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Jüdische Rundschau · 1909-10-29 · Heft 44 (29.10.1909) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 44 (29.10.1909)
Date
1909-10-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 490. JUEDISCHE RUNDSCHAU No. 44. | NaphUUi Irnbcr Am 8. Oktober verstarb tu New York im Atter von 53 Jahren Naplnali Herz lmber, vier Dichter des jüdischen Nationallicdcs ״llatikwah" {..Die Hoffnung"), das in allen Liindern bei jeder nationaljiidischcn Veranstaltung erklingt. Imber wurde in Slaczow in Qalizien geboren. Als Jüngling wunderte er in Europa und Asien umher, wobei er auch einige Male Palästina besuchte. Er kam vor etwa 23 Jahren nach Amerika. Ausser dem gcitaim* ten Liede hat er noch eine Anzahl Ücdichtc verfasst, die zu einem Hunde unter dem Titel ״Barkoji" vereinigt wurden. Drei von ihm verfasste Werke über die assyrischen Länder wurden von der amerikanisehen Regierung auf Staatskosten Ucrausgcgcbcn. Der Verstorbene, den Zangwill in einer Skizze ״Malki Zedek" geschildert hat, war in Denken und Lebensfiilmmg eine äusserst originelle und interessante Persönlichkeit. « ♦ * US ALLCR war •״ Cesare Lombroso und der Zionismus Uns wird geschrieben: Vorige Woche ist, wie berichtet wurde, einer von den grossen Juden gestorben, einer, der mit Bewusstsein Jude war und sein wollte. Aber mau las davon nicht viel, und so mag es interessant sein, zu vernehmen, wie Lontbroso zu seiner zionistischen Anschauung gekommen ist Er schrieb darüber vor mehr als zehn Jahren: ״•\ls ich zmn ersten Mal vom Zionismus reden horte, empfand ich Lust zu lachen, und das Lächeln wich auch nicht, als mir Dokumente vor Augen kamen, die jeden andern klüger gemacht haben wiir* den. so die schönen Artikel Nordaus und Hcrzls. Der erste Zweifel an der Richtigkeit meiner Ausieht kam mir auf der bahrt /.wischen Moskau mul Warschau, auf jener!-trecke, wo jede Station m i t wa 11 r cn Herden von a r nt0n Juden besät ist. die um ihr Lehen kämpfen und sich zu diesem Zwecke an das erste moderne Handelswerkzeug, die Eisenbahn, anklaninier». ln einem Waggon sprach ein junger polnischer Arzt, ein Jude, mich an, und nachdem er mich über meine Ansicht über den Zionismns befragt, nachdem er mein Lächeln gesehen haue, verdüsterte sich sein Gesicht. als hätte mau ihm eine Oliricigc versetzt. ״Sie haben nicht die '!'aasende und Tausende von Opfern gesellen, die vergeblich um ihr Leben kaumfeil, die weder ein Vaterland noch (liiter besitzen, noch Mittel, um siel! solche zu verschaffen, deren yerhrechen der Glaube ist," antwortete er mir.“. . So verspricht denn Zion das Beispiel einer n e u e n B e v ö 1 k e r u n g zu bieten, die mit den alten U c b e r 1 i e f e r n n g e 11 alle in 0 d c r 11 en 11 i I f s - mittel vereinigt, der es gelingt, alle jene durch die Jahrhunderte und das Unglück in der hebräischen Rasse entwickelten verborgenen Kräfte zusammenlaufen zu lassen. Jetzt, da ich die ganze Grosse meines Irrtums begriff, erklärte ich ihn mir leicht, wenn ich ihn auch nicht rechtfertigte. Die Bewohner Westeuropas, wenigstens die Frankreichs und Italiens, wo die Juden einen kleinen Bestandteil der Bevölkerung aiisniaehen, wo sie vollkommen alle bürgerlichen un J politischen Rechte geniessen, wo sie l>einen Antipathien begegnen noch begegnen können, noch Ursache haben, ihnen zu begegnen — vergessen die biblische Ucbcrlicfcruug vollständig wie ein Kiiidcrmürehen und lassen die ganze politische Leideii.seluift konvergieren, zugunsten des Landes, in dem sie leben, dem sie