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Jüdische Rundschau · 1909-10-29 · Heft 44 (29.10.1909) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 44 (29.10.1909)
Date
1909-10-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seile 402. JUEDISCHE RUNDSCHAU No. H, Viertelstunde von der deutschen Kolonie und der Bahnstation entfernt, erwerben, um cs zu einem billigen!,reise (voraussichtlich ent halber Franc pro Quadratcllc) weiter zu verkaufen, Es könnten dort etwa 100 Häuser erbaut werden. * pk. Nach längerem Aufenthalte in Konstant!- nopel ist der Generalgouveriteiir Subhl Boy mit einem Khedivedampfer wieder in Jaffa cingctroficn. Von den Beamten und der Bevölkerung wurde ihm ein überaus herzlicher Empfang bereitet. Fr begab sich noch am Tage seiner Ankunft, 11. Oktober, nach Jerusalem.!RUNDSCHAU DER PRESSE Berliner Tageblatt Herr Heinrich Lee (Lamlsbcrg) schreibt in seinem jüngsten Reisebrief aus Russisch-Folcn folgctide zartempfundene Betrachtungen. über die polnischcn Juden: ...... Die abstcchcndc Tracht, die das Mittelalter seinem Glaubensgenossen als eine Last auferlegte, wird somit von dem heutigen Orthodoxen als eine Uhrentracht empfunden, die er nicht nur aus freien Stücken, nein, die er sogar mit einer Art von Stolz trägt - ein Don Quichote, der des Mitleids wert wäre, wenn er in seinen, der allgemeinen Kultur zurilckgegeboneu Glaubensgenossen nicht gleichzeitig den Unwillen darüber rege machen würde, dass er es selbst ist, der dadurch eine Sonderstellung und Scheidewand gegen die übrige Bevölkerung, der er doch mm einmal angehört, markiert, und dass er so seinen anderen, dem Fortschritt ztigewandten Ulanben.sgenossen noch immer wie ein Bleigewicht an den Füssen hängt. W c n n m an die Aus 11 a 11 m e s l e 11 u n g, die die russische Regierung ihren U n - tertanen jüdischen Glaubens noch I m m er zu weist, im w c s t i i c h c tt K u r 0 p a als c i 11 Z c i c h c n der in Russland h e r r * sehenden Barbarei ansi ch t, so lernt man doch in Ansehung dieser das russiscitc Reich zu tl u » der t tau sc n de 11 ü b e r s e 11 w e in 111 enden und aus e i g e n c r II a r t n ä c ki g k e i t a tt f ihrem P a r t i k ti I a r i stu u s bestehenden Gestalten den Stand- ין u 11 k t der R e gi e r u n g e i n i g 0 r m a s s c 11 verstehen, freilich nur unter dem energischen Widerspruch, dass sie ohne Unterschied diesen Stand- Punkt auf alle Untertanen jüdischen Glaubens überträgt, unter denen ihr die Intelligenz und der heimliehe Hass des Unterdrückten jedenfalls noch geiältrllchcrc Gegner dllnkcn als der Kaftan. Aber aueli vom rein ästhetischen Gesichtspunkt muss man den Widerwillen gegen dieses Kleidungsstück begreifen. Ist sein Träger schon ohnehin nur allzu oft kein Freund der Reinlichkeit, so setzt sich wegen der Länge des Gewandes auch gewöhnlich noch der Strassenschmutz daran. Natürlich gibt cs auch Ausnahmen, und man sieht sogar, namentlich bei den Konzerten in nclcncnhoi, Kaftane aus ganz modernen, hellen, eleganten Stoffen.״ Wie glücklich müssen wir sein, dass man in Lodz auch Kaftane aus ganz modernen hellen Stoffen sichtl Wenn die russische Regierung nur die 0 r t h 0 - doxen ,luden unterdrückte, so hätte Herr Lee, der sich in Deutschland gewiss für das Wahlrecht des letzten Proletariers begeistert, nichts dagegen, obwohl der ״Kaftan“ unserer deutschen Proletarier ja auch nicht immer von Reinlichkeit strotzt und auch nur selten aus ״ganz modernen, hellen, eleganten Stoffen“ gefertigt ist! Wären nicht auch die übrigen polnischen Reisebriefe des Herrn Le׳! — der gut daran getan hatte, nicht Deutschlands Grenze zu überschreiten — von einer so köstlichen, den Kenner der Verhältnisse bisweilen mit herzlichem Lachen erfüllenden Naivität, so müsste mau gegen die obige ״liberale“ Anschauung ernsthaft Protest cinlcgcn. