Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1909)
- Date
- 1909-12-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 5(VI. J U E D 1 S C H li RUNDSCHAU No. 50. Kino Ausweisungsaffäre ln Przcslaw, die in , der. galizlschc» Judenheit Krosses Aufsehen hervorgerufen hat, gibt ein deutliches Zeugnis von den ״russischen“ Praktiken der gaUzischcn Behörden. Saloinon Bienenstock, der vor 23 Jahren als 13jüI1ri;:cr Knabe nach New York geschickt. wurde und vor 8 Jahren wegen des ihm nicht zuträglichen dortigen Klimas auf dringenden ärztlichen Rat Amerika — wo er das Staatsbürgcrrcclit erworben hatte — verliess und nach seiner Geburtsstadt Przeslaw (Galizien) zurilckkchrtc, erhielt jetzt plötzlich eine kurzfristige Ausweisungsordre. Als Grund wird angegeben, dass Bienenstock als dreizehnj jühriger Knabe auswanderte, um sich der Mili« ] türpf 1 icht zu entziehen! Der Ausgcwiesenc, der Inzwischen das amerikanische Bürgerrecht verloren hat und dem die Sorge für eine grössere Familie obliegt, Ist jetzt in die verzweifeltste Lage geraten und hat sich mit einem Gesuch an die Statthaltcrci und dann an den Minister gewendet, — aber ohne jeden Erfolg. Amerika Infolge einer Verordnung des Immigrations-Konimissars Williams werden die Einwanderer auf Eliis-lsland seit Anfang November einem ״Muskelexamen" unterzogen, um i 11 r e muskulöse Kraft zu prüfen! Diejenigen Personen, die das Examen nicht bestellen, sollen als ״physisch Schwache" zurückgoscluckt werden, selbst wem! sie ausreichende Geidmittel besitzen und Verwandte in Amerika haben. Die neue drakonische Verordnung stützt sicli auf einen Paragraphen im amerikanischen Einwanderungsgesetz, wonach ״Personen, die wegen ürztlich festgestellter physischer Gebrechen nicht imstande sind, sielt selber zu eriiülircu." von der Einwanderung nach Amerika ausgeschlossen sind. Diese gesetzliche Ile- Stimmung besteht bereits seit drei Jahren, ohne dass bisher eine Forderung nach ״starken Muskeln" daraus gefolgert wurde. Von der neuen Verfügt! ng werden namentlieh die jüdischen l m m i g r a 111 e n — ittsbesondere Schneider, Schuhmacher. Weber sowie sonstige Handarbeiter und Kontorbeamte, — hart betroiien. Auf der Insel befinden sielt gegenwärtig etwa 1 400 Einwanderer, die auf das ״Examen" warten oder dasselbe ,.nicht bestanden" haben und zurüekgeschickt werden sollen. Sie haben an die Regierung in Washington appelicrt und werden dabei von den Scltiffsgcscllscliafteu unterstützt, die mit der neuen völlig willkürlichen Massnahme des Immigrations• kommissars natürlicherweise sehr unzufrieden sind. Der Entscheid der Regierung stellt noch aus und wird von den Betroiienen mit banger Ungeduld erwartet. PALA€5TINA:RUMDSCHAU Wie die Konstantiiiopier Zeitung ״Aurore" berichtet, hat eine Vereinigung russischer Zionisten 5f0׳ Rubel zur Gründung einer Bibliothek für die Schiller jüdischer Schufen in JuiSa gestiftet. * Das ״Palästiiia-llanübiich", das int Sommer 1007 zum ersten Male der Oeffeiitliclikcit übergeben wurde, ist von allen an den jüdischen Palästinubustrebungen interessierten Kreisen als eine vorzügliche lnformatioiiMjuelle über alle Fragen des Landes und unserer Koionisation anerkannt worden, und wie die rege Nachträge, gezeigt hat, wurde dem Erscheinen des schon damals «»gekündigten zweiten Bandes mit Spannung emgegcngcseltcn. Das neue ״Palästina•] taiulbucii", das :tut den stattlichen Umfang von ca. 300 Seiten angcwachsen ist, empfiehlt