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Jüdische Rundschau · 1910-01-14 · Heft 2 (14.1.1910) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 2 (14.1.1910)
Date
1910-01-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 20 JUEDISCHK RUNDSCHAU No. 2. iin ihrer Wiege gestanden habe mul mit ihnen verwachsen bin; ich habe mir, weil ich als Kaufmann Klar sehen will, die Zusicherung verlangt, dass mir Aufsichtsrat die Möglichkeit gegeben wird, mir im durch llinzuwahl von fünf Mitgliedern eine Majorität zu schaffen. Ich habe liinzugefiigt: nicht zu dem zwecke, um unser Geld im eisernen Schrank zu bewahren, sondern um nur un praktische Dinge, praktisch im kaufmännischen Sinne, liertmztigehen; und da ich weiss, dass die Mitglieder des Direktoriums der Hanken alle ohne Ausnahme für praktische Sachen zu haben sind, hm ich überzeugt, dass wir in dieser Beziehung vorwärts kommen werden. I ^c * ®*י i Namen der galizischcn Landsmannschaft habe ich die!ihre, dem hohen Kon• «ress folgenden Antrag zu unterbreiten: Der Kongress erachtet cs als notwendig und beschhesst, dass der Sitz der Parteileitung n a c h U e r I i n v e r l c g t wird. Gleichzeitig drückt \1Sr1״K0,״Rrcss! dcn ,w״״sch aus. dass Herr David wolffsüliu weiter die Leitung der Bewegung als Parteiprüsident bcibchalten möge. Von der Uber- Zeugung ausgehend, dass Herr NVolffsohn sich nicht weiter weigern wird, dem Rufe der Partei und dem wohl unserer Idee zu folgen, wendet sich die galizisehe Landsmannschaft an den bisherigen Präsidenten mit der warnten Aufforderung, seinen W0h nsi tz in Berlin zu nehmen. T c m k i n: Im Namen der russischen, eines Teils der österreichischen und eines Teils der englischen, deutschen und amerikanischen Landsmannschaften habe ich folgende Erklärung abzugeben: im Inter• esse einer gedeihlichen Führung der Arbeiten und im Interesse eines Zusammenwirkens wurde beschlossen: 1. das Zentrum ist nach Berlin zu vorlegen, 2. die Wahl des Präsidenten wird durch das E. A.-K. vollzogen. B ent wich: Gegenüber der Erklärung des Dr. Heinrich 1.oewe Ist zu erklären, dass alle Maccabcans sowie 8 Dclc•' gierte von der englischen Federation und 6 von den Vereinigten Staaten, unterschriftlich die Verlegung der Zentrale nach Berlin verlangen, Allen-New York: Wir verlangen, dass der Präsident vom Kongress selbst gewählt wird, Er muss diu Kraft und Macht erhalten, die Verantwortung zu trugen und soll sie nicht teilen mit einem Komitee von 7 Personen. (Ileifall.) 1) r. Isidor M a r g u 11 e s: Diu westöster* rcichischc Landsmannschaft hat einstimmig den grösseren Teil der vom Permanenzausscliuss gefass• tun Beschlüsse selbst in Vorschlag gebracht, den andern Teil gegen 1 oder 2 Stimmen. Diu westösturrcichischc Landsmannschaft hat sich hier nusschlicss• lieh davon leiten lussen, dass Im Interesse einer gedeih• liehen Entwicklung des Zionismus eine System• ünderung im Sinne einer Teilung dor Verantwortlichkeit notwendig ist. Diu wcstöstcrreichischc Landsmannschaft ist dabei davon ausgegangen, dass, wie wir mit besonderer Freude gehört haben, Wolffsohn als Präsident des Aufsichtsrats und zugleich als Mitglied des E. A.-K. in der Leitung bleiben wird. (Wolffsohn: Das habe ich nicht gesagt!) — Anders wird cs ja nicht sein. Wir hoffen, dass der ganze Kongress der Aufforderung Wolff• solms, die von Parteitreue und Vcrantwortlichkcitsgefühl für die Bewegung getragen ist, entsprechen und keinen Keim der Zwietracht in die Bewegung tragen wird. Hermann Struck: ln! Namen der Zionistischen Föderation Misrachi habe ich zu erklären, dass wir bei den Beschlüssen boharren, diu Dr. Heinrich Loewe verlesen hat, und dass wir wünschen, dass David Wolffsohn Präsident unserer Bewegung bleibt. Sntclianski: Die palästinensische Landsmannschaft hat sich für Verlegung des Zentrums nach Berlin und für die Wahl des Präsidenten durch das E. A.