Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 53 (31.12.1909)
- Date
- 1909-12-31
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 53. t Seite 604. lüstinaamt stand naturgeinüss dauernd in rcgcii! Verkehr mit der Leitung der Anglo Palcstine Company in Jaffa. Diese Bank ist mit einem Kapital von £100 000 gegründet, von denen bisher £70000 eingezahlt sind, die fast alle noch int Portefeuille der Muttcrgcscllschaft liegen; im letzten Jahre hat sie bereits über 4 % Dividende gegeben. In den seit dem letzten Kongress vergangenen Jahren wurde zu der Zentrale in Jaffa und den Filialen in Jerusalem, Beirut und Hebron eine neue Agentur in Haiffa gegründet. Das Geschäft dehnte sich sowohl in Jaffa als auch in Jerusalem erheblieh aus. Ausser dem reinen Bankgeschäft mit der damit verbundenen Pflege des Personal- und Warenkredits unterstützte die Bank auch den Natiouaifonds sowie andere Gesellschaften und Private bei den Landkiiufcn durch Vermittlung und Kreditgewährung. Ferner entfalteten sic in sozialer Beziehung eine rege Tätigkeit durch Begründung von Lcihgcnosscnschnftcn in verschiedenen Städten und Dörfern Palästinas, von landwirtschaftlichen Genossenschaften und Häuserbau• gcseüschaitcn, Audi bei der Bezahlung der Oscher- Steuer war sic den Dörfern behilflich. Der Natloiiulionds In Palästina arbeiten letzt ca. zwei Fünftel des Kapitals des NntinnaKonJs, nämlich £30 000, von denen etwa die Hälfte in Grundbesitz angelegt ist, während die andere Hälfte unter der Garantie der Anglo Palcstine Company oder des Odessacr Komitees als Darlehen fiir verschiedene gemeinnützige Zwecke Verwendung gefunden hat. Von dem Grundbesitz des Nationalfonds wurde das 6500 Du!um grosse Gut Kincreth am Südende des Tiberiassecs der Palcstine Land Development Company auf 98 Jahre, das 1973 Dunum umfassende Gut Hulda bei der Eisenbahnstation Scdjcd halbwegs zwischen Jaffa und Jerusalem der ölbaumspende auf zweimal 99 Jahre verpachtet, während das 2200 Dunam umfassende Gut Ueth-Arif bei Lydda, das bisher der Schule Kiriath-Sefer verpachtet worden war, wahrscheinlich jetzt gleichfalls von der Ölbaumspende in Pacht genommen wird. In Chedera Ist zu dem von Herrn Goldberg geschenkten Terrain für den Goldberghain noch die Orangenpflanzung Ga» Schmucl dem Nationalfoiuls durch Schenkung über* wiesen; freilich ist dieser Garten noch für längere Zeit an eine private ErwerbsgescllschaU verpachtet. Von den beiden dem Nationalfonds gehörenden Häusern in Jerusalem wurde das eine der Kunstgewerbcscliule ״Bczalcl“ verpachtet, während das andere noch von einer amerikanischen Gesellschaft gepachtet ist. Nach Ablauf der Pacht bestellt die Absicht, auch dieses Haus für die Bedürfnisse des Bezalcl resp. des damit verbundenen Museums zu reservieren. Auch den Boden fiir das hebräische Gymnasium in Jaffa hat der Nationalfoiuls angekauft und wird auch dem hygienischen Institut den Boden zur Ver* fiigung stellen. Die Darlehen dienen einerseits zur Beleihung der Häuser des Achuzatlt Haid!, welche Hüuscrbaugcscllschaft in Jaffa und Haiffa neue Stadtviertel errichtet, sowie der Palcstine Land Development Company, anderseits als Agrarkredit fiir kooperative Genossenschäften in den jüdischen Kolonien, besonders für Petach-Tikwah und Rechoboth, während der Hast für die beiden von dem Odessacr Komitee begründeten Kolonien Ain Ganim und Bir Jakob verwandt wurde. Die ölbnmnspende. Diese Institution hat sich über alle Erwartungen gut entwickelt, und wenn man sic noch auf dem letzten Kongress als etwas ziemlich Bedeutungsloses hinstclllo, so hat