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Jüdische Rundschau · 1909-12-24 · Heft 52 (24.12.1909) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 52 (24.12.1909)
Date
1909-12-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 5SS. JUEDISCTIE RUNDSCHAU, No. 52. «jef •Bildcrralimcn mit Ansichtskarten und sonstigen Bildem montierten, werden zu diesem Zwecke jetzt die in der Lithographischen Abteilung hcrgcstclltcn Bil• der verwendet. Diese stellen meist palUstinens i s c h c Ansichten dar oder Porträts von palästinensischen Typen. Der eigene Bedarf der Schule an lithographischen Arbeiten kann in dieser Abteilung ebenfalls gedeckt werden. Mit der Zeit wird dieselbe auch Anträge auf lithographische A r b c 11 e u cntgcgcnnchmcn können, in der lithographischen Abteilung finden bereits einige Lcluflingc Beschäftigung, welche in der Kunst der Lithographie Unterricht emp• fangen. Das Museum wird von einem Zoologen Herrn Aharony geleitet. Während er bisher In der Verwendung finden und eignet sich ganz besonders zu Geschenken. Unsere Stammesgenossen können daher unsere Bestrebungen auf das Desto fördern, wenn sie bei Bedarf von Teppichen und beim Kaufen von Geschenken in erster Linie an unsere Schule in Jerusalem denken. Der Vorstand und Ausschuss des ״Bczalel" setzen sich folgendermaßen zusammen: Prof. Dr. 0 .Wnrburg, Vorsitzender. Rcchtsanweit und Notar Schachtel, Stellvertretender Vorsitzender. Bertrand Hamburg, Schatzmeister. Bcrthold Israel. S. Bergeh Fabrikbesitzer S. H c p n e r. Dr. Hirsch H11 d.e s 11 c 1 m c r. Dr. Hans Gideon Hey mann. Dr. Eugen Katz, Hannover. Direktor Paul Lowy. Professor Dr. Eugen Mittwo eh. Daniel Münden, Hamburg. Professor belesenen Gouvernements, also auch in den Städten derselben. Sodann besteht ein bcsondercs Verbot von Landerwerb durch Juden. Beim Fortbestehen dieses Verbotes wäre ja die ,.Befürchtung" der ״Rossia" jedenfalls grundlos, auch wenn den Juden das Aufenthaltsrccht auf dem Lande zum Zwecke von Handelsbetrieb und gewerblichen Beschäftigungen gewährt würde. Aber abgesehen von alledem ist die ganze ״Theorie" von der Bodenverteucrung durch Juden nur ein Abscnrcckungsrnittel, an das die gelehrten Herren der ״Rossia" wohl selbst nicht glauben. Denn tatsächlich sind die Bodcnprcisc durch die Agrarbank selbst in die Höhe gebracht worden. Bekanntlich verlangten die Kadetten noch in der ersten Duma den staatlichen Zwangsunkauf des Qrossgrundbesitzes zu kleinen Preisen. Die Regicrung trat Jedoch dem entgegen mit der Motivie- ל־י 1 ׳1 Dlo boldon Bozalol-Häusor In Jarusalem Schule den Unterricht im Hebräischen erteilte, wird er sich in Zukunft ausschliesslich mit der weiteren Ausgestaltung des Museums, und zwar insbesondere der Naturwissenschaftlichen Abteilung desselben beschäftigen. Zu diesem Zwecke gedenkt er Exkursionen in Palästina und den angrenzenden Ländern zu machen und die hierbei angelegten Sammlungen zur Vergrösscrung der naturwissenschaftlichcn Abteilung des Museums zu verwenden. Es ist tirilier die Aussicht vorhanden, dass das Museum ln nächster Zeit eine bedeutende Vermeilrung seines Bestandes erfahren und N gewissem Sinne eine Sehenswürdigkeit der Stadt Jerusalem werden wird. — Die Kunstabteilung des Museums hat durch die bereits an anderer Steile erwähnten Gcsciicnkc in diesem Jahre eine wertvolle Bereicherung erfahren. Der Leiter der Schule, Herr Professor Boris Schatz, der in dem billigen Ankauf von Antiquitäten bisher eine recht glückliche Hand gezeigt hat, wird sich wohl auch weiter in dieser Eigenschaft bewähren. Hoffentlich ist die Zeit nicht mehr fern, wo auch wir Juden zu dem Bewusstsein kommen werden, dass es unsere Ehrenpflicht ist, auch unsererseits durch Ausgrabungen an den historischen Slätton unser c' s Volkstums die Grundlage zum besseren Vorständnls unserer alten Ooschlchtc schaffen zu helfen, Erst dann wird unser Museum die ihm gebührendo Bedeutung erlangen. Wenn auch die finanziellen Verhältnisse des Bczalol!sich in unserem diesjährigen Bcrichto in ganz anderem Qesicht zeigen als früher, so «toll uns, sowie unsere Mitarbeiter, dies nicht veranlassen, stehen zu bleiben und nicht weiter für oinc Vermchrung des Betriebsfonds Sorge zu tragen. Es steht uns noch eine grosse Anzahl von Aufgaben bevor, deren Lösung ohne eine weitere Vermchrung unserer Barmittel nicht durchführbar ist. Auch woflcn wir schliesslich noch die Bitte aus* sprechen, uns bei