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Mitteilung des Bureaus des IX Zionisten-Kongresses Der Wohnungs-Ausschuss hat in der Nähe de: Kongrcssgebäudes und des Hamburger Hauptbahn hofes durch besondere Vereinbarungen gute Zim mer in verschiedenen guten Hotels zum Preise voi 2,75 Mk. inkl. Frühstück, Heizung und Licht belegt Ausserdem steht eine grössere Anzahl von RUumci in erstklassigen Hotels zum Preise von 5 Mk. ai zur Verfügung. Bei Bestellung dieser Zimmer bittei wir, eventuell besondere Wiinsche (Bad usw. aufgeben zu wallen. Wir bitten, Bestellungen untc Beantwortung nachstehender Pragci baldigst an das Kongress-Bureau gelangen zu lasser Name!* Adresse? Wieviel Zimmer? Wieviel Bette hn Zimmer (, Dauer des Aufenthalten vom: bis:' ,r'Ss׳״l ‘nkl. Frühstück, für 1 Zimmer im Bett? oder: Preis 5 Mk, inkl. Frühstück fii 1 Zimmer mit 2 Betten? oder: Preis von 5 Mk. an Das Hotel soll beim Hamburger Hauptbahnhof liegen tf״״.Kb1C w ^«s-Ocbäudc? - Entfernung vor S?S° Hamburg zum Kongrcss-Qcbüudc vet nie tx Sym״f?bain 15 Minutcn! (Adresse: Burca M i 1 T״״1״jSiC^'K0i(Kr?sscs־ Hamburg, Qr .Bleiche 651. Tclcgr.-Adr.: Orghip Hamburg.) Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinig, für Deutschland Das Amt des Parteisekretärs ist Herrn Kurt B1 u m e 11 f e 1 d aus Königsberg i. Pr. übertragen worden. Herr Biumcni'eld hat seinen Posten bereits angetreten und wird in den nächsten Tagen die erste grössere Agilationsrcisc nach Ost- und Westprcussen antreten. Wir bitten unsere Parteigenossen, ׳Herrn Blumcufcld als dein offi* zielten Vertreter der Zaristischen Vereinigung für Deutschland das grösste Entgegenkommen zu erweisen und die 1km geplante Agitation kräftig 7M unterstützen. Persönliches Der älteste Solm unseres bekannten Gcsinmmgsgenossen Nahum Sokolow, Herr Diplom-Ingenieur Heinrich Sokolow, hat sich in Zürich mit Fräulein Dr. piiil. Helene Kryuska vermählt. 111 Koiistautiuopcl feierte unser Gcsinnungsgenosse und Kollege Redakteur Aaron Hcrmoni seine Vermählung mit Fräulein Grete Hurtbrodt aus Dessau. AUS DEN GEMEINDEN Dia Mitarbeit unserer t-oer an dieser Rubrik Ist besonder* -.-.. — erwünscht,-——— Berlin. Die Lcsezcit in der jüdischen Lesehalle mul Bibliothek, Oranienburgerstr. 58 parterre, wird auf Wunsch zahlreicher Leser versuchsweise vom 1. November ab von lü Uhr früh bis 9 Ultr abends ununterbrochen währen, Sonnabend und Sonntag von 11 bis 2 Uhr und von 7 bis 10 Ultr abends. Die Bibliothek umfasst jetzt über 6500 Bande jüdischen Inhaltes: im Lesesaal liegen ständig 81־ Zeitungen und Journale aus. Die Benutzung der Bücher und Zeitschriften ist für jedermann frei. Berlin. Lehranstalt fiir die Wissenschaft des ,!udcntimis (N., Artillericstr. 14.) 1m Winterhalbjahr wird Dozent Dr. E l b 0 g c tt jeden Mittwoch Abend von 8--!> ober ״Judentum und Urc 11 r i s t c n t u tu“ voriragcn. Beginn: Mittwoch, den 3. November. Die Vorlesung ist für weitere Kreise bestimmt. Zutritt unentgeltlich. Breslau. Nachdem schon häufig in Breslau nach dem Beispiele verschiedener anderer Städte der allerdings immer vorgebliche Versuch gemacht worden war, ein jüdisches Volksheim ins!.eben zu rufen, traten am 2. April 1908 eine Anzahl von Männern zusammen, die den Gedanken des ״Jüdischen Volksheims“ energisch ins Auge fassten und an die Ausfiihrung dieses Gedankens hcrantraten. Ihrem Vor* gehen ist es zu danken, dass noch vor der definitiven Organisierung der Gesellschaft ״Jüdisches Volkslicim“ (Toyitbcc-Ilalle) ein für unsere Zwecke bestimmter grösserer Geldbetrag gesammelt werden konnte. In der am 30, Mai 1908 aiiberaumtcn Ocncralvcrsammlang, welche die Organisierung der Gesellschaft zum Abschluss brachte, wurden die Statuten fcstgelcgt und der Vor?tantl gewählt, der sich aus folgenden Herren zusammenseizte: Martin Fraenkel, 1. Vorsitzender: Dr. Jos. Schlesinger, 2. Vorsitzender: Gustav Grünthal, Kassierer: Siegfried Weissmann, 1. Schriftführer: Benno LiUauer. 