Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1909)
- Date
- 1909-11-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 512. No. 10. die herdirlgicrt worden seien, um den Verlauf der Versammlung zu stören, ״Qrürtdo“, 1113 uns von früher her nicht ganz unbekannt sind. Auch der Referent konnte die Ausführungen der Diskussionsredner nicht entkräften. Er zog sich ledi;:- lieh darauf zurück, in den meisten Punkten falsch verstanden worden zu sein. Die Liberalen werden wohl aus dieser Versammlung erkannt haben, dass die Judcnscltalt Posens in ihrem überwiegenden Teile ״liberale" Ideen dieser Art ablchnt. Wir aber können für die bevorstehenden Gomclndowshlcn mit Befriedigung fcststcltcn, dass auch diese Ver- Sammlung die Sache des positiven Judentums ein Stück vorwärts gebracht hat. Mehr und mehr brechen unsere Ideen sich Bahn trotz aller Mittel und Mitteichen, dio man gegen uns anwendet. — Seit einigen Jahren veranstaltet die hiesige zionistische Ortsgruppe Vortragskursc in jüdischer Geschichte, welche sich eines regen Zuspruches seitens aller Kreise der jüdischen Bürgerschaft erfreuen. Man sollte doch meinen, dass eine Institution, die doch allen zugute kommt, abseits vom Parteigetriebe von allen, auch von den Liberalen, wenn sic cs ernst mit ihrer Liebe zum Judentum meinen, gefördert werden sollte. Aber weit gefehlt. — In ohnmächtiger Wut über den für uns so glänzenden Verlauf hat man den Leiter der Kurse, welcher Rabbiner der liberalen Gemeinde ist, veranlasst, cs abzulchncn, die Vorträge, deren Beginn schon für diese Woche festgesetzt war, zu halten. Armer Liberalismus, so betätigen deine Anhänger sich ״liberal". Wir aber können hierzu nur sagen: Wen der Herr strafen will, den schlägt er mit Blindheit! J chudah. Das zionistische Palästinaprogramm Von Davis Trictsch-Bcrlm (Fortsetzung.) Weitere Punkte aus dem Programm acr Palüslinenser Da ist die Rede von der Beschaffung von Geldmitteln privater Art. Hier setzt eine Aufgabe der neuen Propaganda ein. Und das fällt zusammen mit dem letzten Punkt, nämlich der Verbreitung von Kenntnissen über Palästina.-Propaganda haben wir kaum zu wenig gemacht, — d. h. q u a n t i t a v. Aber dicQ u a 1 i t ä t war eben nicht entsprechend. Wir hätten unsere Haupt-Propaganda machen sollen mit den aktuellen wirtschaftlichen MöglichkcitendcsLandcs, eine solche Propaganda, die jüdisches Kapital, die jüdische Intelligenz und jüdische Arbeitskraft mehr ah dies bisher der Fall gewesen, ermutigt .hätte, sich in Palästina zu betätigen. Mit diesem Punkt steht es auch im Zusammenhang, wenn das wirtschaftliche Programm schliesst mit der Forderung der Schaffung eines entsprechenden Informationsdien• s t c s, der alle Zweige der jüdisch-wirtschaft- JUEPISCrili RUNDSCHAU ־ Fichen Tüli.r;!:eit im Lande umfassen soll. Auch d n s ist ein Punkt, der. schon vor langer Zeit gefordert, aber leider nur im Prinzip zugegeben worden ist. Es haben auch darüber Verhandlungen geschwebt, aber cs ist nichts Rechtes daraus geworden, und ich habe cs als eine meiner ersten Aufgaben betrachtet, als ich Anfangs 1906 nach Jaffa kam, eine solche Informationsstcllc zu organisieren. Aus dem, was damals zunächst in einem kleinen Komitee beraten wurde, ist man mit Hilfe der verschiede 11 cn jüdischen O r g a n i -׳ s a t i o n e n (die hierbei zum erstenmal zu gemeinsamem Arbeiten in Palästina-Dingen gebracht werden konnten) in kurzer Zeit dazu gelangt, einen wirklichen, weit ausgedehnten Informationsdienst über ganz Palästina zu verbreiten und mit Zentral* stellen in Berlin, Odessa und Konstantinopel in Verbindung bringen. Das kulturelle Programm Ueber das kulturelle Programm, das hier aufgesteSit worden ist, will ich mich nur ganz kurz fassen, weil es wenig in meiner Riehtung liegt, über diese Dinge zu sprechen. Es ist hier vor allem die Rede von der Organis a t i o n. — Organisation braucht man