls in jenen saclilielien Meinungsverschiedenheiten ihren Ursprung hatten, vollkommen verschwunden sind. Dass cs sich aber auf dem verflossenen Kongress noch um letzte Ausläufer des alten Uganda-Streites mit seiner leilung in einen ״politischen“ und einen ..praktisehen Zionismus handelte, ging nicht mir aus den Debatten, sondern auch aus der Gruppierung der Parteien hervor. Seihst die Dissidenten aus den einzelnen Lagern waren fast ausnahmlos dieselben, wie während des Streites um den ״politischen" und den ״Zione"-Zionismus. Honen. Väter sind in den schlechten Zeiten I ini'tit so leicht zu haben.“ , Und Jankel ging schneller, bis es ihm! 1! •1/lich entfiel, nachzusehen, ob es hinten so utinkcl sei wie vorne. Nein ein paar Schritte liiutei* ihm war ein l.icht auf der Hecke. Was konnte das sein? Hs war ein Mondstralil, der durch eine Spalte in den Wolken?cdruiißcn v ar. Line Minute später drehte Jankel sich wieder um. Hs war noch da, so nah’ wie iriiher, vielleicht noch näher; die Spalte hatte sieh ver- יי hoben. ״Warum drehst du dich immer so um?“ haj'te Jeitta. , ״Nichts. Ich dachte ״ ־“ Und dann scltwiej׳ ei und blickte wieder zurück. Da war es noch, aber es sah jetzt anders aus; es nahm eine Oestalt an: es sah aus — ja, wie sah cs nur aus? lankel biss die Zähne fest zusammen, um seine I nicht zu unterdrücken. Dann drehte er sich noch einmal um, und jetzt wusste er, was es war. ״Sie kommt hinter uns 11er,“ flüsterte er, und begann zu laufen. ״Wer - was?“ fragte Jcnta zitternd. ״Sie — mit dem weissen Gesicht. Lauf, lauf’; wir können schneller laufen als sie. Und so liefen sie weiter, mit keuchender Brust und fliegendem Atem. Nach einigen Minuten, die ihnen Jahre schienen, sah Jankel sich wieder lim und schrie laut auf. ״Sie folgt uns noch immer“, stiess er 11ervor, ״sic ist ganz nahe. Sie will mich fangen, damit ich das Kadiseh für sie sage. Schneller, Jcnta. schneller!“ Hr fasste ihre Hand krampfhaft und riss sie mit sich, bis plötzlich ein quietschender, saugender 'Ion hörbar und der Boden weich und schwammig wurde. ״Der Sumpf, der Sumpf!“ flüsterte Jcnta. ״Wirklich?" rief Jankel freudig ״Dann entgehen wir ihr doch; liier kann sie uns nicht folgen, sonst ertrinkt sie.“ Hr sah sich um; das weisse Antlitz folgte noch immer; er tat einen Schrei und schleppte sie stolpernd durch den weichen Morast und Schlamm. Hr wusste, dass der Sumpf iu den See führte; da konnten sic sich im Wasser verstecken, bis das weisse Gesicht cs müde wurde, sie zu suchen. Sie müssen schon nahe sein; der Boden wird weicher und weicher; das Wasser steigt ihnen schon an die Knöchel; bald sind sic sicher. Und plötzlich schien ein grosser Wasserschlund sich vor ihnen zu öffnen; jemand packte sie an den Füssen und zog sie hinab — hinab. Und dann schloss sich die ruhige Flüche wieder und sah so unschuldig aus, als wäre nichts gescheiten. Jankel und Jcnta lamien also doch einen Vater — denselben, der dem Monde geboten hatte, das weisse Antlitz auf die I lecke zu malen. Die neuen Mekize Nirdamim Von Pmfessor D. Simouseu. Vor etwa ilrciviertel Jahren wurde dem Pnblikiioi bekannt gemacht. das■, eine Anzahl von Brennden der älteren hebräischen Literatur zusammeng, treten sei, um den drei Jahre zuvor aufgelösten Verein ...Mekize Nirdnuiiin" von Neuem zu bemünden. Pa tüchtige Forscher schon ihre Mitarbeit /.»gesagt liatteu, und nt.,n vermuten durfte, da» das grosse Publikum sieh nicht gar zu gleichgültig verhalten würde, konnte sogleich zur Arbeit geschritten werden, und in ganz kurzer Zeit werden die ersten vier Lieferungen des neiientstandcncit Vereines au die Mitglieder verschickt werden.') Zu wünschen “) Anmeldung von Abonnements bei de ו früher bekannt gegebenen Koinitcemitglicdern (darunter I hrenvorstand: Pro», a. Berliner-Berlin. Vorsitzender; Prof. |). Simunscn-Kopcnhagep. stellvertretender Vorsitzender; Dr. A. Breimann-Brankfurt a. Main. Sekretär; Pr. S. Poznanski-Warschau), und bei dem Schatzmeister des Vereins Bankier Leo Mainz. Braukfurt a. Main, Uhlandstras.se •lf«. Der Jahres• beitrug ist 10 Mk. (Minimum). Mitgliedschaft fiir Lebenszeit wird durch einmalige Znhlune von mindestens 20t) Mk. erworben. ף t, I * [ r i I r' ׳! I I I I i i I t i I t I ו i 1 « I

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