Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1909)
- Date
- 1909-11-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2651605-2651651--06727-2663839- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite “37 י. No. 48.!.;indes, in de» gerade der wirtschaftliche Bei/ieb sidi vollzieht. Nu» stehe» diese»!Vuln^elii freiliclt auch ausserordentliche «rosse positive 'Werte :gegenüber: Energie, starke Vitalität, Rastlosigkeit msw. Das Zwecke setzen und immer wieder Zwecke setzen. Ziele erreiche» und immer neue .Ziele stecken, bringt eine Unruhe .in den Menschen hinein, Ule amt Cliarak*!eristikui» des Juden ist. Eine starke Widerstandskraft, gepaart mit der Zweckbcdachtheit ist cs aber , auch wieder, die zur Zähigkeit, zur .unablässigen! Verfolgung eines bestimmten Zieles und zum Erfolge i mlirt. Auch die starke Bewertung des Oeldes, die vordem bereits eine Erklärung fand, erklärt sich mit .ms dem Grundwesen der Juden, der Zweckbedacht• heit. Die Wertschätzung des Oeldes steht mit der Abstraktheit des jüdischen Geistes in engem Zusmtmcnltanc. Auch ist kein Zweifel, dass das .itirchsclmiuiichc Verstaudesnlveau der Juden ״über ist als das anderer Völker. Daher auch die einseitige Wertschätzung das Verstandes bei den luden: »Unrecht ist mir lieber als Stuss.“ Das beage» unzählige Sprichwörter der Juden seihst und .,uderer Völker: .,Gott soll behüten vor gojische!l.'ind und jüdische Küppl" Im Rumänischen heisst es: ״Dreic gibt cs nicht, einen Ratanten Griechen, inen dummen Juden und einen ehrlichen Zigeuner." Neben der überwiegende» Geistigkeit der Juden steht nun noch die ungemein grosse Beweglichseit des Geistes, die das Individuum in die Situationen sich rasch hinein versetzen!.,isst. Sic ist das Geheimnis der grossen spekulativen Üle in eilte im Judentum, sie ermöglicht auch /um Teil das starke suggestive Wirken, Sie macht nie luden in so hohem Grude geeignet zu Juristen, \rztcn. Journalisten etc., zu allem, wozu ein rasches Erfassen aller Möglichkeiten und eine sichere Kom* hinutiomgnhc für das Herausllndcn des Zutreffenden gehört. — Wie ist nun dieses jtUlischc Wesen entstanden? Was ist originelle Blutanlagc, was ist erst int Laufe der Zeit durch die Entwicklung lilnzugefilgt worden? Aul diese Prägen soll der dritte Vortrag, der am Sonntag, dem 28, November, 8 Uhr abends, in der Sing-Akademlc, btatiliiulet, Antwort geben. Das zionistische Palästinaprogramm * Von Davis 1' r i c t s c 11 - Berlin {Fortsetzung.) Die Juden ln Jaffa und Haifa Hin weiteres Zentrum, das bisher keine jüdische Majorität aber Ansätze dazu zeigt, ist Jaffa. Hs hat jetzt bereits ungefähr lüOüO jüdische Einwohner in einer Gesamtzahl von 50 000. Ferner wohnen dort ca. 10000 Christen mul der Rest sind Moslints. Ich erwähne diese Ziffern, weil die jüdische Einwohnerzahl umsomein־ ins Gewicht fällt, je mehr die anderen ge-?palten sind. Audi Jaffa kann im höheren Sinne als beginnendes jüdisches Zentrum aufgefasst werden, und zwar ebenfalls zum guten Teil auf Grund der jüdischen Kolonien des Jafi'aer i )isinkts, I Jaifa hat bis vor kurzer Zeit fast gar keine Juden gehabt. Die Juden in Haifa sind heute beinalte 2000 an der Zahl. Sie lebten noch vor 10 Jahren in weitaus grösster Zahl im gegen• ü!)erliegenden A k k a und sind von dort herübergezogen, so dass in Akka von früher nahezu 2000 Juden kaum mehr hundert dort ge* blieben sind. Haifas Bedeutung Haifa ist der Hafen platz (oder will der I iafenplatz werden) für die türkische Mekkabahn, die eine Zwciglinie von Der’at nach Haifa besitzt. Haifa, das im türkischen Plane bestimmt ist, Beiruts Konkurrenz für den Handel mit Damaskus und dem Gebiet der Mekkabalm zu bilden, wird eine ziemlich starke Entwicklung zeigen und cs wird unsere Aufgabe sein, dafür zu sorgen, dass eine möglichst starke jüdische Einwanderung nach Haifa geht, so dass dort eine grössere jüdische Niederlassung zustande kommt. Der Plan, ein jüdisches Technikum in Haifa zu errichte, wird sicherlich viel dazu beitragen, Haifa mit in den Vordergrund des Interesses zu stellen und nicht nur Studenten, sondern auch zahlreiche andere jüdische Kreise nach Haifa zu bringen. In der Umgebung und im Hinterlande