dem Absatz der Erzeugnisse weiter behilflich sein zu wollen. Der grösste Teil der im Bezahl hcrgcstclltcn Gegenstände kann praktische Dr. M. Phiiippson. Rittergutsbesitzer Dr. Paul Schottländcr, Schloss Wessig. Dr. S. S0skin. Den Künstlerischen Beirat des ״Bezald** bilden die Herren Maler Jozef Israels, Haag, Ehrenmitglied des Künstlerischen Beirats. Professor Max Liebermann. Maler Hermann Struck. :: ßUS ALL6R W£IT 5־ Russland Agrarreform und Judenfrage. Dass zwischen der Agrarreform und der Judenfrage in Russland ein inniger Zusammenhang bestehe 7־ ist zwar für gewöhnliche Sterbliche nicht recht einleuchtend: cs bildet jedoch die neueste Entdcckung der ״gelehrten" Politiker der offiziösen ״Rossia", die das Bedürfnis empfinden, die angebliehe Unmöglichkeit einer auch nur geringfügigen Verbesserung der von ihnen selbst als ״unnormal־‘ bczeichneten jüdischen Lage aus ״wirtschaftlichen Gründen" zu beweisen und licrzulcltcn. Bekanntlich besteht die von der russischen Regierung inaugurierto ״Agrarreform" vornehmlich in der Abschaffung der Dorfgcmelndewirtscliaft. Die Kleinbauern sollen selbständig gemacht werden und zu diesem Zwecke durch Vermittelung der Agrarbank Land auf Abzalihing erhaltet). Die ״Rossia" behauptet nun, die Auflicbung des indischen Ansieclelungsrayons wtirdo den Juden d e Möglichkeit geben, sich auf dem Lande mcdcrziilassen, bei den Bodenankäufen eine Vermittlcrrollu zu spielen und die Bodcnprcisc In die Hohe zu treiben. Dadurch würden die Bauern- Interessen grossen Schaden erleiden. Es müsse daher jede Aenderung in der rechtlichen oder, richtiger gesagt, rechtlosen Lage der Juden bis zur endgültigen Durchführung der Agrarreform unterbleiben. bs gehört nicht viel natlonalökonomischc Qclclirsamkeit dazu, um die Unhultbarkeit dieser ״Theorie" zu erkennen und nachzuweisen. Zunächst ist die Beschränkung des Wohnrechts für dlo Juden im Zarenreich eine doppelte: Juden dürfen in den Dörfern auch des Ansi'edelungsrayons nicht wohnen, und sio besitzen kein Aufcnthaltsrccht In sämtlichen innerrussischen, ausserhalb des Anslpdclungsgcbictcs rung, man habe kein Recht, die Qrossgrundbesitzer materiell zu schädigen und ihnen das Land zu kleinen Preisen wegzunchmcn. Die Agrarbank zahlt selbst und berechnet den Kleinbauern solche hohen Bodenpreise, dass die Bauern die beträchtlichen Abschlags- Zahlungen mcistcnstcils nicht zu leisten vermögen und ihrer Sclbständigmachung bisher nicht um einen Schritt näher gekommen sind. Das ist auch in massgebenden Kreisen offen?.»gestanden worden, und man sieht dort ein, dass das ganze bisherige Verfahren der ״Agrarreform" ein verfehltes ist. Die unparteiischen, wirklichen Kenner der einschlägigen Verhältnisse behaupten mit Recht, dass eine Vermittlcrtätigkcit von Juden bei Bodenankäufen sicherlieh zur Verbilligung der Bodenpreise und zum grössten Vorteil für die Bauern führen würde. Bei den ״patriotischen" Sozialpolitiken! der ״Rossia" überwiegt aber der ״Patriotismus" das soziale Wissen und Qewissen. * In den von Baron Qänzburg in Petersburg bcgründeten iüdlsclien Kursen werden Talmud, jüdische. Geschichte, Arabisch, Rcligionsphilosophic usw. unterrichtet. Nach der Meinung des Baron Günzburg müssen diese Kurse sich nicht zu einem Lehrerseminar, sondern zu einer Akademie der liidlsclicn Wissenschaft licraiiszubildcn. Aus dieser Akademio sollen dann Rabbiner, Prediger und überhaupt jüdische Gelehrte hervorgehen. Die Erhaltungskosten für eine solche Akademio werden auf 30 000 Rubel jährlich eingeschützt, die von den jüdischen Zentren aufgcbracht werden sollen. Gegenwärtig werden die Kurse von 30 Hörern besucht, von denen jeder eine monatliehe Unterstützung von 20—25 Rubel erhält. Die Dauer des Besuchs erstreckt sich auf 5 Jahre. Die Idee der jüdischen Akademie begegnet In der jüdisehen Gesellschaft überall der wärmsten Sympathie. Man erwartet davon namentlich eine Lösung der in Russland seit langem bekanntlich aktuellen R a b - bin erfrage, die darin bestellt, dass der wirkliche Kultusrabblncr und der offizielle sog. Kronrabbincr nicht In einer Person vereinigt sind. Durch diesen Dualismus leidet das jüdische Gctncindclcbcn in Russland ln empfindlichster Welse, und cs besteht ein dringendes Bedürfnis nach einer Lehranstalt, in der sich dio Zöglinge das notwendige jüdische Wissen wie auch allgemeine •profane Bildung ancignen könnten.

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