heri huUe Märtyrer geben, für das sie die doppelte Liehe des N'cophytcn und Patrioten empfinden. Aber bähe» jene, weil es ihnen gut gellt, mul weil sie ein Vaterland gefunden haben, das Recht zu vergessen, dass sie Brüder besitzen, denen cs schlecht geht, die kein V a t c r 1 an d haben? Haben jene das Recht zu vergessen, wie viele Tausende, Millionen von Menschen dem Spott und Verfolgungen ausgesetzt sind, blos wegen der höchst edlen Tatsache, dass sic einen Glauben liesitzen? Dari vergessen werden, das der Zionismus ״,1‘״diese Vaterlandslosen eine Wiege, für alle eine Hofmung, und eine sielierc Antwort für alle werden kann, die den Hebräer beschuldigen, dass er zu nichts taugt, als mittels Ränke und Wucher Geld ־zusainiucnzuscluirrcn? Darum habe ich mich überzeugt, dass ich mich auch m einem Irrtum befand, als ich die Idee der Zionisten verspottete. Wenn sie in der jetzigen Weise von hervorragenden Männern wcitcrgclcitdt werden, so yerheissen sic, dass wir ein neues, glückliches, an Geist und Energie mächtiges Volk hervorgeheu sehen werden, das vom alten nichts haben wird, als die Ucbcrhcierung. die Klugheit und den Scharfsinn. — —י So dachte Loinboroso, der noch ,wenige Wochen vor seinem Tode mit Max N0rdau 1*»SO Maggiore, .wo er zur lir- Km Ä\?bc,r. c,lnc aku1c"c Jüdische Aufgabe S״ ״״n?״J11C1׳m1Urbcitcn w0״tc• Unsere deutsche Wnf f1}11"1 vP,n ®»®«*י»« keinerlei Notiz, L0Mr*2״S2 a1!0 vlc״?',' jüdischen. Redakteure und die Leser auch diese jüdischen Angelegenheiten an! — Deutschland Ist das möglich? Ein geradezu unglaubliches Stückchen leistet sich die Berliner Zeitung 0״ c r in a 11 i a“, bekanntlich ein katholisches Organ und das führende Blatt der Zentrumspartei. Das Blatt, das öfters ein wenig antiscmitclt, seine judenfeindliche Qcsinnung aber stets mit frommem Augcttaufschlag ubieugnet, bringt in seiner Nummer vom 26. Oktober die 101gende gross gedruckte Notiz m i t den auch hier angezeichneten I Icrvorhclmngcn: Ist das wahr? Die Staatsanwaltschaft vott Irkutsk konfiszierte vor kurzem, wie das Wiener Deutsche Volksblatt meldet, eine massenhaft in Sibirien verbreitete Broschüre, deren Inhalt eine geradezu imglaubliehe Beschimpfung des Christentums enthalten soll. Es handelt sich, dem Deutsche!! Volksblutt zufolge, tun eine jüdische Schrift, die den Zweck verfolgt, durch die Vcrlterrlielnmg und Vorspiegelung der un besiegbaren Weltmacht des Judentums die Bevölkerung Sibiriens für sich zu gewinnen und sie gegen Staat und Christentum zu reizen. Statt eines besonderen Kommentars bringen wir nur einige Stellen dieser Schrift: ״Der Knechtschaft, welche das C h r i ־ stent um über alle e u r o p ä i s c It c 11 Staaten v c r 11 ä n g t hat, ist schon das Ende gekommen. Diese Sklaverei ist abgcschafft worden, und die Völker Europas müssen endlich die Freiheit erlangen. Diese Freiheit b e k 0 in m t a b c r d ie W c 11 n u r a 11 s der Hand des jüdischen Volkes, desselben Volkes, welches vor neunzehn Jalirliuttderton den Urheber dieser Knechtschaft m i 1 d e m schimpflichen T 011c bestrafte. Vermeidet und tretet nicht in die mnrarcliistischen und ihnen ähnlichen Verbände ein, weil sie nichts sind, d cnii die M a c 1t t g c 11 ö r t uns Juden a 11 e i n. Uns gehört die Industrie, Handel. Bankwesen. Börse und das ganze Hold der Welt. Wir beherrsehen die öffentliche Meinung und die!,resse. Die Regierungen sind gegen uns olimnäclitig und müssen das tun, was wir ihnen befehlen. Wir dringen in die Armee ein, die bald auf unscrer Seite stehen wird. Ihr müsst mit uns gelten, weil wir die a 11 m ä e 111 i g e G e - walt repräsentieren und weil wir die einzigen sind, w e 1 e 11 0 euch v 01t der Skiav e r e I des C 11 r i s t c 11 tu m s befreie n können." Diese Auslassungen in der angeblieh jüdischen Schritt klingen so unglaublich, dass wir einstweilen nicht an die Wahrheit der Mitteilungen des Deutschen Volkshluu in Wien glauben können und darum die!