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Jüdische Rundschau · 1909-11-19 · Heft 47 (19.11.1909) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 47 (19.11.1909)
Date
1909-11-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 525. No. 47. Seilen des riberins-Secs Kolonien zu haben. ־— Ueb1i)iens liegt auch ein Teil des Bodens von Kiiiuerctli auf der östlichen Seite des Jordans, nahe seinem Austritt aus dem See.)!•:in weiterer Grund für die geforderte Besdirankung ist der: wir kommen ja vom West en. Sie haben au anderer Stelle gehört, dass Ostjorilanien gar nicht zum ״Verheisscnen laud*‘ gehört, — das würde nun freilich kein Argument für ein Volk sein, das stark und zahl* mell genug wäre und mehr Land braucht. Wir sind aber heute noch lange nicht so weit and können die Sorge tun Ostjordanien einer /ieutlieh fernen Zukunft überlassen, der Zukunft, die erst d a n n anfiingt, wenn wir in West* j o r d a 11 i e 11 das Land überfüllt haben uerden. Also: wir kommen vom Westen, und die kuiunuinikatiouswege im Orient sind noch /lemlich primitiv, lüsenbahnen gibt es noch wenige, und da ist es von grosser Wichtigkeit, i»ir eine Siedlung mit dem Küstenstrich .mzufangcn, und in der Nähe dieser Küste und 10 i e 111 z u g ä n g l i c h e r Gebiet e zu 1'leiben. Aber auch dieses W e s t - J 0 r d a n i e n, .tiii das wir unsere Aufmerksamkeit zuerst riehun wollen, ist noch zu gross. Das Gebiet hat tunuerliin eine Grösse von ca. 18ÜÜ0 Quadrat- Kilometer und ist von etwa öOOOOO Menschen ivwolint; — es könnte im Laufe der Zeit noch uichlicli mehr als eine Million Einwohner auf* nehmen, ohne damit ״überfüllt“ zu sein. Unsere Liuwaudmmg ist nun einfach nicht zahlreich genug, als dass wir sie zum Zweck kompakter Siedehmg über ganz Westjordanien /. erst r e u e n könnten. Wir müssen vielmehr i 1111 e r 11 a 1 b dieses Gebietes, wo bereits der erste Anfang einer Ansiedlung stattgefunden hat, noch engere Gebiete ausfindig machen, um wo aus wir dann uns weiter ausbreiten können. Natürlich je nach den Möglichkeiten. Denn das wäre falsch, uns zu irgend einer Zeit ein Programm von Einzelheiten festzu* setzen und zu sagen: ״So gehen wir vor", und dabei weder rechts noch links zu schauen. Bei du־ Entwicklung eines Landes spielen Zufälle mit, die nicht versäumt werden dürfen, und, wer sie versäumen wollte, ist nicht wert anfan* gen zu dürfen. Aber immerhin kamt mau nicht auf Zufälle warten, die kommen können oder auch 11 i c)11, sondern wir müssen — abgesehen davon, dass w׳ir die Augen offen halten, für alles, was sich uns bieten mag ״־- auch ein in grossen Zügen bestimmtes Vor* gehen haben, Und da handelt es sich in erster Linie darum, jene Distrikte zu stärken, mit denen wir bereits begonnen haben, leb will ein kurzes Beispiel aus der vielgesclunähten planlosen Zeit v o r der zionistischen Bewegung und den Kolonisation vbcstrebimKen bringen. Da gab es eine Zeit, wo Jerusalem noch eine hehr kleine jüdische Gemeinde hatte; und ge• h'geniüch kam es vor, dass der Pascha grosse Summen von den jüdischen Bewohnern der hei* ligen Stadt erpresste, Da die Gemeinde klein war, so fielen die Erprcssungsversuche immer auf die wenigen leistungsfähigeren jüdischen Einwohnc׳•, die dadurch schliesslich gezwungen wurden, die Stadt zu meiden und auszuwan* dem, so dass die Stadtgcmeindc immer kleiner und kleiner wurdet Da haben die Rabbiner von Jer u sa 1 e 111 so viel Politik in sich gehabt, die Niederlassung in Jaffa zu verbieten. Sie belegten jeden mit dem Bann, der cs wagen wollte entgegen ihrer Entscheidung sich in Jaffa niederzulasscu. Denn Jaffa war der Hauptkonkurrent von Jerusalem, und wenn der Jude Jerusalem mied, so war es das Natürlichste, dass er sich in Jaffa niederlicss. Die Rabbiner fürchteten nun, dass, wenn sie untätig zusälien, Jaffa auf Kosten der Heili* gen Stadt stärker werden würde und so allmäh• lieb eine vollständige Auswanderung aus Jen»• sttlent stattfinden müsste. Dieses Verbot hat (neben anderen Uinstän* den) dazu beigetragen, dass Jerusalem tat* sächlich wieder zu einer ziemlich starken Gemeinde an wuchs, und als damit die Gefahr für Jerusalem be s ei t i g,t war, zogen die Rab* biner ihr Verbot zurück, und von nun an nahm auch J affa seinen Aufschwung.