Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 2 (14.1.1910)
- Date
- 1910-01-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JUKDISCHE RUNDSCHAU Seite 21 No. 2.* gekraltigt mul gefestigt. Wenn gegen die! eltum!■ der verflossenen Kongrcssporiode mehr oder weniger schwere Vorwürfe erhoben worden sind, so «alten sie nicht den Personen, sondern der m c «sch 1 ichen Unzulänglichkeit unserer UinriehtnnKcn. Noch ist das Problem der ■ludcnnot un«cldst, und Millionen unserer Brüder ui verschiedenen Teilen der Welt erwarten von der zionistischen Or«un1sation. dass ihnen eine mcnschcnwürdige Existenz sescliaffen wird, die cs ihnen ernioglielit, fr'i nach unserer nationalen Eigenart zu leben. . ־!u ist die Sannnlun« und Anspannung aller ues lebendigen Judentums erforderlich. Was , Propheten satten, dass wir aus allen Teilen ucr Welt gesammelt werden, um wieder im Lande unserer Väter zu wohne״, ist es nicht zum Teil schon erfülltr Ist es nicht eines der Wunder der .״,‘schichte, dass diese Sammlung unter dem blauwoissen Banner des Zionismus sieh schon vollzogen hat? Wenn auch einzelne zur Seite stehen, das wird miscrn Weg nicht aufhalten. Sehen wir doch, dass trotz aller offiziösen Zeitungsnotizen einer Hamburger israelitischen Oehi c 111 d e Oie jüdische B e v ö I k c r u n g II a m ־ b nies mit grosser Preundliehkeit den Kongress empfangen hat und seinen Beratungen mit Interesse gefolgt ist. Dasselbe können wir mit Pug und Recht von der gnu/ui Hamburger Bürgerschaft sagen, und halte ich nii.'li verpflichtet, an dieser Stelle allen den K.irperseliaiten. die uns begriisst haben, für diesen casdtcniidlu'Mcn Empfang namens des Zionistischen •\one1r»CN miscrn herzlichsten Bank auszuspreehen. l'iiserc Arbeiten wären aber nicht möglieli ge* H.Mii. weint nicht unsere rührige Hamburger Orts-!חיו.• an 1 aufopferungsvollem l'.ifer die schwierigen ... •i'iu'ii .!er Vorbereitungen des Kongresses in.;1.1׳׳ •tcigiiltiger Weise geleistet hätte, und zwar die li.iKis und Hainen. Auch ihr spreche ich von dieser <k1׳i. den Bank den Kongresses aus. Und auch die vJ־, uc tirossmacht mochte ich nicht uuerwälmt 1 ,nm , die Vertreter der Presse der ganzen Welt, v 11 hier versammelt haben, um über die Tagung ,.V Ivmgresses Bericht zu erstatten. Bic liebens- ׳ ■. gc Anteilnahme, die aus den Berichten der!’. «v; spricht, zeigt uns, dass diese Repräsentanten , . iiuitliclien Meinung von der Bedeutung und der u v, unserer Bewegung einen guten Begriff gev,. 1,11!,.׳ haben. Auch fiir die mühevollen Arbeiten der Beamten ,!!:.ו Sekretäre des Bureaus sei hier namens des r ,'!,Imins der Bank des Kongresses erstattet. Lud mm zum Schluss! Als unser grosser Piihrer ׳••,•: ׳,h.i׳ llcrzl noch lebte, da pflegte er mich mit , •i.v m Namen zu nennen, der mir für mein ganzes In .11 teuer sein wird, Kr nannte mich gerne seinen .11.11• .f, seinen Soldaten, Ich keime keine grössere als ein disziplinierter Soldat im friedlichsten .Niniv des Wortes für die Bewegung zu sein, die Ar* beiten, die uns von der Organisation auferlegt werden, piliclugcircu zu erfüllen. Aber ich möchte wünschen, dass dieses Wort nicht mir von wenigen gellen soll. Jeder von unscru Oesinnungsgenossen. Icder Zionist sollte sich dazu erziehen, so dass wir alle .,llajolim“, Soldaten, der zionistischen Bewegung werden. Wenn wir uns eine Obrigkeit gewählt haben, so müssen wir wie eine disziplinierte Armee dem Rufe der Piihrer folgen, Wir