sielt auch durch seinen ausscrordeutlich billigen Preis allen Freunden der jüdischen Pnlastinabe.Mrebungeii als ein uneiitltelirliebes Werk. Wohl galt es seit Jeher eine ausscr״rdeutlich grosse und aucli ziemlich vielseitig״. Literatur über das ״Heilige Land" — wohl eine grössere und vielseitigere als über ein anderes so kleines Stück unseter Erde —, aber eine Art von Interesse an Palästina ist bisher so gut wie gar nicit t zu ihrem Rechte gekommen, und das ist gerade d;1 s Interesse des alten Volkes von Palästina — der Juden — an den gegenwärtigen und zukünftigen Zuständen des Landes! — Das Werk, das im Orientverlage in Berlin erschien, ist zu beziehen durch die Zionistische Vereinigung für Deutschland, Beriiit-CIiarlottenburg, Bleibtrcu- Strasse 49. Vereine wollen sich wegen Sonderangebotes an dieselbe Adresse wenden. RUNDSCHAU OCR PR65S6 tt Stamholakija Nowosti “ Das russische Journal ״Stambolskiiu Nowosti". das khrzhth in Konstantlnopcl zur Wahrung russischer Interessen gegründet wurde, brachte unter der Überschrift ״Die Lebensfrage der Einigung der Volksstäm me" einen Artikel. der folgende Ausführungen enthalt: 1״1 ״,°^ ™L•! 1ru,sc nn ^cv°luU0n hless die Türkei ttUff?5,11 PfSss0 ••der kranke Mann". ^{cn in Mazedonien, Albanien, Tripolis, Anatolien Syrien und Arabien ihren Einfluss aus und von allen Seiten wurde der naho bevorstellende Untergang der Türkei und die Aufteilung der Erbschaft nach den betreffenden Einflusssphären verkündet. Der Erfolg der j u n g tU r k * צ e h e n U m wälz u n g hatte in der öffentlichen Meinung Europas einen Umschwung zur Folge. In der neuen Ära sei nun die Einigung der Nationalitäten in der Türkei eine Lebensfrage dieses Staates. Ihre Losung liege in der Hand der Jungtürken. Jeder Volksstattint in der Türkei habe seine eigene Sprache, eigene Literatur und besondere nationale Existenz. Das müsse respektiert werden. Keine dieser Nationalitäten bildet für sich eine Mehrheit. Griechen, Bulgarien und Armenier haben ihre eigenen Schulen, so wie sie auch die intcllcktueellc und wirtschaftliche Kraft für die Erhaltung dieser Schulen besitzen, ürieeiten und Bulgaren schöpfen Einfluss und Kraft aus Griechenland und Bulgarien, die Araber aus Ägypten. Darin liege aber kein Hindernis, dass Araber. Griechen und Bulgaren wahrhafte Ottomanen seien. Es ist nötig, dass diese Elemente ihre eigene nationale Existenz bewahren. Jeder Versuch, die erwähnten Elemente in ״c i n c“ Nationalität zu verschmelzen, müsste auf den stärksten Widerstand stossen und könnte die Ur- Sache beständiger Kämpfe im Lande werden, aus denen andere Staaten Nutzen zielten würden. Es stellt jedoch zu hoffen, dass die Schwierigkeiten nicht cintreten werden und dass allen Volksstllm« men gleiches Recht zuerkannt und Sprache und Untrriclit jedes Stammes respektiert werden wird. Die Jungtürkett könnten es allerdings eigenartig finden, dass ein russisch cs Blatt für solche weise Lehren keine geeignetere Adresse findet als die j tt 11 g t it r k is c h c Regierung. Aber richtig bleibt das Gesagte darum doclt mul bei dem nun einmal vorhandenen Einilnss Russlands auf dem Balkan und im Orient — wie man seine Bedeutung auch ein* ceh*if״/r» frwl.vnf'illc ׳iiidIi htuichHlrh! ziomsTiscHe ßev/eeuns Mitteilung des Bureaus des IX. Zionisien-Kongresses ln den Tagen vor dem Kongress findet ein stfindiger Bahnhofsdienst auf dem 11 a u p tb a It n It of Hamburg statt. Die Herren dieses