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Jüdische Rundschau · 1909-12-24 · Heft 52 (24.12.1909) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 52 (24.12.1909)
Date
1909-12-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 52. J U E D IS C11 g RUNDSCHAU Seite 585. 2. Möglichkeit der Betreffenden, zu den min• destens •f jährliche» Sitzungen (in Zentral- Kuropa) zu erscheinen.•) Auf die Zugehörigkeit zu einer Landsmannschaft oder Föderation kommt cs nicht an. (Hierzu möchte iclt als dringend wünschenswert noch Vorschlägen: PalUstinischc Mitglieder des A.-K. Im Hinblick auf den P a l ü s t i n a C h a r a k t c r der Bewegung und im Interesse der allmählichen Verschiebung des Schwergewichts der Tätigkeit nach Palästina wird dem (evtl, daraufhin zu rcorgani• Mcrcndcn) Paläst ina-Rat das Recht eingcräumt, mehrere (zunächst etwa 3-7) in Europa anwesende,oder wohnhafte Vertreter zu den Sitzungen des A.* ••) •••)K. jeweils zu delegieren, in denen sie alle liechte der vom Kongress gewühlten Mitglieder ausüben.) Zweck und R c c h t q d c s A. K. Das Grosse A.*K. ist die oberste Instanz der zionistischen Organisation von Kongress zu Kongress. Das Grosse A.־K. bestimmt den Sitz d c r Z c n• t r a l e, die Ressorts und ihre F u n k t i 0 n il r 0•*) und wühlt aus seiner Mitte das Kollegium des K n g c r c n A. K. (von etwa 7 Mitgliedern) als seine Exckutiv-Behördc. Die Mitglieder des A.-K. sind co ipso Mitglieder des jeweils nächsten Kongresses und sind daher vom passiven Wahlrecht zu jenem Kongress ausgcschlossen. (Möglichst auch: Mitglieder des A.*K. enthalten sich der Teilnahme an Abstimmungen auf dem Kongress. — Sonst konnten sic ja bei ihrer eigenen Dccharge und in vielen anderen Füllen mitstimmen, in denen die Uniogik der Sache nicht ganz so klar zutage liegen mag.) Repräsentative Körperschaft. Um eine feste Verbindung zwischen der obersten Leitung und den Landsmannschaften, Föderationen usw. zu schaffen, wird eine neue, r c p r ü - sentative Körperschaft errichtet, die nach dem Prinzip der Landsmannschaften, Föderationen usw. zusammengesetzt wird und zunächst etwa 70—100 Mitglieder umfassen soll. Diesen stellen alle Berichte des A.*K. (nach Art der bisherigen) und die Teilnahme an den ״Kleinen Kongressen“ zu, die in der Regel je einmal zwischen den Kongressen stattfinden und deren Zeitpunkt möglichst günstig für die Beteiligung aller zu legen ist.*״•) Der repräsentativen Körperschaft gehören die Vorsitzenden der Landsmannschaften, Föderationen usw. eo ipso an. *) Reisekosten und Spesen werden von der Organisation getragen. — Die Möglichkeit der Teilnahme an den Sitzungen ist natürlich nach Wahrscheinlichkeit und Erfahrung zu beurteilen. ••) Funktionäre, von denen wesentliche persönliehe Arbeit (nicht nur Beratung, Direktion usw.) verlangt wird, sind zu besolden. (Die Besoldung schlicsst von keinerlei unbesoldeten Funktionen aus.) •••) Die Befugnisse der Kleinen Kongresse sind zu erweitern. Auf diese Welse, glaube Ich, wird ein loglsc Ir er, straffer Aufbau und Ausbau der Organisation erzielt werden. Berlin, Dezember 1909. Davis Trle tscli. Kulturträger! ln wenigen Tagen tritt, zum ersten Mal auf deutschem Boden, der IX. Zionistenkongress zusam* men. Zum ersten Male in Deutschland — und seitsamerweiso gleichzeitig zum ersten Mul in vollendetster Gestalt allumfasssondcr Harmonie. Gleichsam zu beiden Seiten des Kongresses grup- Pieren sicli zwei andere, zwei neuartige Gcscliciinissc: Das Schauturnen jüdischer Turnvereine und der Kommers jüdischer Studenten, eine Kundgebung des Muskcljudctuums und eine Demonstration des Kulturjudcntums; über beiden aber steht der Kongross, das politische Judentum. Diese drei Dinge sind scharf auscinundcrzuhaltcn: politische Beratungen, Erörterungen technischer• taktiseiier, organisatorischer Fragen — das ist der Kon* gress, das Zentrum. Rechts und links aber marschieren die Vorfecltter körperlicher Renaissance einerseits und die Träger des intellektuellen, kulturciien Jungjudentums andererseits. Durch diese Gruppierung, diese Drcicinlicit wird die Forderung, der Kongress soile mit mehr Nachdruck die kuiiurclic Seite der Judenfrage betonen