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Jüdische Rundschau · 1909-11-26 · Heft 48 (26.11.1909) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 48 (26.11.1909)
Date
1909-11-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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No. 48. Seite 540. JUEDISCHE RUNDSCHAU ZIONISTISCH BeWEGUN Mitteilung( des Bureaus des IX. Zlonlsten-Kongresses 1. Der öffentliche Vortrng von Max Nor* d a u - Paris über ״Das Judentum im 19. und 20. Jahrhundert“ findet Mittwoch, den 29. De* zember, Abends $ Uhr, im Convcntgartcn statt, r.intriltskarten zu Mk. 4, 2 und 1 sind im Kon* gressbureau und bei Herrn J. A. Böhme, Alter* wall 44, erhältlich. Nach auswärts erfolgt die Kartenausgabe nur gegen vorherige Einsendung ' des Betrages und des Rückportos. — F ü r Delegierte ist der Zutritt frei. 2. Der W 011 n u n g s a u s s c h u s s teilt mit, dass allen auswärtigen Kongresstcilneh• mem, deren Wohnungsbcstellungen bis zum 12. Dezember in Hamburg cingcjroffen sind, die Adresse der für sie reservierten Zimmer n a c h ihrem Wohnort bekannt,gegeben wird. Wer nach diesem Termin Zimmer bestellt, kann auf schriftliche Erledigung nicht mehr rechnen. Die Zuteilung der Wohnung erfolgt dann am Hamburger Hauptbahnhof bezw. an den Sei!altern des Kongresses. 3. Am Dienstag, dem 28. Dezember findet in der grossen Halle des Zoologischen Gartens ein von dem K. Z. V. (Kartell zionistischer Vor* Bindung חג) und dem B. J. C. (Bund jüdischer Korporationen) zu Ehren des Kongresses ver* anstaltcter F e s t k o in m e r s statt. Berich! der Zentral-Sammelstcllc von Briefmarken für den jüd. Nationalfonds Aus den mir eingesandten Briefmarken habe ich in diesem Jahre bis jetzt nur 3Qü Mark für den Nationalfonds erzielt, ein Ergebnis. Uns trotz des .sehr oft nur iiiindorwcrligcn Materials durch genaueste Ausnutzung der Konjunktur und durch grosse mühe* volle Sortierarbeit erzielt wurde. Nur wenige Gesinnungsgenossen waren cs, die gute Marken sandten. Und dabei haben doch viele unserer Freunde durch geschäftliche und private üeziehungen zahlreiche Ausländskorrespondent, so dass sie bei einigerniassen untern Willen doch recht viel bessere Marken spenden konnten. Auel» zahlreiche Markeiisamnilcr selbst könnten ihre Doublelten uns spenden. Wenn ich in dieser Weise von dcit Ge* siniiungsgenossen unterstützt würde, könnte ich die zehnfache Summe dem Nationalfonds Zufuhren. Ich richte nochmals die Bitte an alle Freunde unserer Sache, dass sie mir gute Marken recht viel zusenden mögen. Julius L 0 c w e 11 h c i in, Berlin W. 50, Neue Dayroutherstr. S. Südafrika (Ostprovinzen): Samuel Cohen-Hainbürg, Rabbiner Pr. Emil Cohn-Kiel, Delegierte. Adolf H 0 f f m a n n - Köln, LrsatzUclcgiertcr. _ ״ M Südafrika: Dr. Ludsvlg F i 11 c u s ־ Berlin, S. H c p - n c r - Berlin, I. 11. W a g n e r - Berlin, Dr. Hans Gideon -11 e v m a n n - Berlin, Max Woliste Incr - Berlin und Bertrand Hamburg- Berlin, Delegierte. Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinig, für Deutschland Gemeldete Wahlrcsultatc: Lübeck: Dr. Leo Landau, Delegierter, Dr. Martin Meyer, Ersatzdelcgicrter. Mannheim: Julius Simon, Delegierter, Dr. Julius Moses- Mannheim. Ersatzdelcgicrter. Frankfurt a. M.: Jacob S. Gölte in, Lehrer B. Stern, Delegierte, Dr. Siegfried S c lt w a r z s c h i I d, Salli Gels, Frau Martha Hackcnbr och, Hrsatzdclestierte. Nürnberg - Fürth: Max G 0 r s k i, Delegierter. Profressor Wc y l-Frankfurt a. M., Ersatzdelegierter. Gruppen verband Oherschleslen: Arnold Wiener-- Kattowitz, Dr. Dobrzynski- Beutltcn, Dr, Stahl- Tarnowitz, Dipl.