-Hier haben Sie ein Beispiel einer politisch-gedachten und vorzüglich durchgefülirtcn Konzentrationsbestrebung im Anfänge des vorigen Jahrhunderts. Wir haben heute bereits in Palästina einige MaioritiUszeutrcu, — gesicherte und teilweise im Werden begriffene. Wir haben in Jerusalem bei einer Bevölke- 11111g von über SO ÜÜO Seelen 53 000 Juden. Daneben gibt es etwa 15 000 Christen und nicht ganz 10 000 Mostems. In Jerusalem hätten , wir also eine s o grosse Majorität, dass wir ein Grossteil der Jerusalemer Juden zur Stärkung anderer Zentren ah geben könnten, ohne in Jerusalem die Majorität zu verlieren. Und dazu werden wir vielleicht Gelegenheit finden, wenn wir besonders auf industriellem Gebiete andere Zentren schaffen oder schon bestehende stärken können. In der näheren U111׳״*«fcnd von Jerusalem gibt cs so gut wie gar keine Juden, abgesehen von einer Kolonie (Moza), die der Einwohnerzahl nach gar nicht in Betracht kommt. Ein zweites Zentrum ist der Distrikt von Tiborias und Safe«!, ln Tiberias leben unter S700 Einwohnern 7000 Juden; die Zahl ist aber zu klein, als dass «liese Majorität von Tiberias neben der von Jerusalem in Frage kommen könnte. Immerhin ־*״ Tiberias ist j it - d i s c h , und ringsum gibt cs eine Reihe von Kolonien, die das Gewicht der Juden in der Stadt noch wesentlich verstärk e n. Weiter gibt es noch einen Kranz von Kolonien, der bis Safcd und darüber hiiiausreicht. hl Safed lufben wir noch eine ziemlich starke Anzahl von Juden; das sind $000 unter einer Gesamthevölkcrung von ca. '25 000. Die Angaben, dass!hm 15 000 oder 230U0 Juden wohnen, sind falsch. Die $000 Juden von Safcd bilden einen geschlossenen Stadtteil, und ähnlich wie in Tiberias wächst ihre Wichtigkeit dadurch, dass eine ganze Reihe von Kolonien um Safed liegen mul hierher gravitieren. — Wenn wir mm nach unserem Belieben auf der Karte einen Distrikt abgivn/.en wollten, der Tiberias und Safed umfasst, so haben wir zwar hier noch keine geschlossene Majorität, aber schon erhebliehe An>ä;/c hiei/u. Und wenn wir heute die jüdische Kolonialtiitigkeit so zu dirigieren suchen, dass in diesem Distrikt eine lebliaftere Entwicklung vor sieh geht, so kann cs geschelten, dass innerhalb eines solchen Distriktes bald eine jüdische Majorität entsteht, die, wenn die Anziehungskraft solcher Zentren sich weiterhin bewährt, auch immer weitere Grenzen ziehen kann. Das sind natürlich vorläufig noch keine Grenzen im Sinne von Provinzial- oder Distriktsgrenzen; es sind jüd i s c h e M a j o r i t ä t s g r c 11 z e n , cs Sind die Gren. en der Konzentration jüdischer Siedlung. Diese Grenzen auszubauen, bis sic das ganze Land erfüllen, ist unsere Aufgabe; und das kann erreicht werden, wenn wir in der Hauptsache von den schon bestehenden Grenzen ausgehen. (Fortsetzung folgt.) Die Aufgaben des IX. Kongresses 1:111c Berliner Versammlung. Am Donnerstag, «lein 11. November, fand in Berlin in den Sopbicnsülcn eine Mitglicdcrvcrsammhing der Berliner Zionistischen Vcrclnigung statt, In der Herr Leo Motzkln vor etwa 150 Zuhörern über ״Die Aufgaben des IX. K 0 n g r c s s c s" sprach. Der Redner führte 101gendes aus: Die Diskussion über die aktuellen Partciproblcmc sei nötig, um den Kongress von der Frage der Abünderung des Basier Programms zu befreien. Diese Abunder 11 ng ist völlig verfc 1111, wie sich aus einer historischen Betrachtung ergibt. Bevor das Basler Programm aufgcstellt wurde, geschah in Palästina sehr wenig. Die Türkei machte der llln- Wanderung grosse Schwierigkeiten und die Juden sejlbst zeigten wenig Neigung, nach Palästina zu gehen. Das national-politische Programm des Zlonismus hat keineswegs — wie vielfach behauptet wird — die . Schwierigkeiten der Einwanderung erhöht, vielmehr hat sich gerade durch die Bemühungen der Zionisten in manchen türkischen Kreisen ein gewisses Vertrauen eingestellt. Das zionistische Programm hat aber auch die jüdischen Massen belebt und ihnen den Gedanken der Auswanderung nach Palästina vertraut gemacht. Eine Änderung des Programmes wird bei der jüdischen Masse den Eindruck erwecken, als handele cs sieh um den Verzicht auf unsere Ziele lind dann wird die Bewegung nbflaucn. Für die Programmünderung wird angeführt, dass die Forderung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte und der Absatz IV des Basler Programms, der von der Erlangung der nötigen Rcgicriingszusiimimmgcn spricht, das Misstrauen der Regierung erwecken müsse. 