Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1909)
- Date
- 1909-12-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 52. % י Die Laue der Juden In Grasten ist, wie der ״N. J. K.“ geschrieben wird, eine sehr traurige. Gute Handwerker oder Erdarbeiter sind eine seltene Er- $cl1ci»M1w unter ihnen. In den intelligenten Berufen sind sie fast gar nicht vertreten. Meist sind sie Kleinkrämcr und Dorfhauslercr. Sic wohnen in enge!», kalten und dunkeln» Mäuschen — meist mehrere Hamiüen in einem Zimmer. Selbst die wenigen ..Wohl*!iahenden״ haben keine gesicherte Existenz. Noch linsterer und trostloser ist das geistige Leben der Juden in Ornsien. Met» Kindern werden nicht einmal da• Elcinentarkeinitiiissc bo'gebracht, und sic wuchsen meist als Analphabeten auf. Von 7—8 Jahren leisten sic schon Ihren Eltern Hilfe beim Hausieren, Bel alledem Ist es besonders Interessant, duss die Liebe zu l’ah'lMinn in den grusinischen Juden nusscrordcntlieh lebendig Ist: viele von ihnen besuchen das heilige Land, und manche versuchten auch, sich da dauernd tiiodcrziilasscn. JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 589. Rumänien Die rumünischc Regierung scheint der Welt das Meisterstück zeigen zu wollen, dass ihre bisherige \1rtuositüt auf dem Gebiete der Judenverfolgungen von ihr selbst noch überboten werden kann, ihre neuesten Gesctzesvorlagen für die Förderung der nationalen Industrie und zur Regelung der sanitären Angelegenheiten sind' dazu angetan, auch den Juden ihren letzten wirtschaftlichen Malt zu raubet». Der einzige, den Juden bisher offen stehende freie Beruf, der ärztliche, soll durch das neue Sutitütsgesetz ״judenrein" gemacht werden. Ebenso rigoros gebt auch das erstgenannte Gesetz gegen die Hetütigung der Juden auf Industriellem Gebiete vor. Die drohende Gefahr hat in der jüdischen Bcvölkerung dieses Lundes die schmerzlichste Erbitterung hervorgerufen. Sie Ist nicht gewillt, die unerhörte Häufung schmachvollster Verfolgungen stum»n hinzunchmen. Es soll demnächst ein Kongress der ru* inUnischen Juden cinberuicn werden, um gegen die neuesten Ungeheuerlichkeiten des rumänischen Regie* rungsuntisemitismus den lautesten Protest zu er* heben. Galizien Das Handelsministerium bat folgenden, die jildisehen Festtage betreifenden Erlass an sämtliche galizischcn Postämter gerichtet: 1. Alle Sendungen gegen EmnfangsbesUUigungen (mit Ausnahme von Expresssendungen, Ge richtsstlickcn, und solchen Wertsendungen, die durch längeres Liegen auf der Post beschädigt werden können), an solche jüdischen Adres• säten, die bisher am Sabbatl» die Unter■ Schriften der Empfangsbestätigung ver• weigerten, dürfen von nun ab durch die Post am Samstag weder avisiert noch zugcstcllc werden. 2. Solchen Juden, die gewillt sind, am Sabbatl» (Hier au anderen indischen Eellertagcn zu unter* schreiben, können die Sendungen au diesen Tagen zugestellt werden. Es wird den Postäm tern zur Aufgabe gemacht, dementsprechend ein besonderes Register darüber zu führen, welche Juden den Sahbath jind die jüdischen Festtage hatten und keine diesen Tagen zu empfangen Marokko ד׳ m ♦י י• •« nsüCuSie Zen ist cs, dass die Postabonnenten der ״Jüdischen Rundschau" Ihr Abonnement erneuern, damit bei Beginn des neuen Jahrganges, der ln seinen ersten Nummern die ausführlichen Berichte vom IX. Zionlatcnkongrcss