Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1909)
- Date
- 1909-11-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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So. 4S. JUED1SCHK RUNDSCHAU Spite 535. scheinen, tatsächlich aus der ihr angeblich entgegenjrescizten Richtung entlehnt sind, oder aber, dass j e eine Richtung die andere zur Voraussetzung hat. ln einem Essay über die Geschichte erzählt Kmerson, er habe einen Be- Kannte», einen tüchtigen technischen Zeichner, der nur dann eine Skizze von einem gebirgigen Terrain jtiiznnelmien imstande sei, wenn er den geologischen Ausbau der Belsen keime. Das ist es: die Kenntnis vom innen» Aufbau gibt allein den Schlüssel zum Verständnis der fertigen starre»» Bormen. Schon wenn man der Tätigkeit der Chowewe;׳!,.!» den Stempel der reinen Philanthropie aufprägt, oiceht mau den Hehler״ das in einer langen Epoche x« :rksam gewesene Prinzip auch für die Ursprünge der Chibatii-Zlon-Bcwcguug 11.,1 den gcsatutcu Verlauf der Tätigkeit des Komitees verallgemeinern. Doch davon sei spater die Rede. Schlimmer ist es, dass das Sehlagwort ״philanthro-;1 scher Charakter" in manchen Köpfen das schiefe Li teil erzeugt hat, dass die Arbeit der sogenannten k*..!»Kolonisatoren auch des nationalen Charakters ca ־.bei» re. Bür manche Bälle, -• es sei nur an den •tuschen Verein ״Esra" erinnert, -- trifft ja diese .* iiUissfülgerung zu. Wem» man eine solche Tätigv als anational oder gar antiuational bezeichnet. . bedeutet das nicht nur, dass die rein pliilanthro-;■!sehe Tätigkeit der nationalen Triebfeder, des; ־,ionalen Geistes ermangle, sondern vor allem, dass -.׳• nicht den nationalen B.ndzvveck der Kolonisation, .• Regeneration des jüdischen Volkes in Palästina. 1״c Schäftung einer dauernden Vulksheimat als ihr /,icl betrachte. Es ist nicht zu leugnen, dass cs in ,ko Cltibat-Zion-Bewegung Perioden der Erschlaffung t,th. in denen die wahre,־ ursprüngliche Idee ״ei Bewegung in Vergessenheit geriet und ־.e: fälscht wurde . Aber unzutreffend sind solche Vora;nie gerade für die Perioden intensivster Tätigkeit, n die letzten Jahre, und besonders auch für die Ent- Htolimigszeit der Bewegung. Wir wollen bei diesem *10 bei den »ihrigen Vorwürfen uns unser»!» Thema;cinäss an die Ursprungszeit der Bewegung halten nid zeigen, dass die Begründer der Cliibat-Zion- Bewegung, die sich auf der K a 110 w i t z e r Konferenz zum ersten Mal zu organisieren ver- Michten, über jene Vorwürfe hoch erhaben sind, dass vielmehr die Grundziige des heutigen politischen Zionismus längst ihr geistiges Eigentum waren, und dass cs Urnen, soweit nicht Zeit »nid äussere Umstände die Schuld zu tragen haben, nur an der Macht und Balligkeit gebrach, diesen •grossen Ideen Leben cinzuhauchcn. (Fortsetzung folgt.) Türkischer Brief K ö n s t a 111 i 110 p e 1, Mitte November. Am ,Sonntag, dem 1-1. November nultm die zweite Tagung des türkischen Parlaments ihren Anfang. Sie wird sich zweifclllos weniger mit den allgemeinen Grundlagen des Staatslebens, dafür aber desto luchr mit den sozialen Reformen und den Einzelheiten der Gesetzgebung befassen, ln erster Reihe stellt das Budget, das sich auf 55U Millionen Mark bclauieu wird. Der Bericht des Biuanzministers, der uas Budgetprojekt begleiten wird, konstatiert mit Genugtuuug eine geradezu unerwartete Erhöhung der Staatseinnahmen im :»!»gelaufenen Jahr. Das neue Finanzjahr wird nur einer einzigen müssigen Anleihe bedürfen, die ohne Garantie abgeschlossen und lediglich von den Reiehseinkünften gedeckt werden >itd. Unter den neuen Stcucrprojektcn wird das Gesetz über die Immobilien den hervorragendsten Rang entnehmen. Das Justizministerium wird u. a. eine vollkommene Änderung des Handelsrechts Vorschlägen: auch der Strafkodex wird reformier», und ambulante