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Jüdische Rundschau · 1909-11-05 · Heft 45 (5.11.1909) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 45 (5.11.1909)
Date
1909-11-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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T ן<1 So, 45 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seile 503. i 1' t;v;1 •־! ה יה ף,כ=ש Merkspruch Willst du plikldldt sein Im heben, traue bei zu anderer Glück — Denn die Freude, die wir {!eben, Kelut Ins eigene Herz zurück. Brief an die Juden Italiens») Von M;1 x Nor 11 a 11. Kan Jude der Welt ist ein so erstaunliches Hei* : von der wunderbaren Anpassungsfähigkeit der '.neu Rasse wie der italienische Jude. Nach Kümpfen, die unser ewiger Ruhm sein werueii. von den Römern bezwungen, drangen die Juden Iv'ni/t m das Land ihrer llesiegcr ein und noch vor de. /.ersturung des *zweiten Tempels hatte die 1. -che Gemeinde eine der ersten, wenn nicht die er* . der Diaspora werden können. Der Jude verv.,1" sofort das Hose, das ihm das römische Seitweit :.!et hatte, um überall die ״pax romaua" (rüniise id ITieücu) zu gemessen, Der furchtbare römische A■:um. den er in wildem Sehlaehlcugctilmmel auf dem I e!-,cn Moden I’alästlnus sielt gegenüber hatte dräuen >.־mi, wurde sein!׳!ihrer, dem er vertrauensvoll 1 ׳: ...iilhin folgte, mul wir finden den Juden In allen I'. ■viiizen, im Norden Attikas, in Spanien, in (.lallten, in ia־nnatueu unter dem Schirme der Kastelle, als dv.׳ iwliüt/.ling des Vexilhmts, als unzertrennlichen |S.,!citer der l.egtotten. I’rst Römer aus Zwang, wurde der Jude des I*. »eireiches ohne Zögern Römer seiner Sprache, »emein F.mptuulcu und seiner Überzeugung nach und e; ist es geblieben im Wechsel der Zeiten. Italien v.o das l.und derer, die ihn endgültig aus seiner IKu11.it vertrieben hatten. Auf seinem Boden erhob ».,!! der Triumphbogen des Titas. Die Reliefs dieses '11 tuumhbogens bewahrten das Bildnis der heiligen ik fasse, die durch die teiupelselnmderisclie Hand sa uer Zerstörer dem lleiligümie entrissen worden '* .׳ren. Italien erfand das Ghetto, das Wort und die Sache; es legte den Juden die grausame Zwangs• predigt und die ungeheure Schmach des Karnevallenueus längs de!T Korso auf. Und trotz all der Schmach und Schmerzen liebten die Juden Italiens dieses Land der Sonne und der Schönheit aufs zürt* heilste und betrachteten sieh als seine Kinder, als misshandelte /war, wie Aschenbrödel, aber doch als »eine Kinder, Die Kinuuzipuiioi! der .luden war in Italien nicht wie in gewissen anderen l.ündern ein Akt der Adoption (Aufnahme), sondern ein Akt der Legitimation (ge»et/liehcn Ancrkeimugi. Ich habe es wohl nicht 1t. tig, auf diesen Unterschied genauer einzugehen. D,1s Gesetz, das den Juden die politischen Rechte verlieh, änderte wohl ihre Stellung im Staate, nicht .liier ihre Gefühle. Sie hatten siel! seit fast zwei laiirtauscndeu als die Söhne des italienischen Bodens betrachtet, sie sahen sich nunmehr auch als solche;■!!erkannt. Das war alles. Und ganz natürlich, ohne l' .se und ohne Geste, nahmen sie ihren Platz i!1 der Familie ein und erfüllten ilire Pflichten, alle ihre P:!1chtcn, als Sülmc des Hauses. Auf Jedem Blatte p r Geschichte des Risorgimento (der Auferstellung I’1׳״iciis) leuchten jüdische Namen, unter den Märtyrern sowohl wie unter den Heroen. In einer Nation, wo jeder, oder fast jeder, Talent hat, haben sic es ver- Stauden, sieh einen ehrenvollen Platz unter ihren Mitbürgern ־zu erringen und nicht die letzten zu sein in der Literatur und den Künsten, in'der Wissenschaft 1 J im politischen Leben. Bis zum Jahre 184H, Ihr Juden Italiens, wart 1־ italienische Juden. Von da ab seid Ihr jüdische tt .Gener. Was werdet Ihr morgen seiuV Kurzweg J'.diciier", selbst oline das Beiwort ״jüdisch," das ׳■■' יeh immer liure Vergangenheit in Erinnerung hi ingt? Hs gibt