Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1909)
- Date
- 1909-12-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 52. JÜDISCH!.: RUNDSCHAU Seile 587. Die Zahl der in der Schule im verflossenen Jahre tätig gewesenen Personen ist ganz, beträchtlich ge- .stiegen. Unter Einschluss des Lehrkörpers der Bureauangestcllten und der Diener wurden ca. 170 Personen an der Schule beschäftigt. Schon erweisen sich aber die Räume des erst vor einem Jahre bczogcucn stattlichen OebUudcs als zu klein, so dass wir bereits jetzt schon mit der Idee umgehen, uns an den Jüdischen Nationalfonds mit dem Ersuchen zu wenden, uns auch das zweite der Beznlclhäuscr, das au eine amerikanische Schule vermietet ist, nach Ablauf des betreffenden Mictsvcrtragcs gleichfalls für die Zwecke der Schule zu überlassen. In dieses würden wir alsdann einen Teil des Ateliers, für die jetzt im Bczalelhause kaum mehr Platz vorhandelt ist, verpflanzen, und einen weiteren Teil zur Unterbringung des Museums und zur Ausgestaltung desselben verwenden. Durch das im letzten Jahre plötzlich erfolgte Hin sc heiden des Malers Hirs zenberg ist uns eine wertvolle Lehrkraft entrissen worden, für weiche bis heute noch kein richtiger .Ersatz gefunden wurde. Wenn wir unsere Absicht, einen kaufmännischen Betrieb in Jerusalem zu errichten, der an die Schule ungegliedert werden soll, zur Ausführung bringen können, so wird cs unsere fernere Aufgabe sein, eine erfahrene kaufmännische Kraft, die itt der Teppichbranchc und in dem Kunst- Bewerbe Bescheid weiss, für dieses Vorhaben zu \ gewinnen. l Vor kurzem konnte in der Schule das erste Stiflungsfest des Piligranatelicrs gefeiert werden. Auch das Lagbeomer-Pest wurde in diesem Jahre wieder in der übrigen Weise geleiert und der Todestag Theodor Hcrzls wurde gleichfalls in würdiger Weise begangen. Zur Förderung des Absatzes der Erzeugnisse der Schule fanden im verflossenen Jahre in verschiedenen Städten A 11s s t c 11 u n g c n statt. * Uber die Entwickelung der verschiedenen Ateliers der Schule entnehmen wir dem Bericht; Die Zahl der Schiller der K u n s t a b t c i 1 u 11 g hat im letzten Jahre durch den Weggang einer grösseren Anzahl fertig ausgcbildctcr Schüler eine Verminderung erfahren. Sic ist in diesem Jahre wieder auf 22 gestiegen. Der Unterricht in der Mai- und Zcichenkiassc wurde provisorisch von Herrn Maler Lachowsky erteilt. Wir wollen bei dieser Gelegenheit betonen, dass cs nicht der Zweck des ßczaicl sein kann, in Palästina ein Proletariat jüdischer Künstler zu schaffen, die hei der noch geringen Entwicklung des Landes nicht ihr Brot finden könnten und daher genötigt wären, nach und beschäftigt 61 Arbeiterinnen. Der die Teppichabteilung leitende Werkmeister hat seine Ausbildung in der Schule erhalten. Zwecks Unterweisung in der KnÜpftcchnik von Seidcntcppichcn und In dem Waschen der Teppiche wurde ein auf diesem Gebiete versierter, früher in Damaskus beschäftigt gewesener Meister gewonnen. Man ist bereits dazu übergej gangen, eine Anzahl von persischen Teppichen herzustcllen und sich durch das Kopieren historischer Teppiche in dein Qcschmack und der Technik der persischen Teppiche auszubildcn. Die Herstellung persischer Teppiche wird im neuen Qcschäftsjahr in erweitertem Masstabc aufgenommen werden. Wir wollen nicht unterlassen davon Mitteiiung zu machen, das in der Teppichabteilung vor kurzer Zeit der tausendste Teppich fcrtiggcstcllt wurde. Diese Tatsache bildete für die Schule ein höchst erfreuliches Ereignis. Hinein grösseren Kreise Ausscnstchcndcr wurde hiervon in Form einer Einladung zur Besichtigung des Teppichs, *•- f •' * v ׳, 1 Jemeniten und zwar Familienväter, finden in dieser Abteilung lohnende Beschäftigung. Es ist bcsonders zu erwühnen, dass der grösste Teil