Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1909)
- Date
- 1909-12-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 505. No. 50. ca. 181)1)0 Mark, dank der in ו November uusgewiesenen grossen Spenden von 11000 und 1000 Mark, die inneren Freunden noch in Erinnerung sein werden. Wenn das vorliegende Ergebnis der Sammlungen;meli als ein relativ günstiges bezeichnet werden kann, da im ganzen Jahr 1908 nur 38 000 Mark an N.-r- und Oelhauinsneiidcn eiugegangen sind, so lit'fiVn wir doch, dass das Endresultat der Saminlungca des Jahres 1909 die oben genannte Summe noch 1;m ein galt/ beträchtliches übersteigen wird. Jeder imwrer l’rcumle. der nicht in der Lage Ist, um Kongiess teil/.nnehinen, sollte es sich wenigstens zur l’.Mdit machen, gelegentlich des Kongresses einen grosseren Betrag für den Nationalfomls zu spenden. \\ st schlagen schon heute die Eintragung des IX. Kongresses ln das Goldene Buch vor und bitten unseit üesmmiiigsgciiossen, dafür zu sorgen, dass die J'iinragimg schon hei Eröffnung des Kongrosses mitgeteilt werden kann. . 1 Ankündigung. Am 31. Dezember 1909, um 12 Uhr vormittags, f i n d et i ti den Räumen des Z i o * .* i s t i s c h c 11 K 0 n g r c s s ü u r e a u s, 11 a in b u r g, d י c erste ordentliche 11 a >1 p t v e r s u 111 m - tn g des Vereins 0 e I b a u m s p e n d e (E, V.) ן st.at. Die Tagesordnung lautet: I. Bericht dcsWorsll/cpduii über die Tätigkeit des Vereins m Palästina und der Diaspora; -• Genehmigung der Bilanz für das erste Qcsehüusjahr 1908; 3. Bericht über das Ergebnis der Sammlungen im Jahre 1909; •I. Vornahme der Wahlen der Ausschussmitglieder; .י. Geschäftliche Allitelluiigeii und Propagandafragen; n. Eveutualia. Verein Oelbannispeiidc (E. V.) Der Vorsitzende. _ (gez.) O. W a r b u r g.! Gemeldete NVahlresnltate: Hannover: Referendar Dr. hoch, Delegierter; Isaac Stein• Emden, Ersatzdelcgicrter. Dessau: Kantor li. Blitz, Delegierter; l)r. med. Paul M o s e s, Ersatzdelegierter. Strusslmrg I. Eis.: Rabbiner Dr. Emil Ec v v-Berlin, j Delegierter; Dr. Alex H e r z b a u in -! Mülhausen i. Eis.. Ersatzdelcgicrter. i 34. Wahlkreis: Dr. Julius Moscs-Maimheim. Dcle-; gierten Dr. Julius Becker, Lazarus [ Barth- Hrsatzdelcgiertc. ן Cassel: Rechtsanwalt Dr. Elias, Delegierter, Sieg-; iniind L a z a r 11 s-Mainz, Ersatzdelcgicrter. Posen (2. Wahlkreis): Lehrer Jakob Auerbach Delegierter. Ausserhalb Deutschlands sind noch folgende deutsche O e s i 11 n 11 n gsg e n o s se n gewählt worden: Tariiow: Dr. I. P e 11 c 111 w a 11 g e r - Frankfurt a. M., Delegierter. Chicago: Boris Le i bo w i tsc 11 Hamburg. Perlma n ״ Königsberg, Hermann Goldsc 11 in i d t - Hamburg, Dr. Hirsch-Han« nover, Jul. H oHä n de r •Altona, Dr. Julius L ö w c 11 h e i in ■ Berlin, Dr. Joel- Lübeck, Dr. La 11 da u Lübeck, Dr. Martin M c y e r-Lübeck, Apotheker Mainlock- Berlin, Dr. L c s z v n s k y - Berlin, Delegierte; Hugo M e v e r - Lübeck, Prau * Dr. Joel-Lübeck, Prau M. Blumenihal-Uibeck, Dr. Rothschild-Lübeck. Dr. Na 1 h a n• Hamburg. Prau Dr. Lusz y u s k y - Berlin, Ersat/.dclcgiertc. Südafrika: Dr. J. Sa ko in, Dr. O. Waschitz- Hamburg, Delegierte; E. Le v i n s 0 h n - Hamburg, Ersatzdelcgicrter. Den in Deutschland gewählten Delegierten und Ersatzdclcgicrten gehen Interiinsdelcgiertcnkarten in den nächsten Tagen an, * Die erste Sitzung der deutschen Landsmannschaft in Hamburg findet am Freitag, dem 24. Dezember, vormittags 10 Uhr, im Logenhaus, Hartungstr.,.9/11, statt. Der Stand der /,!onlstlschen Bewegung Vor einer Versammlung von fast 500 Personen, die den grossen Saul der Rholnlandloge bis auf den