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Jüdische Rundschau · 1909-11-26 · Heft 48 (26.11.1909) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 48 (26.11.1909)
Date
1909-11-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 53S. JUüDISCiiü RUNDSCHAU No. 4S. lieh und vornehm zu führenden McinungsUampfo durchaus vermeiden will. Wenn Sie, Herr Kollege, durch eine derartige Kampfcswcisc und die Anzweii- Iung eines Mannesworts Ihrer Sache nützen zu können glauben, so ist das nicht geeignet, deren Stärke in ein sonderlich gutes Licht zu setzen. Ich muss cs entschieden abldmen von meiner rein sach* liehen Kampfcsart abziiwcichcn und Ihnen aut lene Stufe nachzuiolgcn. Palästinafragen und Organ isationsf ragen Aus dem Zirkular der Mitglieder des russischen Zentralkomitees, aus dem wir in letzter Nummer bcrcits einen grösseren Auszug gaben, bringen wir heute noch dio nachfolgenden Stücke, die wir der eingehenden Beachtung unserer Leser empfehlen. 7. Agrar-Kredit. Über die Gründung eines Agrar*Krcdits ist in der zionistischen Welt schon so viel gesprochen wor* den, dass cs vollständig überflüssig scheint, nochmals die Beweisführung der Notwendigkeit zu wiederholen, Die Gründung der Agrarbanken ist ein Lebensbedürf• nis nicht nur für Palästina, sondern für die ganze Türkei und eine der ersten Bedingungen 1 ii r die Möglichkeit der ökonomischen Entwickelung des Landes. Es kann daher auch ais zweifellos gelten, dass bereits in nächster Zeit die darauf bezüglichen Gesetzesbestimmungen im türkischen Parlament zur Beratung kommen werden. Für uns besteht die Frage der Agrarbank haupt• sächlich in der Frage der Methode ihrer Bildung, das heisst, in der Frage, ob es zweckentsprechend ist, sic nach dem Vorbild unserer Kolonialbank zu gründen, oder sic auf rein kommerzieller Basis auf• zubauen? Im crstcrcn Falle beschränkt sieh der Kreis der Gründer und Aktionäre auf die Zionisten und die dem Zionismus nahestehenden Kreise. Wir riskieren in diesem Falle wiederum eine Gründung mit verhältnismässig beschränkten Mitteln, die ähnlich wie die Jüdische Kolonialbank nur einen Bruchteil desjenigen Kapitals zu• sammenbringen wird, welches den grossen Aufgaben eines Instituts für Agrarkredit gewachsen wäre. Von anderer Seite werden Stimmen laut und bcsonders von Personen, welche in Finanzfragen kom• petent sind, dass cs im Interesse der gesunden Ent• Wickelung des Agrarkredit-Instituts durchaus not• wendig ist, cs ausschliesslich ais Ge• s c h ä f t s u n t c r n e 11 m c n zu gründen, und dass die Initiative von einem Konsortium von Bankiers und l'iiiaiizleuteu ausgehen müsste. Die Aufgabe der zionistischen Organisation würde sielt dann nur auf dicVorbcrcitungsarbcitcu bis zur Bildung eines Konsortiums und in der Folge auf die Heranziehung einiger unserer Finanzinstitutc beschränken. Die Gründung selbst würde dann den Charakter einer privaten Aktien •Gesell• schaft tragen, die auf streng geschäftlicher Grundläge arbeitet, und einer solchen Gesellschaft wäre es leichter, das notwendige Aktienkapital zu bcschaffen und ihre Obligationen und Aktien auf den europäischen Börsemnarkt zu. bringen. 