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Jüdische Rundschau · 1909-12-17 · Heft 51 (17.12.1909) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 51 (17.12.1909)
Date
1909-12-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 51. JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 575. Merkspruch ״Sdiauc 11!dti auf die Flasdie, sondern aul den Wein, der darinnen Ist. — Gs gibt neue Flaschen, roll von altem W«;ln, und alte Fiasdien, die leer sind.“ An Jung Israel 0 weep for those tliat wept by Babcl’s streatn, Wliosc shrines are desolate — whosc land a dream. Tnbcs of the wandering foot and wcary breast, llow sliall yc llee nway and bc at rcst? Tire wild dove liath her ncst, the fox bis cavc, M.mkind the carth — Israel but the grave. 10 weint iür die, die einst geweint ln Babel, Ihr Tempel ward zerstört, ihr Land zur Fabel. Du Volk, das rastlos wandern muss hinieden, Mit milder Brust — wo winkt dir Frieden? Ihr Tauben Nester, Füchsen Höhlen gab, Die Erde uns — gab Israel das Grab.) Das ist der schwermütige Inhalt von Versen, die ,k1׳ grosse englische Dichter Byron unserem Volke gewidmet hat. Und die Juden seiner Zeit mussten ilim Glauben schenken, denn noch gab cs keinen Aus• weg für sie, um dem Grabe zu entgehen. Natürlich meinte der Dichter nicht, dass alle Kinder Israels plötzlich sterben würden — nicht Menschen allein, auch Völker können sterben; das wisst dir ia aus der Geschichte der Phönizier, der Griechen und Römer und der Gothen. Und bei den Völkern tritt der Tod aus denselben Ursachen ein, wie bei den Menschen: wenn sic nämlich so alt werden, dass sic nur n0ch in der Vergangenheit leben und keine Kraft und keinen Willen mehr haben, der Zukunft entgegen zu streben. Denn der Wille, der kann alles, der kann Schwache stark und Alte iung machen. Auch wD Juden standen fast auf dem Punkte, alt und schwach zu werden, denn wir begannen den Glauben an die Zukunft unserer Nation zu verlieren. Da kamen jene grossen Männer, die uns wieder ein Lebensziel gaben: das Streben nach der Rückkehr des Volkes in die alte Heimat! Und diese Hoffnung hat uns auf einmal wieder jung und stark gemacht, wir glauben nun nicht mehr, dass cs für Israel nur das Grab gibt, denn wir selten ja in Palästina neues jüdisches Leben und neue jüdische Kraft sich regen. Wer wollte da ein altkluger, müder Duckmäuser sein, der über den drohenden Untergang seines Volkes weint und keinen Willen zum Weiterleben hat? Nicht wahr, wir wollen den anderen zeigen, dass wir Kraft und Willen in uns haben und noclt lange nicht sterben mögen? Ihr könnt alle etwas dazu tun, dass Israel weiterlcbc und erstarke: indem ihr nämlich recht von Herzen wollet, dass unser Volk fortbcstche. Der Wille ist alles! Und wenn ihr einen trefft, der zu schwach und feige ist, zu saft- und kraftlos, um uns helfen zu wollen — den bemitleidet, denn der ist ein morscher Zweig am Baume des Völkcrlcbcns. Meinetwegen mögt ihr ihn auch auslachen. H c 1 c n c H a n n a Kühn. Chanukah Von Harry Hcrzfcld.