111 Wahrheit kümmert sieh die Türkei nicht um die Einzelheiten des Basler Programms, sondern einzig und allein um die Einwanderung der Juden nach Palästina. Wenn di c T ü r k e i kein jiidischcs Zentrum in Palästina haben will, so werden uns i r ge 11 d w e lc 11 e Pro* gram m ander ungen nichts 11 elfen. Wir müssen versuchen, der Türkei klar zu machen, dass die Juden — im Gegensatz zu den anderen Völkern der Türkei — an dem Bestehen des osm.mischen Reiches das grösst(? Interesse haben. Butten wir grosse Mittel, so wären die Verhandlungen mit der Türkei viel leichter; aber auch bei unseren kleinen Mitteln kann die Erörterung unserer Pliine, die Da.•- Stellung künftiger Möglichkeiten von der Türkei in ihrem politischen Kalkül berücksichtigt werden. Punkt IV des Basler Programms würde vielleicht anders gefasst werden, wenn das Programm erst jetzt geschaffen werden sollte. Du dieser Punkt aber einmal in dem Programm stellt, so wäre seine Bescitigung ein Fehler. Dieser Punkt IV ist so allgc« mein gefasst, dass sich nichts ernsthaftes dagegen cinwenden lässt. Wir müssen Beziehungen zu den Regierungen haben und cs kann sein, dass zu einem späteren Zeitpunkt gerade dieser Punkt wieder wichtig wird, insbesondere brauchen wir die Zu- .Stimmung der russischen Regierung zur Auswanderuug der Juden. Durch Streichung des Punktes IV würden wir höchstens den Verdacht erregen, als wollten wir unsere eigentlichen Ziele vertuschen. Ein Fortschritt gegcniibcr früheren Zuständen liegt in der Möglichkeit, durch die Presse auf die öffentliche Meinung in der Türkei einzuwirken. Andere Fortschritte sind in der Besiedlung Palästinas gemacht worden. Diese dürfen aber nicht überschützt werden. Auch wenn noch einige tausend Juden liingegangcn wären, so hatten wir damit im Hinblick auf unser Endziel sehr wenig erreicht, denn die jüdischen Massen, die bis jetzt von enter sozialen Umwälzung in Russland ihr Heil erhoiilen, waren nicht nach l’alästina gegangen. Das hat sieli heute -- nachdem die Reformära eingesetzt hat - erfreuliclierwcise geändert. In unseren Kolonisationsbe- Strebungen muss die Landwirtschaft an erster Stelle stehen. Einzelne industrielle Unternehmungen seien wohl möglich, in grossem Umfang aber seien sic weder möglich noch auch erwünscht, weil die Unternchincr nicht indische, sondern die billigeren arabischen Arbeitskräfte benutzen würden. Neben der landwirtschaftlichen Arbeit haben wir Kulturauf* gaben zu erfüllen, insbesondere im Schulwesen. Dem Vortrag folgte eine sehr ausgedehnte Debatte, die sich im wesentlichen um die Frage der Prograimiiundcrung drehte. Herr Fciwcl führte aus, das ungelöste Problem liege in dem Missverhältnis unserer grossen Ziele■ zu «len uns zur Verfügung stehenden Mitteln. Herr Trietsch meinte, die Programmirage werde wiederkehren, auch wenn sie jetzt nicht .spruchreif sei. Die Befürchtung Motzkius, die mdnslrielle Kolonisation werde sich der Araber hedienen, sei hinfällig, da dies auch bei der kindwirtschaftlichen Kolonisation geschehe. )111 übrigen würden sich die Araber nicht so rasch in Industriearbeiter verwandeln. Unsere jetzigen Mittel seien zwar nicht gross, aber sie müssten zur grössten Wirksamkeit gebracht werden. Herr Referendar Fischer trat dafür ein, den .vierten Punkt des Basler Programms zu streichen, um das Vertrauen der Türkei zu gewinnett. Die anderen Redner des Abends sprachen sich gegen jede Änderung aus. Herr Dr. 11 c y m a n n erklärte, diese!•*rage sei praktisch he- Ueutungslos. Man müsse sich auf den Boden der Tatsachen stellen und so Weiterarbeiten, wie seit 30 Jahren gearbeitet worden sei. Motzkin erstrebe wieder eine Art Charter und käme damit in das Gebict zionistischer Mystik, in den letzten vier Jahren seien von der zionistischen Organisation hoffnungsvolle Anfänge praktischer Arbeit geschaffen worden. — Herr Dr. Klee führte aus, die Frage der Programmänderung sei heute auf jeden Fall in* diskutabel. Der Kongress müsse als Basis unserer Arbeit folgende Grundsätze aufstcllcn: Um in Palästina vorwärts zu kommen, sei eine Zusammenarbeit mit allen grossen Organisationen ohne Rücksicht auf die PartclstcUung anzustreben; ausserdem aber müssten die Zionisten nachdrücklich für die

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