von Haifa, teils um Sichren Jakob, teils um Tiberias herum, liegt eine Reihe von jüdischen Kolonien, so dass auch hier die Zahl der jüdischen Kolonisten, in gewissem Sinne den in Haifa wohnenden Juden hinzugerechnet werden müsste, j Wenn cs gelingen würde, in Haifa beispiclsweise eine grosse Industrie zu errichten, die I lausende von Leuten beschäftigt, so wäre, theoretisch betrachtet, nichts einfacher, als die Arbeiter hierzu von Jerusalem herüberzuziehen. Jerusalem, dessen jüdische Bevölkerung jiihrlieh um 3000 ungefähr steigt, würde vom Standpunkt der Majoritiitsbiidung nichts dadurch j verlieren, und Haifa viel gewinnen können, aber ] das sind Dinge, die ich nur andeutungsweise im Rahmen eines solchen Referates sagen kann. Intensive Landwirtschaft Ich habe hier von der konzentrierten Besiedclung des Landes gesprochen: ״Land" iin geographischen Sinne genommen. Ich möchte jetzt von der konzetitrierien Landwirt- Schaft in Palästina sprechen. Wir haben nicht genug G e 1 d , um g r 0 s s c Strecken Landes zu kaufen, und wenn wir das Geld hätten, so hätten wir doch nicht genug landwirtschaftlich geschulte Kräfte, um dieses Land auch zu bearbeiten. Und unbearbeitetes Land fällt nach den bisherigen liirkischen Gesetzen nach drei Jahren an den Staat zurück. Wir haben aber auch nur so geringe Mittoi, dass wir versuchen müssen, auf einem Minimum von Land möglichst viele Leute anzusicdein. Und diese Notwendigkeit entspricht auch der j ü d i s c h c n Seite unserer landWirtschaftliehen Kolonisation. Demi cs ist etwas ganz nnderes, ob mau irgend ein Meiisciienmaierial landwirtschaftlich ansiedelt, oder Juden. — Denn die Juden sind, besonders wenn sic in einem Lande mit neuen Verhältnissen leben und noch nicht landwirtschaftlich geschult sind, da• rauf angewiesen, nahe beieinander zu wohnen. Als Landwirt sollte aber jeder müg• liehst auf seinem Grund und Boden wohnen. Ans diesen beiden Forderungen ergibt sich aber zwingend, dass die Bodeniliiche jedes Einzelneu möglichst klein sein sollte. Da die Juden meist auch die physischen Kräfte nicht haben, um grosse Strecken zu bearbeiten, so empfiehlt sich — auch vorwiegend ihrer Infelii• genz und der Geschicklichkeit ihrer Hände wegen — die intensive Landwirt• s c 11 a ft, die auch unseren Mitteln besser entspricht. Für diese intensive Landwirtschaft ist auch das Land hier sehr gut geeignet: ein grosser Teil des Bodens ist direkt zu sc h a d e für Getreidebau und für extensive Wirtschaft. Dort besonders, wo Bewässerung müglieh ist, ist die P> a u m z u c h t so rentabel, dass es nicht empfehlenswert wäre, die Möglichkeit, die sich da bietet, zu verschwenden. Wenn wir also der Baumzuclit, dem Gemüsebau und solchen intensiveren landwirtschaftlichen Tätigkeiten unser Hauptaugenmerk zu wenden, so ist das entschieden der beste Weg. Diese Art von landwirtschaftlicher Tätigkeit verträgt auch sehr gut eine Verbindung mit Industrie. Und das ist eben von grösster Wichtigkeit für die ganze Arbeiterfrage in den jüdischen Kolonien. Dass die jüdischen Kolonien zu wenig ji'tdische landwirtschaftliche Arbeiter haben, ist der Hauptgrund dafür gewesen, dass jene mit Arabern gearbeitet haben, so dass die Araberdörfer rings um die jüdischen Kolonien durch den Arbeitslohn, den sie bei den Juden verdienten, reich wurden, und dass sich die Juden dadurch, dass sich Araber ringsum an* siedelten, die Ausdehnung und den Einkauf von Land unnötig erschwert und oft unmöglich gemacht haben. Diese ganze Arbeiterfrage können wir durch intensive Bewirtschaftung und Verbindung dieser mit Hausindustrie und industrieeiler Verwertung von Landesprodukten ändern und somit erzielen, dass ein jüdisches Arbeiterclement sich in den Kolonien erhalten kann. Damit hätten wir wesentliches geleistet. Wir hätten nicht nur den jüdischen Charakter der Kolonisation gestärkt, wir hätten auch Kolonicn, die bisher nur aus Kolonisten bc* standen zu grösseren jüdischen Gemeinden gemacht. Und das ist von grösster Wichtigkeit. Denn in vielen l'äilen sind die kleinen Kolonisten daran zugrunde gegangen oder fast zugrunde gegangen, dass sie nicht imstande waren, die Gemeindeausgaben und sonstige Spesen aller Art zu