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Jüdische Rundschau · 1909-11-05 · Heft 45 (5.11.1909) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 45 (5.11.1909)
Date
1909-11-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 501. No. 45. 1.1 n 11 w i r t $ e 11 a (t! i e 11 e 11 K o 1 o n i s a 1 i o 11 ist 11 c u t e 11 0 c 11 in vielen Köpfen vorhaiuleti, und sie muss u 11 b e d i n jj[ t bekämpft 1,1111 iu'sciiim wen len. Weiter stellt da: .... ״i liiit‘ unnötiucii Zeitverlust,“ d. 11. also, dass wir uns der Notwendigkeit bewusst sein sollen, imsere Aufgabe sobald als möglich zu erfüllen, 1, > wir untersuchen müssen, auf welch ein V. 1 -0 wir schneller ein gewisses Resultat 1, :!•ichen, mul dass die 1 a 11 g s a 111 e r e 11 Wege i .;in׳!• de!» s e 111! e 11 e r 11 /. u r ü c k s t e h e 11 1;!.■,sen. Dann ist von der landwiiiscliaiiltcheii 10:»isa,»on die Rede, von systematischen Lr-!,leliterungen aller Art. Auf diese Urleichtentn- . n ist man talsächlich ausgegangeu. Sie dass von einem Agrarfonds gesprochen .!10, und dn.־>s inzwischen verschiedene Hin- 1 elmingeii getreifen sind, um das Volk mit dem .mde zu verbinden. Ls gibt da verschiedene V. ,ge und wir sind noch lange nicht am vhluss.•, vielmehr erst am Anfänge eines An- .׳iigs. aber die Richtung ist immerhin gegeben »;1 die landwirtschaftliche Kolonisation ist?halb hier an die erste Stelle gerückt worden, / 1il sie bisher eben bei unseren Betrachtungen 1 erster Melle gestanden hat.!enter wird hier erklärt: ״Oer städti- :> e h e n u 11 d in d n s t r i e 11 e 11 Kolon»• < .11 i o 11, sowie d e 11 V e r k e 11 r sunt e r * 1 e h m u 11 g e 11 soll erhöhte Aufmerksamkeit ..gewendet werden.“ Damit ist die Tatsache /!,gegeben, dass auch bis heule städtische und mditstriclle Kolonisation s t a 11 g e f u 11 d e 11 .,r.bcn. dass sie aber sozusagen das Stiefkind vier jüdischen Interessen ist, und dass dieser Zustand aufhören muss. — ferner heisst es: ״l i andel und Handwerk sollen durch ge- »• i g n c t e Kr e J i t und genossens c h a 111 i c 11 e L i 11 r i e h t u n g e 11 e r - leichtert werden.“ Das ist eine Selbstverständlichkeit, die von jeher eine solche war, zu deren Durchführung .11er erst in neuester Zeit die Mittel flüssig geworden sind mul die Methoden sich gefunden;;.ibcsi, die es unter eien speziellen Verhältnissen Palästinas und seiner liinwanderung ermogliehen, dieses Ziel zu erreichen. Dam» haben wir den Satz: ״Speziell sollen die bereits vorhandenen Mittel (des Trust, des Nationalfends usw.) baldigst zur grösstmögliebsten Wirksamkeit im Lande gebracht werden; ausserdem sollen durch die jüdischen Institute neue fiekliiiiiicl auf geschäftsmässige Weise be- .*thaiit werden.“ In diesem Satz findet *ich das Wort von der g r ö s s t m ö g 1 i e 11 s t e 11 Wirksamkeit, (las beinahe die Zauberfor* 1:.el ist, mir der wir 'vorzugehen habet». Die grösste Wirksamkeit ist bisher ausserordentlich v e r 11 a c 111 ä s s i g t worden. Mau hat sich an Ideen gehalten, die eine 1 a ngsamste Wirkung versprachen. liier ist ausdrücklich und programmatisch festgelegt, das baldigst die grösste Wirksamkeit erzieh wird. Ich habe über diesen!,unkt schon bei meinen Ausführuugen über die landwirtschaftliche und industriedie Kolonisation gesprochen und im weiteren Verlaufe darauf liingcwiesen, auf welche Weise aus einer z u n ä c h s t betonten industrieeilen Ansicdluiig auch ein bedeutendes Plus au landwirtschaftlicher Kolonisation fliessen würde, ein viel bedeutenderes als wir erlangen könnten, wenn