Dericlitshöfc werden eingeführt werden. Das Unterrichtsministerium hat ein grosses um-;.isscndcs Gesetz Uber den Unterricht ausgearbeitet, das alle Erziehungsinslitutc von der ׳iniversität bis zur Dorischulc bedenkt und alle off». Gellen wie privaten mohammedanischen und nichtmohammedanischen Anstalten einbegrelfen wird. Wenn nicht alles trügt, wird die neue Kammer sich nicht so einhellig-friedlich auf tun, als die alte geschlossen. Schon jetzt sind Anzeichen eines Star- Ken Partcitriches vorhanden. Das jungiiirkiselie Komitee will eine straffere Parteidiszipliu entfalten, wird daitir aber seine Mitläufer cinbüsscn müssen, die allein Anschein nach sich mit den Resten der ehemaligen Agrarpartei zu einer neuen vereinigen werden, die eme starke Opposition zu werden verspricht. 11s sollen bereits 70 Deputierte den Anschluss an diese Gruppe versprochen haben. Uber ihr Programm verlautet bisher noch viel Widersprechendes, auch ihre Führer stehen noch ganz im Hintergrund, aber sio scheint starke Beziehungen zur Person Hilmi Paschas zu haben, den sic durchaus an der Spitze des Kabinetts erhalten will. Wenn das den Tatsachen entspricht, so ergäbe sich efne ganz analoge Situation zu der im Bcbruar des laufenden Jahres, da Ki&niU Pascha durch die Komitccmajorität zum Verlust seiner Macht verurteilt war und sich durch ein Bündnis mit der Agrarminorität zu halten suchte. Ausser den beiden Hauptgruppen, die schon bei der Präsidentenwahl im Kampfe miteinander liegen werden, ist eine kleine drltterc in» Werde»», die radikalere Züge aufweist und als der Anfang zu einer Sozialist',sehen Partei angesehen werden kam». Das Zwclstromlaud Mesopotamien, das den Träumen vieler zufolge zu einem friedlichen Hafen für einen Teil der unglücklichen jüdischen Wanderer werden soll, ist einstweilen zum Gegenstand des Haders zwischen der Türkei und seinem besten auswärtigen Freunde, —־ wenn hier wirklich von Freundschaft gesprochen werden kam». — England geworden, ln der vergangenen Woche drohte geradezu eine diplomatische Krise wegen diescs Gebiets zwischen den beiden Reichen auszu* brechen. England bestand darauf, dass der ״Lvneh"- Kompagnie die Konzession und das Monopol für die Schiffahrt auf dem Euphrat und Tigris gegeben werde: die Türkei will keinen fremden Einfluss in dieser Regio!, neuerdings herrschend werden lassen. Nur mit Aufwand grosser Mühe gelang es, den drohenden Konflikt zu beschwören; aber eine Abk ü 1111111 g der e 11 g 1 i s e 11 -1 ü r k i s e 11 e n Be- Ziehungen wird jedenfalls die Folge bleiben. Inwiefern diese zu praktischem Ausdruck gelangen •זי־יח0י <UWJ1 ין!ס2)בבס!1ס02סחי Diese Rubrik wird von jetzt ab rcgetrallssig erschehicn. Die Scnrifilüiirer der V,reine werden!!cbcien. die Versammlungen der Redaktion jrwcllt I* spätestens Mittwoch mit agt *muidgcn. u Köln a, Rh.: Vortrag W o I f / s 01» n, 27. November.׳*) Berlin: Vortrag Dr. Mahler, Adolf Stand, 29. November.*) ״ Cliamikahfeier des Reichenlieim - Vereins, *1. Dezember.*) ,. Generalversammlung des Vereins z. Abwehr des Antisemitismus, 29. Noember.“) ״ Vortrag Dr. Emil Lcvy. 1. Dezember.*) Cliarlottenbur«: Vortrag Dr. Zlooisti, 3. Dezember.*) Könlgshütte: Vortragabend Zionistische Brauengruppe, 27. November.*) Stolp 1, P.; Jüdischer Jugciulbund. Vortrag Dr. Joseph, 3D. November.4) *) Näheres siehe Vereins-Rundschau! wird, wird sich bald bei Neucrörtcnmiren der kreti* sehen Frage, die die Pforte soeben anregt, erweisen. Uber das Projekt, die jüdische Einwanderung betreffend, das v> ie mehrfach schon erwähnt, dem Parlament unterbreitet werden soll, ist noch immer nielits Bestimmtes zu sagen. An den massgebenden Stellet» selber lauten die Auskünfte darüber geradezu diametral widersprechend. Inzwischen ist, wie wir erfahren, der alte Antrag des Exministers Berid Pascha