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Jüdische Rundschau · 1909-12-31 · Heft 53 (31.12.1909) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 53 (31.12.1909)
Date
1909-12-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 53. JUEDISCKE RUNDSCHAU. Seite 605. Has Nominalknpitnl der Gesellschaft betrügt £50 0000.—, ciuRCtcilt in Grunderaktien A £ SO.• - und gewöhnliche Aktien ü £ 1.—, voll cingezalilt sind aber erst ca. £3501).—, wahrend die Aktien für weitere £2500 erst teilweise bezahlt sind. Der Nationalfonds hat für die 98jäl1rigc Vcronchtimg seines 6500 Dunani umfassenden Gutes Kincrcth,' am Südende des Tiberiassee, 40 Grilndcraktien im Gesamtbeträge von £200 und gewöhnliche ,Aktien in Höhe von £2500, zusammen also £ 4500 von der P.L.D.C. erhalten. Das Out Kincrcth ist schon Anfang 1908 in Bewirtsehaftum; genommen worden und zeichnet sich durch vorzüglichen Boden aus. Es dient dazu, jüdische Arbeiter, speziell solche, die für spätere Ansiedlung als Pachter resp. Siedler in Betracht kommen, auszuhildcn und anzulcrnen. Etwa 30 jüdische Arbeiter waren schon in diesem Jahre auf dein Gute beschuftigt, obgleich noclt nicht die Hälfte desselben unter Kultur war. Im jetzt beginnenden neuen Jahre wird auch das jenseits des Jordans gelegene Land des Gutes bebaut werden, zu welchem Zweck der Nationalfonds einen durch die von der Gesellschaft auf dem Gute errichteten Baulichkeiten gedeckten Kredit von £ 1000 bewilligt hat, der aber hoffentlich durch die Nciizcichmmgcn sowie die Eingänge der Restzahlung der alten Aktien bald überflüssig werden wird. Leider hat sicii an diesem Unternehmen bisher Russland nur wenig beteiligt, wahrend die englisch sprechenden Länder so gut wie ganz versagt haben, so dass auch hier wieder Deutschland und österreich an erster Stelle stehen, denen sicii daun nament-' lieh Rumänien, Belgien und Holland nnschlicsscn. Wenn erst die Bedeutung der Arbeit dieser Ge- Seilschaft bekannt geworden sein wird, so werden zweifellos die Zeichnungen auch schnell zuncluncn; es ist dies besonders wichtig, weil erst, wenn mindeslens weitere 5000 Aktien voll cingczahlt sein werden, die Hauptaufgabe, der Ankauf von weiteren Gütern sowie deren Amelioricrung und Parzellierung .111 Pächter und Siedler in Angriff genommen werden kann. Auf diesen Moment warten nicht nur die schon ausgebiideten Arbeiter des Gutes, sondern auch zahlreiche Familien in Russland, Rumänien und österrcicli-Ungarn, z. T. gelernte Ackerbauer. Möge jeder sein Schcrilcin beitragen, damit diese Leute nicht enttäuscht und des langen Wartens überdrüssig, nach andern Lü'idcrn auszuwandern gezwiingen sind. Die ׳Sammlung für die P.L.D.C. betrachten wir als eine der wichtigsten Gegetnvartsarbeiten für Palästina. , Bezahl Vorzüglich hat sich die Kunstgewcrbeschulc ״Bczalel" in Jerusalem entwickelt, die in der Berichtspcriode das neue schöne Haus, ein Eigentum des Nationalfonds, bezogen hat. Dank der Rührigkeit des Vereins und der Beliebtheit dci Institution selbst, hat sich auch die finanzielle Grundlage derselben, die uns früher recht viel Sorge machte, wesentlich verbessert. Nicht nur haben dazu die reichlichen Unter- Stützungen der zionistischen Einzelpersonen, Ortsgruppen und Vereine in der ganzen Welt beigetragen, sowie die von ihnen veranstalteten Ausstellungen der in der Schule hcrgcstclltcn kunstgewerblichen Gegenstände, sondern auch das Aktionskomitee hat diese Institution sehr wesentlich dadurch unterstützt, dass cs die Miete für den Verein bezahlt hat. Auch hat das Palüstinaamt eine dauernde Kontrolle über die Schule ausgeübt. Dass sieh das kunstgewerbliche