Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 53 (31.12.1909)
- Date
- 1909-12-31
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 606. JU :DJS CI־IE RUNDSCHAU No. 53. 1909/10 Wodienfealcrnfsiחר״ע 5670 ־ טבת Dez. Tebeth Fi eitag 31 Januar 1910 'ט 19 sch'moth, שטות Noch« 4,5?. J׳*ajah 27,6 -28,\i ü. 29,22-23 Sonnabend שבת 1 ב 20 הבאים ישרש יעקב Sonntag 2 בא 21 Montag 3 בב 22 Dienstag 4 כג 23 Mittwoch 5 כד 24 Donnerstg, 6 בה 25 Freitag 7 בו 26 1 Sonnabend שבת 8 נז 27 -,3 *N וארא, WaCra Ncumondvoikündlgung מנרכין החודש 29,21 —צל28 jcchcskci כה אמר ה׳ בקבצי Rabe, da das kleine Liimlcheii selbst noch sehr wenig aufnahmefähig ist und sowohl der Mangel guter Häfen als auch die für die Versorgung des otto• manischen Reiches ungünstige Lage Palästinas einen Export der dort hcrgcstclltcn Industricartikcl in andere Länder und selbst in andere türkische Provinzen erschwert. Dazu kommt noch das Pehlen von Eisen und Kohle, in den meisten Ländern die Qrund* läge grösserer Industrien. So haben sich denn auch die meisten Projekte als undurchführbar erwiesen, und cs blieben nur kleine Industrien, die sich an lokale Absatzmöglichkeiten oder an die lokalen Produktionen anschlicsscn. Zu ersteren ist zu rechnen die Herstellung von Ziegeln und Hausteinen, zu letzteren die Mühlen. Ölpressen und Ölraffinerien, Konservenfabriken, Herstellung ätherischen üls usw. Bisher hat sich das Syndikat nur an einer Kalksandsteinfabrik mit einem kleinen Betrage beteiligt; es wird aber demnächst auch.au einem kleinen Versuchsunternehmen chemischer Natur tcilncluncn. Von grösseren Objekten sind die heissen Bäder von Tiberias zu erwähnen, an deren Pachtung durch einen in Tiberias ansässigen Kaufmann sich das Syndikat bcteiiigt hat. Es bleibt noch die Hebung der wenigen in Palästina vorhandenen mineralischen Schätze. Bisher war dieselbe nicht möglich, da sic dem Sultan oder der liedjasbahn Vorbehalten waren. Jetzt scheint eine Konzession eher denkbar. Für das Palästina Industriesyndikat sind die Unternehmungen aber viel zu gross, und schon die Vorarbeiten würden den grössten Teil des Kapitals des Syndikats verschlingen. Diese grösseren Konzcssiousuntcrnchmungcn sollten die Aufgaben unserer Bank bilden, und ebenso die wenigen grössern, von Konzessionen abhängigen Transportunternehmungen, die In Palästina noch zu vergeben sind, wie Eisenbahnen, Strassen, Dampferlinicn sowie andere öffentliche Arbeiten, wie Häfen, Bclcuchtungs-, Wasserversorgungs* und Kanalisationsanlagcn und vielleicht sogar elektrische Zentralen, Wenn die nächsten Jahre nach dieser Richtung hin nicht voll ausgenutzt werden, so ist die Gelegenheit hierfür dauernd verpasst, und cs ist daher zu verlangen, dass seitens der Bank die für die Voruntcrsuchungen nötigen Summen bcrcltgcstcllt werden. Plantagcngcscllsciiaft In Galiläa Auch bei der Gründung des ersten auf rein geschliftlichcr Basis begründeten Pluntagcnuntcrnchmens hat das PalUstinarcssort mitgcholfcn, wenngleich keine zionistische Institution hierbei materiell interessiert ist. Diese vollkommen private Gesellschaft, deren Anteile 40000 Ers. betragen, hat mit ihrem vorläufig auf 400000 Ers. normierten Kapital ein gut gelegenes, zum grossen Teil bcwässcrbarcs Landgut In Oalilüa erworben, um dort landwirtschaftliehe Grosskulturcn, speziell Baumwollbau, zu bctreiben. Die!aimobillcngcsclischaü Palästina Um auch kleineren Kapitalisten die Möglichkeit zu zeigen, ohne irgendwelches Risiko ihr Geld in Palästina in gewinnbringender Weise zu investieren, ist jetzt eine Immobilicngcsellschaft mit Anteilen von 500 Mark in Bildung begriffen, welche die schnelle Wertsteigerung des städtischen Grundbesitzes auszunutzen gcdqnkt. Wenn der Wert dieser rein kapltalistischcn Unternehmung an sich für unsere Bcwegung auch nur ein geringer ist, so dient das Hcrcinstrümen auswärtigen Kapitals nach Palästina doch sehr dazu, den Kredit des Landes zu heben Und das Selbstvertrauen der Bewohner zu erhöhen Beides aber trügt dazu bei, die wirtschaftliche Ent- Wicklung Palästinas zü beschleunigen, Indem dadurch einerseits ein Anreiz für weiteres ausländisches Kapital geschaffen wird, nach Palästina zu gehen anderseits die Einwohnerschaft selbst mehr Mut bcsich industriell zu betäticca. Aus diesem Grunde ist dar. PuListinnressort bei der Werbung des Kapitals behilflich. Ackuzath E.