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Jüdische Rundschau · 1909-12-24 · Heft 52 (24.12.1909) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 52 (24.12.1909)
Date
1909-12-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 584. JUEDISC ii 1: R U א DSC HAU No. 52. den nrubisclicu und deutschen Kolonien die neuen jüdischen in so geplanter grosser Zahl nicht gedeihen können und dass das Emporblilhcn der einen den Niedergang der anderen bedeuten muss. Das kann aber weder von der türkischen Regierung, noch von deutscher Seite «utgeheissen werden. Wir haben um so weniger Grund, der Bedrängnis unserer Lunds• leute in Palästina ruhig ziizuschcn. du cs nicht einmal deutsche, sondern russische, gnlizischc und rumänische Juden sind, welche sic zu schädigen drohen. Dazu sind diese neuen Ankömmlinge grosstcntcils Handclstrcibcndc und nur selten Landwirte (!*achter), zum geringsten Teil aber wirkliche Landarbeiten Aber gerade aus letzteren muss sich eine Bevölkerung vorziitjsweise rekrutieren, die mit Gliiek dort unten Kolonisation betreiben will. Bei der Bodcnbcsciiafienlicit und den noch gering entwickelten Verkehrsmitteln des Landes können iiir die in Aussicht genommenen neuen Jüdischen An- Siedlungen nur die Bodenstrccken in Betracht gezagen werden, die grosse Weideplätze haben und in der Nähe grösserer Städte liegen, aber gerade dort beiinden sich die alten deutschen und arabischen Niederlassungen schon seit langer Zeit. Diesen Kolonien werden durch die jüdischen Massen, die sich gerade dorthin ziehen, und die im Gegensatz zu der ansässigen Bevölkerung reichlich mit barem Golde verseilen sind, alle Lcbeiisbediiigmigcii uhgcschniUcn werden. Denn mit dem wachsenden Konsuln verteuern sich die Lebensmittel in derselben Weise wie der Grund und Boden steigt. Durch die schon jetzt erzielten anormalen Bodeimreisc wird den deutschen Bauern aber nicht allein jede Möglichkeit der Ausdclinung üirer Kolonien abgcscliuittcn, sondern der eine oder andere wird sich noch gern erbieten lassen, um des Gewinnes halber die ihm lieh gewordene Scholle an die Juden zti verkaufen und somit dazu beizutragen, dass in die Kolonien, die seit mehr als •40 Jahren ihr Deutschtum und ihre isolierte Lage bc-' wahrt haben. Bresche um Bresche geschlagen wird. Voraussichtlich werden die Zionistenführer in ihrem nationalen Panatismus von alledem nichts hören wollen. Aber angesichts der Tatsache, dass nur ein ßaucrnvolk mit Glück Landwirtschaft bctreiben kann, werden sie vielleicht doch den Vorschlag in Erwägung ziehen wollen, den der Jerusa-!einer Korrespondent des ..Omanischen Lloyd" ihnen macht, der ihnen empfiehlt, die nach Jerusalem zu verpflanzenden Juden industriellen Zwecken nutzhar zu machen, die allen, verfallenen Städte wieder autzubaucn und zu bevölkern, Fabriken zu errichten, und das h u n d c i t r c i l> e 1t d e Volk im grossen Ganzen zu bleiben, das sic seit Jahrhunderten s e 11 o n sind. Dann würden sic schon Bestehendes nicht schädigen, sondem im Gegenteil dazu beitragen, dass das Land ihrer Vätc^ zu einer neuen, längst entschwundenen Blüte und einem nicht mehr gekannten Wohlstand wieder gelangt. Jedenfalls können sic aber gewiss sein, dass sie beim Beharren! auf ihren c|:trcmzionistischen Plänen nicht nur mit dem Misstrauen der türkischen Politiker, sondern auch mit dem hartnackigen Widerstand unserer schwäbischen Landsleute zu rechnen haben werden, die ihre blühenden Kolonien, die sie in Jahrzehnten langer schwerer Arbeit dem steinigen Boden Palästinas abgerungen haben, so leichten Kauis nicht preisgeben werden." Wenn man diese langen Ausführungen liest, merkt man garnicht, welcher hanebüchene Unsinn in diesem von Herrn Pritz Lorch zuerst in die europäische Presse gebrachten und schon mehrfach von uns widerlegten Märchen steckt. 