Bahnhofsdienstes, die zu allen Schnellzügen au der Bahn sein werden, trag״» h 1 a u - \v e i s s c Armbinden am linket) Arm. Ferner ist während der angegebenen Zeit in der Nische des \V a r t e s a a I s 11. Klasse ein statt• diges Auskunfts-Bureau eingerichtet. Wir ersuchen die Delegierten und Giiste nochmuls dringend, möglichst umgehend llirc Wolmungsbesteilimgcn unter Benutzung der wiederholt veröl• fenllichccn Formulare und genauer Angabe des Tages der Ankunft an uns gelangen zu lassen. Besteilimgcn, diu diese Angabe nicht enthalten, können nicht be• riickslclitigt werden. Allen auswärtigen Kongressteilnehmern, deren Woliiumgsmclduitgeii bis zum 13. Dezember in Hamburg cingctroffcn sind, wird die Adresse der für sie reservierten Zimmer nach ihrem Wohnort bekannt gegeben werden. Wer 11:1 e 11 diesem 'Termin Zimmer bestellt, kann auf schriftliche Erledigung nicht mehr rechnen. Zimmer zum Preise von 2.75 Mk. sind nur noch in der Nähe des Hauptbalmliofs, nicht mehr in der Nähe des Kongress-Gebäudes zu haben. Der Gottesdienst in der Gemeindesynagoge des Deutsch-Israelitischen Synagogenverbandes am Bornpiatz beginnt am Freitag, dem 24. Dezember, naelnnittags 4 Uhr. am Sonnabend, dem 25. Dezember, vormittags 8‘hUltr. die Damen sind die Tribünen reserviert, Der Eintritt in den Kommerssaal ist nur gegen Vorzeigung der Teilnehmerkarte gestattet. Arbeit für Chanukah Die N.-F.-Landcssammclstclle Oesterreich versendet ein Zirkular an alle N.-F.-Kommissärc und Vertrauensmänner, das wir im Wesentlichen hier wiedergeben: Wie Vielfalt!« auch die Arbeitsgebiete für die jüdische Rcnaissanccbcwcgung sind, so ist Cs kl.ir, dass unsere zentralste Aufgabe in der Schaffung eines kräftigen jüdischen Bauer ns tundes d. 11. in der Fortführung unserer landwinsehaitliehen Kolonisation Palästinas bestell». Es gibt kein gesundes jüdisches Volkstum, ke-'nc wurzclfcstc jüdische Sicdclung, keine jüdische Vollkultur ohne natürliche, auf dem festen Grunde eines Bauernstandes ruhende Gliederung des Volkskörpers. Mit der Landcntwicklungsgcscli-’ schaft (The Palcstinc Land Development Cy.) lut die zionistische Partei die Fortführung der jüdischen Kolonisation Palästinas nach modernen und erprobten Methoden unternommen. Sie hat im vorigen Jahre das dem Nationalfonds gehörige Land ״Kinereth" am Tibcriasscc gepachtet, seither die nötigen Ikwäss•:- rungsarbeiten durcligcfithrt. Wirtschaftsgebäude errichtet und mit zuletzt 50 Arbeitern den Betrieb Lesorgt. Die erste Ernte ist gut ausgefallen, die Besur.- scliaftung hat den Wert des Bodens, der durch \v;c Jahre brachgelegcn war, bedeutend erhöht, die Arbeiter haben die Landwirtschaft erlernt und s.Jt einiges erspart. Dank dessen hat sieh ein Teil /״ einer Sicdlungsgcuossensüiaft vereinigt, um ein Nach• bargrundstiiek als Pächter zu bewirtschaften, em.ee Arbeiter sind vott der JCA mit Land verseilen v rden, der Rest will vorläufig int Verein mit neuem• tretenden Genossen noch in Kiitercth tätig sein, um sich fortzubikien. Nach blos einjähriger Arbeit hat so die PLhC bewiesen, dass sie ihrer Aufgabe gewachsen ist. 8<>!i aber das Arbeitsfeld, wie cs nottut, stets w e i s c r ausgedehnt werden, dann gilt es frisches Kaph.11 zuzuführen. Hierzu kann und soll jeder auch nur cihigcrinasscn •begiitc/tc Jude beitragen, denn die PLPC ist eine v o I k s t ti nt i i e It c G c s c 11 s c!1 ג i!. deren Aktien zu einem Pfund d. i. K. 24.25 (20.50 M.) das Stück käuflich sind. Und wo der Einzelne zu schwach ist, soll er dazu beitragen, dass ein Verein oder eine Gruppe Aktionär wird. Solch ein Kauf bedeutet gewiss keinen W <•!1!