-Ingcnicur Hecker- Glciwitz. Delegierte, Sicgmund R a p p u p 0 r t - Kattowitz, Rechtsanwalt L a c h m a n n - Königshüttc , Zahnarzt Block-Ratlbor, Willy Nothmann- Gross-Strchlitz, Ersatzdclegicrtc. Leipzig: Dr. K. Chainizcr. Delegierter, Frau M Dr. S i c h c l ־ Chemnitz,Ersatzdclegicrtc. Köln a. RI».: David Wolffsohn, Delegierter, Lehrer Abraham Reinhardt, Ersatzdelegierter. Gruppciiverhaiid Posen: Dr. Max Kollo »seit er, Moritz Krause. Delegierte, Rcchtsanwall Ascher- Schönlankc, Ersatzdclc- «icrter. Ausserhalb der deutschen Landsmannschaft sind bisher folgende Mitglieder der Zionistischen Verelnlgung für Deutschland gewählt worden: Bo tosaal (Rumänien): Hermann Struck-Berlin, Delegierter, Dr. Rudolf Leszynskye״ . 1 •׳ Acr,lin• Ersatzdclegicrtcr. Südafrika (Joliuimusburgcr Distrikt): David Wolff- 1 n ’!,311ז Fanny Wolffsohn- Kon, Dr, Besser - Hamburg, Dr. Ch wo fies-Altona, Dr. Eduard Los- B0n n’ Frau Dr. Lcszyns- «DrJ Adolf Friedemann־ Berlin, Dr. Bodonhofmer.-Köln, Dclegicrto. Personalien Unser allvcrchrtcr Gesinnungsgenosse Herr Friej dcnsrichlcr Jakob Moser in Bradford (England); feiert am 28. November seinen 70. Geburtstag. Herr Moser, der auch Mitglied des Grossen Aktions• Komitees ist, ist durch mehrere grosse Spenden für das Hebräische Gymnasium in Jaffa, für den Bczalel etc. auch weiteren zionistischen Kreisen bekannt ge• worden. Die englischen Zionisten planen eine Ehrung Mosers durch eine grössere seinen Namen tragende Ol bau nt Pflanzung; hoffentlich werden auch die deutschen Zionisten sich diese schone Gelegenheit, einen zionistischen Veteran zu ehren und zur 1 Stärkung der Ülbauntspcndc beizutragen, nicht entj gclicn lassen, fc’f Am letzten Sonntag iciertc unser Gcsinnungsgenosse H. G. Hey mann seine Vermählung des der Tochter des bekannten früheren Leiters des Jüdischen Nationalfonds und Mitgliedes des E. A.-K. Herrn Johann K remonezky. Redaktion und Verlag der ״J. R." bringen dem jungen Paare ihre besten Glückwünsche dar. Vom Zentralverein Schlag auf Schlag. 111 Berlin gälirt cs. Zur sei- 1)011 Zeit, wo Prof. Werner So m hart einem niehrlnmdcrtküpfigeu Publikum den itniiberbrückbaren, tiefinnersten Gegensatz zwischen jüdischem und :irischem Wesen, jüdischem und arischem Geiste klar zu machen bemüht ist, zur selben Zeit (Montag, 11. 22. November) spricht Siegfried Fleischer- Wien vor den Assimilanten-Judei» des Zentralvereins über den Antisemitismus in den österreichischen Ländem und — man staune — offenbart ihnen die Iok a 1 c Notwendigkeit des nationalen Zus a iiiiii c 11 s c 111 u s s c s ö s t e r r e i c 11 i s c 11 c r J uden, Ja selbst die Notwendigkeit, einen c i g c - neu, j it d i s c h n a t i 011 a 1 e n W a 111 k a t a s t c r zu erstreben u 11 d zu erka in p f e 11. Aus dem interessanten Vorträge liehen wir nur einiges heraus: ״Was die Lage der Juden in Böhmen hetriift, im Lande des Natioiialitütenliasses lind des Sprachen- Streites, so gilt liier folgendes: Von nie 111 andern wird der S p r a c h e 11 s t r c i t tiefer und s c 11111 c r z I i e h e r empfunden, als von de n .111 d e n Sie waren noch bis vor zehn Jahren — deutsch bis auf die Knochen! Sie waren die mutigsteil Verfechter des Deutschtums in jenen Strcitgcbieten! Zum Danke dafür wurden sie stets und immer wieder von den Deutschen bekämpft, unterdrückt und als Fremdkörper gebrandmark t. Männer wie Sc hön c re r traten auf, begriisst vom tosenden Beifall vieler Tausender, um zu beweisen, dass wir Juden nicht zu i 1111 cn gehörten! Was blieb