letzten Platz füllte, sprach tun Sonnabend abend In Köln Herr 1)11 vld Wo Iff 801111• Präsident des Engeren Aktllons-Komltees, über das Thema ״Der gegenwärtige Stand der zionistischen Bewegung." Der Redner erläuterte zunächst den Unterschied zwischen den früheren Versuchen zur Linderung der Judennot und der zionistischen Bewegung. Er betonte Insbesondere den höheren Wert, den die von den Zionisten aufgebrachten Mittel gegenüber den Stiftungen der grossen Philanthropen Hirsch, Rothschild usw. besitzen, wenn auch diese zionistischen Mittel jetzt noch bedeutend kleiner sind, als die Riesenvermögen jener Stiftungen.׳ Denn die zionistischen Gelder sind in kleinen und kleinsten Beträgen vom Volke selbst aufgcbracht worden, und darum bergen sie auch im Gegensatz zur Philanthropie alle Vorteile in sieb, die die Selbsthilfe hat. Eingehend erläuterte sodann der Vortragende Wesen und Umfang der zionistischen Institutionen, insbesondere der zionistischen Banken und des jüdischen Nationaiionds. An diesen institmioneu wird vielfach Kritik geübt. Ganz unberechtigterweise wird zum Beispiel gesagt, die Gelder der Jüdischen Kolonialbank lägen unbenutzt, auch wird die geringe Höhe der Dividende der Jüdischen K o I 011 i a I h a u k bemängelt. Diese Kritiker scheinen ganz vergossen zu wollen, dass die Jüdische Kolonialbank (Jcwisli Colonial Trust, London) u .a. die A11 g10 Pa 1 c s t i n e Co. gegrundet hat mit einem Kapital von l 000 000 Pfd. St., von denen bisher 70DUO Pfd. Sicrl. Aktien eiligezahlt sind, die sich fast alle im Besitz der Jüdischen Kolonialhank befinden. Und die Ucldcr der A.P.C. werden in der mannigfachsten Weise in Palästina selbst angelegt. Die A.P.C. hat Lcihgcnosscnschaftcii, landwirtschaftliche Genossenschaften, Häuserbau-Gc- Seilschaften usw. gegründet oder deren Gründung ernüiglielit und ihnen Geld zu billigem Zinsfuss ־zur Verfügung gestellt. Sie hat in jeder Umsicht eine überaus segensreiche Tätigkeit entfaltet und hat es dabei noch fertig gebracht, eine gute Dividende zu erzielen, im letzten Jahre über *1%. Der J.C.T. hat weiter in K u 11 s t a n t i n o p cl die Angl» Leva nt ine Banking Co. gegründet, die sielt gleichfalls sehr gut entwickelt. Allerdings hat der J.C.T. bisher durchschnittlich nicht mehr als 2L '3■ Dividende verteilen können. Wenn man aber berücksichtigt, dass er aus den bei der A.P.C. investierten Geldern erst in den letzten Jahren Erträgnisse erzielt, wenn mau ferner bedenkt, dass er sieh bei allen zionistischen Unternehmungen heteiligt und sehr oft erst deren Gründung ermöglicht hat, dass er der zionistischen Organisation selbst jederzeit eine Stütze war und z. B. die Ei Ariseli P. x p e d i t i o n vollständig finanziert hat, dass er dem von den Zionisten aufgebrachten Russischen Hilfsfonds als erster eine Spende von 5Ü0U0 Prs. zugewendet hat, wenn man ferner sieh vor Augen hält, dass er seine Gelder fast m ii n d e I s i c 11 c r anlcgt und mir in der vorsichtigsten Weise Geschäfte macht, dann wird man zugeben müssen, dass auch diese kleine Dividende einen ganz gewaltigen Erfolg darsiellt. Audi der Jüdische Nationalfonds hat sich in Palästina in der mannigfachsten Weise betätigt. Er hat ausser den Ländereien, die er seihst erworben hat. den Boden für das hebräische Gyn» nasiuiii hcrgcgchcn, ebenso den Boden für das '1' e e 11 u i k 11 m , er hat den I läuserbaugesellsehaften durch billige Darlehen überhaupt erst eine Tätigkeit ermöglicht, er unterstützt jetzt landwirtschaftliche Kreditgenossenschaften usw., er hat der Kuustgcw c r h e s e 11111 e Beza lei die Schulgebäude zur Verfügung gestellt, er