*) Es war an einem Chanukah-Abcnd. Da gingen zwei annc Kinder, ein Junge und ein Mädchen, durch ein russisches Dorf. Sie hatten im vergangenen Jahre ihre beiden Eltern bei den Judenverfolgungen verloren. Der Knabe sprach: ״Wcisst du, liebes Schwesterchen, wie gerne möchte ich doch einmal die Chanukah-Lichtcr leuchten sehen und die B'rocho sagen; wir haben doch unsere lieben Eltern nicht mehr, mit denen wir sonst doch immer das Clianukah-Fcst so vergnügt gefeiert haben. Komm, lass uns weiter die Strasse hinunter gehen, bis wir an ein Häuschen kommen, in welchem wir die Lichter •) Der Verfasser dieser kleinen Erzählung ist ein Hamburger Knabe, dessen Rcligionslchrcrin uns dieses anspruchslose und doch so hübsch empfundene Gcschichtchcn sendet. glänzen sehen. Wir wollen dann bescheiden um Einlass bitten, vielleicht erhören unsere Stammcsgcnassen unsere Bitte. Während sie diese Worte miteinander wechselten, entdeckte plötzlich das Mäddien ein dürftiges Häuschen, in welchem die Lichter in hellem Schein glänzten, Zögernd gingen die Kleinen auf das Haus zu. Da fasste der Knabe leise die Hausglocke und läutete. - Bald wurde die Tür geöffnet und ein ater, schwacher Mann trat heraus und fragte die Kinder nach ihrem Begehr. Sie erzählten ihr trauriges Schicksal, Dur Alte empfand Mitleid mit den Kindern, sagte, er würde sich ilircr auf immer armehmen und bat sie dann, liier cinzutreten. Freudestrahlend folgten die Beiden dieser Aufforderung. Daun gingen sic tränenden Auges in das Stübchen, in dem die Chanukah-Lichtcr leuchtetcn. Die Hausmutter sang gerade die Chanukah- Hymne. Ach, wie klopfte ihnen das Herz vor Freude, als sic nach zwei Jahren wieder dieses ihnen wohlbekannte Lied erklingen hörten. Als der Knabe die B'rociio gesprochen hatte, unterhielten sich die Wirtsicutc mit ihnen über die Bedeutung dos Festes, wie es die Eltern so oft getan hatten. Dann wurde ihnen ein Gemach angewiesen, in welchem zwei frisclibezogeite Beuchen-.stunden. Bevor sie sieh zu Bett gelegt hatten, sprachen sie ihr Abendgebet und dnn';• ten Gott für ihre Rettung. Der Rabbi von Bacharach Gewiss habt ihr schon einmal von den Maraimen gehört, die zur Zeit des Austreibung der Juden aus Spanien zum Scheine das Christentum annuhmen, um unter dieser äusseren Form ihr Judentum weiter bewahren zu können und zu günstiger Zeit wieder zum Judentum wückzukclircn. Dass cs aber auch in neuerer Zeit Maraimen gibt, ist euch wahrscliciitlieh weniger bekannt, wenn auch ihre Zahl nicht gering ist. So entstammte zum Beispiel der bekannte englische Oberst Goldsmid, der im vorigen Jahre gestorben ist, einer marannischon Familie, und erst im reifen Alter war er zum Judentum zurückgetreten. ln einem gewissen Sinne war aucli Heinrich Heine, dessen Namen ihr gewiss kennt, ein Marannc. Wenn er auch nicht vor blutiger Vcrfolgung seilt Judentum zu verbergen hatte, so glaubte er doch keinen anderen Weg zu haben, um seine Fähigkeiten anerkannt zu sehen, Innerlich aber biieb er stets, so wie die Mar,innen der früheren; 1! ׳׳ ז s * I t L Hulnrtch Holno Zeit, seiner Auffassung vom Judentum treu. Und durch alle seine Sciiriiten zieht sich eine grenzenlose Liebe für den jüdischen Stamm und die jüdische Lehre. Unter den herrlichen Dichtungen, um die er die moderne jüdische Literatur bereichert hat, stellt obenan sein leider unvollendetes Werk ״D c r Rabbi von Bacharach." Hier schildert er selbst ein Stück Maranncntum. Der eigentliche Inhalt des Rabbi von Bacharach ist die Schilderung des Pcssachfcstcs unter den Juden der kleinen Stadt Bacharach am Rhein. Den Sederabend besonders schildert er mit liebevoller Treue. Aber mitten in diese frohe Feier bricht das Unheil herein. Judenfeinde bringen