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Jüdische Rundschau · 1909-11-19 · Heft 47 (19.11.1909) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 47 (19.11.1909)
Date
1909-11-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 524. JUEDISCHÜ RUNDSCHAU . / No. 47. zu ihnen blichen wir in Ergebenheit auf als den weithin sichtbaren Führern der heutigen und noch mehr der kommenden Generation. Iclt bcgrüssc zunächst den Generalsekretär der zionistischen Bewegung, Herrn Nahum S 0 k o 10 w ans Cüln. der in Vertretung des leider inzwischen erkrankten Herrn Präsidenten Wolfisolm hier erschienen ist. Pr repräsentiert heute in diesem Saale die weltumspannende zionistische Bewegung. Und neben ihm bcgriissc ich den sehr verehrten Delegierten des Odessaer Komitees, die erschienenen Mitglieder des grossen A.-K. und alle Delegierten der Landsmannschaften und Korporationen, die von der Achtung und dem Vertrauen weiter jüdischer Kreise getragen sind. Als eigentlichen Mittelpunkt des Festes sehe ich jedoch diejenigen Herren au, die als Teiln c h mer der K a 110 w i t z e r Konteren*/, im Jahre 188-1 heute wieder herkamen, diese ergrauten Pioniere der Palästiuuurbcit, welche jetzt auf eine Periode 25jähriger Betätigung im Dienste ihrer Idee zurüokblickeu können. Fünfundzwanzig Jahre befriedigten Strebcns hat ihnen der Herr geschenkt und weitere fiiiifimdzwanzig Jahre möge er hinzufügen und sie teilhaftig werden lassen, dass die Sehnsucht unseres Volkes sich alsbald und noch in ihren Lebenslagen erfüllen möge. Das ist unser Glückwunsch und Gruss zum heutigen Tage für diejenigen von ihnen, die hier sind und auch für die. die nicht hier sind, aber mit ihren Gedanken bei uns weilen. Wir zollen Hhre und Achtung denen, die noch leben und gedenken in Wehmut derer, die schon tot sind. Ich danke auch dem Vorstände der hiesigen Synagogcugemcindo dafür, dass für diesen Tag unser Anspruch auf der. Beraumgssaal der Kollegien auerkaum wurde. Die wachsende Zahl der Anmeldungen für diesen Festakt, au sieh ein erfreulicher Umstand, lut uns schliesslich zu unserem grossen Bedauern ge* nötigt, von dem RcpräseiUamensaal abzusehen mul die Feierlichkeit in ein umiangrciches privates Lokal zu verlegen. Und das Fntgegcnkonmien des Vorstandes iiudet in der Sachlage volle Begründung, denn auch als Sohn dieser Stadt und Gemeinde empfinde ich freudige Genugtuung darüber, eine so glänzende Feslcsvcrsanmilimg hier vereinigt zu scheu, mul wenn auch die Veranstaltung selbst mit dem Schattens• kreis der Gemeinde keine direkte Berührung hat, so wird sic durch den Anlass und die Persönlichkeiten der Teilnehmer auch zu einem lokalen Urcigiiis erhoben, das als bleibende Erinnerung unter uns be* wahrt zu werden verdient und andererseits den Rui dieser Stadt und Gemeinde in weite Kreise jüdischen Lehens hinausträgt, wie sie auch jetzt schon mit dem Namen der Kattowitzer Konferenz historisch vorknimft ist. Allerdings, ummterbrochene Beziehungen lokalen Gepräges zwischen der Konferenz von damals und dem heutigen Jubiläum bestehen hier bei uns nicht. Von den wenigen Männern aus Kattowitz. die Teilnehmer waren, lebt keiner mehr in unserer Mitte, sie sind inzwischen verstorben oder verzogen und haben sich auch in späteren Jahren von der Arbeit abgewandt. Am längsten blieb noch aufrecht der. selige Moritz Moses, dessen