den deutschen Juden Böhmens angesichts dieser Tatsache, angesichts dieser Zurückweisung seitens der Deutschen, anderes übrig, als zu sagen: Wir wollen und können uns euch nicht atifdrängen; w׳ir wollen mul können uns unter diesen Umständen nicht länger für das Deutschtum opfern, uns Deutsche nennen — Juden aber sind und bleiben wir! (Einzelzurnf: ״Bravo!") Ja, Bravo! Aber i bitt schön, das ist doeli net so einfach! Sagen Sic cs hier, pre- Uigcn Sie cs hier in Berlin! Wie man über Sie herfallen und Sic als Verräter am Deutschtum brandmarken wird! Ein Zusammenschluss der Juden in erwühnter Form flilirt in letzter Konsequenz zum Natioiialjudentuin! Wenn aber erst an einem Punkte die Juden als Nationalität uuUrctcn, so werden und müssen sie es mit der Zeit überall tun! Im deutschen Sprachgebiete werden die Juden wohl oder übel, mit oder ohne, meist aber gegen ihren Willen, allmählieh zionistisch gemacht — cs bleibt ihnen kein anderer Auswcgl Anders ist cs im czcchischcn Sprachgebiete. Dort werden die Juden, die noch bis vor kurzem natioimldeutsch waren, gezwungen, czechisch zu werden, um dem czcchischcn Antisemitismus zu entgehen. Der Czee 11 c hasst im Juden nicht den Juden, sondern den Deutschen, wie ja die Slaven von Natur aus überhaupt nicht antisemitisch sind. Es wäre eine Qcschiclitsfälscluing, wollte man den Slaven einen antoclithoncn Judenhass zusprechen. Der Antisemitismus wurde 1879 erst von Deutschland aus (Bismarck, Stöcker, Treitsciike) importiert. Achnlicl» verzwickt ist die Lago der Juden in Mähren. Auch hier bilden die Juden den Zankapfel zwischen den Deutschen und den Böhmen, ln Mähren wohnen die Nationalitäten Ineinander und durcheinander. Bis vor kurzem war cs dem Juden möglich, sich den jeweiligen lokalen Verhältnissen anzupassen und sich bald als Böhme, bald als Deutscher zu dokumentieren. Bei Wahlen verhielt er sich passiv, um cs mit niemandem zu verscherzen. Jetzt ist aber ein neues Landtagswahlrccht in Mähren cingcführt worden, ein Katasterwahlrecht. Und da für die Juden kein eigener nationaler Katastcr errichtet worden ist, werden sic letzt ge* zwinigeii, sich unter allen Umständen zu erkennen zu geben. Dadurch sind die Juden in dieselbe Zwangslage gebracht worden, wie in Böhmen: 0!e Deutschen gelten nunmehr (nach dem neuen Wahlrecht) geschlossen vor — und die Czechcn gehen ebenfalls geschlossen vor — nur die Juden stehen in der Mitte und bilden den Puffer. Man hat beantragt, eine jüdisch-nationale Walilkuric zu schauen um diesem Missstand abzulielfen. Dies ist von der Regierung abgelclmt worden mit der Bemerkung: eju- Juden wären keine Nation, sondern nur eine Rctu gioiisgcmeinscliait. Denselben Bescheid erhielten jüngst die Juden der Bukowina, die sieh in ähnlicher Zwangslage befinden. Hier in der Bukowina ist das Vorgehen der Regierung noch u n e r - liürter. weil die bukowinischcn Juden tatsächlich in geschlossenen Massen Zusammenleben und sieh vollkommen national dokumentieren." Soviel vom Referat• Die Diskussion eröffn״:»• Dr. Grzymiscli. Er bat den Redner um einen Beucht über die Mittel und Wege, welche die österreichische Judenheit findet, um diesem Antisemitismus zu gegnen. Rechtsanwalt Nussbauin betont, das•, ז,ל Deutschland nicht wie in Oesterreich die Masse. .״׳,* Volk, Haupttr.'igcr des Antisemitismus sei, v»1 .an einzig und allein das höhere Beamtentum. Dr. 1i,|. lünder widerspricht und meint, wenigstens in >,;,<• deutschlaiid herrschen vollkommen dieselben Vw!