2. Schriftführer: Paul Bayer. Louis Dziaioschinsky, Max Growald, Hermann Kalischcr, Hugo Pulvermachcr. Dr. Aron Sandler, Zahnarzt Hugo Schachtel, Louis Schnitzer und Apotheker Dr. Schwenk als Beisitzer. Am Sonntag, dem 18. Oktober 1908 wurde das ״Jüdische Volksheim" (Tnynbee-Hallc) in den Räumen des ״Israelitischen Kinderhorts,“ in dem Grundstück Sonnenstrasse 30, eröffnet; doch bald erwiesen sich diese Räume als zu klein, und so wurde die ״Tovnbce* Halle" in die eigens zu diesem Zwecke gemietete erste Klage des Hauses Ring 4*1 verlegt. Bis zum 31. März waren die Räume des ״VolksVicims" an jedem Abend — mit Ausnahme des 29. und 31. Dezember, sowie der Freitag-Abende — von 8—11 Uhr, Sonntags schon von 7 Uhr an geöffnet. Zwei ■Vorstamlsmitglicder führten immer abwechselnd je eine Woche die Aufsicht, während ihre Frauen in der Tltcckiichc die Leitung hatten. An jedem Abend wurde den Besuchern dts Volksltcims ausser den geistigen Anregungen unentgeltlich Thce und Gebäck verabreicht und von jungen Damen der Gesellschaft ehrenamtlich serviert. Der Besuch des Volksltcims war ein recht erfreulich reger und zeigte, dass die ■Schaffung unseres Unternehmens einem Bedürfnis entsprochen hat. In der Zeit vom 18. Oktober 1908 bis 31. Mürz 1909 wurde das Volkslicim von 28757 Personen oder durchschnittlich an jedem Abend von 200 Personen besucht. Meistens waren cs junge Männer und junge Mädchen, die unser Heim auf* suchten, gerade diejenigen Schichten der Bcvölkc* rung, für die wir das Volksheim geschaffen haben, denen wir in unserer Hallo einen Schutz von den Gefahren der Qrossstadt bieten wollten und geboten haben. Diejenigen Abende, an denen besondere Voranstaitungen nicht getroffen waren, waren die sogcnannten Lese- und Untcrhaltungsabcndc. in den behaglichen Räumen des Volksltcims fanden sich die Besucher zusammen, lasen ln den zahlreich ausgclcgtcn Tageszeitungen und Journalen, oder bclustigten sich an Brettspielen (Schach oder Domino, Dame, Halma und so weiter). Kartenspiele sind prinzipiell verboten. Häufig auch sorgten unsere Gäste durch Vorträge, Rezitationen oder Gesang |״r die allgemeine Unterhaltung. Das Benehmen der Volkshcim-Bcsucher ist fast immer ein gesittetes und der Würde der Einrichtung entsprechendes gewesen; nur ausnahmsweise saii sich der Vorstand genötigt, wegen un;mgemess״jU, Betragens von seinem Hausrecht Gebrauch /M machen, — Am 29. Dezember fand im grossen Saale des Konzcrthaiiscs zu Gunsten des Volkshetm•, ״!! Fest statt, welches von dem Vergnügungs-Komitee aufs Beste vorbereitet, einen Überschuss vu.1 f,1s- 1000 Mark ergab. Fraustadt (Posen), Da die Zahl der jüdischen Schüler der hiesigen jüdischen Schule auf neun gesunken ist und voraussichtlich noch weiter falle;! wird, haben die Repräsentanten die Auflösung ,״! Schule beschlossen. Die jüdischen Kinder weiden evangelischen Schule zugcteilt. Au dieser Schule wird daun dauernd ein jüdischer Lehrer angesteüt. — Auch ein Beitrag zur A b w a n d e r u 11 ׳,: <tvr Juden aus Posen. Altona. Die hochdeutsche Israclitcngcmeindc Atlona ist im Jahre l(»IO gegründet: sie L'ickt anfangs nächsten Jahres auf ein düfijühriges JubiLa.!! zurück. Das 300jährige Jubiläum soll besonders feiert werden. Kinlndtmgen werden an die Regiert!!,g, Magistrat