bei allen allen Dingen. Bei den schwierigen Verhältuissen in der Türkei ist sie erschwert, aber umsomehr Aufmerksamkeit muss ihr gewidmet werden. Die Schulen müssen einheitlicher arbeiten, besonders in einem Lande, das neue Verhältnisse bietet und mit einer neuen Unterrichtssprache rechnet, so dass neue Lehrbücher, neue Schul* bücher erst geschaffen werden müssen. Der zweite Punkt lautet, dass der Jugend eine Erziehung für Palästina gegeben werden müsse. Das steht im Gegensatz zu manchen Schulen, die ich im Lande vorgefunden habe und die (zum mindesten eine Zeit lang) darauf ausgingen, die Jugend Palästinas zu befähigen, ihr Brot im Ausland zu finden. Von der Unterrichtssprache sagt das Programm, dass sic Hebräisch sein müsse, dass aber auch der arabischen und türkischen Sprache mehr Interesse als bisher zuzuwenden sei. Das galt vor der Umwälzung in der Türkei, das gilt für die heutigen Verhältnisse und wird ]für alle Zukunft gelten; mögen wir nun mit der alten oder neuen Türkei zu tun haben. Dann ist die Rede von ״F 0 r t b i 1 d u n g s*; kursen kaufmännischer, technischer und landwirtschaftlicher Art, die die Jugend befähigen sollen, besser an der Entwicklung des Landes teilzunehmcn.“ •Dann gibt cs den Satz von dem Versuch ״mit den breiteren Schichten der jüdischen Bis völkcrung des Landes in Fühlung zu treten und durch Schaffung von Fortbildungs-, Unterrichts- und Arbeitsgelegenheiten auch die bisher rückständigen Elemente der Bevölkerung zu Wirtschaftlich wertvollen entwickeln zu helfen.“ Dieser Satz ist gemünzt auf die Chalukahbevölkening Jerusalems und der anderen heiligen Städte. Man wolle diesen Punkt nicht aggressiv fassen, aber jedenfalls ist sein Sinn folgender: Es soll versucht werden, auf die bisher wirtschaftlich nicht tätige Bevölkerung Einfluss zu nehmen, um sie allmählich — und zwar mögliehst schnell — zu einer erwerbenden und selbständigen zu gestalten. Am Schlüsse ist die Rede von der ״systematischen Erforschung der Verhältnisse des Landes in rechtlicher, ökonomischer und kultureller Beziehung,“ ״deren Kenntnis dann in der ganz.n Judenheit verbreitet werden solle." Ueber diesen Punkt habe ich schon gesprochen, und wenn wir heute Palästinakurse haben, hauptsächlich zu dem Zwecke, um uns mit den Verhältnissen des lindes bekannt zu machen, so ist der Zw<\k damit doch keineswegs erschöpft, sondern ihre Bedeutung geht weiter: Das was in diesen Kursen über Palästina gesagt wird, die Anregungen, die gegeben werden, soll jeder versuchen, weiter zu vertiefen, zu prüfen, an andere wcitcrzugcln n. Wenn das erzielt werden kann, dann sind unsere Kurse nicht nur theoretisch, sondern werden Wirkungen praktischer Art zeitigen, und die brauchen wir! Die grösste Wirksamkeit Ich habe aus diesem Programm der Paläs• tinenser vor allem e i n W o r t betont, das Wort der ״grössten W i r k s a m k c i t.“ Wenn wir daran denken, unsere bescheidenen Kräfte zu dieser ״grössten Wirksamkeit“ zu entfalten, so finden wir vor allem ein geeignetes Feld hieriür in Bezug auf die Konzentration unserer Siedlung. Nun ist das Landprogramm des Zionismus, Palästina, ein ziemlich kleines Gebiet, so dass wir das schon für eine Konzentration halten könnten; in einer neueren Fassung ist das Landprogranun des Zionismus, das Arbeitsgebiet unscrer Bewegung, ״Palästina und seine Nachbarländc r.