-K. aus* gesprochen. K a p 1 a n s k i: 1111 Aufträge der Kongressfraktion des Jüdisch-sozialistischen Arbeiter• verbandes Poalc Zion habe ich folgendes mitzutcilen: Wir sind gleichfalls der Meinung, dass cs der politische Moment und die Interessen der zionistischen Bewegung erheischen, dass der Sitz der Leitung in einem grossen politischen Zcntium sich befindet, in diesem Falle in Berlin. JcanPischcr: Im Namen der b c 1 g i s c h c n Federation gebe ich die Erklärung ab, dass wir der Meinung sind, dass der Präsident vom Kongress gewählt und dass cs Herr David Wolffsohn sein muss, da wir der Überzeugung sind, dass wir in unserer ganzen Bewegung keinen bessern Mann und keinen Bessern als Präsident haben können, als wir ihn Jetzt haben. Der Vorsitzende stellt nunmehr den Antrag des Pcrniancnzausschusses zur Abstimmung. Dr. Heinrich Loewe: So schwer cs uns wird, habe ich namens meiner Freunde die Erklärung abzugehen, dass wir nach den Erklärungen des Herrn Wolffsohn nicht in der Lage sind, so zu handeln, wie wir zu handeln uns für verpflichtet halten würden, wenn die Erklärungen unseres Präsidenten nicht voriägen. Mit blutendem Herzen müssen wir es konstaticrcn, dass wir gern in anderm Sinne beschlossen würden, dass wir aber aus Gründen der Parteidisziplin, der Einheit des Zionismus, der weiteren Arbeit im Zionsmus und vor allem aus Gründen auch des Gehorsams gegenüber dom Wunsch, den Herr Wolffsohn ausgesprochen hat, zwar nicht für den Antrag dos Pertnanonzausschuss c s stimmen können, aber uns auch nicht e n t s c 1111 c s s c n können, dagegen zu stimmen; 11. 11. wir enthalten uns der A b s t i m m u n g. Die Anlrüge des Pcrmanenzausschusscs Über den Antrag des Permanenzausschusses wird nunmehr satzweise •abgestimmt. Die einzelnen Sätze werden unter Stimmenthaltung der in der ersten Erklärutig Dr. Loewes bezciclmetcn Dclcgicrtcngruppcn a 11 g e 110 in m c n. Vorsitzender Dr. B 0 d c!1 h e i tu c r: Damit ist der Antrag des Pcrmancnzausschuss c s a 11 g c 0 ״ in m c n. Dr. Israel Wald mann: Im bisherigen Statut steht die Bestimmung, dass der Präsident vom Kon• gress gewählt werden muss. Diese Bertinmiung ist liier einfach gestrichen. Darüber muss noch abgc* stimmt werden. (Zustimmung und Widerspruch.) Die Streichung muss doch vom Kongress ausdrücklich heschlossen werden, wenn sic gültig sein soll. Dr. Waldmann formuliert den Antrag: Dieser Passus des alten Organisationsstatuts ist nicht zu streichen. Dr. Friede mann: Wir sind zu unser!» Bedauern nicht in der Luge, bei dem von Dr. Loewe mitgctciltcn Beschluss zu verbleiben. Wir sind zu der Überzeugung gekommen, dass cs unbedingt not• wendig ist, dass Präsident Wolffsohn weiter an der Spitze bleibt. Wir werden uns an den Abstimmungen weiter beteiligen. (Qrossc Bewegung.) Wir nehmen die Anträge des Dr. Loewe wieder auf. Vorsitzender Dr. Bodenheim er: Es ist ein Antrag gestellt, den Passus: ״Die Wahl des Präsidenten des E. A.-K. erfolgt durch den Kongress" zu streichen. David Wolffsohn: Im Interesse der Sache, damit die neuen Herren nach ihren Begriffen arbeiten können, bitte ich Sic dringend, stimmen Sic für die Streichung dieses Passus. (Lebhafter Widerspruch.) Lassen Sic mich doch ausreden: ich gebe Ihnen mein Wort darauf, wenn cs sich In den nächsten zwei Jahren nicht bewähren sollte, werde Ich auf dem nächsten Kongress den Antrag stellen, den Passus wieder aufzunclmtcn. Heute aber streichen Sie ihn, cs Ist notwendig. (Widerspruch.) Es wird!)