sic sich jetzt als ein vorzügliches Mittel herausgcstcllt, utn Gelder für Palästinazwecke flüssig zu machen. Während auf dem teV/Acn Kongress erst die Hoffnung ausgesprochen wurde, bis Ende 1907 die 10000 Bäume für den Hcrzlwald vollzählig zu machen, besitzt der Verein jetzt schoit den Fonds für fast die dreifache Zahl von UÜumen, Nicht nur sind zwei grosse Baumschulen für Oliven jetzt angelegt, eine bei Beth Arif nahe Lydda, eine zweite bei Hulda an der Eisenbahn nahe Lydda, sondern cs sind schon die Vorarbeiten vollendet, um Anfang 1910 auf dein Nationalfondsland In Hulda 3000 ölbüumc, auf 300 Dunam, in Beth Arif 5000 ölbüumc auf 500 Dunam anzupflanzcn. Bel Hulda wird in den nächsten Jahren der Hcrzlwald entstehen, 15000 ölbäume umfassend und mehrere Tausend andere Fruchtbüumc. Das schöne im orientalischen Stil gehaltene Wirtschaftsgebäude ist von der Eisenbahn aus weithin sichtbar. Auch soll die Anhöhe gärtnerischen Schmuck und parkartige Ausstattung erhalten, und das ganze Terrain soll von breiten Alicen durchschnitten werden. Es sind dies an sich zwar unwlrtschädliche Ausgaben, die der Verein aber den Manen des grossen Mannes, dessen Name der Wald und die Anlage trägt, schuldig zu sein glaubt. Hoffentlich findet sich ein JUEDISCHE RUNDSCHAU__ Verehrer Hcrzls resp. ein Verein oder Klub, der die Ausgestaltung des Herzlhauscs und Hcrzlparks sowie die Pilcsic des letzten* auf sich niiuiut* Der Hcrzlwald wird in einzelne Haine von je 1000 Bäumen, die Haine wieder in Gärten von je 100 Bäumen geteilt werden. Ein Buch, in welchem die einzelnen Haine, Gärten und Baumreihen verzeichnet sind, wird die Nam.cn der Spender von Olbäumen in der Weise* angeben, das jeder Spender den mit seiner Gabe gepflanzten Baun! auffinden kann. , ״ , , ״ Der zweite Wald bei Beth Arif soll gleichfalls innerhalb dreier Jahre mit 15 000 ölbäumen beb pflanzt werden. Der schon vor einigen Jahren gepflanzte, 11(» Bäume umfassende Goldberghain bei Chedera (110 Dunam), macht gute Fortschritte, und auch für einen zukünftigen dritten Wald In Galiläa, dessen genaue Lage noch unbestimmt ist, sind schon nicht unbedeutende Geldmittel beisammen. Die Palestine Land Development Company legt hier für Rechnung der Oclbattmspendc schon eine Baumschule an, während der Nationalfonds sich nach einem passenden hierfür zu kaufenden Land Umsicht. Hof- (entlieh wird es möglich sein, auch dort schon bis zum Jahre 1912 12-15 000 ölbüumo anzupflanzcn, so dass der Verein dann bereits über ca. SO 0G0 Olivenbäume und 10-20 000 andere Fruchtbäumc verfügen wird. Auch die Organisation der ölbaumspendc hat grosse Fortschritte gemacht. Das Grosse Aktions־ komitcc hat während seiner Sitzung am 6. Januar 1908 die Gründung eines eingetragenen Vereins mit dem Sitz in Berlin beschlossen, und seitdem ist die langwierige Arbeit, seine bis zum 1. Dezember 1909 gesammelten Bäume in die Bücher cinzutragcn und für die seit Gründung des Vereins gesammelten Bäume auch Quittungskarten resp. Diplome zu verschicken, zum Abschluss gebracht. Alle diese Erfolge sind erzielt mit üusserst geringen Kosten und ohne Agitation,1, die sich übrigens auch schon aus dem Grunde verl'ietet. weil der Verein ja doch die Verpflichtung übernimmt, für jede 6 Mk., abzüglich der 5 ״ל Pro* Vision der Sammelstellen, einen Baum zu pflanzen und bis zum Ertrag zu unterhalten, was nur bei üusserster Sparsamkeit möglich ist. Die gesamten Ausgaben des Vereins Ölbaum• spende für die Pflanzungen in Palästina betrugen b l s zum 30. September 1909: für Chedera.Frs. 4 534.96 ״ Beth Arif (cinschl. 