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Jüdische Rundschau · 1909-12-03 · Heft 49 (3.12.1909) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 49 (3.12.1909)
Date
1909-12-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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5CHWODU. J ü ז« »!r die jüdische Turnerschaft als Sanniiclstättc n!L:׳, die auf Grund dieser’ Diagnose an einer Gesund״«״ des Volksganzcn liiitarbcilon wollten. Und er erk.midc, dass er sieh liier an die Jugend wenden 1»'״:' die noch bei sich mit der erzieherischen Arbeit ein,>et<׳c;)' konnte. So wurde der Arzt zum Fülircr der bc- , wussten jiidiseheu Jugend. Und er, dessen Worten im Kreise anerkannter Forscher gelauscht wurde, er mühte sielt unablässig junge'Kräfte zum Werke heranzuzichcn, suchte in llmcn eine Pflanzstätte für seine Ideale, für die er nur so kurze Zeit arbeiten durfte. Fast scheint cs heute, eine Ahnung seines frühen Endes habe ihn das gelehrt. Denn kaum wurde ihm der Name eines jungen, strebenden Juden genannt, so drängte er darauf, mit ihm bekannt zu werden. Und wer ihm zugeführt wurde,, der war bald im Banne dieses Mannes, dessen selbstsichere Ruhe und liebevolles Verstehen dein jungen Qrossstadtjuden so wohl tat. Und er. dem c$ nicht gegeben war,• durch die Macht des Wortes die Menge zu becin• flusscn, hat so seinem jüdischen Programm Fortdaucr gesichert. Ein tückisches Leiden hat dem Leben des Einundürcissifriührigcn ein jähes Ende gesetzt, geradc als die Verwertung seiner technischen Arbeiten seine materielle Zukunft nach langem, zähem Ringen sicher zu stellen schien mitten aus seinem jüdischen Wirken, aus den Vorbereitungen für unser Verbands- Schauturnen, die er mit gewohntem Eifer leitete. Mit Arndt sind Hoffnungen und Pläne zu Grabe getragen; was er geschaffen, wird bleiben. Denn seine Ideen Averden in seinen Jüngern fortwirken und sein Tod wird den Lebenden Mahnung und Ansporn sein in seinem Geiste sein Werk fortzusetzen.!: AUS ALLER WeLT Deutschland Die Angelegenheit des Rclchstagsahgcordnctcu (1) Bruhn nimmt einen überraschend grossen Umiang an. Zur Beleuchtung der Vorgänge bei der ״W a h rheit" sind, wie Berliner Blätter berichten, immer neue Zeugen zu vernehmen, so dass die ganze Sache nur sehr langsam vor sich geht. Das hat dem Rcicli.stag.sabgcordneten Bruhn Veranlassung gegeben, sich beim Richter und beim Landgerielitspriisideuten zu beschweren. Als er mit seinen Wünschen nicht dnrehdrang. hat er sich nun, wie wir erfahren, beschwerdeführend an den Justizininistcr gewandt. — Die Beleuchtung der ״Wahrheit" durch die öffentliehe Gerichtsverhandlung hat cs zuwege gebracht, dass die Inserenten des Blattes zum grossen Teil Ihre Aufträge »!)bestellt, bezw. nicht wieder erneuert haben, Der S t r a s s c n v c r k a u f der ״Wahrheit" hat, wie die Händler behaupten, infolge des Prozesses ganz bedeutend nachgelassen. Dagegen scheint sich die Nachricht, dass das Bruhnsehe Revolverblatt die Protektion des Eisenbahn* mlnlstcrs verloren habe und auf den Bahnhöfen nicht mehr verkauft werde, nicht zu bestätigen, i,'t Dass bei der Neuregelung der Sonntagsruhe auch die Rcichsregierung die Interessen derjenigen GeschUftsbctriebe zu berücksichtigen gewillt ist, die am Sabbath und an den Feiertagen - geschlossen bleiben, ist erfreulicher Weise in den jüngst veröffentlichten Qrundzügen der