wir 01111 c einen Uebergang über die Industrie direkt zur Landwirtschaft schreiten möchten. Hier kommt jetzt die Rede auf die schon den ״Trust“, die ״Anglo Palcsline Company*‘ und den ״Nationalfonds“. Iber ״T rus t“ ist seit einer Reihe von Jahicii auf dem Wege seine Gelder mehr und mehr mich Palästina zu verlegen und mit seinen Gelden» natürlich auch seine Tätigkeit. Uns ist das nicht genug. Ls bestellt eben ein gewisser Unterschied in der Auffassung von dem Tempo, in dem die Geldmittel der zionistisciien Bewegung zur Wirksamkeit gebracht werden könnten. Jedenfalls ist der Weg beschriticn und kann kaum rückgängig gemacht werden und wir können sagen, dass in kürzerer oder längerer Zeit erst alle Mittel des Trust in Palästina zur Wirksamkeit gelangen werden, (Fortsetzung folgt.) Dr. Riza Tewfilt Bey über den Zionismus Der bekannte jungtürkisehc Abgeordnete Dr. Riza Tcwfik Hey. dessen einander scheinbar widersprechende Äusserungen in Paris heim Lmpfange durch die Aliiaucc-lleireii und in London hei dem von dem Zionisten verunstalteten Bankett seiner Zeit •ein nicht unberechtigtes Aufsehen erregten, besonders wegen der eigentümlichen Für in, in der die Alliance in ihrem coininunhiuc diese Aeusscrimgen widergab, hat siel» einem Korrespondenten des ״Puster l.loyd“ gegenüber abermals über den Zionismus geäussert. Wir entnehmen der Unterredung folgende Stellen: ..Ich: Gestatten Sie, dass wir drei, die wir ungarische Juden sind, Sic über die in den Blattern er• scliieucne und einer politischen Korrespondenz en־.- nominelle ׳Nachricht interpellieren, welche besagt, dass die türkische Regierung die Finwaiideriing der Juden 111 die Länder des oitomaniseiien Reiches tu:• gern sicht? Dr, lil/a Tu will* Hey: Ich will darauf gern am• woneu. und wenn Sie gestatten, will ich die aufge• worfelte Hrage detailliert erörtern, ieli selbst habe in den Schuten der Alliance Israelitc Unterricht ge• imssen mul dort meine erste Ausbildung erhallen, Um mit jüdischen Kindern zugleich erzogen worden. Kenne die indischen Gebräuche ganz gut und ver• stehe auch einen grossen Teil der Gebete mul Segensspriiche der Jaden. Ich erkläre zunächst, dass ich ein Zionist I) i n mul die Umwändermig der Israeliten, der Juden. . . . teil: Mil Verlaub, weshalb unterscheiden Sie zwischen Israeliten und Juden? Dr. Ri/:1 Tcwfik Hey: l־׳h dcstiiiguiere nicht; ich v eis.s, dass das egal ist, aber manche haben es so lieber. Ich halte also die Finwatuierung der Juden in die linkischen Provinzen für eine Frage von hochster Wichtigkeit. Indes wissen Sie wohl auch, dass hierüber unter den Juden selbst die verschiedensten \uiiasstmgcn herrschen. Die Zionisten halten P.iläsdna und dessen Hauptstadt Jerusalem fiir das Ziel der Hiuwnudcruug, und die iuugen l.ente milchten geraden Weges Jerusaleiu in!Jesitz nehmen. Ibe I errilorialistcn legen kein besonderes Gewicht .־•ui das heilige Land: sie witrden wo immer gern für eiuwaiuieruHgsliereite Juden entsprechenden Hesitz ank,uifeil. Und es gibt Juden, die überhaupt jede Bewegung pei iiorreszieren, wie z. IJ. die Alliance selhM, die׳ eiiu.n entschieden nnlizionistisehen Stand• Punkt ehunmmt. Reinach will nicht einmal davon Innen. Warum? Weil Reinach zu den Juden gehurt, die die westliche Zivilisation so iiebgcwoimeii, mit den Oueilen der christlichen Zivilisation, dem Lateinischen und dem Griechischen sieli bereits derniasseu befreundet haben, dass sie schon gar keine־.» Mnii iur die Oueilen des Jinlentmn.s, fiir die hebräische Spruche und für den Orient besitzen; andererseits