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Jüdische Rundschau · 1909-12-03 · Heft 49 (3.12.1909) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 49 (3.12.1909)
Date
1909-12-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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i\0.*4y. n/׳ J 1! I I! Send 551׳.” f, i j 1 *1 », {! fl ii 1f 1 I I I . 11 c 1 t ו r־, [: .1 r; «J ü Merkspruch Der lüagoR hat (Qr nasthcrcl Smmer noch ein Pldlzdien Irci. (Au* dem Talmud) Chanukah Dem Andenken Samson Raphael UIrscüs und Theodor Herzig. Ein freundlicher Wlntcrnachmittag lag über dem Si.idtchcn. Hütte unser Jakob auf seinem Wege zum Tore hinaus nicht Hüuscr gesehen, die sich dicko Svlmcehrtuben über die Ohren gezogen hatten, er hüte meinen können, die Zeit der rot und süss wer- 1U:ulen Äpfel sei noch da — so brannte dio Sonnel A> er es war ihm nur so. An seinen glühenden Bäckchon war die Sonne allein nicht schuld. Es war;mell die Freude, dass sein guter Lehrer ihm heute e: v.is ganz Besonderes erlaubt hatte. Auf Chanukah, c.is heute Abend mit dem ersten Lichtchen :!!an Juden, gross und klein, wieder ins Herz leuchten v. lhc. Hatte ihm sein Mütterchen mit dem Boten •״ י> Lande herein ein Paar Schlittschuhe geschickt!.,;a dazu geschrieben: ״Vergnüge dich damit in vhmer freien Zeit, doch vergiss darüber nicht, weiter r.clit flcissig zu sein. Denke wahrend des Festes r.cht oft an die Makkubücr und den Tempel. Und!■׳••st du dein Lichtchen entzündet, dann bitte Gott, ״.iss du recht bald mit allen Kindern, die Chanukah .scm haben, zusammen im heiligen Lande, aus dem \ur alle stammen, das schöne Fest der Lichter feiern .äugest. Das wird erst schön werden I" Daran dachte unser Jakob als er allein auf der l-.mdstrasse ging, die hinaus zum Flusse führte. Munter licss er die Schlittschuhe klappern, denn er freute sich der Erlaubnis seines Lehrers, heute den ganzen Nachmittag fahren zu dürfen. Noch nie war der eben dreizehnjährige Jakob so guter Dinge wie heute. Die warme Pelzmütze setzte er zurück, so dass seine lachenden dunkelbraunen Locken auch was von der goldigen Sonne sahen. Der Schnee knirschte wie Zuckcrschaum unter seinen behenden manchmal hüpfenden Schritten. Flugs ging’s dahin 1 Aber wie staunte er, als er auf einmal vor dem Flusse stand, aus dem die plätschernden Wogen ihm zuraunten: Die Sonne licss uns keine Ruh' j Heut’ morgen standen wir noch still Doch wer bis Abend warten will Der sieht das Glashaus wieder zu. Eis ist wie Glas Wie bald bricht das? So -- dachte Jakob, wenn das Wasser nun flicsst, dann niücht' ich mal sehen, wer cs wieder zum Ocfricren bringt. Dass er nun nicht fahren konnte, das schmerzte ihn schon lange nicht mehr. Denn, so sagte er sich, Chanukah ist noch lange und dann kann ich sie morgen oder übermorgen oder — erst nach dem Sabbath, an dem das Essen, aber auch das Tischgebet länger dauert also sonst, einweilten. Stcinchcn warf er ins Wasser, um zu sehen wer rascher sinkt, die grossen oder die kleinen. Hungrig fielen seine weissen Zähne über das gute Butterbrot her, das ilun die Frau Lehrerin, seine ״Aushilfsmama,M wie er sie nannte, in die Tasche gesteckt hatte. Und während er am Wasser umhersprang und öfters neugierig in den Fluss spiilitc, ob noch keine Eishaut auf dem Wasser zu sehen sei, jagte ein Stückchen das andere hinter den Berg. Bald folgte auch die Sonne nach. Die Wolken fingen ihre blutige Tränen auf, denn sie wussten cs so gut wie die Sonne selber, dass sie für einige Wochen Abschied nehmen musste. Immer näher rückten sie zusammen um die Sonne, immer blutiger