im Rcicltsamt des Innern in Ausarbeitung begriffenen Novelle zum Son n tag s.ru hegesetz Icstgcstcllt. Die Grundzüge enthalten den Satz: ״D u r c h A n 0 r d - nung der höheren Vcrwaltungsbcliörden oder durch Ortsstatut wird Berücksichtigung der an jüdischen Peiertagen gänzlüch ruhenden Gesc 11 ä j t sbc t r icbc dahin zu ermöglichen sein, dass diese die jüdischen An gestellten bis zur Dauer von drei Stunden in für den Verkehr geschlossenen Geschäftsräumen beschäftigen kön- ת c n." Der Verband der Deutschen Juden hat, wie auch andere Körperschaften, seit Jahren eine Beachtung der Interessen der strenggläubigen jüdischen Geschäftslcutc in dieser Angelegenheit angestrebt. Schon!906 richtete der Verband eine Eingabe an den Rcichsstuutssckrctür des Innern mit dem Antrage, die Erhebungen des Kaiserlichen statistischen Amtes auf diese Frage ausdehnen zu lassen, und veranstaltcle dann selbst mit Hilfe seiner Korrespondenten eine Umirago bei Jüdischen Geschäftsinhabern, die genügendes Material zur Grundlage für Denkschriften ergab, welche gleichzeitig an den Bundesrat und an den Rcichsstaatssckrctür des Innern gerichtet wurden, mit dem Aufträge: ״es möge bei der Regelung der Sonntagsruhe a s Ausnahme durch Rcichsgcsctz gestattet werden, jüdische Angestellte in Kontoren und kaufmännisehen Betrieben, die nicht mit offenen Verkaufsstellen verbunden sind, an Sonntagen und allgcmeinen Festtagen auf zwei Stunden zu bcschäftigen, insoweit die jüdischen Geschäftsinhaber im voraus sich verpflichten, tbro Geschäfte an Sab* bathen und jüdischen Feiertagen׳ fest geschlossen zu halten. Gleich׳ Lij ■\7a1:.ö: sielt!!er Verband mit dem 1 Ersuchen :1111 UnicrstiLstmir unserer Bestrebungen . an sämtliche II;׳.!ul.isk;u11me,11׳. | 1 ן Als Anfang dieses Jahres die (Jewcibedeputatlon •des Berliner Ma1;L.1״׳u eine Umfrage, betreffend eine weitere Beschränkung der Sonntagsarbeit ׳in of,'enen Geschäften versandte, hat , der Verband der 'Deutschen Juden auch hier durch eine Eingabe darauf hingewiesen, dass eine ausnahmslose Untersagung Jedes Handelsbetriebs an Sonntagen und christlichen Feiertagen nicht geboten erscheine. Die nunmehr seitens der Regierung in Aussicht ge* stellte Regelung trägt jenen Anträgen Rechnung und würde eine Sonntagsarbeit jüdischer Angestellter in nicht ofienen Geschäftsräumen' bei Gewerbebe* trieben, die am Sabbath schliessen, bis zu drei Stunden ermöglichen, freilich' die Uewälirung dieser Ausnahme von der Anordnung der Vcrwaltungs- ,oder der Stadtbcliördcn abhängig machen; an* scheinend sollen aber den betreffenden Gewerbe* treibenden jene drei Stunden auf die allgemein zu* lässige Bcseliäftigungszcit in Anrechnung gebracht werden. Beide Einschränkungen erscheinen nicht geboten durch die Zwecke, die der Entwurf verfolgt, Indes ist zu hoffen, dass die Regierung nacli nochmaliger Erwägung nicht daran fcsthaltcn wird. |)Österreich Theodor Kitter von Taussig Theodor Ritter von Taussig ist gestorben. Das Sprichwort ״de mortui* nil nisi bene" hat keine Bercehtigung an der Bahre eines Mannes, der ein System verkörperte. Mit diesem System, nicht mit der Person des Daliingescliiedeticn, rechten wir, und da wäre es hässliche und verderbliche Lüge, wollte man — wie es wohl eine grosse Zahl jüdischer Blätter tun wird — in dieses Grab schöne Worte nuchrufcn. Theodor Ritter von Taussig, das ausgezeichnete