8. ParzelüeruiigsgcscUscüaft. Nicht weniger wichtig für die Kolonisation Palästinas ist die Gründung eines Instituts für B o d c n p a r z e 11 i e r ti n g. Unzählige Versuche an verschiedenen Orten Russlands, Polens, Galiziens, Rumäniens, Nordamerikas usw., Gruppen zur Ansiedelung in Palästina zu bilden״ verliefen fast resultatlos und mussten resultatlos enden, so lange in Palästina kein Institut besteht, welches die notwendigen Bedingungen ihr die Bodenansicdclung vorbereitet. Dieses letztere muss eine normale Lcbcnscrsclieimmg werden, dann wird nicht mehr jeder, der mich Palästina übcrsiedelt, a I s Pionier zu betrachten sein. Jeder, der über die nötigen materiellen Mittel sowohl wie über die pltvsisehen und geistigen Kräfte verfügt, wird sielt dann einfach oltno besondere Anstrengungen und ohne ein besonders grosses Risiko auf dem Orund und Boden Palästinas ansiedcln können. Für all dies ist durch* aus eine Parzellierungs-Gesellschaft nötig, das heisst, eine Gesellschaft, welche grosse Teile Landes erwerben, sie zur Ansiedelung vorbereiten und in einzelnen, kleinen und mittleren Parzellen verkaufen könnte. Ob dieser Verkauf ausschliesslich für bares Geld oder auf Kredit, abzahlbar im kaufe einer Reihe von Jahren, stattzulmden hat, das ist schon eine Nebenfrage. Unser Unvorhereitelsein dokumentiert sielt besonders darin, dassim Laufe der verflossenen Jahres viele begüterte Juden, welche mit bedeutenden Mitteln und dem unzweifelhaften unschc natli 1 alüstina fuhren, sich dort niederzulassen, nach langem Suchen unverrichteter buche zurückkehren mussten. Die ParzcliicruugcgcsclkohaU hat sieh als eine ebensolche Notwendigkeit licraucgesteilt, wie die Gründung des ( Agrar-Kreditinstitutes. Eines ergänzt das andere, und eins benötigt die Hilfe des andern. In der Zwischenzeit zwischen dem Haager und dem Ham* burger Kongress ist der Versuch zur Bildung eines ähnlichen Instituts durch die Gründung der Palcstinc Land Development Company gemacht worden, aber diese kann nur dann die wicistigc Aufgabe der Parzcllicrungsgescllsehaft erfüllen, wenn sie sich aus einem kleinen Unternehmen mit 40—50000 Rubeln Kapitalsanlage zu einer umfangreichen Oe* seil sc 11 a ft mit einigen Millionen Kapi* t a 1 entwickeln würde. 9. Reform des Grossen A.-K. Stau dieser jetzt überaus schwerfälligen Insti* tution, zu der ca. 70 Personen gehören, die über die ganze Erde zerstreut sind, von denen mehr als Vi in Amerika, Asien und Afrika leben, und zu deren Sitzungen mit Mühe 20 bis 25 Personen zusammenkommen, soll eine beweglichere, mehr aktive und beständigere Körperschaft geschaffen werden. Es darf nicht vergessen werden, dass von einem Kongress bis zum andern das Grosse Aktions• Komitee als höchste Instanz betrachtet wird, da cs die Bewegung leitet und dem kleinen A.*K., dem unmittelbaren Ausführungsorgan der Bewegung, Direktiven und Instruktionen geben soll. Damit das Grosse A.-K. auf der Hüiic seiner Aufgabe sein kann, muss es derartig gebildet sein, dass die Mehrzahl der Mitglieder bei de; ersten Notwendigkeit in kürzester Zeit cinbcrufcn werden kann, und cs muss aus solchen Männern bestellen, die am meisten tätig, am meisten von der grossen Verantwortung ihres Postens durchdrungen sind, und die am besten die Lage keimen. Dies ist nur dann möglich, wenn die Wahl der Mitglieder des Grossen A.-K. nicht auf Grund des Prinzisis der Proportio• n a H t ii t nach Landsmannschaften ge* sch i eilt, sondern nur auf Grund der aktiven Arbeitsfähigkeit in der Be* weg» n g. Ausserdem muss die Mitgiiederzahl des Grossen A.-K. mindestens auf die Hälfte reduziert werden, cs wird auch unumgänglich notwendig sein, dass die überwiegende Anzahl ihren Wohnsitz in Europa itat. 10. Die Reorganisation des Engeren A.