• tütigkeitsakt. sondern eine Kapitals* a n 1 a g c. Denn das Land der Pi.DC steigt ja mit seiner Bewirtschaftung und der allgemeinen H״- bung Palästinas beständig im Werte und auch das Inventar wird stets im besten Zustand erhalten, so dass rtaclt den ersten Jahren der nötigen Investiorung die Aktien reichliche Dividende tragen werden. So richten wir denn an euch. Zionisten Oesterrciclis, den dringenden Appell, das Versäumte nachzuliolcn und euch am zionistischen K •י I י׳• nisutionswerk durch Kauf von PLPC- Aktien rege zu beteiligen. Das nahe C h anukahfest gib» uns Anlass und Mussc zur Werbearbeit durch Aufklärung von Manu zu Mann tm.l durch Verbreitung der Aufrufe der PI.DC. Auf denn zur Arbeit, damit ihre ersten Früchte schon dem Kongress vorlicgen! * Am Freitag, dem 24. Dezember, findet im An- Schluss an den Ahciulgoitcsdicnst, sowie am Sonnabend, dein 25. Dezember, mittags 1עי Uhr, eine gem e i n s a 111 c Tafel i m L 0 g c n h c i nt (Hartung- Strasse 9/J1, in nächster Näite der Synagoge) statt. Preis für das Couvert 3 Mark. Anmeldungen dazu an Herrn Dr. I״ Franck, Altona (Elbe), Blücher- ' Strasse 17, erbeten. .Karten für den Vortrag von Max Nord au am Mittwoch, dem 29. Dezember, sind zum Preise von Mk. 4, 2 und 1 gegen Einsendung des Betrages und des Rückportos zu haben beim Bureau des IX. Ztonisten-Kongresses Gr. Bleichen 651, Hamburg. Dio P- L. I). C. bezweckt unter Befolgung der üblichen geschäftlichen Grundsätze, sowie unter An- Wendung moderner kolonlsatorljchcr Methoden: 1. die systematische Ausbildung und allmähliche Sesshafunacluing jüdischer Landarbeiter in IV־ lüstina nach dem Muster ähnlicher Institutionen 1:1 : anderen Ländern; 2. den Erwerl), die Amclioricriutg und Par/.cilicrung grösserer Grundstücke iiir eigene sowie für Rechnung von Gesellschaften oder Gruppen behufs Schaffung neuer Siedlungen (Kolonien) in Palästina: 3. die Anlage und Pflege extensiver und intensiver Kulturen für eigene, sowie für Rechnung ihrer l Auftraggeber. Der vom Kartell zionistischer Verbindungen und vom Bund Jüdischer Corporation::» zu Ehren des Kongresses veranstaltete Fostkotamers findet am Dienstag, dem 28. I)ez., abends 9 Uhr präzise, in der Ernst Merk-Halle des Zoologischen Gartens zu 11 a m bürg (Eingang Tiergartenstrasse) statt. Die KongressUeiegierten erhalten die Eintrittskarten zum Kommers für sielt und ihre Damen in Hamburg gleichzeitig, mit ihrer Delegiertenkarte. Auswärtige Kongrcssbcsuchcr, die um Kommers tcilnehmen wollen, werden ersucht, sich bis zum 20. Dezember schriftlich an Herrn Referendar Robert Qottschalck, Hamburg, Hohcluftchausscc 83, zu wenden und mitzutcilcn, wieviel Herren* und Damenkarten gewünscht werden und wohin dieselben zu senden sind. Für Wir sind überzeugt, im Sinne der zuständigen Steilen der Z. V. f. D. zu!tändeln, wenn wir diesen Aufruf auch filr die deutschen Zionisten an dieser Stelle erlassen. Das Bureau der P.LD.C, Berlin W. 15, Bleibtrcu str. 34/35, versendet auf Verlangen Prospekte in beliebiger Zahl. Mitteilungen des Zentralbureous der Zionistischen Vereinig, für Deutschland Vom 1. Januar 1909 bis 1. Dezember 1909 sind'in Deutschland für den Jüdischen Natlonalfonds und die Oclbauraspcnde insgesamt ca. 31000 Mark gesammelt worden, Hiervon entfallen aul die Oelbauatspende