gegen die jüdische Einwanderung im Staatsratc erneut zur Besprechung gekommen und hat eine strikte Ablehnung erfahren. Der ״Jeunc Ture" schreibt: Zwischen dein Minister des Innern und der Holten Pforte fand ein sclii'ifilichcr Meinungsaustausch über die Abschaffung des roten Zettels statt. Mm» Imfit. dass der nächste Minister eine günstige Entscheidung treffen wird. Jedenfalls soll die Angelegenheit auf administrativem Wege erledigt werden, ohne dass die Kammer sieli mit einem diesbezüglichen Gesctzcsprojcla zu befassen haben wird. Der Minister des Innern hat ein Gesetzesprojekt ausgearbeitet. das die Autorisation zu einer Jutlciiciiiw.iiulcrimg nach Mesopotamien geben soll. Das Gesetz wird der Kammer zur Bestätigung unterbreitet werden. -• Es ist zwar peinlich, sieli in einem Blatte, das auf Sauberkeit hält, mit der Person des berüchtigten Herrn Bresco und seinem ״Ticmpo" befassen zu müssen, aber sein letzter Streich hat Bedeutung für unsere Bestrebungen in der Türkei und ist iiir die Art des Kampfes gegen den Zionismus typisch״ darum sei er niedriger gehängt. Das Blatt .schreibt (ibc.r den Nationalfonds, dessen Ertrag in der Hauptstadt er von 1231,50 Piaster (zirka 220 Mark) auf 123150 Piaster (22 000 Mark) fälscht, folgemlcrmasscn: ״Man erkennt cs jetzt offensichtlich, dass die zionistische Agitation in unserer Stadt arbeitet und ungesetzlich erweise unter dem ״ottomanisehen" Publikum Geld für eine a u slä 11 d i sc 11 c politische Organisation sammelt. Sehr wahrscheinlich geschieht in den andern jüdischen Gemcinden der Provinz desgleichen. Unglückliches ottomanischcs Judentum! Wie führt man diel» irre und komprimittiert dich! Atistatt deine eigenen Institutionen zu unterstützen, anstatt andere Werke zu deiner Erhebung aus deiner geistigen und ökonomischen »Misere zu schaffen, lüsscst du dich durch einige Betrüger ausheuten, die dir deine Ersparnisse entreissen, um damit den Bauch einiger Häuptlinge dieses »nonströscn llumbugs zu füllen. Und der Grossrabbiner von Konstantinopcl? Wciss er nicht, dass eine ausländische politische Organisation Samrnolbüchscn in den Häusern der ottomanischen Juden unterbringt und Geld sammelt? Zugegeben selbst, der Qrossrabblncr hübe nicht das Recht, an verlangen, dass kein ottomanischer Jude eine andere Meinung vertrete als er, so ist doch unbestreitbar, dass er als staatlich anerkannte ottomanische Autor»- tut die öffentliche Erklärung abgeben muss, dass er von der Existenz dieser Büchsen wciss. dass sic , aber ohne seine Einwilligung in den Häusern der ״ttomaniselie» Juden angebracht wurden. Das at»l|- schweigen ist komprimittierend Jur uie Zentral* autorität des Judentums dieses Landes." Kommentar wohl überflüssig. Das ist die Kampfesweise des Organs der Autizionistuii Konstantinopcls. Aber glücklicherweise ist cs von jeher so gcwesen, dass unsere Gegner sich als ’!eile jener Kraft erwiesen, die das Bose will, aber «las Gute schafft. Die Entrüstung, die sic in den Reihen ihrer eignen ehemaligen Anhänger erwecken, nähert die Erweckten der verfolgten Sache und macht -sie zu deren begeistertsten Adepten. Dieser psychologische Prozess beginnt alle Zentren und Sammelpunkte der jüdischen Jugend umzuwandcli». Die Vereine. Klubs und Ccrelcs, die vordem nielits anders als Unterhaltsmgsstcllcn sein wollten oder konnten, die zu grossem Teile nicht einmal den jüdischen Namen in ihrem Schilde führten, werden auf einmal zu Tribünen des jüdischen Selbstbewusstseins und zu Pflanzstätten jüdischer Bildung. Kurse werden eingerichtet. Lehrer und Redner herangezogen. Und das neue Geschlecht ist im Werden, das alle Sagen von der Unfähigkeit und Unzuverlässigkeit des orientalischen Juden, von seinem Sklaventum mul seiner Selbstvcrloreiihcit zunichte machen wird. In Konstantinopcl war es zuerst