malten sic den Himmel. Doch da kam aus dem Himmel heraus ganz sachte ein Engclcin und rief den Wolken zu: Hört doch auf zu weinen. Du Mutter Sonne hast dich lange genug gefreut, dass du nach Hcrzcnlust leben und strahlen kenntest. Da — seht hinunter auf die Erdcl Klein-Jakob will auch seine Freude haben. Seht nur genau hin, dort sitzt er auf einem Weidenstumpf und schaut in den Fluss . Und jetzt weint er garl — Und wirklich! Jacob sass da, den Kopf in die Hände gestutzt, und wandte seine Augen nicht weg von dem Wasser, da$ immer mehr zu flicssen schien. •,: Denn •nun half er noch mit seinen Tränen nach. Kiihl fächelte der Wind in seinem Nacken und traumverloren, starrte er vor sich hin. — Doch siehe! — Was war das? —Es flirrt und glitzert vor seinen Augen. Wie aus rotem Purpurmeer lacht! ihm entgegen —ein glitzernd Schloss.,; : Chanu’cah-Lichter:■ ,;"■׳׳ von Morrlo Rooenf e Id, ’ 0, Ihr Heben Llchfclcln ” ’ ■ Euer freudlich-oiiller Schein Splcht gar mancherlei. . . Spricht von kühnem Heldenmut, , ' ,Kampf und Tod und Heldenblut, — Wunder längst vorbeil ■׳־־׳.' Sieh! Bei Eurem flimmernden Schein Tritt ein Traum, ein schimmernder, ein, Und der Traum erzählt! Dude, warst ein Krieger einst, Sude, warst ein Sieger einst, Stolz und kraftgesiählt I Auserwählt war dein Geschlecht, Hieltest dein Gebot, dein Recht, Lebtest gross und frei, Hattest einst ein eigen Land, Herrschtest drin mit starker Hand, — Wunder längst vorbeil 0, ihr lieben Lichieicin, Euer frcunllch-stiller Schein Weckt den alten Schmerz: Einst und jetztl So klage Ich, Einst und jetzt, so frag ich mich, Und e6 weint mein Herz. * Wir waren nicht immer das Uolk, das weint, * Das Uolk der Thränen, der Seufzer und Klagen’ Wir haben einstmals den stärksten Feind Gelehrt: Auch Duden können schlagen. Wir haben der wütendensten Hasser gelacht, Und für den Glauben grosser Ahnen Wir gingen mutvoll In die Schlacht, Und siegreich wehten unsere Fahnen. . Geschlechter schwanden Im Zeltengewühl, Geschlechter wurden neu geboren, Wir aber haben das Heldengefühl lm Drang der Ghettonot verloren, Derloren den alten Riesenmut Und wurden wurden zager, stiller, Und doch, noch brennt In unserm Blut Dos alte Hasmonäerfeuer. Man hat uns gehetzt in Not und Tod, ״ Mit groben Flegeln den Leib uns zerdroschen, Und doch, das alte Feuer loht, Und ist lm Blutmeer nicht erloschen. Wir duldeten Martern wohl sonder Zahl, Die schwachen Körper mussten erliegen,— Doch bleibt ln uns ein Ideal. Das, Völker, könnt Ihr nie besiegen! Es wird belief \mtl heller. Da kVmgts ihm lm Ohr, erst leise — wie von unsichtbar schwingenden Harfensaltcn. Es wird lauter und lauter. Freudig jauchzen die Töne empor, wie von Cymbcln und Geigen und Lauten I Aus dem Lichtmecr ragen zwei Säulen empor, ehern und stark und gepanzerte Männer traten heran mit blitzendem Äugt Der Panzer entgleitet ihrem mit Linnen bedeckten Leib und gleitet hinein ln Müdchenarme, so weiss wie der Schnee! Die Mädchen schreiten den Berg hinab, ihr Schwarzhaar flattert im Nacken. Sie gehen hinab und kommen zahlreicher wieder singend und tanzend — Und sie singen ein Lied — Schlr Chanukath Habaithi . . Zwischen güldenen Spangen und blitzenden Reifen sprossten Lilien empor — erst geschlossen. Dann sachte sich öffnend erglühten die Kelche wie flüssiges Gold. Sieben Kelche .— Und cs troff herab, ein Tropfen am andern. Und die Luft erbrauste wie von Engclschörcn wuchtig erfüllt, ,das Wasser wich erschreckt zurück, u,m die Qoldglut nicht zu löschen, die Erde öffnete sich und spie Marmorblöcke hervor, die aneinander sich banden. Und Flammcnbücbe flössen herab, und strebten empor und wuchsen und wuchsen zum Leuchter — zum Lieht!