׳.־.in Die HhuscrbaugescUschaft Achuzath Baith wurde vom Palästinarcssort speziell durch die Hilfe des Palästinaamts bei der Finanzierung sowio bei der Aufstellung der Pläne gefördert. Seitens des Nationalfonds wurden ihr auf Wunsch des Grossen Aktionskomitees und unter Garantie der Angio Palestine Company 300000 Ers. als langfristiger Kredit gegen Ausgabe von Obligationen zur Verfügung gestellt und hierdurch die schnelle Inangriffnahme des Hausbaues in Jaffa und Haifa ermöglicht. Der grösste Teil der Häuser ist bereits im Bau oder fcrliggcstellt, so dass die Juden, welche bisher auf die engen Gassen der alten Teile dieser Städte beschränkt waren, bald auch schöne luftige Quartiere besitzen werden. Das zionistische Palüstinaprogramm Von Davis Trlctsch-Berlin (Schluss.) Die Untertanenschaftsfrage, Nun will ich noch über einige spezielle Themata sprechen, die einzeln behandelt werden müssen. Da ist zunächst die Frage der Untertancnschaft in der Türkei. Unsere Einwanderer aus Osteuropa haben, wie schon erwähnt, bei den bisherigen Zuständen in der Türkei sich nicht bewogen gefühlt, in grösserem Masse die türkische Untertanen* Schaft zu erwerben. Es hat an Anregungen dieser Art nicht gefehlt, und eine Anzahl osteuropäisclicr Juden hat auch bereits längst, — in voller Klarheit über die Schwierigkeiten, denen sie sich damit manchmal aussetzen mochten ־־־־ die türkische Untertanenschaft erworben. t Sie sagten sich richtig, dass sie nicht hoffen könnten, von den Türken als v011 wertige Bürger angesehen zu werden, wenn sie nicht diese Konsequenz zögen. Sic haben, obwohl sie sich, aller Schwierigkeiten bewusst waren, diesen Schritt nicht gefürchtet, weil sie sich s^ten, sic würden auch als türkische Untertanen entsprechend auftreten können. Es ist vorgekommen, dass solche Leute in Schwierigkeiten kamen. Da haben sie dann den türkischen Beamten klargemacht, dass sie türkischc Untertanen geworden seien, nicht um dadurcli zu leiden, sondern um dem türkischen Staat ihre Loyalität zu beweisen. Auf alle Fälle sind jene Ersten ein gutes Beispiel dafür gewesen was — schon unter der alten Türkei — in viel grösserem Masse am Platze gewesen wäre. ׳ Was vorbei ist, ist vorbei. Aber auch das alte System ist vorbei. Wir stehen vor einer neuen Aera. Diese neue Aera erfordert cs, dass jeder Jude, der aus den Landem Osteuropas flüchtet, im neuen Lande die Untertanenschaft erwirbt. Dazu gehört natürlich auch, dass man sicli nicht ausschliesslich in den jüdischen Kreis cinspinnt, — dass man vielmehr mit der übrigen Bevölkerung geht, wo es nötig ist, dass man Sprache und Leben der Bevölkerung kennen lernt etc. etc. Das Chaluka-Elemcat. Ein. zweites Einzelthcma ist die Chaluka. Sie hat bewirkt, dass die verhältnismässig grosse jüdische Einwanderung, die seit Anfang des vorigen Jahrhunderts nach Palästina ging, nicht auf wirtschaftlicher Basis hinging, sondern um dort zu.leben und zu sterben. Diese Elemente waren auf fromme Spenden angewiesen, die aus der Judenheit der ganzen Welt für eben diesen Zweck Zusammenflossen. Das Chaluka-Element der heiligen Stadt und der andern Städte (Hebron, Tiberias, Safcd) ist sehr stark angcwachsen und macht• jetzt fast die grössere Hälfte der jüdischen Bevölkerung in Palästina aus. So war es wahrscheinlich nicht gedacht gewesen, als die Einrichtung der Chaluka ausgesonnen wurde. Damals war wohl die Idee, dass die Judenheit der ganzen Welt durch diese Spende bewirke, cs sollten die