tragen, weil eben zu wenig Leute da waren. Pie Araber konnten nicht heifen die Ausgaben zu bestreiten, einen Arzt usw. zu erhalten. Insofern also wird es von grosster Wichtigkeit sein, wenn unsere Landwirtschaft irgendwie industriell a u s g e s t a 11 e t wird, so dass zwei Beschäftigungen nebeneinander hergehen und unsere Siedlung dadurcli noch viel intensiver werden kann. (Fortsetzung fol«t.) | An Herrn Dr. Max Joseph Von Dr. Felix Gold mann.’) Ich bin gezwungen, dem Herrn Kollege» nochmals das Folgende kurz zu erwidern: I, Ich sehe meine erste Besprechung trotz, ihrer Kürze als ausreichende Antwort auch für Ihre Antikritik an: sie enthalt sogar bereits eine Entgegnung ' auf Ihre Behandlung des Wcrtproblems! 2 ן. Die Zeitschrift der ״Liberalen Vereinigung‘• 1 hat bereits über Ihr Buch eine Abhandlung gebracht, die Ihnen begreiflicherweise nicht gefüllt, die aber ״energisch, korrekt uud gewissenhaft“ ist. 3. Ich tadelte, dass Sic den Begriff ״national“ nicht definiert haben! Ihre Parade gegen diesen Augriif bestellt darin, dass Sie meine Definition ver-; langen. Wer mm dem Nationalismus einen so grossen Raum gewahrt wie Sic, hat eher die Pflicht über diese Grundlage seiner Weltanschauung im klaren zu sein als ich, der ich ihn im Judentum für nebensächlich und belanglos halte• Meine Definition will ich jedoch ihnen gern geben! Aber apres vous, monsicur! Sie hüben den Vortrittl , 1׳. Dass ich zugegeben butte, Grutz sei i 111 Sinne ihrer Ausführungen national, kann nur behaupten, wer für Ironie absolut seinen Sinn hat. ich habe den ״Nationalismus" von Griltz im! eine Sluie mit dem Abralram Geigers oder Mar- Iin Pliilippsons gestellt. Sie scheinen ja allen Ernstes zu glautien, dass leb Geiger und Phlllppsou für wuschechte Zionisten halteI Dann habe» Sie allerdings vollständig recht. 5. Bet den Unterschieden zwischen dem mode•*- neu, atheistischen und dem früheren religiösen A'ationalismus verweile ich nicht ״t üuger als » ä 11 g er seit eint," sondern langer als Ihnen nötig erscheint und lieb ist. Dabei kann man nämlich gar nicht lange genug verweilen; dieser Unterschied gehört zu meinen Liehlingsthcmcn, sobald ich auf uea Zionismus komme, und seinen LiebSingskindorn wendet mau besondere Sorgfalt zu. Verzeihen Sie mir giitigst die kleine Schwache! 0. Meine Abhandlung über Religion und Nation werde ich au ienem Tage beginnen, da Sie. Herr Kollege, mir klipp und klar mit ja oder nein aui iolgendo Fragen Auskunft gegeben haben: ״Ka » n »tu n ein guter N a t i o n a l i u d e u u d dabei ein guter Christ oder ein ii b e r z e u g u » g s ־ treuer Atheist sein?" Ihre klare Antwort wird mir ganz gewiss eine wertvolle Unterlage iür meine Behandlung des Themas sein. 7. So angenehm ich auch davon berührt hm, dass wir unsere Auseinandersetzungen mit höflichen Anerkennungen schlicsscn, muss ich leider mit diesem Brauche brechen. Wenn ich nämlich gesagt habe• dass ich das Mitglied des Verbandes der deutschen Juden nur in der Hoffnung als Juden bewachte, Um oder zum mindesten seine Kinder als gläubige Mcusehen zur Religion zurUckkehrcu zu selten, so habe i c 1t einen Anspruch darauf, dass Sic mir glauben! Sic behaupten kühn, dass ich diese angeblich ausweichende Antwort gebe, weil in i r die allgemeine Zustimmung versagt geblieben wäre, hätte ich behauptet, der n ich!religiöse Jude sei kein J ude! Wie dürfen Sie cs wagen, mein klares Wort zu ver- (Nichtigen und mir zu unterstellen, dass iclt meine wahre Meinung nicht ausspreche, um nicht des allgcmeinen Beifalls verlustig zu gehen, dass ich die Rücksicht auf niedere Motive höher schätze, als mein Gcwissen! Seien Sie nur versichert, dass ich nicht sonderlich furchtsam veranlagt bin und mich nicht scheue, meine Meinung offen und öffentlich zu sagen. Dieses Verfahren von Ihrer Seite könnte ich leider nicht mit der genügenden uud gebührenden Schürfe zurückwciscn, ohne vielleicht auch persönlich zu worden, was ich als nicht vereinbar mit einem such- *) Herr Dr. Goldmana bittet uns atu die Aufnahme der vorstehenden kurzen Erklärung, die wir wiedergeben, um uns nicht — wenn auch evtl, unberechtigt — den Vorwurf mangelnder Loyalität zuzuzichcn. - Red. 4 ״J. R.“