bringen wird, keine Unterbrechung in der Zustellung ointrltt. Uuccro Prouiuto buben gorado letzt ülo bette Gelegenheit, für unser Blatt neue Abonnenten zu werben, das den cteia siel! steigernden Anforderungen iiatiir■ lieh nur genügen kann, wenn wir uueh 111 dieser Hin• eicht der eifrigsten Mitarbeit unserer Loser gowtst echt können. ZlH* Esacül Wahrend der Kongresstage, d. h. vom 24. bis zum 31. Dezember, ist unser Berliner Redaktionshurcau geschlossen. Wir bitten deshalb, alle Mitteilungen etc, für No. 53 sowie sonstige ei Li ge Sendungen ausnahmsweise an die Ipersönlfchc Adresse des Redakteurs Herrn Dr. Julius Decker, Hamburg, Atlantic •Hotel, zu richten. Manuskripte, die nicht unbedingt in No, 53 Auiualtme finden müssen, sende n»an un die hiesige Adresse. Reduktion der ״Jüdische!» Rundschau". Postsendungen wünschen. an In seiner jüngsten Rede über die Grausamkeiten der Regierung Mulav Hafids strebte der französische Minister des Auswärtigen auch die traurige Lage der Juden in Marokko. Er sagte hierüber: ״Wir erhalten von den israelitischen Assoziationen bittere Klagen darüber, dass die jüdische Gemeinschaft selbst in• mitten dieser Grausamkeiten mit noch besonderer Strenge behandelt wird. Nach den von uns cingc■ zogenen authentischen Informationen sind Prügel• strafen und Zwangsarbeiten Tag und Nacht in noch grösserem Masse als früher Üblich, und nicht selten verlieren zahlreiche Juden Ihr Leben durch diese Grausamkeiten." Auf verschiedene Beschwerden, die die A. 1. U; an den Qrossweslr des Sultans Mulay WaUd richtete, wurde Besserung der Verhältnisse zu ge* sagt — — ob sie auch tatsächlich ciutrctcn wird? PflL'ßeSTINA-RUISDSCH Eine landwirtschaftliche Versuchsstation Der bekannte palästinische Agronom Aaronsohn unternahm voriges Jahr, wie berichtet wurde, zum Zwecke der Gründung einer landwirtschaftlichen Versuchsstation in Palästina eine Studienreise nach Kalifornien, Texas und den übrigen Baum* wollstaaten Amerikas, wo er mehrere Monate verblieb und eine grosse Reihe interessanter Bcobachtungen machte, die der Kolonisation Palästinas von Nutzen sein werden. Aaronsohn nahm u. a. auch an dem ״Dry-Farming-Congress" teil, der in einer Reso- Union die geplante Errichtung einer landwirtschaftliehen Versuchsstation in Palästina für sehr wiin* sehenswert erklärte, da sic auch für die Landwirtschalt der ähnliches Klima aufweisenden Teile Atnerikas von grosser Bedeutung sein könnte. Ferner gelang cs dem palästinischen Forscher nicht nur das Interesse der Praktiker und der Gelehrten, sondern auch das der amerikanisch-jüdischen Hautc-financc für das Projekt zu gewinnen, so dass sich Jakob S c h i f f, der bekannte Kupferkönig G u g g c n h e I»»». R 0 s c 1» w a I d in Chicago u. a. bereit erklärten, die g csamten Kosten der E r r i c 111 u n g einer!andwirtschaftlichen Versuchsstation in Palästina, sowie die Kosten des Betriebes für die Dauer von fünf Jahren sicher zu stellen. — Damit hat der von Prof. NVa rbu rg-Bcrlin seit Jahren pronagierte Plan endlich seine Verwirklichung gefunden. Und cs ist klar, dass, wenn cs der Versuchsstation unter der Leitung Aaronsohns innerhalb der fünf Jahre gelingen wird, den Beweis zu erbringen, dass sic für die Kolonisation Palästinas von wirklichem Nutzen ist, die genannten Mäzene das Unternehmen mit noch grösseren