hat Oelbaumanpilanzungeu anlegen lassen, er hat überhaupt erst die Tätigkeit der Pulestiuc Land Development Company ermöglicht usw. usw., kurzum, er hat nicht zum wenigsten das Verdienst daran, wenn sich die jüdischen Verhältnisse in Palästina in den letzten Jahren erheblich gebessert haben. Aber nicht nur materiell, auch moralisch hat die zionistische Organisation Grosses erreicht. Es würde zu weit führen, im einzelncn all die vielen Beispielen für die sittliche und kulturelle Regeneration anzuführen, die der Zionismus verursacht hat. Sic sind so in die Augen fallend, dass sie heute auch von den Gegnern allgemein anerkannt werden. Herr Woiffsolui berührte sodann die gegenwärtige politische Lage. Er gab seiner Sympathie für die neue freiheitliche Entwicklung der Türkei Ausdruck, die auch unsern Arbeiten zugute kommen werden. Der Redner schloss seinen mit stürmischen Beifall aufgenommenen Vortrag mit dem Wunsche, dass die zionistische Idee und die zienistisehe Organisation weiter vorwärts schreiten möchteil, so dass auch bald die noch Aussenstchcndcn ihren Anschluss an sie fänden, zu ihrem eigenen Wohle und zum Heile des jüdischen Volkes. 5 VOM HILF5VCR6IN I Zu unserem Bericht über die Leipziger Hilfsvcreins-Versammlung in voriger Nummer wird uns aus Leipzig geschrieben: Eine vom Hilfsvercin der Deutschen Juden am 7״, November 1909 hi Leipzig veranstaltete Ver- .Sammlung nahm einen'sehr lebhaften und bei derar- , Veranstaltungen seltenen Verlauf. Welche \\ ichtigkeit man dieser Versammlung beintass, ist hieraus zu ersehen, dass man gleich auf einmal vier so bedeutende Männer des Hilfsvcrclns, nämlich James Simon, Dr. Paul Nathan, Laiidtagsabge• ordnotor Cassel und Professor Mittwoch nus Berlin herberief. Galt es doch (neben dem Geschäft•!leben) Stellung zu nehmen gegen Intrlguen und Quertreibereien einer zur Genüge bekannten Organisation, die die bestmöglichste Versorgung der Juden in Pacht zu haben gluubt und keine kollegiale Betätigung von anderer Seite, die auch die grosse Not der Juden nach Ihrer Weise lindern möchte, duldet. •Galt■cs doch zu protestieren gegen un* quallflzicrbarc Angriffe gewisser Dentinzinnten, die im Laufe dieses Jahres gegen den Hilfsverein geschleudert wurden, um ihn zu deskreditiereil, weil er einsichtig genug Ist. mit allen bewusst jüdischen Kreisen, die praktische Arbeit leisten, Hand in Hand zu gehen und nicht das böse Beispiel der ״A.I.U." naclmhmt. die auf den von Baron Hirsch mühelos ererbten Geldsack pocht und jede bewusst jüdische Regung eifersüchtig und selbstsüchtig ausschalten mochte. Rabbiner Dr. I orxos; dein mindestens Voreingenommenheit für die ..ALU. in deren Aufträge er in diesem Frühjahr in Palästina einen Abstecher machte und einen günstig gefärbten Bericht erstattete, vorgehalten wurde, versuchte recht und schlecht diese Einwärulc zu entkräften und gab schliesslich — auch dem Hilfsvercin .seinen Segen. Hierauf fand es Prau Dr. Borges für gut, um das Gegenteil und ihre Freundlichkeit für den Hilfsverein zu dokumentieren, die Gründung einer Frauenabteilung des Hilfsvercins in Leipzig anzuregen. Pr. AUS D6M G6M6IMDCN Die Mitarbeit unserer Leser nn dieser Rubrik Ist besonder• ■.■— erwünscht.