ist es i’atsiche, dass ein Teil der Juden mellt existieren können, da sie dort zu Tausenden ermordet werden. Hier muss ich bemerken, dass die Juden im 11irki.se hu n Reiche nie verfolgt wurden. Wohl kam cs vor, »lass der eine oder der andere eine Unannehmlichkeit hatte, dass liier und da ein Jude oder auch mehrere von ihnen ermordet wurden, von einer fVasseiiveiiolgtmg war jedoch nie etwas zu hören. Line politische Verfolgung hatten die Juden in der Tmkei nie z.11 erdulden, und zwar selum aus dem Grunde nicht, weil auch sic sieh nie in die Politik mengten. Sie rissen den Handel an *sielt, hegniigien sieh aller damit mul blichen im unge* störten Hesitz. ihrer Religion jmd ihrer Spruche. Heute nehmen sie wohl au der Politik ebenfalls teil, doch befinden sie sieh dabei in der Gesellschaft der tiirkiselieii Iniellelaiielleu, was die Sympathie derselben erweckt. Doch nicht hei jedem Türken. Auch an mich stehlen schon viele die Frage, warum ich ein so eifriger Zionist hin und die Linwaiuleruug der Juden wünsche? Natürlich sagte mau auch, *ich sei deshalb ein so grosser Freund der Juden, weil sie mich bestochen haben, während ich sie. wie bcreils erwähnt, deshalb so sehr schütze, weil ich sie genau kenne, weil ich unter ihnen gelebt habe und einen Teil meiner Lrziehimg, und zwar den allerersten, ihnen und ihren ausgezeichneten'Schulen verdanke. Ich muss jedoch gestehen, dass die .1 u d e n f r a g e a u c h für das t ii r k i s c 11 e Reicli viele Facetten hat und je nachdem, durch welche sie betrachtet wird, anders erscheint. Gewiss ist, dass in Koustaniinopel weder in Regieriitigskreisen, noch hei der Bevölkerung eine Antipathic gegen die Juden bestellt. Der Antisemitismus ist liier unmöglich. Auf dem flachen Lande aber verhält cs sich nicht mehr so. Die Masscneinwanderung der Juden kann hier leicht SehrcckbiUler licrvorrufen. Und daran sind zum grossen Teil auch die Juden schuld. Sic wollen ihre Sache mit allzu viel Geräusch und Rede machen, Der Umstand, dass wenn irgendwo zwei jüdische Familien sich niederlassen, sic solches Aufsehen erregen und solchen Lärm machen, als wären sie ihrer limitiert, ist auch ein Fehler der modernen grossen jüdisclun Bewegung. Und doch wäre es besser, sie v. i.ruen mehr tun und weniger schwatzen (moins bavardur, mais plus agir). Die grossen Bewegungen können nicht mit grossem L Ü r m g e m acht w erde 11. An dem Schaden und dem Ürfolge ner neuen grossen türkischen Bewegung könnten auch die Juden sielt belehren. Die Poesie ist bei g r 0 s s e 11 II -• - weg ungen eine wahrhaftige Gefahr. Das sage ich, der enra gierte Kevolutionär. So lauge wir mir redeten, wurde der Despotismus mit uns fertig. Tausende ImsMeii mit ihrem Lehen, ihrer Freiheit für die Poesie der jungtürkischen Bewegung. Lrst als wir das Geschwätz, und die Poesie sein liessen und still, aber ausdauernd zu arbeiten begannen, gelangten w ir ans Ziel. .Auch die Juden müssen das gleiche tun: wenig reden und viel arbeiten. Nicht mit Selilagwortut ein neu•.