Mitteln unterstützen werden. Rcchoboth, 15. Dezcjnbcr. ln unserer Kolonie finden jetzt ca. •10 Jemenitische Familien dauernde Beschäftigung. Die Männer arbeiten in den Plantagen und die Frauen verrichten bei den Kolonisten allerlei häusliche• Arbeit. Der Jemenit zeigt sich fleissig »md arbeitswillig und verbindet mit der An- .spnieh.sloMglujit und dein Spürsinn des Arabers die Treue und Zuverläslgkcit des ascliUenesiselsm» Arbeiters. Alle diese Eigenschaften machten die Jcincniten bald bei den Kolonisten beliebt, und cs wird jetzt erwogen, wie man für sie billig Wohnstätten bauen könnte, 11m sic dauernd an die Kolonie zu fesseln. Für die Jemeniten selbst bedeutet die Ein- Wanderung nach Palästina und speziell das Leben in einer Kolonie wie der unscrigcn unzweifelhaft einen grossen Fortschritt. Sic erhalten den ortsüblichen Lohn, wobei sie bei ilircr Genügsamkeit noch Ersparnisse machen. Ausserdem gcnicsscn sie den Nutzen aller kulturellen Einrichtungen, wie Schule, Arzt, Apotheke usw. * Für das kommende Jahr wurde hier an Stelle des nach Jaffa Übcrsicdcltcn Dr. Pouchowski der bckannte hebräische Dichter, Dr. nicd. Schaul Tschcrnichowsky aus Russland zum Arzt gewählt. Mit seiner Ucbcrsicdcltmg in unsere Kolonie, die bald bcvorstchcn dürfte, werden die literarischen Kräfte in Palästina einen erwünschten Zuwachs erfahren. * ln Julia in eine Wäscherei und Färberei, die dort seit 5 Jahren besteht und einen jährlichen Reingewinn von ca 3QQ0 Pres, ab werfen soll, zu verkaufen, da der Jetzige Inhaber krank ist »md nach Europa ziehen muss. Zur Übernahme sind etwa 20üO Fres. erforderlich. Ausserdem müsste der Käufer der Wäscherei und Färberei ein tüchtiger Fachmann sein und langjährige Erfahrungen haben. Nähere Auskünfte erteilt Herr Dr. Arthur Ruppin, Jaffa (Palästina). MitfeUungen des Zentralbureans der Zionistischen Vereinig, für Deutschland Unser Bureau bleibt während der Kongreasfage, d. h, von» 24.—31, Dezember d. J., geschlossen. Eilige Anfragen stud unterder Adresse ״Zionistische Vereinigung für Deutschland“, zu Händen von Fräulein Franken stein, an das Hotel Hammonla, Hamburg, Reeperbahn 2/3, zu senden. Ausserhalb Deutschlands gewählte deutsche Delegierte. Russland. Dr. Leo Motzk 1 n, Berthold FeiweJ, Davis Tr letsch, Dr. Julius Becker. Rumänien. Dr. S. S 0 s k I n - Berlin. Milteilungen des Kongress-Bureaux Veranstaltungen bei Gelegenheit des IX. Zlonlstcii-Kongresscs. Kongress-Gebäude: Konzert haus Hamburg- St. Pauli — Millcrntorplatz; Freitag, den 24. Dezember: 4 Uhr: Gottesdienst ln der Gemeindesynagoge (Bornplatz). Gemeinschaftliches Abendessen in» Logen heim, llartungstr. 8/11. Anineldungcn dazu (Couvert 3 Mk.) an Herrn Dr. L. Frunck, Altona, BiUeherstr. 17. * Sonnabend, den 28. Dozentbort 8'li Uliri Gottesdienst in der Ocmcindcsynagogo (Bornplatz). IV׳! Uhr» Gemeinschaft!. Mittagessen im Logenheim (Anmeldung dazu siehe oben). Abends: Sitzungen sämtlicher Landsmannschaften usw. im Logenheim. Sonntag, den 26. Dezember: 10 Uhr vormittags: Eröffnung des Kongresses im Konzerthaus Hamburg. 8 Uhr abends: Schauturnen der Jüdischen Turnerschaft in der Ernst Mcrck-Hallc des Zoologischen Gartens. Eingang Ticrgartcnstrassc. Karten dazu in» Kongressburcau und an den Schaltern, Eckcrnlördcrstr. 