und nicht nur stets die rein politische, erledigt. Man muss daran fcstlialten: Der Kongress ist ein ausschliesslich politischer Kongross. Jede Erörterung ausserpolitischcr Fragen bcdeutet — insbesondere unter den jetzigen durch die politische Lage bedingten Verhältnissen — eine Zer- Splitterung. Der Kongress kann sicli nicht mit solchen Dingen beschäftigen. Er kann cs nicht, weil die kulturellen Bedürfnisse der Juden keine einheitlichen sind. Eine politische Bewegung kann zentralisiert, legalisiert und von einem Punkte aus geleitet werden, Eine kulturelic Bewegung jcdoclt ist nicht unter die Formeln des ״Soll" und ״Muss“ zu zwängen. Es ist höchstens Sache der Untcrinstanz.cn, der einzelnen Landsmannschuften etc., den Juden der einzelnen Länder den individuellen Bedürfnissen dieser Länder angepasste Möglichkeiten kultureller Wiedergeburt zu vcrseliaffen. Ihre Sache ist cs, durch geeignete Erzieliungsmittel mul -plane, durch geeignete Agitation unter Berücksichtigung des individuellen Charakters des Wirtsvoikes und der psychologischen Beschaffenheit der gegenwärtigen Generationen die Jugend zu gewinnen und hcranzuziehen, Ihre Sache ist cs, den Connex hcrzustcllcn zwischen altjüdischcr Tradition und der Pscudokultur assimilierter Geschlechter. Dazu ist eine sorgfältige Kenntnis von Land und Leuten nötig, ein feinfühliges Verstehen seelischer Momente — alles Dinge, die einem viellmndertküpfigen Kongross von Juden aller Länder versagt sind. Alles, was auf dem Kongress getan werden kann, bcschränkt sicli etwa auf ein Referat über die tatsüchliehe, positiv neujiidischc Kultur in Palästina. In den Goiusländcrn ist die jüdische Kultur, wie nicht anders zu erwarten, nur erst in schwachen Keimen vorhanden. Man muss cs ihrer eigenen Kraft überlassen, sich Balm zu brechen — durch gewissertnassen internationale Erörterungen und Kongressbesel1liis.se dürfte sic kaum gefördert werden. Politik kann man ״machen". Kultur kann man nur registrieren. ״Der Kongress kann sich nicht mit solchen Dingen beschäftigen.“ Aber er braucht cs auch nicht, er braucht seine kostbare Zeit nicht mit Dingen zu vertrödeln, die ihre berufenen Hüter bereits gefunden haben. Die Tatsache, dass hinter der zionistischen Bewegung ein solcher Komplex jüdischer Studenten steht, Studenten, denen cs nicht so sehr um ein politisches Rcchcnexcmpcl zu iun ist, selbst nicht einmal so sehr um Erlösung und Befreiung der geknechteten Brüder, als vielmehr um nationale kulturc'lc Bodenständigkeit, Studenten, die wieder eine tiefinnerste Sehnsucht fühlen nacli jenem Anschluss, den sic seit mehr ats 1U0 Jahren suchen und nicht finden können, Sehnsucht nach Tradition und Nation, nach Judentum und jüdischer Kultur. Diese Tatsache allein enthebt den Kongress von der Verpflichtung, über Fragen zu diskutieren, die er ohnehin nur in unvollkommener Weise zu erörtern vermöchte. Hu’cmcs. Bezalel Der ״Bezalel“, Verein zur Verbreitung von Kunstgewerbe und Hausindustrie in Palästina und den Nachbarländern, gibt soeben seinen vierten Gesc hüftsbericht heraus, dem wir folgendes entnehmen: Mit Beginn des neuen Geschäftsjahres traf bei uns aus Jerusalem eine grössere Sendung von Er- Zeugnissen aus den verschiedensten Ateliers der Schule ein, die uns vor Augen führte, dass die Schule die Zeit der vorbereitenden Arbeit nunmehr hinter sich hat und uns für die weitere Gestaltung derselben die günstigsten Aussichten eröffnet. Mit Freude konnten wir und die hinzugezogenen Sachverständigen die gemachten Fortschriitc fcststcllc». Dieser frohe Ausblick spornte uns dazu an, in eine ausgedehnte Propaganda für die Verbcsscrung der finanziellen Lage der Schule clnzutrctcn. Unsere diesbezüglichen Bemühungen erwiesen sich als recht erfolgreich. Es meldeten aus allen Weltteilen viele neue Mitglieder ihren Beitritt zu unserm Vereine an und für den zu schafienden Betriebsfonds flössen uns erhebliche Mittel zu. Wir können daher heute mit Genugtuung konstatieren, dass cs uns nicht nur gelungen ist, die durch den Umzug in das neue Gebäude entstandene schwebende Schuld zu decken, sondern auch mit einem Barbestand von ca. 20000 Fres. in das neue Geschäftsjahr einzutreten. Neben