Juden im heiligen Lande dem Thora-Studium leben, für das Wohl ihrer I Bruaer beten und den Zusammenhang des Volkes mit seinem Lande auf diese, wenn auch ärmliche Art, bewahren. Jetzt aber haben wir ein Chalukaclement von 40 000—45 000 Juden im Lande; und das ist auf alle Fälle zu viel, das muss geändert werden. — Wie kann man das aber andern? Von einem Tag auf den anderen geht es nicht und, wenn es nach einigen Heissspornen gehen würde, die da sagen, man müsse die Chaluka mit Stumpf und Stiel ausrotten, so würden wir eine Kata* Strophe erleben, die unmöglich stattfinden darf. Also ist auch die ״Methode“ der lieissspornc nicht berechtigt. Wir müssen vielmehr Mittel und Wege finden, allmählich diesem Uebd beizukommen. Das kann geschehen, indem wir Erwcrbsgelcgenheiten in Palästina schaffen. Die einzelnen Punkte dieser Aufgabe habe ich schon im Programm der Palästinenser ausgeführt. Hauptsächlich wollte ich aber hier nachtragen, dass die Feindschaft gegen die Gm• luka durchaus nicht am Platze ist. Auch deshalb nicht, oder sagen wir gerade deshalb nicht, weil die Chaluka (und nicht־׳ anderes!) es bewirkt hat, die grosse Zahl von Juden nach Palästina zu bringen, die heult dort sind. Ohne diese Institution würde Jeru• salcm weit davon entfernt sein eine jüdische Majorität zu haben. Und cs würde heute sehr schwer sein — etwa mit Mitteln der zionistischer! Bewegung — das zu versuchen, was der Cha• luka bereits gelungen ist. Ferner ist aber diese Feindschaft gegen die Chaluka deshalb nicht am Platze, weil die massgebenden Kreise dieser Institution sich selbst genug klar sind, dass eine Reform eine zwingende Notwen• digkeit ist. Auch in diesen Kreisen will man die Erwerbstätigkeit des Chaluka-Elementes fördern und einen steigenden Teil der grosse!» Betrüge, die von Europa nach Palästina gehen,, statt für persönliche Unterstützung der Leute, zur Ausgestaltung von Institutionen, Hospitälern, Schulen, Fortbildungsan* st alten u. s. f. verwenden. Es ist also kein Grund zur Feindschaft gegenüber dieser Einrichtung. Es geht so weit mit dem Emst dieser Refonnbestrebung in der Chaluka, dass diese Kreise, die uns doch so fern stehen, sich heute schon zionistischer Mitarbeit bediene« um ihre Zwecke durchzuführen. Hier wird also von der anderen Seite gezeigt, dass ein Zusammenarbeiten verschiedener ja der verschiedensten Organisationen gefunden werden kann. Und wir sollen uns dem auch nicht verschliessen. Im Gegenteil, wenn wir den Ehrgeiz haben, am energischst e n sein zu wollen, so müssen wir auch am geduldigsten im Zusammenarbeiten mit den Anderen wirken. Der Informationsdienst. Das Zusammenarbeiten mit anderen hat uns schon grosse Erfolge gebracht. Der Informationsdienst, von dem ich schon sprach, wäre ohne wesentliche Unterstützung seitens des ״Hilfsvercins der deutschen Juden“ und anderer nichtzionistischer Organisationen kaum zustande gekommen. Es ging so weit — und cs ist intcressant genug cs hier zu erwähnen —, dass als der Informationsdienst in Jaffa geschaffen wurde der ״Hilfsverein“ seinen hohen Beitrag gab speziell für die Ausgestaltung d.es Informationsdienstes in Jaffa u n Jerusalem. Dagegen hat unser spezielles Palästina- Institut, das ״Odessacr Komitee“, einen ebenfalls hohen Beitrag hergegeben für den Informationsdienst in Odessa und Konstantinopel. Jedenfalls zeigt Ihnen das, dass ein Zusammenarbeiten der verschiedenen jüdischen Organisationen, soweit sie überhaupt zu einer Palästina-Arbeit zusammenzufinden sind, die besten Folgen für uns haben kann. Freilich — damit Ihnen die Sache nicht zu komisch vorkomme — will ich Ihnen das Verhalten des Odessaer Komitees erklären. Die Auswanderung geht über Odessa und Konstantinopcl. Es war notwendig, dass dort Bureaus sind und es ist natürlich b e ־ g r e i f 1 i c h, dass die Herren in Odessa das machten, weil sic dort natürlich die bessere Kontrolle halfen 1mH k ~ *־•-*