Niveau der Schule in den ־zwei Jahren sehr gehoben hat, beweisen die hier in Hamburg In einem Nebensaale des Kongressgebäudes zur Ausstellung gelangten Erzeugnisse derselben, die orientalischen Kniipftcppiciie, Piligranarbeiten. Ktipfcrgcgcnsländc in Damaskusart inkrustierte Holzarbeitern sowie Holzschnitzereien und Bilderrahmen. Es mag noch besonders erwähnt werden, dass vor kurzem in der Schule der tausendste Teppich fcrtiggcstcllt worden ist, womit eine kleine Feier verbunden wurde. Auch eine Kunstkorhflcchterei und ein litiiographischos Atelier sind c:r Schule ungegliedert worden. Nicht weniger als 170 Personen finden jetzt Im Bezalei ihren Unterhalt, von denen im Tcppichatciicr ca. 60 Mädchen und Frauen, im Filigranatclier ca. 40 jemenitische Juden, die sich vorzüglich hierfür eignen, beschäftigt werden. In der Mal- und Zcichcnklassc werden zurzeit 22 Schüler unterrichtet. Im Damaskus-Mctallatclicr sind ca. 15, Im Holzntclicr ca. 20, im lithographischen Atelier ca. 5, ln der Korbflcchtcrci ca, 6.Leute beschäftigt. Leider hat die Schule den Tod des Zeichen- und Mallclircrs am Bezalei, S. Hirszenberg, zu beklagen, dessen scliönc, von iinscrm Gesinnungsgenossen Gliccnstein licrgcstclltc Bronzebüste, der Schule eine «lauernde Erinnerung an diesen seltenen Mann sein wird. Auch das mit der Kunstgewcrbeschulc verknüpfte Kunst- und kunstgewerbliche Museum hat bedeutende Fortschritte gemacht. Die schönste Zierde desselben wird das nuf dem Haager Kongress der Schule versprochene, seitdem vollendete und liier auf dem Kongress zum ersten Mal offeudieU ausgcstellte Seibstportrüt unseres Altmeisters Joseph Israels bilden. Möge diese hochherzige Schenkung bei den übrigen grossen jüdischen Künstlern das Bedlirfnis wecken, gleichfalls in Meisterwerken, und möglichst in Selbstporträts unserm jüdischen Nationalmitsctmi der Zukunft vertreten zu sein. ׳ Dann wird die Zeit gekommen sein, wo Jerusalem nicht hur wegen seiner heiligen Stätten, sondern auch wegen seiner jüdischen Kunstschützc ein Anziehungspunkt fiir die Reisenden bilden wird. Der Anfang ist schon gemacht, indem gelegentlich der letzten Bczalclaus- Stellung in München eine Reihe schöner, gleichfalls im Kongrcssgcbüudc ausgestellter Kunstwerke dem Museum geschenkt wurde, darunter Bilder von Herrmann, Borchart, Schilicin, Oppenheimer, Ncustüdter, Pottner, Walde sowie von Professor Kaufmann eine Plakette ״Licbcrmann“ sowie eine Gipsgruppc ״David und Goliath". Ferner hat der verstorbene Maler Hirszenberg eines seiner besten Bilder dem Bezalei- Museum geschenkt, wie ja auch das Gipsmodell von Gilccnstcins monumentalem ״Messias" im Garten des Bezalei sehr stimmungsvoll zur Aufstellung gelangt ist. Auch das antiquarische Museum des Bezalei hat sich dank dem Sammlcrtalcnt von Profcssor Sciiatz in reicher Weise vermehrt, und cs wird sicii, wie wir hoffen, schon in nächster Zeit eine besondere Organisation bilden, um dieses Gebiet in ganz anderer Welse zu fördern, als cs bisher bei den beschränkten Mitteln möglich •war. Schliesslich ist des Na tu r hi 3 tor i sehen Muse u m s zu gedenken, das zwar noch klein ist, aber sicii besonders in zoologischer Beziehung dank den Bemühungen des Herrn Aharoni schon einen gewissen Ruf erworben hat. Die Leitung des Vereins Bezalei hat Herrn Aharoni jetzt von der Pflicht, hebräischen Unterricht an der Schule zu geben, dispensiert, damit er sich in Zukunft ausschliesslich als Custos des Museums dieser Aufgabe widmen kann und auch Zeit findet, um hierfür grössere Reisen in Palästina und den Nachbarländern zu machen. Klrlatli Scicr Die ländliche Schule Kiriath-Sefer