*■ Vaterland erobern und dessen alte Bewohner erschrecken, sondern kommen, arbeiten und sieh u.tsaugen, mit dem neuen Vatcrlaiiüc befreunden, sieh assimilieren, doch ihre allen Bräuche, ihren alter. Glauben behalten, mnziiciie Burger des neuen Vater-!.indes werden: aber in Ruhe, ohne sonderlichen Lärm, « Inie AJiichicruug. Ls ist die grosse Stärke des Judentums, dass es sich überall aufs innigste den Verhältnissen unzuschmicgcu versteht und doch auch;,einen eigenen vieltaiisendjulingen Überlieferungen nuzuhüngui weiss. Sehe ich doch, dass der englische .Imle ganz. Lngiünder und in seiner Tradition doch religiös, tu seinem Heim ganz Jude ist; sehe ich doch, wie deutsch der deutsche Jude, wie französisch der französische ist. . . . Ich: W 1 r 11 i u g e g e n s i 11 d U 1! g,! r 1t Rl/.a Tcwfik: Ich weiss, vielleicht noch stärkere Ungarn als die wirklichen Ungarn! Diese grosse Anpassungsfähigkeit und Solidarität ist cs. was diesem aber die ganze Hude zerstreuten Volke eine so grosse Kraft verleibt. Auch ist es unbestreitbar, dass auch seiner Religion eine grosse Kraft imiew olmt. Nicht bloss die Propheten hat diese Religion der Welt gegeben .... indes ist es eine so bekannte Sache, dass man darüber nicht einmal zu sprechen braucht, dass auch die Christenheit und der Mohammedanismus bloss Variatioiien des Judentums sind. Und .ms diesen hervorragenden F.igenheiten zielten wir im turkische.i Reiche einen grossen Nutzen. Wir »missen innncr nur vom linkischen Reiche sprechen und nicht von der türkischen Rasse. Die J'.mwolincrschaft der Tmkei isi das seriuiswhicsio Ding. Ich selbst bin das Kind eines albaticMSchcn Vaters und einer Tseherkessenuiutter und tuliie auch als türkischen Vollblutpairioten. Der Jude in der Türkei '*t kein Fremder, und wir bedürfen seiner. Ich bekenne das nicht aus dem üeiuhlc eines Judenfreundes, sondern aus meiner l berzeiigtmg als turkischer Patriot. Wie bedürfen seiner als eines innentigei! Gegengewichtes gegen ein anderes fremdes Fluiient. Das ist der Grieche, gegen den wir mir mit Ihlte der Juden aulkommcn. Nicltl als ob ich den Griechen gering cinscliatzen wurde. Im liegenteil. Der Grieche hat hervorragende Ou.ditatvn, kann;!her niemals ein Freund des türkischen Reiches werden. Die Griechen sind im ganzen turuiscl.en Reiche verteilt. 111 Koustantuu.pei leben mein• als g(Ml(;U(1 Griechen, in seiner Umgebung ebenfalls sehr viele, 1111 ganzen Küstengebiet Kleinasieiis befinden sich griechische Siedlungen, die Inseln sind zum guten Teile von Griechen bewohnt. Und überall sind sie Händler, im Besitze von Geld und liiufiu>s. Und den Griechen kann man nicht amnlgainieieit. Rom hat seinerzeit Griechenland unterjocht, und der griechische Geist hat über Rom triumphiert. Dem griechischen Händler ist nur der Jude gewachsen. Weil der Jude noch viel tüchtiger, »Rissiger und verlässlicher ist. Deshalb benötigen wir insbesondere die Juden. Wo sie massiert wohnen, wie /.. B. in Saloniki, wird der Grieche in den Hintergrund gedrängt. Aber ich erkläre wiederholt: Die Juden »nässen iltre Taktik ändern, weniger sprechen und lärmen, sondern mehr handeln. Und ich bin überzeugt, dass sic hei einer solchen geänderten Taktik, wenn sie nicht das Gcspensterschen der Lingcboreiten und die Fifersiiclu der Fremden erregen werden, und wem! der Araber nicht vor ihnen fiir Jerusalem, die Furo* pücr aber für Kleinasicn fürchten werden, überall ihr Ziel auch erreichen werden. Wie schon Jahrlunidertc hindurch, so wird sich auch in tlinkunit dieses w'iuuiersante Volk das Gemisch des r a d i k a 1 s t c n D c m o k r a 11 s m 11s und der verschlossensten Aristokratie, in das jiingliirkische Reicli gut cinfügen. Ich sage wiederholt, sic mögen an unserem Beispiel, an dem Beispiel unseres Schadens und unserer F.rfolge lernen. Der Zionismus darf kein S c 111 a g w o r t, er muss eine Aktion sein. Und man darf sich gar nicht darum kümmern, was die R 0111 s c h i l ü s Uber diese Bewegung sagen und wie sich diese der Bew egung gegenüber

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