Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1909)
- Date
- 1909-11-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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.ר4 .סא Seite 500. JUEDISCHE RUNDSCHAU Sophie" der jüdischen Geschichte" über diesen Gegenj Stand heikel)rächt habe. i Wir sind am Schluss. Was von da ganzen ״so i klar zutage“ liegenden Theorie des Herrn Dr. Goldj sehmidt übrig bleibt, haben wir eben gesehen. Von 1 dem ganzen Gebäude, das er an Stelle des uusrigen j auiricliten möchte, bleibt bei näherer Untersuchung j nicht ein Stein auf dem andern. Welche Gescliiehts-! konstrukiion! Welche Psychologiei Welche Logiki; Und ״das soll eine Philosophie der jüdischen Ge-; schichte sein!“ Das zionistische!3alästinaprogramm Von U u v i s T r I e t s e h - Herlin (!•'ortsetzung.) Theodor llerzl’s Ansprache an den Deulschen Kaiser Bei der denkwürdigen Zusammenkunft, ■ die T 11 e ט d o 11! ׳ e r z i int Zelllager vor Jerusaien; mit dem d e tt t s c h e tt Kais e r hatte, : sprach er von der N’ot der Juden und von der י Not des Landes mul sagte wörtlich folgendes: ״Nun möchten wir aus den zwei Not- : Ständen des Landes und des Volkes durch! die planvolle Verbindung beider eine neue ן Wohlfahrt schaffen. Für so gut halten wir I diese Sache, für so wert einer Teilnahme; der Orossmiitigen, dass wir Ew. Kaiserliche j Majestät um Ihre hohe Hilfe zu dem Werke i bitten. j Abe r w i r w ü r de 1t es nicht! wagen, we 11 n in unserein Gedan j k c n e t w a s enthalte n w ä r e, w o j durch der J־i c r r s c h e r dieses! Laudes gekränkt oder beein• | t r ä c h t i gt w erden könnt e. Die ן Freundschaft Kuret* Kaiserlichen Majestät füt* I Se. Majestät den Sultan ist so bekannt, d a s s kein Z w 0 i f e 1 ti b e r die Absichten! derjenigen bestehen k a n n , die sich um die Allergnädigste Vermittlung ihrer Wünsche an Uw. Majestät wenden. Wir sind ehrlich überzeugt, dass die Aus• führung des zionistischen Planes auch für die Türkei Wohlfahrt bedeuten muss. Euer• gien und materielle Mittel werden dem Lande zugeführt, eine grossartige Befruchtung vet־• ödeter Gebietsteile ist leicht vorherzusehen, und aus alledem erwächst mehr Glück und Gesittung für viele Menschen.“ — Sie lernen hieraus Dinge kennen, die nicht viel anders sind, als das, was unser h e u ־ t i g e s Programm im Gegensatz zu dem früheren sagt und betont. Auch ich habe bei allen gebotenen Gelegenheiten darauf hingewiesen, dass wir unsere Tätigkeit den Interessen und Bedürfnissen des Landes anpassen müssen. Auch ich habe stets darauf hingedeutet, ebenso wie alle, die mit mir in der Opposition standen, dass wir bei uns. weint wir ehrlich sein wollen, auch keinen R e s 1 eines Gedankens tragen dürfen, als ob wir auf eine Loslösung irgendwelcher Gebietsteile v 011 d e r 1' ti r k e i hi n a r beitet c n , als ob ein italischer Staat selbst ä n cl i g e r Art unser Streben wäre. — Alle diese Gedanken, die Herzt selbst mit so klaren Worten zurückwies, sollten auch w i r zurückweisen. Wenn wir mit innerer Unehrlielikeit an unsere Arbeit schreiten, so ist ein Vorwärtskommen unmöglich. Solange wir nicht solcher Gedanken, wenn wir sie haben oder hatten, völlig Herr werden, solange können wir nicht wahrhaft in der Richtung arbeiten, welche die zionistische Bewegung, der zionistischc Gedanke von uns verlangt, um verwirklicht werden zu können. Wir müssen uns tatsächlich und gern damit zufrieden geben, ein Volk u n t e r gesunden nationalen Ver• 11 ii 1111 i s s e 11 in einer oder in mehre• r e n Provinzen des türkischen Reiches zu sein, wir müssen uns damit zmneclen geben, wenn wir es erreichen, dass wir innerhalb des türkischen Reiches, in der nr!unnmedanisehen Welt, ein Leben führen können, besser, freier, natürlicher, j ii d i s c h e r, als es heute in den Ländern des Westens möglich ist. Irgendwelche weiter* geh e n d e Gedanken aber, soweit sie sich etwa bei uns eingenistet haben, müssen wir aus unse• ren Seelen und aus