- Zwei Augen starrten ins Licht, zwei Knabenäugen — und ein Mund öffnete sich — und flüsterte — Menorah .... .1 Und vor der Menorah brannte auf dem Altäre das Opferfeuer, das betende Männer umstanden. Helden und Priester mit kernigen Zügen und freudiger Miene. Unter allem ragte hervor an Kraft und an Schönheit der Löwe unter den Juden: Makkabi! Noch immer streifte das Licht vom Leuchter des Wcihtcmpcis die Augen des in sich versunkenen. Knaben. — — Schon mischte sich Nebel und Licliti — Noch sah man sieben Lichter und den leuchtenden Diener. — Jetzt brannten sic noch hell, nun wurde cs blasser, die Lichter begannen zu zittern.Ach, und nun verlöschten gar mehr denn die Hälfte. Fünf Engclcin flogen von dannen und spielten mit flatternden Schleiern. — Nur drei Lichtchen brannten noch, die lachten sich an — bis ein Windstoss kam, vor dem sie fast in Wehmut zerflossen. Jakob bewegte die Hand, als wolle er nach ihnen greifen und sic fcsthaltcn. . Und wirklich, sic glitzerten weiter, standen mal still —: dann flimmerte cs wieder.-- ״Drei Sterne,“ rief Jakob, ״cs ist Nacht!“ Ein Frostsclmucr überlicf ihn. Er erschrak. Sich die Augen zu reihen, die noch nicht glauben wollten, was der Mund eben sprach, dazu fehlte ihm die Zeit. Das besorgte unterwegs der Wind, der eisige Geselle. Zu Hause kam er gerade noch recht zun: Entzünden. Den ersten Segensspruch sagte er noch mit bebender Stimme: doch als er an die Stelle kam ״Sclichcchejonn, Wekijmonn, Wenigionn Lnsman l.nsö," da schlug sein Herzchen lauter. Und noch nie dankte er Gott so innig wie in dieser Stunde. Bath Rachel. jüdische Gewerbeschulen in Russland Die Zahl dieser Schulen ist in steter Zunahme bcgriffen; sie stieg von 6 im Jahre 1903 auf 25 im Jahre 1907. Dementsprechend stiegen auch die Ausgaben für diese Schulen von 14150־!) Rubel im Jahre 1905 uuf 215500 Rubel im Jahre 1907. Dagegen sank die Zahl der Zöglinge in diesen Schulen, im Jahre 1905 betrug sic durchschnittlich kO in ieder Schule; im Jahre 1906 75 und im Jahre 1907 nur 66 pro Schule. Die Gesamtzahl ck:r Schüler betrug im Jahre 1906 H22, im Jahre 1907 1311. Das erklärt sich ganz ofienbar durch die Verschlechterung der ökonomischen Lage der jüdischen Massen und durch die infolge der Pogrome hervorgerufenen Massenauswanderung von Juden aus Russland. Viele Zöglinge mussten die Schulen verlassen, weil ihre Eltern selbst das geringe Schulgcld von 5—10 Rubeln jährlich nicht entrichten konnten. Preisausschreiben SchicbcrälscL Gleichberechtigung Hamburg Sala dln Natlonaikultur Judcnflcck Kara! ton Nordauuiarkc. Diese Worte ergeben — aus jedem Worte ein Duchstabcl — in derselben Reihenfolge, und nach rechts und links gegeneinander verschoben, von oben nach unten gelesen, und in anderer Verschiebung von unten nach oben gelesen, den Namen eines jüdischen Festes und eines jüdischen Helden. Lösungen sind bis zum 12. Dezember an die Redaktion von ״Jung Israel", Berlin-Chariottcnburg. Blclbtrcustrassc 49, mit Angabe des Namens, Alters und der Adresse des Einsenders zu schicken. Die Namen der Einsender richtiger Lösungen werden in der nächsten Nummer von ״Jung- Israel" veröffentlicht. , Zur Verlosung unter den Einsendern gelangen folgende Preise: 1. Peroz, Erzählungen, illustriert, gebunden. (Jüdischer Verlag.) 2. ־ Aus Jüdischo Künstler: Solomon J. Solomon. (Jüdischer Verlag.) j 3. ״Heinrich Heine" mit Bczalel-Rahmcn, . 4—-ö. Jo zehn jüdischo Künstlern ostkart ca. .

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