bei Beth Arif wurde von uns durch Verpachtung des Nationalfondsgutes Beth Arif bei Lydda und durch Überweisung einiger Knaben aus den Mitteln des Pogromfonds unterstützt. Sie hat aber In ilircr bisherigen Form aufgeliürt zu existieren. Nachdem Herr Bclkind aus finanziellen Qriinden nicht mehr imstande war, die Schule weiterzuführen, hat er kontraktgemäss das schöne Gebäude dein Nationalfonds übergeben. Es wird in Erwägung zu ziehen sein, ob• cs sich nicht für uns empfiehlt, dort auf gesicherter Grundlage ein ländliches Erziehungsheim fiir Knaben zu schaffen, wie sic sicii in Europa so sehr bewährt haben, sowohl in England als auch in Deutschland und in der Schweiz. Da die Zinsen unseres schon über 216000 Mark betragenden Pogromfonds schon jetzt fiir die Er- Ziehung verwaister oder sonst durch die Pogrome in Not geratener Kinder benutzt werden, so ist die finanzielle Grundlage für das Erziehungsheim eigentlieh schon gegeben. Den noch fehlenden Betrag zu beschaffen, dürfte nicht allzu schwer sein. Es würde eventuell schon genügen, wenn sich eine Anzahl von Gemeinden, Vereinen oder Logen bereit erklärten, durch jährliche Zahlungen das Recht zu erlangen, dort einen Zögling unterzubringen. ' Da aber immerhin geraume Zeit vergelten wird, bis man die Mittel zusummen haben wird, um mit Aussicht auf Erfolg das Erziehungsheim zu begründen, so wird geplant, das Haus in Beth Arif bis dahin der Oclbauinspcndc als Wirtschaftsgebäude zu verpachten. Walseitpffcgo In Palästina Dem Waisenhaus für Knaben in Jerusalem wut* den 4 Knaben zugeführt, die aus dem Pogromfonds unterhalten werden. Das Mädchen-Waisenhaus Jn Jerusalem wurdo von uns dadurch unterstützt, dass demselben 12 Mädeilen zegführt wurden, deren Pension usw. wir aus dem Pogramfonds bezahlten. Da bei der Leitung der Wunsch vorhanden sein soll, dieses Institut auf das Land zu verlegen, so Hegt der Oedanke nahe, für den Fall, dass in Beth Arif oin ländliches Erzichungshcim für Knaben an Stelle der Kirlath Sefer Schule gegründet wird, hiermit auch ein solches für Mädchen zu verbinden. Das Uchrülacho Gymnasium Dieses Institut, das tmlcr der Oblmt des Odessner Komitees stellt, wurdo von uns zwar nicht direkt unterstützt, hingegen hat der Nationalfonds den Boden angekauft, nuf dem das Gymnasium erbaut werden soll, und unser Gesinnungsgenosse Herr Moser, der das Geld zum Bau des Schulhauscs zur Verfügung gestellt hat, hat letzteres gleichfalls dein Nationalfonds schcnkungswclsc übertragen. Grundstück und Haus werden dein Gymnasium für die ersten 5 Jahre zinslos überlassen; auch wurde festgesetzt, dass das Qebäude 50 Jahre lang ausschliesslich für Schulzwcckc verwendet werden muss. Das Palästinaamt hat die hierzu nötigen Verhandlungen geführt. Zcniralbibiloihck in Jerusalem Die Verhandlungen mit dieser von uns bisher mit einem kleinen Betrag unterstützten Bibliothek haben erfreuliche Fortschritte gemacht, und lassen hoffen, dass sie sich jetzt bald durch eine zcitgcmüssc Re- Organisation zu einer auf solider Basis stehenden grossen jüdischen Bibliothek entwickeln 'wird. Die Unterhandlungen mit massgebenden Faktoren, uin eine gemeinsame Organisation zur Leitung und Unterhaltung der zu vergrüssernden Bibliothek zu schaffen, scheinen Erfolg zu versprechen. Hoffentlich wird cs jetzt nicht mehr lange dauern, bis sielt an Stelle des bisherigen überfüllten Bibliothekgebäudes ein schöner und würdiger Neubau erheben wird. Pilanzungsvercln ״Palästina" Dieser Verein soll denjenigen Juden,'die wiinsehen, ein Scholle Boden im Lande der Väter ihr eigen nennen zu können, ermöglichen, dieses Oebot des Talmuds ohne allzu