״.!;'tnisse wie in Oesterreich, insbesondere werde i i! t das Volk von dem niederen Landklerus antiseu;,; sch infiziert. Dr. Werner beklagt die Indolenz der In •s.,-. situiertet» deutschen Juden. Die Mittelklassen •..änt viel selbstbewusster. Die jüdischen oberen Zeii. u,!- send seien selber antisemitisch; man diirie imut kcinfcn Umständen dulden, dass beispielsweise r,r,,ssbatiken, die von jüdischem Gclde gegründet w . 1• :1 sind unJ noch jetzt von Juden geleitet werden,!,,•me Juden iuistcllen (hört! hört!) Um eins nur hcraiiszugreiicn: die deutsche i,,nk. Ein solches Institut müsse von der Judenheit ca fidt boykottiert werden!! (Tosender Beifall.) Doch eine kleine Sensation. Ganz seh״״• u.־n macht Herr Lachs darauf aufmerksam, dass beismelsweise der Direktor der Deutschen Baak, K;11• merz icni'at Mankicwitz, selbst . vn Z c n t ra I v c r c in an ge hört und ..!•,«, dieser Verein eigentlich doch bei 1 ,.י - ehe» Männern mit dem Boykott In <11!- n c n in ii s s c. — Tötliclies, verlegenes Stillschweigen. Dann ergreift Herr Fleischer das Wort mul m :,ent von allerlei anderen Dingen. Ii ..\|, V/€R6IMS־RUNDSCHAU Die Schon (Ihrer er Vereine werden!׳chcicn, l',1>ch•« mßglichM knapp zu haltrn unr sie sl1״s rcehl/eit'g ••׳•׳ ern Mtinuakrlpto nur *uf oinor Solle boaohrolünn - Uoutlloho Schrift! Köln a. Rh. Am Samstag, dem 27. c., 0 l'״r abends, veranstaltet die Zionistische Ortsgruppe n,1 grossen Saale der R 11 c i n 1 a 11 d I o g e eine o t i e a;• liehe Versammlung, in welcher Herr l'r.is;• d c 111 David Wolffsohn über: ״D er ge g e nw ä r t i g c Stand des Zionismus" spi ecln-n wird. Wir ersuchen alle Gesinnungsgenossen a״s dem Rlielnlscli-Wcstiiilisclien Distrikt ihr Interesse »1 dieser bedeutsame» Versammlung durch persönliches Erscheinen zu bekunden. Berlin. Das Resultat der Delegierten w .!!. I im Wahlkreise Berlin, die in Berlin seihst am Montag, dem 22. November, stattfand, kam, v,»t nach Abschluss der Wahl an den anderen zum Wall• kreise Berlin gehörigen Orten!ungeteilt werden Berlin• Am Montag, dem 2'J. November, .11״!.,:s 9 Uhr, werden im T i c r ga r t e n 110 f (B.dudwf Tiergarten) die R c i c h s r a t s a b g e o r d 11 e t e n Br. Mahler und Adolf Stand über ״Pro blene im m oder neu Judentum" sprechen. Berlin, Am Sonnabend, dem •L Dezember, ul :uis 9 Uhr, veranstaltet der ReSciicniieini-Vcrebt im B <• hotei, Burgstr. 20, eine C h a 1111 k a 11 - F e i e r,!!io Festrede halt Dr. Moses Fricdländer. Aus* fdem findet eine Aufführung von ״Amtsgericht•■: «t David Markus" von Dr. Emil Colin statt. Berlin, A1n״ Montag, dem 29. November. abcr.Js 8 Uhr, findet in*den oberen Hauptrüumen des ״C!ic Austria", Potsdamer Str. 28, eine ausserordentliche Generalversammlung des Vereins zur Abwehr ües Antisemitismus statt, mit der Tn ge so r d 11 u n :: Satzungsänderungen zwecks Eintragung vus Vereins in das Vercinsrcgister. — An der Gcner.,1• Versammlung dürfen nur Mitglieder des Vc: eins tcilnehiucn, die sich durch ihre Mitgliedskaiu־ als solche ausweisen können. Berlin. Am 21. November fand hier zwecks du־ Wahlen zum Kongresse eine zahlreich besuchte Mn• glicdcrvcrsammUmg der hiesigen Misraclilgrnppc statt. Einleitend referierte Herr Dr. Rudolf Leszynsky Uber die Tätigkeit des Misraclii seit dem VIII. Kongress. Vor allem erörterte er eingehend die Gründung der Hebräischen Mittelschule in Jaffa. Der Misrachi hat die Dnclikcmonischulc in Jaffa reorganisiert und zwei Herren, Oberlehrer Dr. Schlesinger und Dr, Engel, nach Jaffa gesandt. Die Schule ist In Organisation und Lehrplan völlig ungestaltet worden und hat einen sichtlichen

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