unseren Köpfen verbau* neu. Wenn diese Gedanken in unseren Köpfen Platz gegriffen haben, so sind sie hincinge* kommen nur auf Grund vollständiger Vcrkentumg der grossen und mächtigen Verhältnisse, wie sie heute schon bestehen oder sicli in Zu• kimft entwickeln können. Nicht nur ä 1t s s e r 1 i c 11 e Treue der Tür• Lei gegenüber, sondern eine innerc Treue, — eine Weltanschauung, die auf diese Gedanken hinzielt, die ich Ihnen soeben entwickelt habe, ־— das ist die erste Voraussetzung nicht nur für eine ehrliche, sondern auch für eine reale erfolgreiche Arbeit. Aber wie vieles von den längst ühcrvvundc• neu Ideen ist doch noch in vielen Köpfen haften geblieben! F.s wird noch heute so gesprochen, wie wenn die Juden ״in ihr Land“ gelten könnten, unbekümmert, wie dort die Aussichten sind und was dort für Leute leben, — nur d a rauf hissend, wie in der Theorie die ״Volkswerdung" sich in diesen Köpfen malt. Man sagt ״ein Volk kann nur ein natürliches Lehen führen oder ein unnatürliches. Ein natiir* liclics besteht aus a, b, c, und so müssen wir es machen.“ Auf dem Wege lassen sich natürlich Theorien ganz gut zurechtzimmern. Aber reale Arbeit wird das nicht und reale Arbeit muss meist im Gegensatz stehen zu diesen blankeit Theorien. ״Ocftcnllich-Kcchllich״ als Basis oder als Ziel? Der 3. Punkt heisst: ״Die vom Baseler Programm geforderte öffentlichrechtlich gesicherte 1 leimstätte ist als Ziel und nicht als V orausset z u n g jeder realen Arbeit zu verstehen.“ Es mutet ganz merkwürdig an, dass oft Sachen gesagt werden müssen, die uns selbstverständlich erscheinen; wenn sie aber schon gesagt werden m ii s s e 11, so ist das ein Zeichen dafür, dass sic verkannt worden sind, und kein Satz ist vielleicht so verkannt worden wie dien׳r. Das Baseler Programm sagt in seinem ersten Punkt: ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich ge• sichertet! Heimstätte in Palästina.“ Und dann kommt eine Reihe von Mitelu, die in 4 Sät/.n bezeichnet werden. Von diesen Mitteln ist das erste di: zweckdienliche Förderung der K 01 o 11 i > a t i o n Palästinas. Das letzte ist di׳: Erlangung der Regierungszustimmungen. Dien!־ letzte Satz, der zu grossen Bedenken Vera! lassung bietet, ist nun dem Sinne nach /t;:1״ ersten gemacht worden und man hat llun solche Bedeutung gegeben, dass er nicht r.ur die 4 Sätze betreffs der Mittel, sondern >•׳;;,ir den H a u p t s a t z über w u c h e r t hat, .!er• art, dass überhaupt nichts mehr geschehe׳; konnte. Man hat sich gedacht, mail braiuhu• nur die Forderung einer ״öffentlich-rechtlich ge• sicherien Heimslättc“ aufzustellen, — dann aber solle man zuerst auf die Erfüllung dieser Forderung warten, bevor wir unsere wertvolle Kraft, unser Kapital und unsere Intelligenz aa diese Sache wenden. Diese Auffassung ist \om 7. Kongress g r ii n d 1 i c I; beseitigt worden. - wenigstens im Prinzip. Wir haben heute ein Programm der realen Arbeit, wir haben heute auch den A n fang der realen Arbeit, wir haben aber noch l a n g e n i c 111 das, \va> wir haben sollten; auch nicht, wenn wit b!o>s «uif die letzten Jahre zurückschaucn, in denen dieses neue Programm allgemeine Anerkennung gefunden hat. Das wirtschaftliche Programm In bezug auf das wirtschaftliche Programm ist an erster Stelle auch wieder eine Selbstverständlichkeit anztigeben, die aber trotz■ dem notwendig war, weil auch sie vollständig verkannt wird. E.s wird hier gesagt ״ .־Die Stär• kung der wirtschaftlichen Position der Juden in Palästina ist soweit als möglich auf allen Gebieten und ohne unnötige Zeitverluste aiizu• streben.