Leute, die mich dessen versichern. M ui sagt mir, dass die Mehrzahl der italienischen liuien - Pardon! der jüdischen Italiener — selbst Lie Abstammung vergessen haben, kein jüdisches Interesse mehr hegen, nicht mehr die Geschichte ihres V-ilkes kennen, sie nicht kennen wollen, unberührt t i-'iben von den Leiden und Hoffnungen ihrer Brüder 1. anderen Ländern, diese Brüderlichkeit überhaupt nullt mehr gelten und kein Band mehr bestehen Gssen wollen /,wischen sich und denen ihres Blutes, die unter einen! weniger blauen Himmel und unter einer minder strahlenden Sonne leben. Ist das wahr? Ich will es nicht glauben. Da ihr frei seid, müsst Ihr stolz ") Zur Feier des 50. Jahrestages der Emanzipation der Juden in Sardinien, April 189«. — Wir entnehmen diese kernige Ansprache den ״Zionistischen Schrif- Rn*' Nordaus, die der Jüdische Verlag, Köln a. Rh., m einer billigen Volksausgabe für 2 Mark herauseegeben hat, und die jeder junge Jude besitzen sollte. Der Vaier Lehre Ruhig sein! wenn draussen Slürmc wüten, Wenn des Schicksals Welle tobend braust; Heiter sein, wenn sich der Himmel schwärzet Und die Nacht des Unglücks uns umgrauot — Das lehrt dich, 0 Erdensohn, Deiner Uäter Religion, Unermüdlich wirken im Berufe, Allen Pflichten willig nachzugehn; Treu und wahr in Tat und Worten Und dem Nächsten helfend belzustchn — Das lehrt dich, 0 Erdensohn Deiner Däler Religion. Froh in Gott am Morgen zu erwachen Und mH heiterm, gläubigen Ueriraun Ruhig dich am Abend niederiegen, Zuversichtlich In die Zukunft ochaun — Das• lehrt dich, 0 Erdensohn, Deiner Uätcr Religion. Glücklich Leben, selig einstens sterben, , Hoffend auf ein schönres Himmelsland, Wo sich alles liebend wiederfindet, Was sich liebend eins! auf Erden fand — Das lehrt dich, 0 Menochcnsohn, Deiner Däter Religion sein. Ihr könnt eine Abstammung nicht vergessen haben, die in ihrer Art ebenso ruhmvoll ist wie selbst die der Quiriien! Und wenn Ihr Huch Hurer Almen erinnert, müsst ihr ein wenig Liebe, ein wenig Achtung für ihre Überlieferungen, ein wenig Hamilien- Zärtlichkeit fur die grosse jüdische Faniilic bewahrt haben. Italiener seid Dir bis ins innerste ■ Mark — wer würde wagen, es zu bestreiten? Dennoch habe ich die Überzeugung, dass Ihr!111 Grunde Hures Herzens Huch indische l'.uipnmluiweii bewahrt habt, die im (lleichklang mit der Jmlenlieit der anderen Länder zu schwingen wissen werden. Und wenn Hure verstreuten Brüder eines Tages grosse Anstrengungen machen werden, um wieder einen Ehrenplatz auf dieser Krde zu gewinnen, wo sie so lange verachtete Vatcrlandsjose gewesen, dann, hoffe ich, werdet auch Ihr, glückliche italienische Juden, Euer Herz freudig und stolz schlagen fühlen und, ergriffen vom Schauspiel ihrer Mannhaftigkeit, auch herbeieilen, um ihnen zu helfen -• nach Rönierart! Die Araber in Spanien Im Jahre 711 setzten die Araber unter dem Anfulirer Tarik über die Meerenge von Gibraltar (welche eben davon den Namen führt) und griffen das schon Im Verfall begriffene westgothisehe Reich an. In der Schlacht hei Xerc/. de la l'rontera (Juli 711) wurden die Westgothen vollständig geschlagen; Rodcrleh, der letzte König der Westgothen verlor zugleich Thron und Lehen, ln dem Heere der Araber befanden sich 'zahlreiche Juden, welcho die Araber auf ihren Sicges/.ügen begleiteten mul ihnen schlossen sieh wahrscheinlich viele der in Spanien befindlichen, unter hartem Druck lebenden Juden an, die nun das zum Schein angenommene Christentum abwarfen. Die Araber, die nun im raschen Siegesläufe fast die ganze Halbinsel eroberten, übergaben die genommenen Festungen jüdischen Besatzungen zur Bewacliung, und so bildeten sich bald bedeutende jüdische Gemeinden in Granada, Cordova, Malaga, I.ucena und in der damaligen Hauptstadt Toledo. Die Stellung der Juden unter den arabischen Herrschern in Spanien gestaltete sich ähnlich derjenigen im asiatischen