!)gestimmt. Der Antrag auf Streichung des Satzes aus dem bis• hörigen Statut wird mit 148 gegen 128 S11 in 111 c n a b g c I c h n t. Dr. Wclzmann ersucht als Obmann des Per• mnncnzmisselnisscs den Kongress, sich zu gedulden, da er in diesem Augenblick nicht in der Lage soi, Vorschläge wegen der zu wäh• lenden Personen zu machen. Der Per• mancnztiusschuss habe seine Vorschläge auf Grund bestimmter Voraussetzungen gemacht, diese Voraussetzungen sind nicht cingetroffcn. Infolgedessen wird die Sitzung um 11,51) Uhr unterbrochcn, um dem Permanenzausschuss Zeit zu neuer Beratung zu lassen. Die Verhandlung des Kongresses kann erst nach zwei Stunden wieder begonnen werden, um 1% Uhr. David Wolffsohn nimmt nach Wiedercröffnung der Sitzung das Wort und schlägt dem Kongross als einzigen Ausweg vor. den eben gefassten Beschluss (Wahl des Präsidenten durch den Kongross) entgegen aller Übung wieder umzustossen und den betreffenden Passus gemäss dem Anträge des Permanenzaussehusses zu streichen. — Die Streichung wird, unter Stimmenthaltung der Majorität der deutschen und der vereinigten kleinen Landsmannschaften, beschlossen. Dr. Friede mann gibt folgende Erklärung ab: Die vereinigten Landsmannschaften haben be• schlossen, steh auch an der Abstimmung übor die Wahlen nicht zu beteiligen. Wir erklären aber ausdrücklich, dass wir zu der Person des Herrn Professors Warburg das unbegrenzteste Vertrauen haben, und dass wir hoffen, dass seine Mitarbeit der Bewegung erhalten bleiben möge wie bisher. (Beifall.) Dr. Wclzmann: Wir haben für das E. A.-K. folgende Mitglieder vorzuschlagcn: Herrn Professor Warburg (Beifall). Herrn Sokolow (Bcilall), .Herrn Dr. Tschlcnow (Beifall). Herrn U s s i s c h k I n (Beifall und ״Uhu"-Rufc). Herrn Dr, H n n t k c (Beifall). Herrn Dr. Stand (Beifall). Herrn Dr. Sandler (Beifall). Im Namen des Permanenzausschusses beantrage Ich En bloc-Annalimo dieser Liste. Die Herren Dr. Hantke, Dr. Sandler und Prof. Warburg erklären nachclnander, dass sic ״unter diesen Umständen" eine Wahl ins E. A.-K. nicht an ne Innen könnten. (Ausserordentlich grosse Bewegung. Es tritt eine lange Pause ein. Das E. A.-K., die vorgcschlagcnen Kandidaten sowie der Präsident Dr. Bodenheimer ziehen sich zu einer Beratung zurück. Dann fordert Jnbotlnskl die russtscho Landsmannschaft auf, sich in Ihrem Zimmer zu versammeln. Die Sitzung wird unterbrochen,) WiederwahUdes AklionsKomtlco. Erst um 3 Uhr 35 Min. nachts erscheint der Perniancnzausschnsses und das Grosse A.-K. wieder. Die Verhandlung wird wieder aufgenommen. Vorsitzender Dr. Bodenheimer: Ich habe Ihnen eine Erklärung abzugeben. Nachdem sich durch die Abstimmung und durch die Erklärungen, die daran! erfolgt sind, herausgestelit hat, dass eine Zusammen, scl&utu! des li. A.״K. entsprechend den iinsclicti des!1crmancnzausschusscs nicht möglich ist• naben wir in langen Beratungen mit den Vertreten! der verschicdcncn 1-andsmannschaftcn die Lage erwogen. Wir sind zu der Überzeugung gekommen, dass sich der Kongress in einer Zwangslage befindet, aus der cs nur einen Ausweg für uns gibt, dass wir das b c s t e 11 c n de Engere Aktionskomitee wieder wühlen. Wir haben darauf mit den Herren, die bisher das E. A.-K. gebildet haben, beraten und haben sowohl Präsident Wolffsohn als auch Professor Warburg als auch Herrn Kam! gefragt, ob sic bereit sind, in dieser Zusammensetzung die (ieschäfte der zionistischen Bewegung weiter zu führen. Die Herren haben die Erklärung abgegeben, dass sie mit Rücksicht auf die Lage, die durch die Vorschläge der Pcrmancnzkommissioi! geschaffen worden ist. bereit sind, das Amt weiter zu übernehmen. eh mache also den! Kongress den Vorschlag, er möge beschlicsscn, dass das E. A.