“ Manche von uns sagen: nicht auf allen Gebieten, sondern auf einem Gebiet allein. — Die Idee der ausschliesslich Wir aber, wir könnten cs eigentlich schon aus der Geschichte lernen. Uiul darum sind wir nichts als Fortsetzer und Ausführer all dessen, was er selbst ersehnt, erhofft, geahnt. — Dies als sachlicher Kommentar zu meinem Aufsatz. Noch ein kurzes Wort zu den angeblichen Einwändcn des geehrten Herrn Vorredners und Nach- Plapperers; ich darf kurz, sein: denn ich gehe fast alles zu. Ich gebe zu, dass eventuell nur eine bcschränkte Anzahl von Juden bisher durch ״intcllektuellc Notwendigkeit" zum Zionismus geführt wurde, ln meinem Aufsatz erkannte ich ohne weiteres die Existenz verschiedener anderer Kategorien (Temporament-. Trotz- Idealismuszionisten cte.) an, beschränkte mich jedoch darauf, speziell von jenem einen Typus der intellektuellen Zionisten zu sprechen; wenn sie bisher nicht so verbreitet sind wie die an* deren, (״wenn“ und ״bisher") ist das ein Einwand? Nur ein ernstes Wort noch: Es ist an der Zeit, die psychologische Beschaffenheit der jüngeren Generation und der Motive, die sic zum Zionismus führen, einer sorgfältigen Untersuchung zu unterziehen. Der junge Jude von heute ist kein Idealist (im Durchschnitt). Jeder Primaner wirft heute den Idealismus über Bord; (ob das zu schätzen oder zu belächeln ist, dies zu untersuchen, gehört nicht zum Konst״- stieren feststehender Tatsachen und unausbleibbarcr Notwendigkeiten); er wirft den Idealismus über Bord und mit Inn den Zionismus, wenn er das Unglück hatte, beides in scheinbar unlöslicher Verknüpfung kennen zu lernen. Darum beizeiten Vorsicht in der 1 Agitation! Agitation muss sieh nach der psycliolo-! gischen Beschaffenheit desjenigen richten, der ge-! woimen werden soll, nicht mich den persönlichen Lebenserfahrungen des Agitators. Und mögen Sie j tausendmal überzeugt sein, dass der Idealismus auch in unserer (meiner) Generation noch das treibende Motiv ist, mögen Sie tuieU so oU ewisvenden, der Typus des intellektuellen Zionisten wäre mir vereinzell — ich warne, warne, warne. — l:s kommt die Zeit und sie kommt rasch, wo cs n 11 r noch rein Intellektuelle Juden geben wird.- Jemand schrieb mir: ״Ihr Brief verrät den Ziouismus, den auch ich so sehr liebe, den der praktischen Propaganda-Arbeit, der nicht, wie das auch in Holland viele Studenten wollen, den Zionismus zu einer egoistischen und nur sich selber nützenden Philosophie erniedrigt, sondern die wahrhafte Volksidee ist und sein will. Leider muss ich Ihnen gestehen, dass auch in Holland bei den jüngeren Studenten eine Ers c h I a f f 1111 g d c r 1 d e c i n diesem Sinne sehr merkbar ist: cs kommt eine Art Salonzionismus, welche die Hilfe des Volkes nicht nur nicht sucht, sondern sogar abweist: nur Intellekt könne fetten." Dr. Cohen, bisheriger Schriftlcitcr des ״Holländischen Zionistenbundes." Hin Beispiel für viele! (Herrn Dr. Cohen übrigens für seinen unerwarteten Beistand besten Dank). Mögen bisher noch so oft ״rein ideelle Momente" die ״Junge Ocncration" zum Zionismus geführt haben — die Zeiten ändern sich; ich warne — (ich warne —). Wenn inan die heutige Jugend mit densel'na Mitteln gewinnen will wie die Jugend zur Zeit ' llcr/.rschen Vorfriihlingsepoche -- man wird i>* •-׳ Früchte ernten. Sprecht zu den Jungen, wie sie < ־> brauchen: wie sie es verstehen: zeigt ihnen den 7. nismus als einzige Möglichkeit, kulturell hodciis;;!״• dig zu werden: etwas zu leisten. Zeigt ihnen, d \ der K111t11rb׳.!griff nur daun von kulturellem Werte!•;. | wenn er ״einheitliche" Kultur bedeutet: liodcnstämlu•! keit. Verwendung, Umsatz und Verzinsung des I!• erbten, des bereits vorhandenen Kapitals. ־ Lehrt sie die Psychologie solcher Männer v.־r• stehen, wie Heine, Wciningcr, Cale statt ihnen; 1 predigen, an ihnen hätte ״das Judentum nichts verlorcn“. Zeigt ihnen den Zionismus (ich wiederh״.‘ mich) ״als den Weg ins Freie aus intellektueller Ik- Uriingnis.” Meinethalben auch als Naturgesetz, als historisc.סי Notwendigkeit. ״So kelirt nun ein jedes zum Ausgang zurück Und freut sich der Quelle, der einst es entspro'v Und die einzige Ordnung von festem Bestand Ist die. die den Anfang dem Ende vereint Und stets ohne Wandel den Kreislauf vollbringt.'־ Wahrhaftig, der alte ßoetius war doch ein tüeütiger Kerl. — .Noch einmal: Ich warne — warne — warne! ־״ Dies ist meine ״Antiagitation".