11s wäre wirklich an der Zeit, dass ernste Blätter aufhörten, solche Geschichten immer wieder vorzubringen, die am letzten Paule des a n t i s c m i t i - sc h c n Pferdefuss nicht verbergen können. Denn die deutschen Kolonisten in Palästina haben jjar kein Interesse an diesen Hetzversuchen; im Gegenteil, sic wünschen, mit den Juden in bestem 11 i 11 v0 r nc 11 inen zu bleiben, wie aus dem Briefe der deutschen Kolonie Sarona zum 25jührJgen Jubiläum der Kolonie Ri sc hon 1c Zion hervorgeht.׳’) Niemand bat ein Interesse an diesen Publikationen als unsere deutschen Antisemiten. die sich liier glücklicherweise wenigstens nicht als Preunde der Zionisten auf$piclcn. Eine neue Statistik der Juden Das Bureau für Statistik der Juden in Berlin beseliäftigt sieli mit der Aufstellung einer nach den neuesten erreichbaren Quellen, zum Teil nach eigenen Zählungen bearbeiteten Statistik der Zahl der Juden auf der lirdc. Obwohl diese Aufstellungen noch 1 nicht abgcscblosse n sind, können wir das vorläufige Ergebnis der Arbeifen des genannten Bureaus dank der Liebenswürdigkeit seines Leiters, Rechtsanwalt Dr. Blau-Berlin, unseren : Lesern schon heute mittcilcn. Europa ivuaauinu « Deutschland . 61 *1 OU») 6D7 862 Österreich-Ungarn 2076 378 Grossbritnnien und Irland 237 76(1 Frankreich י י י » 100 000 Italien . . . , , 35 617 Spanien . . , , 2 500 Rumänien . . , 266 652 Türkei . *. * 106 977 Niederlande . 103 988 Portugal . . 1 200 Schweden . . , •» 3 912 Bulgarien . . , , 37 653 Schweiz . . 12 264 Serbien . . 5 729 Griechenland . י , 8 350 Dänemark . . י י 3176 Norwegen . . , , 612 Kreta . . . י , 1 150 Luxemburg . 1201 Belgien . . , , 15 000 Gibraltar . . י 1 300 Bosnien und Herzegowina 8 213 8853 599 Amerika Verein. Staaten von Nord-Amerika Kanada . Argentinien. Surinam und Curacao. Cuba. Brasilien. Jamaika.■־׳.... Mexiko . Peru. Venezuela. Übriges Süd- und Mittel-Amerika l 777 185 600(KJ 30 000 2 158 4 000 3 000 2 400 9 872 498 411 l 000 J 889 624 ״) Vgl. auch ״J. R." No. 3 ״Deutsche und Juden in Palästina". Asien Asiatisches Russland . , , 105257 Syrien und Palästina 90200 Kieinasien . t | 77458 Mesopotamien .... « 59 235 Persien . 29500 Arabien . 35 000 Buchara . 20000 Turkestan, Afghanistan . , , 18135 Indien . .. 18226 Maiayischcr Archipel . # , 557 Aden. 3500 China und Japan . . . 2000 Cypern. 119 Hongkong . ״ 143 Straits Settlements . . Afrika 535 484 165 Tunis..' 62500 Marokko. י , 109712 Algier. m 65000 Südafrika. 9 39128 Ägypten. t 30578 Tripolis . . , 18860 Australien 325 778 Australien . Neu-Sceland. 15239 , , 1867 17106 Gcsamlslalistik Europa . 8 853 599 Asien . . » I 484 165 Afrika . . 325 778 Amerika . * 1889621 Australien 17 10b Sa. 11 570 272 Nach Abschluss der statistischen Aufnahmen wird die g c n a u c Statistik in der von dem obengcnannten Bureau hcrausgcgcbcncn bekannten ״Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" publiziert werden. Der IX. Kongress Noch pragmatischer Pen Ausführungen von ״Pragmaticus“ in der letzten Rundschau kann ich der Hauptidee nach mich anschiicsscn (habe auch des öfteren ganz ähnliches befürwortet), doch meine ich, das, was er will, sei in wichtigen Punkten noch viel einheitlicher und der Sache entsprechender zu gestatten. Ich möchte die Reorganisation des Aktions•, Komitees wie folgt beantragen: Wahl des Aktionskomitees. Der Kongress wählt das Grosse A.