der im Filigran/Atelier beschäftigten Arbeiter vor Eintritt in dasselbe die verschiedensten Berufe ausiibte und dass nur ein kleiner Teil auch schon vorher als Gold- oder Silberschmiede tätig gewesen war. Umso erfreulicher ist die Wahrnehmung, dass sich trotzdem die Arbeiter in der kurzen Zeit eine grosse Fingerfertigkeit ungeeignet und dadurch zur günstigen Entwicklung dieses Ateliers beigetragen haben. Da bei dem wertvollen zur Verarbeitung gelangenden Material auf Zuverlässigkeit der Arbeiter gesehen werden muss, werden neue 1 Arbeiter nur auf Empfehlung und mit Zustimmung! der bereits tätigen Arbeiter aufgenommen. Die einzelncn Arbeiten werden unter die verschiedenen Gruppen verleih, deren Mitglieder gemeins c 11 a f 11 i c h für das cingeliändigte Material B ii r g - schuft leisten. * Das Atelier für Damaskus-Metall-Ar• beiten, das gleichfalls erst ganz kurze Zeit bcstellt, hat sich ebenfalls in günstiger Weise entwickelt. Einen Stamm von Arbeitern hat man durch die Übersiedlung einer ganzen Familie aus Damaskus, die mit der Herstellung der Damaskusktipfcrarbcitcn besonders gut Bescheid weiss, gebildet. Als Mcistcrgchilfc dieses Ateliers fungiert ein ehemaliger Schiller des ßczaicl, dem eine Anzahl von Arbeitern aus Damaskus zur Seite stehen. Die Zahl der in diesem Atelier beschäftigten Personen beträgt z. Zt. ca. 15. Die Erzeugnisse 1 dieses Ateliers werden sehr günstig beur* teilt, und cs ist?begründete Aussicht vorhanden, dass dasselbe in absehbarer Zeit eine bedeutende Erweiterung erfahren wird. Das Rahmen-Atelier und das mit demselben verbundene Atelier fiir eingelegte Holzgegenstände hat in diesem Jahre gleichfalls sein Personal beträchtlich vermehrt. Dasselbe bcläuft sich jetzt auf ca. 15 Personen, die teils Bilderrahmen aus Holz, teils sonst mit Perlmutt und Steinen inkrustierte Gegenstände erzeugen. Die Biidcrrnhiitcn. die im übrigen gegen früher ganz bcdeutende Fortschritte aufweisen. werden besonders von Jerusalem passierenden Touristen gekauft. Auch dieses Atelier kamt durch Aufnahme der Herstellung einer grossen Anzahl von Gegenständen ans Holz, wie kleinen Tischen. Etageren und Möbel, eine bcdeutende Erweiterung erfahren. Die den! ßczaicl angcglicdcrtc Möbel- und K 0 r b f I e c 111 c r c i, die sich noch in dem Stadium der ersten Entwicklung befindet, hat bereits eine Anzahl ihrer Erzeugnisse zum Versand gebracht, die 's:• v\ l Atollor für Damaskus-Motall-Arboltcn Naturwlaaonichaflllcho» Museum ihrer beendigten Ausbildung Palästina den Rücken zu kehren. Selbstverständlich sollen die für das Kunsthattdwerk bestimmten jungen Leute eine ge diege ne Ausbildung in den verschiedenen Fächern erhalten. Im übrigen aber soll die Schule die Aushiidung zum Kunsthandwerker• bezwecken, denn nur diese haben Aussicht auf Erwerbsmöglichkcit und auf dauernden Aufenthalt im Lande. Die Teppich ab teiiung hat sich im vorfiossenen Jahre in erfreulichster Weise entwickelt der auf den Namen des Vorsitzenden unseres Voreins, Prof. Dr. W a r b u r g, geweiht wurde, Kenntnis gegeben. Das Teppich-Atelier wird geleitet von Herrn Jacob Kantorowlcz und Herrn Abraham Levi, denen eine weitere Anzahl von Gehilfen zur Seite steilen. Das Filigran-Atclicr hat sich während seines einjährigen Bestehens in ausgezeichneter Weise entwickelt. Mehr als 40 Arbeiter, meist eine günstige Aufnahme gefunden haben. Wir nehmen an, dass iniolgc der Herstellung von Korbmöbeln, welche für das palästinische Klima sehr geeignet sind, in dieser Abteilung gleichfalls in ahsehrbarcr Zeit eine weitere Vergrösserung erforder- Ucli sein wird. Die Lithographische Abteilung, von Herrn Gerzawitz geleitet, hat gleichfalls bereits Beweise ihrer Leistungsfähigkeit an den Tag gelegt. Während wir früher die int Bczalel hcrgestclltcn