Finanzgenie, der hochbegabte tatkräftige Mann hat das jüdische Volk, dem auch er angcliörte. wiederholt schwer, unsäglich schwer geschädigt. Wir wollen in diesem Zeitpunkte die zahlreichen Verirrungen nicht!!erzählen. an denen dns (.eben und Wirken des Juden Taussig leider so reich war. Aber wenn man au das traurige Jahr denkt, da er unmittelbar nach den P o g r 0111 c 11 dem Zarisinus das Geld lieferte, mit dem neue, furchtbare Judenverfolgungen inszeniert wurden, so muss man sagen, was leider von so manchem ״grossen Juden* gesagt werden muss: In einem anderen Buche mag sein Name mit goldenen!.eitern verewigt sein — in der Geschichte des jüdischen Volkes ist er mit blutigen Lettern ein* getragen. Türkei Moderner als Deufschland ln seinen ״B riefen aus dem Orient" {iusserst sich Pfarrer Stier auch über die spaniolisclien Juden in Saloniki, die er auf hunderttausend unter einer Gesamtbevölkeruiig von ISüOdü Seelen schätzt. Der Verfasser sagt da 11. a.: ״Man könnte unseren eingefleischten Antisemiten nur raten, einmal hier Studien zu 111a eben, wenn sie sähen, wie alle Arbeiten, auch die schweren körperlichen, von den Spaniolen verrichtet werden, — sic sind nicht hlos Handwerker, sondern vor allem auch Lastträger *~, so würden sic doch vielleicht ihre vorgefassten Meinungen über das ״Schachcrvolk" etwas revidieren. Tatsächlich ge* hören sic zu den gebildetsten und tüchtigsten Elc* menten der Stadt; der Anteil der Spaniolen an der unblutigen Revolution, ihre Beteiligung an den ״Komitccs für Einheit und Fortschritt" ist nicht gering »!!Zuschlägen. Die Türkei wird in zehn Jahren nicht bloss christliche, sondern auch jüdische Offiziere haben und damit, wie der Generalissimus Schafket Pascha mit leisem Lächeln bemerkte, moderner als Deutschland werden". Frankreich Nach zuverlässigen Mitteilungen wird jetzt ein neues Reglement über die Rechto und Pflichten der Rabbiner hi Frankreich vorbereitet. Danach kann nur ein volljähriger Franzose, der das hiesige Rabblncrsenilnar 11I)M>lviert hat, Rabbiner werden. Jede Kultusgeiiiclnsehaft van mehr als hundert Mitgliedern soii einen Rabbiner haben. Das Zcntralkoiisistorium bestimmt die Rabbinersitzo. Die Verleihung des Oberrabblnertitcls ist zum Teil von der Zahl der Qcmcindcmitglicdcr abhängig. In dieser Hinsicht enthält der neue Entwurf eine wesentliche und nicht ge-, radc sehr zweckmässige Neuerung. Nach den bis- 11cri,:cn Bestimmungen musste der Erlangung eines solchen Titels eine besondere Prüfung vorausgehen. Die Rechte der Rabbiner sind sehr knapp bemessen. Sie beschränken sich auf das Predigen und Vorbeten in den Synagogen, auf die Beanspruchung einer vier- 1 wöchigen Ferienzeit in jedem Jahre und auf die• Erteilung und Beaufsichtigung des Rcligionsuntcr* richts. Andere Funktionen dürfen die Rabbiner ohne besondere Erlaubnis des Zcntralkonsistoriums nicht ausüben. Im ganzen stellt das neue Reglement eine nicht uncrhebllchcVerschlcchterung der Lage der Rabbiner in Frankreich dar, und cs dürfte wohl noch auf grosse Widerstünde stossen. ■״״ - Vierter Vortrag Werner Sombarts Am Montag, dem 6. Dezember, abends 8 y!lr findet im grossen Saale der Singakademie der vierte (Schluss־) Vortrag Prof. Werner Sombarts über die jüdische Religion statt, auf den wir unsere Leser hierdurch aufmerksam machen. (Wir bringen alsdann in nächster Nummer den Bericht über den dritten