der Sicherstellung der Schule in iinanziclicr Hinsicht musste cs ferner unsere Aufgabe sein, den Leiter der Schule bei dem Einkauf von Rohmaterialicn, Werkzeugen und sonstigen Utensilien so weit als möglich zu entlasten. Was nun die während des verflossenen Jahres in der Schule erzeugten kunstgewerblichen Arbeiten betriiit, so ist cs unverkennbar, dass dieselben gegen die früher übersandten Erzeugnisse ganz bedeutende Fortschritte darstellcn. Am auffallendsten war dieser Fortschritt bei den Teppichen wahrzunehmen. Die Qualität derselben wurde von den Sachverständigen als eine Tätlich, wenn er von Schul* zurückkam, sipdtc sieh da selbe Hergang ab, der bei Selmradettaufführungen als eine bildliche Darstellung einer Talmudseite gelten konnte (allerdings die vaguc Möglichkeit vorausgesetzt, dass die Scharadenspieler überhaupt wissen, wie eine Talmudseite aussicht). Schimmele als Mischnah drückte sich kurz in fett gedruckten Worten aus, Miriam als Gemahra redete eng gedruckt* aber Perlen. Das ganze spielte sich so ab. Schimincle bemerkte: ״Anschcl Dorfgehcr hat Jahrzeit. Er hat schrecklich geweint.“ Mirjam kommentierte: ״Nu, warum soll er nicht weinen? Und wenn er so viel Tränen vergösse, als Wasser in der Moldau flicsst, würde er damit seine Sunden iiinwegwaschen? Der liebe Gott hätte genug zu tun, wollte er ihm die vielen Ellen vergeben, uni die der Ganef seine Kunden schon beim Tuch verkauf betrogen hatte.“ Wenn Mirjams Nachbarin, die Malka, sich mit ihrem Strickzeug auch noch in der ßackstub’ niedcrliess, war das Gleichnis mit der Iuliuudseile vollkommen, denn Malka repräsentierte die Kommentare, mit der eine solche Seite eingcrahmt ist, und so war sic das allerkostbarsle davon. In solchen Fällen erfuhr Schimmele alles Drum und Dran, das zu den zeitgenössisehen Ereignissen dazu gehörte. ״Jcntelc war heut* in Schul’,“ berichtete Schimmele. ״Nu, was is* heut* für a’ Jontif? Die Jentele, für die könnte man auch das Sprichwort ändern und sagen: ״Aus Langeweile ist sie fromm.“ So meinte Mirjam. ״Nein, nein,“ sagte Malka, ״die Jcntcle ist auch nicht fromm! Ich weiss schon, warum die ginging, die ist hinter ,nein Mannsbild 11er. In deinem Aber, hab’ ich ihr neulich gesagt, da wurde sie fucliswild. Du bist genau wie die anderen, sagte sic, du meinst auch, Masern und Heiraten ist gut für das junge Volk. Ich sag’ dir aber, man ist nie zu alt für beide Dinge.“ ״Mit Salme Sofer zusammen war auch ein Fremdes da,“ sagte Schimmele. ״Ein Fremdes? War’s vielleicht Salmes Vetter der Aaron-Zaddik?“ ״Wie sah er aus?“ frug־ Malka, ״trug er seinen Kopf zwischen den Schultern, als wäre er ewig, jm Begriff, einem Schlage auszuweichen, und schnitt er gabei ein Gesicht, als hatte er sieben Jahre Hungersnot hinter sich? He?“ ״So sah er aus,“ bestätigte Schimmele. ״Jetzt weiss ich, was Jcntcle in Schul’ macht,“ rief Malka, ״sic angelt nach Aaron- Zaddik.“ ״Solch ein Narr sollte sie sein,“ meinte Mirjam lachend, ״nein, nein, Jcntcle, du bist ein zu alles vertrocknetes Geschöpf, bei dir beisst keiner an, schon aus Angst um seine Zähne.“ ״Der ist sicher auf Brautschau nach der Jcntcle. Ich wette meinen Kopf“, rief mit dem Brusttöne der Ueberzeugung die Malka, ״erst neulich erzählte mir ein Buchhalter von Reb Noah, Jcntcle hätte Stoff für eine neue Taille gekauft. Eine neue Taille nach Pesach, denk ich bei mir, wozu das?“ (Schluss folgt.) Lilien-flusstellung In Braunsebweig ־ Im sädtischen Museum in Braunschweife erregt zurzeit eine Koilcktiv-Aussteliung der letzten Arbeiten E. M, L i 1 i c n s grosses Aufsehen. Die Ausstellung wurde von Seiner Hoheit dein Herzog-Regenten vorbcsichtigt, der auch eine Originalradicrung ״Die Palmer" erworben hat. Der Katalog umfasst 180 Nummern, es sind dort, ausser den Radierungen, sämtliche Exlibris und dio Zeichnungen zu den erschienenen Bünden der ״L i 11 c n - B i b e i" zu sehen 1!n nächsten Frühling, nach Fertigstellung des dritten Bibejbandcs, reist der Künstler mit seiner Frau nach Palästina, wo er während mehrerer Monate weitere Studien für das prachtvolle Bibelwcrk (Verlag von G. Westermann, Braunschweig) machen wird.

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