---- Berlin. Am 5. Dezember fand eine vom Deutsch- Israelitischen Gemeliulebtiiule zusamnicuhcrufcnc Ver- Sammlung von Delegierten der grossen Gemeinde- und Aruien-Verbändc sowie der Grossgemeinden aus allen Teilen Deutschlands, auch der Rcichslandc. belmf.s Gründung einer Ge sa 111 tu r ga 11 isa t ion zur Regelung des W a n d e r b e tt e I s unter dem Vorsitz von Prof. M. Philippsoli statt. Auf Grund der lichtvollen und gediegenen Referate der Herren P e i I c 11 c n f e I d - Köln und Liebe nfcld- Bochum wurden, nach eingehender mul sorgfältiger Diskussion durch die mehr als fünfzig Delegierten nahezu einstimmig folgende Anträge der Herren Kommerzienrat Hirsch (Halberstadt) und Dr. Nathan (Hilfsvercin der Deutschen Juden) angenommen: 1. Ps wird beschlossen, eine deutsche Gesamterganisution zur Verbesserung der Wander-Armen- Untcrstiitzimg zu bilden und zwar auf Grundlage des Referates der Herren Fcilehcnfeld-Cohi und Liebenlekl-Buclium. 2. Hs wird beschlossen, mit der Ausführung der obigen Resolution den D.I.ti.B. zu betrauen, der verpflichtet ist. alle weiteren Schritte zur Durchführung der Gcsamtorganisation mit möglichster Hescltlctmigütig herbeizuführen. 3. Neben der aus dem D.I.G.B. gebildeten Zentralkommission sollen Provinzialkonimissioneii zur 10• kaleti Vorbereitung der Organisation und zur Heran- Ziehung der einzelnen Gemeinden begründet werden. Die Provinzinlkomtnissionen können auch lokale Subkoinmis.sioncn zu demselben Zwecke .schaffen. Die Ergebnisse ihrer Bemühungen sind binnen zwei Monateii der Zeiitralkoinniission mitziiteilcn. 4• Es wird beschlossen, dass der Vorsitzende des D.I.G.B. zur Durchführung der obigen Resolution alle jene Persönlichkeiten hiiuuziehc, die ihm hierinr geeignet erscheinen. 5. Die obigen Beschlüsse werden von denjenigen Anwesenden nur zur Berichterstattung für ihre Auitraggeber entgegengenommen, die nicht in der Lage sind, sogleich Stellung zu nehmen. Diese Vertreter werden ersucht, ihre Auftraggeber mit möglichster Beschleunigung zu einer Zustimmung bezw. Stellungnähme zu obigen Resolutionen zu veranlassen. Hiermit ist ein grosser Schritt getan zugunsten eines bedeutsamen Werkes, das materiell unseren deutschen, moralisch unseren osteuropäischen Glaubensgenossen zum Segen gereichen soll. Freilich ist noch viel Arbeit und Mühewaltung notig, um es zum Ziele zu fuhren. Klei. Als Rabbiner ist der bisherige Prediger der Kieler israelitischen Gemeinde, unser ücsinmmgsgenösse Dr. Emil Cohn bestätigt worden. 1/GR6INS* RUNDSCHAU Die Schrill (Ihrer . er Vereine werden gebeten, die üerkhie möglich»! knapp zu halten und sie stets rcchi/eitiß linoiscnden Munuakriplo nur auf oinor Sotto boaohrolben — doutllolio Sohrtftl Berlin. Die Makkabücrlelcr der natlonal-jüdlscheu Jugend Berlins, die — von den gesamten studentischcn, kaufmännischen und Turnvereinen voranstallet — um Sonntag, dem 12. Dezember, vormittags 11V* Uhr im grossen Saale des T i c r g a r t c n h 0 f (Bhf. Tiergarten) stattfindet, verspricht einen überaus würdigen und in jeder Beziehung künstlerischen Verlauf zu nehmen. Aus dem reich* haltigen Programm sei erwähnt: Harmonium- P r ü 111U i 1t ui, ausgeführt von I lerrn Organist Rabe; Prolog (Die Makkabäer von Nussig), gesprachen von Herrn Fritz Kali sch; Festrede: Herr Dr. Heinrich L 0 e w c. Violinkonzert: Herr Walter Blumen an; Gcsangvort rüge (Arien aus ״Athnlia“ und ״Esther", Maendel), Konzcrtsihigorin Murlu Puchs. Rezitation: Fräulein Else Zippe rt. Zur Deckung der beträchtlichen Unkosten wird ein Eintrittsgeld von 25 Pfennig erhoben. Wir hoffen, dass unsere Gesinnungsgenossen! insbesondere natürlich die Jugend, durch möglichst zahlreiches Erscheinen die Feier zu dem machen helfen, als was sic gedacht ist — zur einmütigen, feierlichen Kundgebung unserer bewusst jüdischen Jugend, zur würdigen Pcicr unsres schönsten nationalen Festes und der Männer, die uns durch glühende Liebe zum Judentum und treues Pflichthcwussiscin gegenüber ihrem Stamme stets vorbildlich bleiben werden.