grosse pekuniäre Opfer zu erfüllen, dadurch dass sie für 80 Mark eine Land- Parzelle von 1/11 ha mit Fruchtbäumcn bepflanzt auf Lebenszeit zugeschrieben erhalten, indem die Nutznicssung dieses Grundstückes ihnen jährlich als ״PaUistinagabc“ zugcstcilt wird. Pie erste Pflanzung von 150 Dunam ist von drei jüdischen Kolonisten in der Kolonie Rcchoboth angelegt, und die Palästinagäbe wird den Besitzern in diesem Jahre ziwu zweiten Male zugcstcilt werden, diesmal in Gestalt von (handeln und Rosinen. Da der Verein keinerlei Mittel für Propagierung seiner Ideen besitzt, nocli wird erlangen können, so ist die Zahl der in der Bcrichtspcriodc neu hinzugetretenen Mitglieder auch eine geringfügige gewesen. Die Hoffnung, dass die Misrachi, in deren Sinn doch dieser Verein ganz besonders liegen muss, die Sache als die ihrige betrachten würden, hat sich bisher als irrig erwiesen und dürfte auch in Zukunft sich kaum erfüllen, da diese Föderation ja durch, Übernahme der Mittelschule ״Taclikcmoni" In Jaffa ein Unternehmen auf sicii genommen hat, das ihre Kräfte ziemlich in Anspruch nehmen wird. Aus diesem Grunde hält der Vorstand des Vereins cs für das beste, dass sich der Verein der Oelbaumspende angiiedert, indem letzterer die Ländereien des Pflanzungsvcrcins dauernd verwaltet, wofür sio nach dem Tode der einzelnen Besitzer völlig in das Eigentum des Vereins Olbnumspende übergehen werden. Das Palästinarcssort hat sich nur insofern mit diesem grosscntcils aus nichtzionistischen Mitglicdem bestehenden Verein beschäftigt, als cs durch das Palüstinaamt die Pflanzungen des Vereins kon* trollicrcn Hess und dem Verein auch seine Räume für Beratungen usw. zur Verfügung gestellt hat. Hygienisches Institut Die in Aussicht genommene Einrichtung eines mikrobiologischen resp. hygienischen Instituts hat gute Fortschritte gemacht. Die bis heute für das Institut zusnmmcugcbracbtc Summe wird wohl ungefähr die Baukosten des Instituts decken. Wenn, wie zu erwarten ist, der Nationalfonds den Boden hierzu hergeben wird, so würden also immer nocli die Eiuriclitungs- und die jährlichen Unterhaltungskosten aufzubringen sein. Ein vorläufig kleiner, auf Wunsch des A.-K. unter dem Palästinaamt zusammengetretenor, aus Ärzten bestehender Arbeitsausschuss hat soeben die Vor* nrbeiten begonnen, und cs Ist Hoffnung vorhanden, dass bald ein aus sehr guten Namen zusammengesetztes Komitee die intensivere Werbung für die Aufbringung der Fonds in die Hand nehmen wird. Leider ist uns eins der rührigsten Mitglieder dieses Auaschusscs, Dr. Georg Arndt, kürzlich durch (inen jähen Tod entrissen. Ein renommierter, fiir das Technikum in Haiffa hinausgesandter Architekt wird nach den detaillierten Angaben, die er hier erhalten hat, die Kosten des Baues berechnen und sich nach einem geeigneten Platz umsehen. Nach den vorläufigen Schätzungen scheint cs, dass das Qebäude und die innere Einrichtung bei weitem nicht solch hohe Kosten machen werden, wie früher •angenommen wurde. Neben der Förderung von gemeinnützigen Institutioncri hat sich das Palästinarcssort auch bemüht, das Interesse des privaten Kapitals für Anlagen in Palästina waclizurufcn und zu pflegen. Das Patästlna-InUustrlcsyndlkat Das Palüstina-lndustricsyndikat, eine in Berlin eingetragene Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit einem Kapital von 100000 Mark, an dem der Jcwislt Colonial Trust einen Anteil von 10000 Mark besitzt, ist seinem Wesen nach ein Studiensyndikat, das sich bestrebt, in Palästina neue Industrien einzufUhren, Es ist das naturgcinäss keine leichte Auf-

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