den Leichnam eines Kindes in das Haus, um nachher die Lüge verbreiten zu können, die Juden hätten zu ihrem Osterfeste ein Christenkind umgebracht. Der Rabbi flicht vor den roh In sein Haus oindringenden Gesellen nach Frank־' furt n. M. Und nun gibt der Dichter weiter ein anschauliches Bild vom Leben der Juden in der alten Krönungsstadt. — Die Begebenheit, die hier erzählt wird, hat oft und oft im Mittelalter sich tatsächlich abgespielt, und Hunderttausende von Juden Italien bei diesen Verfolgungen ihr Leben lassen müssen. In ein Exemplar des ״Rabbi von Bacharach״, das er einem Freunde sandte, hat Heine als Widmung das folgende schöne Gedieht geschrieben; Brich aus in laute Klagen, Du döslcres Märlyrerlled, Das ich so lang getragen lm flammensiillen Gemüt! Es dringt in alle Ohren, Und durch die Ohren in*s Herzj Ich habe gewaltig beschworen Den tausendjährigen Schmerz. Es weinen die Grossen und Kleinen Sogar die Italien Herrn, Die Frauen und Blumen weinen, Es weinen am Himmel die Stern׳. Und alle die Tränen fllessen Nach Süden im stillen Derein, Sie fliessen und ergiessen Sich all in den Qordan hinein. Am 13. Dezember waren cs HO Jahre, dass der Dichter dieses und so vieler anderen herrlichen Lieder, Heinrich Heine, zu Düsseldorf geboren wurde. Niemand kann leugnen, dass er einer der grössten deutschen Dichter war, aber die Judenfeinde können es ihm nicht verzeihen, dass er Jude war und suchen noch heute nach allerlei Vorwänden, ihm seinen Ruhm zu schmälern. Pas ist mm freilich ein vergebliches Beginnen, denn Heines unsterbliche Dichtungen sind in alle Sprachen übersetzt, und, wie Max Nordau cs zu Heines 100. Geburtstage vor zehn Jahren so schön ausdriiekte, so heissglühend ist die Lava seiner Rmpfindimgcu, dass sic seihst unter der eiskalten fremd- .sprachlichen I Kille nicht erstarrte. Doch der Jude־״ hass ist blind und verfolgt den grossen und begabte»» Juden nur noch wütender als den kleinen Alltagstiicnschcii. Uni so höher wollen und sollen w i r ihn ehren, den Dichter der ״Prinzessin Sabbath,“ des ״Jehudah Malcvy". Unser Preisausschreiben Lösunfl des Sehiebcrälsels Cileiclibercchtlgung Hamburg Saladin Nationalkultur Jmlcnflcck Kami ten Nordaumarkc. Chauuka—Makkabl. Richtige Lösungen sandten ein: Oscar K i i ps t c i n - Chemnitz. Nathan Perlm ה n n - Königsberg, Mordcchai Korn-Strassbarg i Eis.. Gustav F» ü n k c l - R-.Uibor, Moses Per Uz- Berlin, Martin Sc h wa rz- Berlin, Michael Mainz- Halle, Jonas Gelernter-Wien, Johanna Weichmann-Beuthcn, Bcrthold Goldbcrg-Heddcmheim bei Frankfurt, Jeanette R a f a 10 w i c z -Nürnberg, Adolf B 0 r m a n n - Magdeburg, Ilse Frühlieh- Ratilior. Eisbeth Schrägen hei in - Berlin, Hermann Sachs- Berlin, Helene Weinberg- Peckelsheim i. W., Gerhard Hirschfc Id- Berlin. Den ersten Preis erhielt Helene Weinberg, Peckelsheim i. W. Den zweiten Preis: Bcrthold Goldherg, Heddcrnheim bei Frankfurt. Den dritten Preis: Ilse Fröhlich, Ratibor. Den vierten, fünften und sechsten Preis erhielten; Gustav Fraenkcl-Ratibor, Michael Mainz-Halle, Oscar KHpstcln-Chcmnitz. Ünsercn jungen Freunden teilen wir mit, dass dies die letzte Nummer von Jung-Israel in diesem Jahrgang der ״J. R." ist. Hof- (entlieh finden wir uns alle lm neuen Jahrgang wieder zusammen, für den wir einige besondere Lieberraschungcn bereit haben.

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