Interesse bis an sein Lebensende nicht erkaltete. Kr hat noch Anschluss an die zionistische Bewegung gefunden, aber er blieb hier lange Zeit ein Prediger in der Wüste, und erst einige Zeit nach seinem Tode hat der zionistische Gedanke in der Gemeinde wieder nennenswerte Ausdehnung ge* Wonnen. Die hiesige Bnei-Brilli-Logo Concordia, die damals die Konferenz gastlich aufnahm, sich an ihren Arbeiten beteiligte und ihr eine lokale Resonanz verschaffte, sie hat schon längst diesen Standpunkt verlassen und unterscheidet sich auf diesem Gebiete in nichts mehr von den anderen Logen des Bnci- Brith-Ordcns. Das erste Organ der Chowcwe Zion, der ״Colonist", der liier herausgegeben wurde, hat schon im 2. Jahre seines Bestehens sein Erscheinen eingestellt, die Blätter sind in alle Winde verweht, es ist nicht mehr möglich, eine vollständige Ausgabe ziisaiiiiiieiiznstellen, und nur einige vergilbte Nuntmern, die der Zufall hier- oder daliin verstreut hat, bilden i noch den• spärlichen Ucberrcst von diesem Zeitungsunterueiiiiieii. Und da also niemand hier zurückgeblieben ist, der besscrc Rechte geltend machen kann, so haben wir uns für legitimiert erachtet, diese Jubi* I ä 11 in s v u r s n in m 11111 g ciiiziiiierufcu, Doch hevor wir an die Ausführung gingen, ist auch uns die Frage gekommen, ob denn wirklich ein sachliches Interesse für die Jubiläumsfeier vorliege und 01) es notwendig sei, dieses überwundene Stadium der Propaganda, das schon in den Bestand unserer geschichtlichen Erinnerungen übergegangen ist, noch fiir einen •Tag in Gedanken lebendig zu machen. Wir haben diese Frage bejaht und diese imposante Versammlung, die von nah und fern zu der Feier zusammengeströmt ist, scheint uns recht zu gehen, ebenso das lebhafte Interesse für diese Veranstaltung, das sieh in der Pnrtciprcssc und in allen Kreisen der Gesinnungsgenossen kundgegeben hat. Das Jubiläum der Kattowitzer Konferenz ist ein Klireiitag für die Cliowewe Zion (die Zionsfreuudc), die heute noch eine kräftige Organisation in Russlami besitzen. Sie sind die Vorläufer der zionistisehen Bewegung, aber als Theodor llcrzl im Jahre 1895 seinen Judenstaat schrieb, hat er von ihnen noch nichts gewusst. Die Chowcwe Zion und der Zionismus sind aus verschiedenen Schulen hervorgegaugen und auch der Personenkreis, aus dem sieli die beiden Vereinigungen rekrutieren, war zu Anfang grundverschieden. Wenn Sie nachher einen Blick auf das Bild der Kongressteilnehmer werfen, das wir hier im Saale mitgestellt haben, da sehen Sic eine Gesellschaft von Leuten reiferen Alters, meist Männer in grauem Maar, und betrachten Sie diese Versammlung, die gewisscrnuisscn einen Ausschnitt aus der zionistische» Mannschaft bildet, da finden Sie das jugendliche Alter bei weitem überwiegend. Die Chowcwe Zion sind die Träger einer konsequeittcn geschichtliche» Entwicklung, ihr Palästinaideal ist von der jüdischen Tradition beeinflusst. Die Cliowewe Zion sind Männer des praktischen Lebens, die bei ihrer Arbeit Schritt für Schritt vorwärts gehen und sich über den kleinsten Erfolg (reuen, der die jüdischen Lcbcnsmöglichkciten in Palästina erweitert. Und auf der anderen Seite steht eine Jugend, wenig berührt• von der jüdischen Tradition, die zu den Füssen Hcrzis und Nordaus gesessen hat und i aus modernen Gedankengängen heraus zur! Notwendigkeit der nationalen Kultur und Ihrer territorialen Grundlage gelangt ist, und das Land der jüdischen Zukunft muss das Land der jüdischen Vergangenheit sein. Palästina ist!mverlegbar, zu dieser Ucbcrzeugung haben wir uns jetzt alle durchgerungen. Das Endziel haben beide Richtungen jetzt aber gemeinsam und cs ist an sich ein sachlicher Gewinn, wenn Erwägungen von verschiedenem Standpunkte ausgehend, zu dem gleichen Ergebnis führen. Das gibt eine gewisse Gewähr für die Riu!