-K. Hier handelt cs sich nicht allein um eine äussere Reform der Statuten, sondern vielmehr durimh dass aus der Reihe unserer besten Kräfte diejenigen uusgcwählt werden, die sich unter den verschiedenen in Betracht kominenden Gesichtspunkten als geeignet für die unmittelbare Leitung unserer Bewegung erweisen und ein entsprechendes Vertrauen der Majorität der Orgnnisution gemessen. Die Frage der Zusammensetzung des E. A.-K. 11a t in der letzten Zeit mit dem Anwachsen der Bcdcutung und der Zahl der konkreten Aufgaben unserer Bewegung miturgcmäss unsere Organisation stark bcscliäiiigt . Von vielen Seiten wird angeregt, das E. A.-K. aus Köln in ein grösseres Zent r 11111 des jüdischen Lebens zu Übertragen, wobei es dann auf eine ganze Reihe aktiver Kräfte in den einzelnen Ausschüssen, zur Bearbeitung einzelner Fragen der Bewegung rechnen könnte. Ferner wird auf die Notwendigkeit der Anordnung hingewiesen. dass die Mehrzahl seiner MitgUcdcr (3 bis 4 Personen) immer an einem Orte wohnen und so als Kern des Kollegiums dienen könnten. Ferner wird wahrscheinlich die Frage aufgcworfeu werden, ob es nicht zweckmässig ist, den Modus, der bis zum VIII. Kongress galt, niimlieh dass auf dem Kongress nur die Mit* g 1 i c d c r des A.-K. aber nicht der P rii s i d c n t als so l cli er gewühlt wird, beizubchaltcn. Alle diese Fragen, die in engster Verbindung mit der Qualifikation der, Personen stehen, werden wahrschcinlicli nicht auf dem Kongress selber, sondern im PcrmancMzausschuss ventiliert werden, der aus den Vertretern der Landsmannschaften zusammengesetzt wird. Die Auswahl der Vertreter der Lands* mannschnftcn in diesen P c r m a 11 c 11 z a u s s c h u s s müsste gerade diesmal mit ganz besonderer Vorsicht und Überlegung geschehen. 11. Dlo Flnauzou. Die Praxis der letzten fünf Jahre hat gezeigt, dass die Pinanzgruudlagc der Bewegung, die Schekelsaiiimlimg, sich als unzureichend erwiesen hat, die Zentren der Organisation, (das Engere A.-K-, das Palästinaressort und dio Zentralen der Landsmannschuften) mit genügenden Mitteln zu versorgen. Einerseits ist der Ocsamteingung der Scliekclsamm- Iung nicht besonders gross, andererseits haben die Vertiefung der zionistischen Ideo und die grossen Parteidifferenzen der jüdischen Gesellschaft dahin geführt, dass der Schekel zum grössten Teile nur von den ganz bewusst zionistischen und organisierten Elementen bezahlt wird. ' Alle mit der Bewegung nur ״Sympathisierenden“ hören mit der Bezahlung des Schekels auf und bcweisen ihr Interesse an einzelnen Unternehmungen unserer Bewegung in Form von freiwilligen Gabe» für N.-P., Bczalel oder irgend ein anderes paläsiinisclics Unternehmen. (Ein durchaus wünschenswerter Zustand. ~ Red. der ״J. R.“> Die Summen, die durch die Schckclzahlungen g«. sammelt werden, erweisen sich deshalb ais unzurci• ehern! zur Deckung der laufenden Ausgaben unserer weitverzweigten Organisation. Am vorigen Kongress, wurde zur Aushilfe eine Art Hilfsstcuer, ein l'arui. fonds geschaffen, doch vermochte er kein besonderes Interesse licrvorzurufen, und die gesammelten Summen gingen einzig zur Deckung der laufenden Ausgaben drauf und erreichten lange »ich: die erforderliche Höhe eines solchen Fonds. In dem nun bald verflossenen Jahre 1909־ war cs nötig. m\ dem E. A.-K. die Möglichkeit zu geben, die laufcnu!* Ausgaben zu bestreiten, eine Extra-Assignierung dem Reservefonds der Kolonialbank zu machen und ihm einmalig 2000 Pfd. Stcrl. zuzuweisen. Das 1LA.