42. Dienstag, den 28, Dezember: 9 Uhr abends: Festkommers des Bundes’ jüdischer Korporationen und des Kartells Zionistischer Verbindungen in der Ernst Mcrck-Hallc des Zoologisehen Gartens. Mittwoch, den .19. Dezember: 9 Uhr abends: Vortrag von Max Nordau: ״Das Judentum im 19, und 20. Jahrhundert“ im Konventgarten, Fuhlentwictc 29. Karten zu 4, 2 und 1 Mark bei 1. A. Böhme, Alterwall 44, und an der Abendkasse. Freitag, den 31. Dezember: 9V-! Uhr vormittags: Hafenrundfahrt, Besichtigung der Auswandererinnen und eines Dampfers der Hamburg-Amcrika-Linic auf Einladung der HAPAQ. Abfahrt von der St. Pauli-Landungsbruckc. Vom 19. bis 30, Dezember findet im Kongressgebäude eine Ausstellung der Erzeugnisse der Kunstgcwcrbcscliule ״Be za lei" sowie des Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina, vom 26. Dezember ab auch des Nationalfonds statt. Restauration unter Aufsicht des Oberrabbinats im Wintergarten des Konzerthauscs. Teestube der Fruuen-Vercinigung der Zionist»- sehen Ortsgruppe Hamburg-Altona auf der Galerie des Wintergartens. Postamt ״IX. Zi01» i s t e 11 kon g r e s s" Im Ko n ze r 111 a u s (Eingang mich Eckeruförderstr.) Bureau des IX. Zionisicit-Kongrosscs. Hamburg, Gr. Bleichen 651. Während der Dauer des Kongresses befindet sich im Kongress-Qebäude ein unter der Aufsicht des Hamburger Oberrabbinats stehendes Re staurant. Im Interesse der Ordnung und prompten Bcdienung werden für das Mittagessen Bons ausgcgeben. Diese Bons sind in der Schalterhalle: Sc 11 Hier haus, Hamburg, E ekernförder- Strasse 42, sowie an» Bufict des Rcstaurationssaalcs Wintergarten im Kongresshaus erhältlich. Es wird höfliclist gebeten, die Bons möglichst vormittags zu lösen. Im Übrigen sind Speisen ä la carte in reichhaltiger Auswahl vorrätig. Am Freitag, de»n 24. Dezember, findet im Anschluss an den Abendgottesdienst sowie am Sonnabend, dem 25. Dezember, mittags 11// Uhr, eine gemeinsame Tafel im Logenheim, Hartungstr. 9/11 (in nächster Nähe der Synagoge, Bornplatz) statt. (Preis pro Couvert 3 Mark). Damen und Herren, die daran teilzunehmen wünschen, wollen sich bei Herrf» Dr. L. Franc k, Altona (Elbe), BiUeherstr. 17. melden. Von bonnvag, dem 19. Dezember, ab werden Anmeldungen dazu auch au» Selialtcr-Soliifferli.tu׳», Eckernförderst ras sc 42, cntgcgciigenommcn. Wie auf den bisherigen Kongressen, wird für den Umtausch der Interims-Tribünenkarten, Ausgabe der Delegierten- Karten, der Karten für die anderen Veranstaltungen, der Abzeichen usw. ein Schalterdienst eröffnet. Dort werden auch das WohnunKskomitcc und eine allgemeine Auskunftsstclic tätig sein. Am Sonntag, dem 19. Dezember, sind die Schalter von 12 Uhr mittags bis 6 Uhr abends geöffnet. Von Montag bis Donnerstag findet der Schalterdienst von 9 Uhr morgens bis 9 Uhr abends, am Freitag bis 3L! Uhr nachmittags und am Sonnabend, dem 25. Dezember, dem Vorabend der Kongrcsscrönnung, von 5'/j—10 Uhr abends statt. Atu Tage der Kongresseröifnung sind die Schalter nur von 8—9 Uhr vormittags geöffnet. Die Schalterhalle befindet sich im Schiffcrhausc, Eckcrnförder- Strasse 421, hinter dem Kongress-Gebäude. Die Bahnhofs-Kommission, die durch blau-weisse Binden am linken Arm kenntlich sein wird, macht aus drücklic h darauf aufmerksam, dass sic, da die Eröffnungssitzung׳ des Kongresses am Sonntag, dem 26. d. M., bereits um 10 Uhr morgens stattfindet, ihre Tätigkeit am Bahnhofe am genannten V