• tigkeit der gefundenen Lösung, und es ist einiger, masson die Probe auf das Excmpcl. Aber das Zu• sammenarbeiten der beiden Richtungen vollzog sfeh vorerst nicht glatt und geräuschlos. Wir haben m i diesen Tagen mit verschiedenen Veteranen der Chowcwe Zion in Briefwechsel gestanden u!!!l manche Bitterkeiten über unsere Bewegung mul!|ia. Begründer anhören müssen. Die Mehrzahl dm Cliowewe ist in die neuen Schhichtrcihcii eiiigetfck״. aber manche der alten Führer haben den Anschluss nicht finden können, sie haben für die neue Rieht»!,,׳ kein Verständnis aufbringen können, und vicllcich*׳ auch wir nicht fiir ihre Art. Es sind auch wahrscheinlich auf unserer Seite Unterlassung-. Sünden früher begangen worden, doch wir wol;•:» nicht alle Wunden berühren, und überhaupt mi!---a persönliche Gesichtspunkte weit zurucktrctcn.; (Schluss folgt.) I «- •. ״ 1 Das zionistische Palästinaprogramm Von I) a v i s T r i c t s e 11 - Berlin; (Fortsetzung.) j Was ich da so/.u$a1,11'׳ als I ordern»^ aui• i stelle, nämlich unsere Beschränkung auf Wo!•! Jordanien, hat übrigens in den Tatsachen j bisher wenigstens - - seine Bestätigung ge•; fanden. l:.s hat an Versuchen nicht gefehlt, dm י jüdische Kolonfcutionstatij'kcii auf Ostjordann־n j auszudeluien, aber es ist bis jetzt nichts derar•! li^ös;'climj'cn, — allenfalls haben wir an einer I einzigen Stelle, am Tiberins-Sec, eine kleine jüdische Kolonie B'ne Schuda, das Schincr/eiis• kind der Kolonisation Palästinas. Hs sind jetzt i Bestrebungen im Zuge, dieser Kolonie ainVi!• j helfen, und cs wiirc wohl zu wünschen, (luv- J es gelänge. (Das widerspricht nicht der soeben I aul'gestcilten Forderung der Beschränkung am j Westjordanien. S o schematisch sind derartige j Forderungen natürlich nicht zu verstellen, da>s 1 sie uns hindern sollten, etwa auf beiden :: MISCeiLeN :: Wie alt war Methusalem? 7S:i1 Jahre! Zu diesem Resultat, das höchst überraschem! klingt, gelangt ein Mitarbeiter tief ״Jewish Wotkl", der sieb mit dem Problem beselüiitigt, welche Bedeutung den Angaben der Bibel über das Alter dev Patriarchen zukomtue. Es ist anztmehmen, so führt er aus, dass in den frühesten Zeilen der Mond als Zcitmuss benutzt wurde. Das Zählen nach Monden erwies sich jedoch bald als lästig, und eine Einteilung nach grösseren Zeitabschnitten wurde notwendig. Nach einer Theorie bestanden die ersten ״Jahre“ aus fünf Monaten zu je dreissig Tagen, indem so viel Monate zu einer Einheit zusammeugefasst wurden, als Finger an einer Band sind. Vorher aber bildete lange Zeit die Dauer eines Monats die Zeiteinheit, und die ״Jahre", nach denen die Lebensalter der Patriarchen angegeben werden.'umfasste» die Datier eines Mondundaufes, also 29L! Tage. Bei dieser Vor- Umsetzung reduzieren sieh die 930 Lebensjahre Adams auf 75V'1 Jahr, und Methusalem, dessen hohes Alter sprichwörtlich geworden ist, hätte bei seinen 9f>9 Jahren, von denen die Bibel