dürfen nicht beiseite stellen, weil im Kampfe der Meinungen manchmal ein scharfes Wort von der einen oder andern Seite gefallen ist. Unter dem Kindruck dieses feierlichen Augen* i-hcks wollen wir von neuem das (lelölnii.s erneuern, uc׳! der zionistischen Idee und wurzelnd auf dem I luiuüiien! imsetes Programms, der neu gewählten l ulmmc treue Oefolgsehaft zu leisten, bis sic uns an das /־.:efiilirt hat, nach Zion und Jcruschalaim! Ul! erkläre den IX. Kongress für gev. •■eil. % I «1 AUS ALLER WELT Deutschland Vor kurzem hat der Kultusminister Herr v. :׳inu y.u Sol;׳, als (last bei der Kiuweihuug der .am. (icincimlesclmle in Berlin eine kurze Ansprache cchalten, an Jer niemand etwas Besonderes aufge- ,,Heu ist. Bein konservativen ״Reichsboten" aber!rd mitgeieilt, es habe manche Kreise unangenehm! ׳•rührt, dass der Kultusminister, als er von dem Geist ':»racli, der in der Schule herrschen solle, nicht in be* •Hinunter Weise den christlichen Geist als den lifzciclntctc, welcher die Schulen des deutschen Volkes und also auch die Schulen von Berlin erfüllen muss, sondern In abgeblasster Weise von dem ״Geist der l.icbc" sprach. — Also nicht fromm und nicht konfessionell genug scheint der Minister dem Reichs* boten zu sein. Bas Blatt schreibt nämlich boshaft weiter: 1 >cn j ü d i s e 11 c n u n d s 0 z i a 1 d c!11 o k r a * 1 i sehe n (!) Stadtverordneten mag das gefallen liaben ״״d sie werden daraus ihre Konsequenzen für die Schulverwaltung ziehen, Indem sie auch ihren 1 leist als einen Ocist der Liebe anschcn und ihn in der Schule zur Herrschaft bringet) werden. « Die Jüdische Sclmlo in Pruustadt in Posen wird dcHiiliichit nuigeUiit, Die Kinder werden der •‘vangclischen Stadtschule überwiesen. Nach den iihcrcinstiiumendcn Beschlüssen der cvungclischcn und indischen Repräsentanten soll an der cvangcllselten Schule so lange ein l.chrcr'Jüdlscher Konfession angcstellt werden, als von der Synagogcn-Qcimlndc das Bedürfnis angenommen wird. Diese Schulauflösung ist von symptomatischer Bedeutung. Die Qcmcinde Fraustadt gehörte ehemals zu den grösseren Gemeinden P 0 s c n s; sic zählte noch 1857 etwa 500 Seelen. Die jetzt der Auflösung verfallene Volksschule wurde 1826 begründet und wurde noch 1886 von 27 Kinder bcsucht. + Bas anhaltischc Staatsmiiiistcrium hat einer von liberaler Seite im letzten Landtage gegebenen An* reguttg folgend, die Einführung von katholischem und iiidlschctu Religionsunterricht als obligatorischen Lehr• gegenständ an den höheren Schulen Dessaus von Ostern 1910 an verfügt. Bas Strafverfahren gegen den antisemitischen Abgeordneten Briilm wegen Verdachts der Teilnahme an dem Vergehen der Erpressung soll durch die Tagung des Parlaments keine Unterbrechung erleiden, da Herr Bruhn nach der ״Deutschen Tageszeitung" einen Antrag auf Einstellung des Verfahrens nicht stellen will. Die Hauptvcrhundlung wird danach schon vermutlich Im Frühsonuucr stattfinden. Russland Die beiden wegen Teilnahme an der Ermordung Ilcrzcnstclns erst vor wenigen Monaten vor dein finnlündischcn Gericht in Kymmcncpajä zu mehr* jährigen Zuchthausstrafen verurteilten ״Eclitrusscn" Polowujew und Justrcwitsch sind, wie unter dem 11. Januar aus Petersburg telegraphiert wird, bcguadlgt worden und sollen sofort aus dem Gefängnis entlassen werden. — Diese neueste Tatsache spricht Bände von der Macht des ״Verbandes cclitrussiscltcr Leute" und von der Geistesverwandtschaft Väterchens mit