4163־ Frs. Arbeitsbhn für Tiefpflügen im Herbst 1909).. 13 938,41 ״ Hulda (darunter Frs. 12 389.28 für Gebäude, 1 678.45 ״ Inventar, ״ ־-.2515 ״ Tiefpflügen) . 416.93 17 ״ Frs. 35 890.30 Zahlreiche jüdische Arbeiter finden schon jetzt ihr Brot hei der Anpflanzung der Ölbaumwälder, auch ihre Pflege sowie die Ernte werden dauernd eine Menge Hände beschäftigen und dazu beitragen, einen gesunder! und kräftigen jüdischen Bauernstand in Palästina zu schaffen. Was die Ergebnisse der Sammlung betrifft, so ist die Zunahme in! wesentlichen darauf zurilckzu* führen, dass ausser Deutschland jetzt auch andere Länder sich mit grösser» Summen an der Sammlung beteiligt haben, besonders Österreich sowie einige kleine Länder, speziell Belgien und Rumänien. Neuerdings kann man auch für Russland, Nordamerika und Südafrika eine wesentliche Zunahme der Eingänge konstatieren, in geringerm Masse fiir England, Hol-!and, Argentinien und Kanada. Besonders viel darf I man sich wohl für die Zukunft von Amerika versprechen,׳da sich dort gewiss sehr \ckht ein jüdischer ״Tree planting day“ wird cinführcn und populär machen lassen. Jedenfalls ist schon jetzt erkennbar, dass die ölbaumspende prädestiniert ist, eine unserer wichtigsten zionistischen Institutionen zu werden, bcstimmt, um uns mit der Zeit in reichem Masse die Mittel zur Förderung von Kuituraufgaben ln Palästina zuzulühren. Schon von den bis Jetzt gesammelten 30 000 Bäumen versprechen wir uns für später eine Jahreseimiaiime, die uns befähigt, erhebliches zu leisten, und dabei hat die überwiegende Mehrheit aller Zionisten bisher noch nicht einmal einen einzigen Baum hierfür beigetrage!!. Wenn jeder Zionist jährlieh nur einen Baum beisteuert, so werden wir schon in wenigen Jahren ganz gewaltige, aus Millionen von Bäumen bestehende ölhaumwälder in Palästina besitzen, die uns, wenn sic ertragsfähig geworden sein werden, befähigen, nicht nur an dio Gründung einer Hochschule heranzutreten, sondern auch sonst den verschiedensten Kuituraufgaben gerecht zu werden, Kulturfonds Der vom Grossen A.-K. in!, vorigen Jahre bogründete Kulturfonds, soll während der langen Periode, bis die von der ölbaumspende gepflanzten Bäume er- tragsfähig werden, in Palästina kulturellen Aufgaben dienen. Leider ist dieser Fonds bisher noch nicht populär geworden, er betrug am 1. Juli erst ca. 5000 Mark, von denen über 100Ü Mark dem eisernen Fonds angeboren, von dem nur die Zinsen verwende! werden dürfen. Der geringe Erfolg der Werbung findet seine Ursuche grosscnteils darin, dass gleichzeitig eine Sammlung für den Parteifonds vorgenommen wurde. Eine wirksame Agitation für den Kulturfonds zu entfalten, Ist aber auch aus dem Grunde schwer, weil alle brauchbaren Agitationsmiitcl schon für den Nationalfonds vorweggenommen sind. Das Palüstinarcsson hat, da die ersten Sammlungen nicht recht vom Flecke kamen, die Agitation den in, Breslau an• süssigen, als sehr rührige Agitatoren bekannten Gesinnungsgenossen Dr. Sandler und Hugo Schacht.! übertragen, jedoch kann eine erneute Werbung erst nach dem Kongress in Angriff genommen werden. Hoffentlich werden dann die Erfolge bessere sein. In Ermangelung eines besonderen Fonds und bei den geringen Mitteln, welche dem Aktionskomitee durch die Schckclgcldcr zur Verfügung stehen, mussten in der Beriehtsperiode fast alle, zum Teil sogar sehr dringenden Anträge, auf Bewilligungen aus Palästina zurückgewiesen werden. Nur für die Wetterführung des grossen Hebräischen W o r - tc rhu eit cs von Den Jehudu, sowie lür die Anschaffungen von T u r nin s t r 11 m en t en für das Gymnasium, wurden kleine Subventionen bewilligt, die aber nicht vom Kulturfonds, da derselbe noch nicht existierte, sondern von den Schekcleingärigen des Aktionskomitees bestritten werden mussten. Es ist ein unserer Ansicht nach unhaltbarer Zustand, der natürlich auch von unser!! Feinden in reichem Masse nusgcbcutct wird, dass wir nicht!