der ehemalige ״Israelitische Turnverein", der seinen Namen in den ״Jüdischen‘* mit dem hebräischen Ehrcnscniide ״Makkabi“, und seine dcutschtümclndc Gesinnung in echt national-jüdische verwandelte, der Zweigvereine in den Vororten schuf und überallhin den nationalen Atem trug. Jetzt folgen die Klubs der spaniolisch eil Jugend. Zwar die Gründung des Klubs der Salonikcr Jugend in der Hauptstadt begegnete Schwierigkeiten, weil einige Assiimkmteii ihm den ausgesprochen jüdischen Charakter voreiitlialtea wollten; aber das von diesen Elementen bereits gereinigte Griiiiderkonütec ist nun doch draui und dran, das gutjüdischc Zentrum daraus zu machen. Der Balatcr ״Club de la Jeunesse" hat mit der Organisieruug des vorwöchigen Vortrags von Dschclul Kurv Bcj (vgl. die vorige Nummer der ״J. R.'*) bewiesen, welchen Weg er zu beseüreiten gedenkt, und der ״Cercle amicul" von Hnsküj ist ihm gestern mit einem hochinteressanten Vortrag des gleichen Redners über ״L'unuion des raees" auf demselben Wege gefolgt. Am gleichen gestrigen ׳Abend sprach Herr W. Jabionski im ״Cercle de Kusgundschtik" über die ״israelitische Assimilation in Europa". Und der Gescliichtszvklus des ״Mukkahi" in der Stadt ist in vollem Gange. Am Dieustag, dem 9. November, sprach Dr. Auerbach über ״Moses", und am darauffolggenden wird Herr »Moritz J. Cohen einen spaniolischcn Vortrag über ״Die sepliardischcn Juden des Orients" halte״. Die Einladungen an die Redner häufen sich ״״eh immer. Die Zeitungen, die, mit Ausnahme der hewussten einen, sämtlich in nationalem Sinne geführt sind, haben neuerdings im ״Relumpugo" (״Der Blitz") einen neuen Mitstreiter erhallen. Die jüdische Satire lebt auf, und das Volk beginnt über uii.e üenicindeangelegcnlieiten, sozialen mul intellektuellen Institutionen selbsttätig und kritisch naehzudonken. ohne sich mehr anderer Leute Ideen au fd rangen zu lassen. Wenn das so weitergellt, ist das baldige Erwachen der hauptstädus Judcnhcit zu erhoffen. cu Die jüdische Jugend von Magnesia begrün- «icte einen Lilcraturverein, der sieb dm!'liege der jüdischen Kultur zur Aufgabe gestellt hat. Ans Beirut wird gemeldet: Der Direktor der Beinitcr Alliattccsclsulc cntliess über hundert Schiller unter dem Vorwände, die Gemeinde schulde ihr 20׳)') i'r.mkeu. Die Vermittlungsversuche des Urossrabbiiicrs von Beirut blieben erfolglos, da der Direktor .sofortige Zahlung der Schuld zur Bedingung des WieJciemtritts der Schüler machte. Man denkt deshalb daran, in Beirut eine Talmud Tora zu errichten, üir deren Erbammg ein »Mitglied der Gemeinde 501)1) Franken zur Veriiigung stellte. — 11t Serres ist eme neue Schule errichtet worden, deren Bau au 20 od!» Mark kostete. Es verdient licrvorgchubcu zu werden, dass fast der ganze Betrag durch eigne Ansireiigimgcn der Gemeinde unter rührigster Mu- Wirkung der jüdischen Jugend •aufgebracht wurde. - - Das Blatt ״I in p e r i a I" in Saloniki wurde wegen einer Serie zioiiistenfciudliclicr und gegen den lsebraisehen Kindergarten des Hilfsvereins gerichteter Artikel boykottiert und hat in der Folge seine allzu assimilatorische Haltung geändert. - Die ״Bucna Hspcranza" in Smyrna, die eine Zeitlang ihr Erscheinen eingestellt hatte, hat ihre Publikation wieder aufgeitominen. ־— Die Tahmid-Tora-Scimle in Monas tir wurde aufgelöst und die 3dü Kinder derselben in die dortige Alliancescliule überiahrt. Die Alliance musste jedoch der Gemeinde das formelle Versprechen geben, dem Hebräischen im Sc 11 ul plan breiten Raum zu gewähren. Bekanntlich beabsichtigen die Juden von Sahmik eine jüdische ״Banque populairc" zu gründen. Herr Mussa Schinavi yen New York hat nun 50011!) Branken für diese Bank gezeichnet. — Der ..Carind", die bekannte aut» jüdische Zeitung in arabischer Sprache in Beirut, hat ihr Erscheinen eins teilen missen.