und vierten Vortrag Kc.!!!einsam.) ZIONiSTISCHE BEWEGUNG Mitteilung des Bureaus des IX. Zionisten-Kongresscs Für die Eröffnungssitzung des Kongresses sind alle Plätze bereits vergeben. Hingegen sind noch Karten für die Sitzung vom Sonntag, den 26. Dezember, nachmittags ab zu haben. Diese ermöglichen also den Zutritt zu allen Sitzungen mit Ausnahme der Eröffnungssitzung. Wir ersuchen die Delegierten und Gäste nochmals dringend, möglichst umgehend ihre W0I1nungsbcstcliungcn unter Benutzung der wiederholt veröffentlichten Formulare an uns gelangen zu lassen. Allen auswärtigen Kongressteilnehmer״, deren Wolmungsbcstcllungcn bis zum 12. Dezember in Hamburg cingetroffcn sind, wird die Adresse der für sic reservierten Zimmer nach ihrem Wohnt-!; bekannt gegeben werden. Wer nach diesem Termin Zimmer bestellt, kann auf schriftliche .Erledigen.; nicht mehr rechnen. Die Zuteilung der Wohnung erfolgt dann an den Schaltern des Kongresses bezw. am Hamburger Hauptbalinhof. In den Tagen vordem Kongress werden wir nämlich c i r, e ח ständigen Bahnhofsdienst auf dem Hauptbaltnhof Hamburg cinrichtcn, worüber noch nähere Mitteilungen erfolgen. Da aber weven der Weihnachfstage ein sehr starker Reiseverkehr zu erwarten Ist, 60 liegt es hu Interesse ledes Ankommenden, sieh auf jeden Fall schon vorher ein Zimmer zu sichern tim! über die Lage seines Hotels orientiert zu sein. In den Räumen des Kongrcssgebüudcs wird ein unter Aufsicht des Hamburger Oberrabbinats stehen• des Restaurant eingerichtet werden. Es sei wiederholt an die schon angekündiglen Veranstaltungen erinnert; 1. Der öffentliche Vortrag von Dr. Max Nordau-Paris über ״Das Judentum im 19. und 20. Jahrhundert" findet Mittwoch, den 29. Dezember, abends 9 Uhr, im Konventgarten statt. Eintrittskarten zu 4, 2 und ,1 Mark sind im Kon• gressburcau erhältlich. Nach auswärts erfolgt die Kartcnausgabc nur gegen vorherige Einsendung des Betrages und des Rückportos. Für D c l c * gierte ist der Zutritt frei. 2. Am Sonntag, dem 26. Dezember, abends 8 Uhr pünktlich, findet in der Ernst Merkltallc des Zoologischen Gartens das grosse Schauturnen der Jüdischen Turnerschaft (Sitz Berlin) statt. Karten hierfür sind unentgeltlich gegen Einsendung des Portos durch das Kongress• burcau zu beziehen. 3. Am Diensta g, den! 28. Dezember findet in der grossen Halle des Zoologischen Gartens ein von dem K. Z. V. (Kartell zionistischer Verbindungen) und dem B.J.C. (Bund Jüdischer Corporationen) zu Ehren des Kongresses veranstalteter Festk 0 m in e r s statt. Ferner wiederholen wir,' dass der Kongress fm Konzert haus Hamburg stattfindet. Mitteilungen des Zentralbureous der Zionistischen Vereinig, für Dculschland Gemeldete Wuhlresultato: München: Dr. Elias S t raus s-Münclicn, Delegierter. — Kaufmann Julius Strauss-Bamberg. Ersatzddcgicrtcr. Mlsrachlwahlkrcis: Hermann Struck, Delegierter. — Joseph W. Haekenbroch-Frankfurt a. M., Hugo Rothschild-Lübeck, Ersatzdclegicrtc. BerUa: Rechtsanwalt Snmmv Gronemann. Dr. Hantke, Dr. Heinrich Loewe, Dr. ׳ , Alfred Klee. Dr. Georg W i t k 0 w s k y. Delegierte. — Leo Motzkin, Lazarus Barth, Julius Hahn* Stettin. Dr. Theo- dor Zlocis ti,1 Dr. Egon Rosenberg. Ersatzdclegicrtc. Königsberg |. Pr. Dr. Arthur Pelz, Dr. Hugo Hoppe, Delegierte. — Dr. Walter Stoln, A: J. Rosenzweig. Ersatzdelegierte. •w 1

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