spricht, nach unserer Rechnung nicht mehr als 78׳״. Jahre, also keineswegs em ungewöhnliches Lebensalter, erreicht. Eine Be• stätigung dieser Annahme sicht man darin, dass nach f' dcs״BsMmisten das menschliche Leben siebzig Jahre währt; man kann nicht annchmcn, dass die Lebensdauer sielt seit der Zeit der Patriarchen bis zu David um elf Zwölftel verkürzt habe. Eine andere Berechnung des Jahres liegt augenscheinlich 1 den Angaben über das Alter Abrahams und Isaaks j zugrunde. Sie zählt nach Jahren zu fünf Monaten I von je 30 Tagen; dabei würden die 175 Jahre Abra- } bams 72 und die 18t) Jahre Isaaks 7*1 Jahre nach un- | scrcr Rechnung bedeuten. Die Rechnung des Jahres » zu zwölf Monaten begann bei den Acgyptcrn. j 1 Die Türken vor Wien i 1 Ums wird geschrieben: v ' Nur keine Angst! — Es ist ganz friedlich. Nur eine türkische S 111 d i enk 0 tu in i s s io n von über 200 Mitgliedern ist auf dem Wege nach W i e u, um staatliche, kommunale, industrielle usw. Einrichtungen , kennen zu lernen. 1 Das für den Empfang der Gäste besorgte Wiener Lokalkomitee hat eine Sitzung abgchaltcn, um die nötigen Vorbereitungen zu treffen, wobei der Bürgermeister. der bekannte Dr. Karl Lueger nasführte: .Es i s t c i n e Lieblingsidcc von mir, i 1t Wien cine Moschee zu bauen. Dadurch, dass man den Türken in der Weise entgegenkommt, wäre ausserordentlich viel gewonnen. Es ist allerdings nicht möglich, seitens der Gemeinde Wien, die Sache mit Geld zu unterstützen, wenn aber ein ge• eigiicicr Platz gefunden wird, können wir schon der Sache entgegenkommen." .... Vielleicht beabsichtigt der Herr Bürgermeister, den Türken eine der Wiener Synagogon als Bcthuus cinzuräumcn. Oder den Wiener Juden nahezulcgcn, die Kosten für die Moschee zu tragen, dafür dass man ihnen die Synagoge lässt. Wer welss?! Die Gravierkunsl bei den Juden Die Gravierknnst war von jeher bei den Juden heimisch. Ja, Sclmdt will sogar Lcwi» Josci. den Graveur König Friedrichs L, als den Kriinder der Kunst, in Diamant ־z» siechen und Figuren daran! /u schneiden, ausgehen. Interessant ist cs aber. \us J. G. Meusel in seinen ״Misccllcn artistischen Inhalts" (Berlin 1785) darüber schreibt. Er boluiiptei, dass ״die Methode, mit Diamantcnpulver Figuren m Stein zu schneiden, in den Abendländern nicht clicr bekannt wurde, als nachdem das Geschlecht der wallreu Künstler unter der Regierung der römischen Kaiser bereits gestorben war. Ein Teil der Juden /!! Alexandrien war bekatintertiiassen lange Jahre limdurch gewohnt, sich mit Edclstcinschlcifcn und -fassen zu ernähren und sich vorsichtshalber nackt auszichen zu lassen, wenn sic von der Arbeit nach Bause geben wollten. Als ihnen dort nach und nach das Handwerk gelegt wurde, verbreiteten sie sieh in die übrige» Provinzen des römischen Reiches, und diesen Fliiclu• lingen haben wir vermutlich die Handgrille des heut• zutage üblichen Steinschncidcns zu danken.“ Es ist das ein sehr dankenswertes Verdienst, das sich die Juden um die Verbreitung eines wichtigen Kunst• zsveiges erworben haben und das in der Geschichte unerwähnt blieb. Man hat bisher geglaubt, dass hei den Juden die Entwicklung dieser Kunst schon durch ihren Kultus gehindert war, wie cs in dem Artikel ״Stemschncldckunst" in Brockhaus* Konversation*• Lexikon heisst. Das ist ein Irrtum.

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