diesen seinen ullcrgctrcucstcn P׳'gromheIdcn. Einen würdigen Gesinnungsgenossen bat der Odessacr ״Zar" Tolmatscliow, der auf den Synagogen das Kreuz anbringen lassen will, in dem Scliulinspektor v״u No w go r «d Sc wc rsk gefunden, der den dortigen Jüd I sehen Schülern an beföhle 11 hat. an den Sonntagen und christlichen Feiertagen zusammen mit den nicht jüdischen Schillern in die Kirche zu gehen. Dieselbe Verfügung bat auch die Schulbehörde in Belozerkow im .Gouvernement Kiew erlassen. Mau sieht: Russland ist auf dem besten Wege, das klassische Land der Inquisition zu werden. Frankreich Die Liga der Menschenrechte veröffentlicht einen Protest gegen das Verfahren der russischen Regie* rung hinsichtlich französischer Bürger, denen der Zutrift nach Russland verweigert wird. Ks handelt sich um die französischen Juden, welche an der russischen Grenze aiifgehalten werden ״unter dem sophistischen Vorwände, dass Russland den eiuheimi* sehen Israeliten nicht die gleichen Rechte gewährt, wie seinen orthodoxen Untertanen." Die Anmassung, einen Unterschied zu machen zwischen Iran* zösischen Bürgern und von diesen nur solche zu/.ulassen, die ihnen gefallen, verslösst nach der Auffassung der Liga der Menschenrechte gegen die am I. April 1871־ und am 29. September 1905 geschlossenen Verträge. Allerdings, heisst es in dem Prozesse weiter, hat auch die französische Regierung am 22. Dezember 1908 mul am 26. April 1909 sicli solche Ver* stösse zuschulden kommen lassen, indem sie russische Untertanen nicht über die französische Grenze kom* tuen Hess. . ziowsTisaie Bewegung Kinen schweren Verlust hat die Zionistische Ortsgruppe Huiiifmrg-Altona durch das Hinscheiden ihres Schatzmeisters Samuel Cohen erlitten. Kr erkrankte plötzlich kurz vor dem Kongress, inmitten der Vorbercltungsarbeitcn, denen er sieb als Leiter des Pinanzkoiuitccs mit voller Hingebung bis zuletzt gewidmet batte. Er starb — im 63. Lebensjalire — mit den Worten auf den Lippen, dass jedem auf dem Kongress sein Recht werden möge. Mit diesem seinen letzten Ausspruch Ist das Wesen des ־ trefflichen Mannes . charakterisiert. Die zionistische Idee stand seit 12 i Jahren im Mittelpunkte seiner Interessen; er war I von strengsten Rechtlichkeit und Pflichttreue, :ein . stiller Arbeiter, der keine äusseren Ehren suchte. Er war der Senior des Vorstundcs; sclno kaufmännische! Erfahrung und seht Rat galten den Jüngeren viel, i 6 Jahre lang führte er In muitcrgültlgcr Welse die : Gcschäfto des Schatzmeisters der Ortsgruppe, zu deren Gründen׳' ergohorto. Die Todesnachricht traf uns, als die deutsche Landsmannschaft am Freitag, dem 24. Dezember zum ersten Mal in Hamburg versammelt war. Die Sitzung wurde unterbrochen und der Vorsitzende widmete dem treuen Freunde schmcrzcrftillt Worte des Dankes und der Verehrung, die von der Landsmannschaft stehend angchürt wurden. Die Bestattung erfolgte unter grosser Beteiligung am Sonntag Mittag, unmittelbar nach Schluss der feierlichen Kongrcsscröffnung. Namens des Vor- Standes widmete Rechtsanwalt David dem Verstorbenen tiefempfundene Abschicdsxvortc. Ehre seinem Andenken! Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinig, für Deutschland Völlig neu bearbeitet und in mehr als dem doppcltcn Umfang der früheren Ausgabe ist soeben Trlctsclis Palästina-Handbuch erschienen. Es umfasst ausser den allgemeinen Landcsvcrhältnisscn speziell die jüdischen Interessen in ihrem weitesten Sinne, und zwar sowohl die gegenwärtigen Zustände wie auch die Möglichkeiten der nächsten Zukunft. Das informative, anregend geschriebene Buch ist vorzüglich ausgestattet und mit einem guten Kartenanhang versehen. Der Preis von 3 Mark ist bei der Fülle des Gebotenen ausserordentlieh niedrig zu nennen. Bc- Stellungen sind umgehend an djis Zionistische Zcntralhurcau, Clmrlotlenhurg. Hlcibtrcusir. 49, zu richten. Zur Vermeidung der Nachnahmcspcscn ist Voreinsendung des Betrages erbeten, bei Einzelbcstcllungen sind 20 Pf. fiir Porto beizufügen. Bas Zcntralbi'reau hat an die Zionistische Ortsgruppe Hamburg-Altona das nachstehende Schreiben gerichtet: ״Nachdem wir jetzt nach den anstrengenden Tagangen des Kongresses mit neuer Kraft wieder an unsere regelmässige Arbeit geben, drängt es uns vor allem, unseren Hamburger Freunden den herzliebsten Dank für die Mühewaltung auszusprechen, die der Kongress und die umfangreichen Vorbereitungen zu demselben Ihnen verursacht haben. Wir glauben im Sinne aller deutschen Zionisten zu sprechen, wenn wir Ihnen die Versieherung geben, dass die Vorbereitungen des Kongresses in allen Teilen als ganz besonders gelungen emnlunden wurden. Ks ist gerade uns ein Bcdürinis, Ihnen zu danken, da wir genau wissen, wie undankbar cs ist. technische Vorarbeiten zu leisten, und wie wenig *lic Mehrzahl imstande ist, zu ermessen, wie unerlüsslieh diese Mühewaltung auch für das äussere Geliugen einer Veranstaltung ist. Seien Sie versichert, »lass wir, wenn wir an die Hamburger Tage /.uriiekdenken, uns stets dankbar Ihrer Fürsorge erinnern werden." Die Redaktion der ״I. R." glaubt, auch im Sinne der übrigen am Kongress vertreten gewesenen Presse zu handeln, wenn sie sich diesem Dankschreiben durchaus anschlivsst. Ks war unter recht schwierigen äusseren Verhältnissen fiir die Presse, und naiiicutlicli auch für die jüdische Presse, sehr gut gesorgt worden. Auch die bereitwillige und liebenswürdige Rücksichtnahme der Hamburger Herren auf Sonderwiinscbc der Presse während des Kongresscs sei noch besonders dankbar anerkannt. VCRCINS-RUNDSCHAU Die Schrill Uhrcr 1er Vereine werden rrhcien. Jic Berichte möglich«• k״apo tu hnlirn nna *Ic s1>1׳* teiM/clÜR liiousci nen Manuskripte nur auf olnor 80110 boaohrolban - doutltoho ttohrtftf Berlin. Am Sonnabend, dem 15. Januar, 8)! Uhr abends, findet eine Mitglicdcr-Vcrsammlung der Berliner Mlsraohlgruppe stau. Lokal: Burghotcl, Burgstr. 21). Tagesordnung: l. Bericht über den IX. Kongress und die Misraeliikonferenz. Ref.: Rabb. Dr. R. Leszynsky. 2. Neuwahlen. Gäste willkommen. Berlin. In der ״Jung-Jüdischen Vereinigung" wird am Montag, dem 17. Januar, in den Sophiensälen, y'/i Uhr abends, Herr Max Lieh tonst ein über: ״Moses Mendelssohn" sprechen. Mit diesem Vortrage beginnt ein Zyklus der neueren j ü d i - sehen Geschichte, der auch unsere heutige Zeit umfassen wird und 5~b Vcrcinsabcnde in Anspruch nehmen dürfte. -- Gäste, besonders junge Kauflcutc, sind willkommen, Berlin. In einer am 20. U. Ml. Im Saale Wilheim Strasse 118 stattt'.ndenden Versammlung des Jüdischen Jugcndbiindcs wird Herr Rechtsanwalt Dr. Klee über den IX. Kongress in Hamburg rclerieren. Q ä s t e sind herzlich willkommen. Wronkc. Am 2. Januar hielt Herr Rabbiner Dr. Emil Lew (Berlin) einen Lichtbilder-Vorirag über Palästina. Der Redner verstand cs, durch seine meisterhaften und sehr anregenden Schilderungen eigener Erlebnisse auf seiner Reise durch Ägypten