“ Das wäre also ein schon grösseres Oebiet und da ich für diese Fassung zum Teile mit »OSantwortlicli bin, so werde ich auch auf da־׳. Nachbarländcrprogramm später ausführlicher eingchen. In den Kulturländern des Westens gibt es solche Einrichtungen vielfach, in Palästina fehlen sie uns; und ela wir möglichst intensiv arbeiten wollen, so müssen wir auch unser Bestreben darauf richten, die Einrichtungen zu schaffen und auszugestalten, die uns dazu verhelfen. Jetzt will ich nur sagen, dass Palästina und die Nachbarländer für uns zu gross war«n für den momentanen Zweck, den ich behandle, nämlich den Zweck der möglichsten Konzen* tr ati on. — genug, er hatte dort nichts zu tun. Fawisch war sehr froh darüber. Er sah darin ein gutes Zeichen und ein böses Wort gegen die Leute, die ihn zum Narren gehalten hatten, kehrte er um. Der Boden flog unter den Füssen, denn sein Herz war leicht und sein Schritt war leicht, und ehe er sichs versah, blickte ihm schon der Zaun, der auf der einen Seite die Schenke umgab, weiss aus der Ferne entgegen. Und als er näher kam, hörte er in der stillen Sommernacht bekannte Stimmen . . . und bei dem Laute hing es ihm wie Bleigewicht an den Füssen, und indem er sich auf den Boden niederhocktc, kroch er an die Ecke des Zaunes heran. Am Pförtchen stand Jenta; ihr dichtes Haar fiel wie ein Mantel auf die Schultern, Talka hielt ihre Hand, die Herde Schweine lag zu Tode erschöpft um sie herum. ״Also morgen,“ sagte Talka, indem er Jenta m die Augen sah. ״Du hast mich lange genug!ungehalten.“ ״Ich konnte nicht früher, Christoph,“ sagte Jenta, ״so lange der Vater lebte; schliesslich war '־’r.,ja Vater, und wenn ich davon gegangen *cn־sic!m die Strasse geworfen. Das konnte ich doch nicht geschehen lassen.“ Aich ,ÄI l?1?2,1 n\orßen abend hole ich Rubel unrf m h n ,0,u' ,Abcr vergiss ״lebt die Rubel und die Goldbechcr und die silbernen Feuchter — was braucht die so ein grossnasige! Jude? — Dann fahren wir zusammen in meini kroatische Heimat, und du kannst Schweine fleisch essen, so viel du willst. Wie hat dir meir letzter Braten geschmeckt?“ ״Wunderbar, aber deine Küsse schmcckci besser, Christoph,“ sagte sie. ״Ich versuchte es ihn heute Abend zu küssen, uin einen Vordach zu besciiwichtigen, und ich kann bis jetzt dci sauren Geschmack von den Lippen nicht 10 werden. Küsse mich fest, Christoph,“ und si streckte ihm ihren Mund entgegen. Fawisch lauschte und sah; dann kan seinen Gliedern das Leben zurück; wenn schoi seine Ohren entehrt waren, seinen Augen sollt die Schmach erspart bleiben. Er setzte da Hom an die Uppen und blies. Und er blies wie kein Mensch vor oder nach ihm; vicllcich wird es am Tage des Gerichtes so blasen. Ers war’s wie das Wimmern eines jungen Wolfes dann schwoll cs zum Donner im Gebirge um endlich war es wie der Schrei Satans, der siel ins Paradies einzudrängen sucht und in de Türe eingeklemmt wird. Bei dem Laute fuh Talka mit einem gellenden Schrei auf und floh so gut es seine fetten Schenkel zulicsscn, dam musste Fawisch das Florn wegwerfen und siel an die Mauer lehnen, denn er platzte beinahe ii seinem wahnwitzigen Lachen. Hierauf trat e an Jenta heran, die noch immer dastand, weiss und unbeweglich wie eine Salzsäule, und neben ihr sah Fawisch etwas Glitzerndes auf der Erde; es war das Fleisehermesser Taikas, welches er auf der Flucht halte fallen lassen; es war lang und zugespitzt wie seine freche Nase, nicht gelade, wie das unserer geprüften Schlächter, Fawisch hob es auf und stand scinerFrau gegenüber. ״Du frisst also Schweinefleisch?" fragte er. ״Nun denn, du sollst ein Festmahl haben, wie du es in deinem Leben nicht gehabt hast,“ kreischte er und warf sich auf die Herde Schweine und hackte und schnitt und metzelte unter ihnen hemm ־־־ wohin sein Messer traf; und er lachte wie wahnsinnig über die zuckenden Leiber und die vergeblichen Versuche der Tiere, sich von der Schnur loszurcissen. Und so oft er einen mörderischen Hieb führte, schrie er: ״Da hast du, Freund Talka.“ Dann sah er sich nach Jenta um, die noch immer dastand, wo er sie verlassen halte, ging auf sie zu, packte sie bei ihren» langen Haare und schleppte sie zum! Laufen der geschlachteten Tiere. ״Friss, friss!“ brüllte er, ״da hast du cs ja in Hülle und Fülle,“ und stiess sie hinein, dass sie mitten unter den wogenden Fleischbcrg taumelte. Dann ging er, ohne sich nur einmal umzusehen, wortlos in die Nacht hinaus. 1 .! 4 1 I % I ן 1