-K., bestehend aus 23- >31 Mitgliedern. Bei der Walil kommt es nur an au( 1. Eignung der Betreifenden für die Leitung (für ein Aktionskomitee) und Man sollte Torten haben und sie selber nicht essen; 011 welch' Mcschuggas. Aber nicht lange währte seine Unkenntnis; wie ein dünner Bach überall durch die Steine sickert und daun plötzlich durchbricht, so drang auch er schliesslich in das tätliche Leben der Gasse ein und dann begann das eigentliche, das ernsthafte Lernen. Und Abraham war sehr reich an Vieh, an Silber und an Gold, oder sonst eine Bibelstelle, war Schinimdcs Bcgrüssuugsformcl, wenn er vom Cheder nach Mause kam und Mirjam Hess jedesmal vor Schreck ihr Nudelholz fallen; in ihrem Innersten aber machte sic aus Schimmel» ein Wunderkind. Und da niemand ihr das Gegenteil beweisen Konnte, niemand da war, der sie Lügen strafte, so verbreitete sie ihre innere Ueberzeugung auch bald laut und in der ganzen Gasse hicss er fort* au nur ״das Wunderkind“. Nun muss ich gestehen, des guten Schimindes Aeussercs war. so recht das eines ganz gewohnlichen Durchschnittsjungen. Er war weder blass noch besonders nachdenklich. Auch blickte ־־*ע nie verzückt gen Himmel, den Zeigefmger vor die Stirn gelegt, wie man auf landläufigen Bildern die Genien, dargestellt sicht; also summa summarum an dem körperlichen Schimmele war nichts ausscrgewöhnliches zu ן entdecken — er war einfach ein kleiner, rundj! lieber Bengel mit einer Menge brauner Locken, mit grossen, grau-blauen Augen, zwei dicken rosigen Backen und und einem nie gcschlosscnen Mund, weil eine Frage nach der anderen aus demselben heraussprudclten. ״Sag mal, ßabcle, wo ist der liebe Gott?“׳׳ ״Mein Kind, der ist überall.*' ״Auch aui der Sonne, dem Mond und den Sternen?“ ״Da ist er natürlich auch.“ ״Aber nimm mal an, es gäbe gar keine Welt, keine Sonne, weder Mond noch Sterne, wo würde der liebe Gott dann sein?“ ״Er würde immer noch den ganzen vorhandenen Raum ausfüllen, denn Gott ist ewig. Und nun lass deine dummen Fragen.“ Drei Sekunden Pause. ״Babcle?“ ״Was willst du, mein Kind?“ ״Nu nimm mal an, cs gäbe keinen Gott, dann —“ Sclia Epikansus. Nach Verlauf eines Monats hatte das eigenartige Paar Freundschaft geschlossen und Mirjani blickte mit Erstaunnen auf die Vergangenheit zurück, als auf einen leeren, leeren Raum, ohne alle Erinnerungen an Schimmele. Auch Schimmele zog sein neues Heim seinem verflossenen auf der Farm vor. Fr hatte dort keine grosse Rolle gespielt, er war nur einer von fünfen gewesen. Hier aber war er Mirjams ein und alles, mit ihm ging die Sonne auf und unter. Und nach geraumer Zeit erschien es ihm sogar unverständlich, wie das gesamte Backhaus ohne ihn hatte existieren können; wer hatie ge- Rosinen gekocht, Mandeln geschält und Vanille gestreut, während Mirjam den Teig rührte; wer hatte ihr Strickknauf gewickelt, wer war Boten• gange gegangen, und wer hatte die harten Krusten gegessen, die sie mit ihren wackligen Zähnen nicht mehr beissen konnte? U/fsi wirklich hatte er es verstanden, sich der Mirjam unentbehrlich zu machen, unter anderen! ,׳!ych dadurch, dass er so eine Art Berichterstattcr markierte. Glücklicherweise war Mir־ jams Geschmack nicht durcli die Lektüre neumodischer Zeitungen verdorben, sonst hätte sie wenig Geschmack gefunden an Schimmcles Art und Weise, Bericht zu erstatten. Er sagte für gewöhnlich die nackte Wahrheit, denn ihm fehlte jede Spur von Phantasie, und da er ein gutes Gedächtnis hatte, betete er alles wörtlich her. Und jeder weiss, was für eine langweilige, unerfreuliche Art zu erzählen das ist. ״Jetzt weiss ich doch endlich, was in der Welt vorgeht“ pflegte Mirjam mit dem Brusttone der Ueberzeugung zu sagen. v

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