״,- Stande sind, irgendwelche in Betracht komme».I׳.n Geldmittel den vielen kulturellen Aufgaben in l*.!- lastina widmen zu könne!». Ausser der Sorge mr die bchuleit, die Im allgemeinen wohl besser aiulun Organisationen überlassen bleibt,, gibt cs in l’al.'istiiia .noch viel andere dringende kulturelle liriordernisse, wie Förderung der hebräischen Sprache. Bibliotheken, Museen, Zeitschriften, Lesehallen, Fortbiklimgsanstaltcn. Toynbcchullcn, Wanderlehrer, teclinische und wissenschaftliche Institute, Vereinigungen wissenschaftlicher und gewerblicher Natur und deren Publikationen, sowie alle die Bestrebungen, welche die Regeneration und Vervollkommnung der R.isse in körperlicher und geistiger Beziehung bezwecken wie Sport* und Turnvereine. Auch das grosse (!•' ׳. hygienischer Einrichtungen: gesunde Wohnung..•», Volksküchen, Säuglingspflege, Seuchenbekämpfung. Beschaffung guten Trinkwassers, gehört in das Kaltiircllc Gebiet. Die Unterstützung dieser Bestrebungen ist eine Forderung, der wir Zionisten uns gar nicht länger verseilliessen dürfen, falls wir unsere Positn.u in Palästina verbessern wollen. Es geht nicht langer an. dass wir stets bedauernd darauf hinweiwn müssen, «lass w׳ir keine Fonds hierfür besitzen, während doch jedermann weiss, dass wir jährlich Hunderttausend(׳ für den Natiouaifonds mnzubrim.cn imstande sind. Es war zweifellos ein Felder, «lass wir der Verwendung der Gelder des Nationalfoiuls statutarisch so enge Grenzen gezogen und sie ausschliesslich fiir agrarische Bestrebungen fcstgclcgt haben. Da das aber einmal geschehen ist. so ist es unsere Pilicht, wenigstens einzelne der Agitatümsmittel seitens des Nationalfonds aufzugeben, und sie dem Kulturfonds zu überweisen. Vielleicht eignen sich hierfür besonders gut die Marken, Telegramm• formnlare und Ansichtspostkarten'. Wenn hierdurch die Eingänge des Nationalfonds auch um einige Prozent verringert werden sollten, so wird diese Mindercinnalmie des Nationalfonds durch die eminenten moralische!! Erfolge, welche wir infolge der kulturellen Arbeit in Palästina erzielen, doppelt und dreifach aufgewogen. Es wird Sache des Kongresses sein, diese für uns sehr wichtige Frage zu beraten und eventuell seinen Vertretern im Direktorium des Nationalfonds die nötigen Instruktionen zu erteilen. Palcstine Land Development Company Ltd. Die wichtigste Arbeit, weiche das Palästinaressort 11! der Berichtsperiode geleistet fiat, ist die Gründung der Palcstine Land Development Company Ltd., die bezweckt, unsere Parzellier u n g s - und A n $ i e d I u 1! g s l n s t i t u t i o n zu werden. Ihr ist, wie ja auch in der ersten Zeit der ölbaumspende, das Schicksal nicht erspart geblieben, scharf kritisiert und 'angegriffen zu werden, und es hat ziemlich lange gedauert, bis die Bedeutung dieser Gesellschaft richtig erkannt wurde. Während die Prinzipien der Gründung dieser Gesellschaft schon im Januar 1908 die Billigung des Grossen A.-K. ge- Linden haben, und auch schon damals die Betciligung.dcs Nationalfonds beschlossen wurde, so dauerte cs doch noch fast \Vj Jahre, bis das von den englischen Gesetzen verlangte Miuimalkapital beisamnicn war und alle die Formalitäten ihrer Ein* tragung in London erfüllt werden konnten.