und Stadtverordncten-Kollegium sowie;,״ die üemcindcvorstande der israelitischen Gemen,aca in der Provinz und Hamburg ergehen. VEREINS-RUNDSCHAU Oie Schritt Uhrcr <!er Vereine werden 1!el>ete11, die latuiun' inOgliciiM knapp xu hallrn 101,1 sic stets »ccituea■!! euousv, ,:te Munuakrlplo nur auf oinor Sotto tooaohrolbon - UoutUoho SahrUtt Jubiläumsfeier der Kattowltzer Konferenz. Wir machen unsere Leser auf das im Inserat.;;, teil dieser Nummer veröffentliche Programm der fünfundzwanzigjährigen Jubiläumsfeier der Kau«, witzer Konferenz aufmerksam. Die Feier findet a n Sonntag, dem 7. November, in Kattowitz st׳״[. Alles Nähere über die vorgesehenen Verans:!!. tungen ist aus dem Programm ersichtlich. Auing;» von auswärtigen Teilnehmern sind /.u richten an Herrn Arnold Wiener, Kuttow r׳״, Karlstr. 1. (Tciephonruf 131 und 1025, Kattowitz, O.-S.) Anmeldungen zur Teilnahme am Festmahl sollen möglichst bis zum 31. Oktober bewirkt werden. Berlin. Am Sonnabend, dem 30. d. Mts., uh.;ui> 9 Uhr, spricht im Ilerzi-Klub der Parteisekretär Herr Carl Blumcnfcldt über: ״Die Juden als Nation". Gäste haben Zutritt. Die Sitzung f indc t ausna 11 m s we isc im ״Sc h u11 It e i ss", J o a c h i in s t h a I c r S t r. 37 (K c k c K u r {1i r s t e ndumm, 2 Minuten v. Bahn hoi Zoolog. Garten) statt! Berlin. Am Donnerstag, dem II. November, abends 9 Ultr, veranstaltet die Berliner Zionistische ׳ Vereinigung im Virehow-Saal, der Sophtetts.de. Sophienstrasse, eine Versammlung, in der I Lrr Leo M 01 z k i n über ״Fragen des Kongresses" sprechen wird. Berlln-Cliarlottenhurg, Die am Montag in de:! Auguste Victoria-Sälen, Luthcrstr. gemeinsam vmi der Berliner Zionistischen Vereinigung und der ZI«• nistlscheii Ortsgruppe Cluirloltcnlmrg veranstaltete Versammlung gestaltete sich zu einer M a s s e 1! kundgebung, wie sie in der Geschichte des Herliner Zionismus selten zu verzeichnen war. Der gci'äumigc Saal war bereits lange vor Beginn der Ver- Sammlung überfüllt, so dass die po I i z e i l i c he Absperrung des Saales und der Nehenräimic er. ן forderlich wurde, und Hunderte von Besuchern w ieder , umkeliren mussten. Als erster Redner hielt dann unser Gesinnungsgenosse Dr. Klee eine seiner Meisterreden. Er wies auf den traurigen Gegensatz hin, in dem unser gegenwärtiges jüdisches Geistes* leben, zu jenen Ewigkeitswerten stellt, die Israel bereits von zwei Jahrtausenden der Menschheit geschenkt hatte und die auch heute noch grundlegende Bedeutung für grosse Rciormbcstrcbungcn auf kulturcllem und sozialpolitischem Gebiete hätte. Die modernen Bestrebungen der Bodenreformer sind auf diese uralten jüdischen Grundgesetze atifgebaut. Hier hätten wir Juden gerade die Pflicht, weiter zu arbeiten und wieder im kulturellen Sinuc bodeuständig zu werden. Diese Möglichkeit sei aber nur als Tcilersclicinung einer wirklichen Bodenständigkeit im Lande der kulturellen Volkstraditioncn. in Palästina gegeben. Nur von ganz sekundärer Bedeutung sei unter diesem Gesichtspunkt betrachtet die Tatsache dass die politischen und kolonisatorischen Bedingungen dieser Entwicklung günstig seien. Als zweiter Redner gab sodann Herr Prof. Warburg ein umfassendes Bild der gesamten jodischcn Kolonisationsbcstrcbungcn sowohl in Europa als auch in Nord- und Südamerika. Er ging davon aus, dass das jüdische Volk in der Hauptsache cm Ackerbau treibendes Volk gewesen sei und dass cs sich nur zwangsweise in der Verbannung dem Gewerbe und Handel habe zuwenden müssen. Neuerdings jcducli könne man überall das Bestreben wahrnehmen, wieder den Acker* und Oartcnbau den Juden zugänglich zu machen. Dem jedoch stände io

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