-K. in seiner früheren Zusammensetzung wcitcrbcstchcn bleibt. Hiermit sind selbstverständlich die früheren Beschlüsse aufgehoben und bleibt das alte Organisalionsstatut unverändert in Kraft. David Wolffsohn: Geehrter Kongress, in dieser Form ist cs nicht richtig, weil cs nicht legal ist. Wir müssen uns nach den Statuten richten. 111 der Einsicht, dass die zionistische Organisation ohne Leitung nicht bleiben kann, habe ich mich dazu entschlossen, auch dieses Opfer noch einmal zu bringen. Ich habe mich dazu entschlossen, das Amt wieder zu übernehmen, indem wir cs ohne Veränderung lassen. Und wir werden den nächsten Kongress wahrschcinllch früher cinberufcn also sonst, um eine ciulgültige Leitung zu schaffen, um vorbereiteter dazu zu kommen tils diesmal. Aber einfach bestehen bleiben kmm das F.. A.-K. nicht. Sie können es nur Wiederwahlen, dem! sonst hören wir mit diesem Tage auf, die Leitung legal zu führen. Weiter habe ich Sie zu bitten, auch das Grosse Aktionskomitee, da die Zeit Jetzt zu sehr vorgeschritten ist. in seiner bisherigen Zusammensetzung wieder zu wühlen. Desgleichen auch an den Kommissionen nichts zu ändern. Ich betrachte dieso Sache als ein Provisorium, und Ich bitte Sic, da wir alle überarbeitet sind, ohne lange Debatte diesen Antrag aiminclimcn. Der Antrag Wolffsohn w׳ird angcn o in in c n. Professor W c y I nimmt das Wort zu einer Sclilussansprache: In erster Reihe drängt es micl» natürlich, dem Präsidium unserer Tagung einige Worte des Dankes zu widmen. Verstummt ist der Streit der Meinungen, hoch gingen die Stürme des Für und des Wider, ein Ausweg ist gefunden, und die im Zionismus geeinigten Vertreter unseres Volkes haben schliesslich eine Kundgebung ihres Willens getroffen, der wir uns alle zu beugen haben. 111 jedem Augenblick waren wir alle überzeugt, dass bei allen ohne Ausnahme die Begeisterung fiir die Bewegung das Ausschlaggebende bei der Stellungnahme war. Es ist ein altes Wort unserer Weisen: Jede Versammlung, die zu einem idealen Zweck Zusammentritt, wird von Bestand sein. Und so werden auch zeitweilige Meinungsverschiedenheiten unserer Bewegung nichts schaden. All die Männer, die In selbstloser Treue in der bisherigen Verwaltung unserer Bewegung gearbeitet häben. die haben sieb in den Dienst unserer Ideale gestellt. Bei dem Sturm der Meinungen war das Verdienst der Präsidenten unserer Tagung, von denen der eine leider nicht mehr in unserer Mitte weilt, um so grösser, und um so mehr gebührt ihnen unser wärmster Dank. Sic *haben cs verstanden, trotz der hochgchcndcn Wogen, unsere Versammlung zu leiten mit Energie und UmsicliL mit hohem Ernst, mit musterhafter Gerechtigkeit und Unnartciischkeit. Der Redner schiicsst seine Ansprache mit dem freudigen Ausdruck der Hoffnung, dass cs den Zionisten und dem jüdischen Volke heschjeden sein werde, den alten Bund zu schlicsscn in der alten Heimat: Lcschono haboo biicruscholaiml (Lebhafter Beifall.) he Im er das Wort: Qcchrtcr Kongress! Wir koi men zum Schlüsse dieser IX. Tagung der Vertret« schaft unserer über die ganze Weit zerstreuten C ganisation. Da ziemt es sich wohl, ein oriiMcs W« der Rückschau und der Mahnung an Sie zu richte Wenn wir nach heissen! Kampfe der Parteiung« die sich auch in tinscrm Lager befinden, welcher si oft, unserm Temperament entsprechend, impulsiv Ausdruck schaftt, zu der feierlichen Ruhe dies Schlussstundc des Kongresses kommen, so scltci cs uns, als ob wir die Schwingen der Geschichte iib uns rauschen hörten. Wir fühlen von neuem die V( antw«3rtung. die wir für das Jüdische Volk und st Schicksal übernommen haben. Das Ziel, das wir uns gesetzt haben, und das unserm Programm verkörpert ist. ragt fest wie d Urgestein der Erdo im brausenden Strome der Zc Diesen Entschluss hat auch dieser Kongress in u

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