-K. trägt sich schon seit Anfang 1908 mit der Idee der jährlichen obligatorischen Ueberweisung eines gvwissen Teiles aus allen Einnahmen unserer Institute zu Zwecken der Organisation, nämlich aus 1•;•״ Reinertrag unserer Banken, aus den Revenuen des Nationalfonds und aus den Einnahmen aller übrig׳ n Unternehmungen. Ohne Regulierung unserer Finau .e* ist keine regelmässige D u r c h f il h r u r. * der Organ isationstütigkclt möglich, ebenso wie es unmöglich ist, ein mehr oder wen.gcr richtiges Budget uufzustcllcn. Aus den zu diesem Zwecke vorgcschlagciicn Massnahmen kommen folgende drei in betracht: a) die Erhöhung des Schekels, b) die Prozcntiiberv.ci. sang aus allen Einnahmen unserer Institute, c) die Verrechnung der Hälfte der verfristeten Dividenden. a) Die E r h ö 11 u n g des Schekels wh d w׳k 50 Kopeken auf l Rubel (2 Mark usw.) vorgcschlagcn und würde von grosser Bedeutung für das K.A.-K. sowie für die Erhöhung der Einnahmen der Zentralorganc der Landsmannschaften sein, welche 4(1 Prozent aus den Schckcleinnahmcn erhalten. Diese Matsnähme wäre am radikalsten, wenn sie sich nicht als zu beschwerlich für die breiten Massen der Kreise der zionistischen Organisation erwiese, und infolitt• dessen einen Rückschlag auf die Ziffern der Schekel• znhler und den Massencharakter der Bewegung ausüben würde. Hierbei ist allerdings zu bemerken, dass in keiner einzigen Organisation die Pa rtc istc uer so niedrig bemessen 1 s!. wie bei unserer, wo sic sich kaum auf einer. Kopeken pro Woche beläuft. Sogar in allen prolei.m• sehen Parteien beträgt die Partcistcucr nicht wenige! als 2 Kopeken in der Woche, oder in Deutschland sogar 10 Pfennige. b) Die Prozent-UeberWeisung, Du: Ueberweisung der Prozente aus dem Reingewinn הוו• serer Banken wird voraussichtlich nicht auf Widerspruch stossen, da es unbestreitbar ist, dass von der Tätigkeit der Zentrniorganc unserer Bewegung der Erfolg der Banken selbst abhängig ist. Ernsten Wsderspruch trifft dies Projekt bei den leitenden Kreisen des N'.-F. Die letzteren gehen von der Ansicht aus. dass die Organisationssammlungen bei uns überhaupt nicht populär sind, und dass der N.-F. seine Populär!• tät cinbüsscn würde, wenn er einen Teil seim.־ Erträge zum Besten der Organisation abliefer'.c. Wir müssen hierbei das Augenmerk noch darauf richten, dass häufig auch Niclitzionistcn freiwillige Beiträge zum Nationallonds beisteuern. Wem! cs auch andererseits keinem Zweifel unterliegt, dass die Sammlungen Uir den N.-F. ln engstem Zusammenhang mit der zionistischen Arbeit stehen und jede Vcrvolikoinmnung der Methoden der letzteren unvermeidlich zur. Verstärkung der Einnahmequellen des N.-F• führt! c) Vcrfristctc Dividondcncoupo 1. Die Urheber dieses I’rojektes schlagen vor, den 'fee min der Gültigkeit der Dividendencoupons unserer Banken auf fünf Jahre fcstzusctzen, und die Coupons welche innerhalb von fünf Jahren nicht cinkassie׳: sind, als besondere Reserve zur Verfi!־ gung des Aufsichtsrats der Bank zu ha'• ten. Letzterer hat das Recht, im Falle der Notwen• digkeit, bis zur Hälfte diese Reserve dem E. A.-K. zur Verfügung zu stellen. Die statistische!' Berechnungen beweisen, dass die letztere Quelle b!> zu 20 000 Rubel (42000 Mk.) jährlich abgeben kann• ‘ »1« 4. Das sind also in allgemeinen Zügen die hauptsächlichsten laufenden Fragen, die ihrer Erledigung auf dem IX. Kongress harren. Hinzuzufügen ist noch, dass auf dem Kongress in Verbindung mit der Erörterung der hier vcfzcich־ neten Fragen auch noch spezielle Vorträge Iber die kulturelle Lage der türkische*

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