Khulifat, Sie bildeten eine politische Körperschuft an deren Spitze als oberster Herrscher ein N’asi oder Nagid (Fürst) stand, hatten Religionsfreiheit und eigene Gerichtsbarkeit, und waren nur verpflicluet, eine Abgabe an den Oberherrn zu entrichteu. — Indes ist aus den ersten beiden Jahrhunderten der arabischen Herrschaft in Spanien von einer literarischen Tätigkeit nichts zu berichten. Die spanischen Juden standen in geistiger Abhängigkeit von den babylonischen Hochschulen, welche von da Zuzug an Schülern und Ocldunterstützung erhielten. ,Der üebetordmnig, welcho der öuqn Am ram an die spanischen Juden zu Ihindcii des Isak ben Simon schickte, ist nichts liinzugeiiigt worden. Den raschen Aufschwung, welchen die jüdische Literatur vom 10. Jahrhundert an nalun, verdankt man den Bemühungen zweier politisch und geistig hochgestellter Männer, dem Chisüai den Isafe und Samuel Iiu-Nagid. Abraham und die Götzen Tlieraeli, Abrahams Vater, war nicht mir ein Götzendiener, sondern er trieb auch .Handel mit Götzenbildern, (;just musste er verreisen, und Abra- 11.mi statt seiner das Geschäft verseilen. Da kam ein Mann und wollte einen Götzen kaufen. Wie alt bist du? fragte Abraham. Zwischen 5ü und 60; erwiderte dieser. Welte! rief Abraham, dass ein Mann von 60 Jahren das Ding, welches nur einen Tag alt ist, göttlich verehren will! Der Käufer schämte siel! und licss sich von Abraham besser belehren. Hin andermal kam eine Frau, brachte eine Schale feines Mehl und bat ihn (den Abraham), diese Gabe den Götzen zu opfern. Abraham ergrimmte, nahm einen Stab, /.usciilug damit die Götzenbilder• bis auf den Grössten, den er verschontet und dem er nun den Stab in die Hände legte. Als Vater Thcrach nach Hause kam. und seine Götter so zertrümmert und verwüstet fand, fragte er; wer ist also mit den Mildern verfahren? Verzeihe, sprach Abraham, ein Weib kam und brachte eine Schale feines Mehl mit der Bitte: Opfere dieses diesen Götzen. Als ich ihnen das Opfer darbrachte, rief dieser: ich will erst essen! Nein, rief ein anderer, ich will der erste sein! Da nahm der Grösste unter ihnen, dieser da, einen Stock, und schlug sic alle zusammen. Wie, zürnte Thcrach, willst du mich zum besten haben? Wissen die denn etwa davon? Vater, sagte Abraham, möchten doch deine Ohren aufmerksam hören, was dein Mund gesprochen. Thcrach merkte den Spott seines Sohnes, geriet in Horn, übergab ihn zur Bestrafung dem Könige Nimrod. Der König und alle Grosse des Reichs stauden eben vor einem brennenden Ofen, woraus die Fcucrflammen mit Heftigkeit schlugen, um das Feuer anzubeten; er befahl dem Jüngling: das Feuer anzubeten. Lieber, sprach der Knabe, das Wasser anbeten, denn cs verlöscht das Feuer. Der K*1ug: Nim wohlan! Ich bin zufrieden, beten wir das Wasser an. Abraham; Nein, dann lieber die Wolken, sic tragen das Wasser. Nimrod: Auch gut!?ס lass uns die Wolken verehren. Abraham: Dann besser den Wind, er zerstreut die Wolken. Nimrod: So beugen w׳ir unsere Knie dem Winde. Abraham: Dann doch eher dem Menschen, der dem Winde widersteht. Nimrod sah ein, dass der Bube seiner spottete, und spracli das Machtwort: Mein Gott ist das Feuer! In’s Feuer lass ich dich werfen; lass nun deinen Gott kommen, dem du huldigst, und dich daraus erretten. Abraham wurde nun in den brennenden Ofen geworfen, und ging wohlbehalten, unversehrt wieder heraus. Auflösung des Silbenrätsels Auflösung. Tribunal Hanna Ezechiel Orient Donaucschingco Ottilio Reichenau Ifiilcl Esra Rumänien Zellerfeld Theodor Ifcrzl — Altneuland. Auflösung des Vcrsrätsels Das Wort ״n i c h t". Briefkasten B. S., Wien. Dein I loiiiogramm stimmt nicht ganz. Der Vogel ״Ibich" muss ja ein ganz sonderbares Geschöpf sein. Du denkst gewiss an das schöne Schillcrschc Gedicht ״Die Kraniche des Ibicus“? Wie kann man sich nur so verheddern I L

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