׳rage stellen: Ist das w a 11 r? Ist es wirklich möglich, dass ein Redakteur der ״Germania" so bodenlos dumm sein kamt, um eine solche Notiz aus dem Wiener Pöbelorgan überltaiipt einen Augenblick für glaubwürdig zu halten? Das scheint uns eine zu starke Zumutung an unsere l.oicblgKiubigkcit. Welcher Jude sollte wohl so wahnwitzig sein, eine solche Broschüre zu schreihen und sic — ausgcrcelmct in Sibirien! — zu verbreiten! Wenn ein Blatt, wie das ״Deutsche Volksblatt״ in Wien eine solche Sache bringt, so tangiert das niemanden, ebensowenig wie wenn die ״Staatsbürger- Zeitung" oder ähnliche Blüttehoit ihre schmierigen Ausfälle gegen die Juden bringen. Die nagelt man von Zelt zu Zeit einmal an, und damit ist die Sache erledigt. Der ״Germania" aber kann ein solches Stück nicht durchgehen. Wir fühlen uns nicht zu Vcrtcidigern des Katholizismus und der Zcntrumspartci bcrufen, aber das haben sic nicht verdient, mit solcher politischen Brun nett Vergiftung identifiziert zu werden. Und deshalb fragen wir die Leitung des Zentrums und die Verantwortlichen der ״Germania": Ist das möglich, dass diese Notiz der Dum m * heit eines Germania-Redakteurs ihre Aufnahme verdankt — wir können uns einstweilen ein solches Quantum dieser Gottcsgabc nicht vorstcllcn! — oder ist die ״Germania" Organ des ״Verbandes cchtrussi* scher Leute“ geworden? Ist das möglich? Von der Antwort wird es abhängen, ob man die ״Germania" in Zukunft noch als ein anständige» Blatt wird betrachten können. Italien An der Qalatafcl im Schlosse von Racconigi ge- .lcgcntlich der Anwesenheit des Zaren am 25. Oktober nahmen bekanntlich auch Mascagnl und der Bürgermcistcr von Turin toll. Aber das Ereignis des Tages war, , wie der ״Berliner Lokatanzcigcr" schreibt, die Anwesenheit von Eracsto Nathan, dem Bürgermeister von Rom. Er sass zwischen dem russischen1 Botschaitsrat Gulkcvitsch und dem Präfekten von Turin Dass Herr Nathan als Bürgermeister von Rom dcm Zaren seine Huldigung auf Befehl des Königs darbringen sollte, ist nichts so besonders Seltsames; aber dass gerade c r es tun muss, der Elircngrossmcistcr der italienischen Loge, der in seiner rcpublikamselten Gesinnung die Könige hasst wie die Teufel, das ist ein seltsames Spiel des Schicksal»! Von dem von ihm gepflegten Ideal eines golden;•! republikanischen heidnischen Zeitalters in Italien In» zu seiner Verbeugung vor dem orthodoxen Zaren, welcher gewaltige Schritt! Noch dazu hat er an ü.-r Galatafel tcilgenommcn als der Auserwählte juus radikalen Blockes, der das Auspieifen des Zaren auf sein Programm gesetzt hatte. Von heute ah wird a aber den Amlrcasordcn oder eine andere russisch״ Dekoration zur Schau tragen und sielt uielanctuBisch als das Opfer einer Politik betrachten, die ihn zwang, seine ideale auf dem Altar der italienisch-russischen Freundschaft zu opfern. Die Einladung Nathans zur Galatafel nach Racconigi ist sicher das pikanteste Er. cignis der Entrcvuc. -- Wenn der LokalanzeRer• Korrespondent nun noch hervorgehoben hätte, das» cs doch auch für den J u d e n N a t h a 11 ein eigen, tüiuliches Gefühl gewesen sein mag. den Zaren, den Mörder so /zahlloser Juden und den Sklavenhalter der Hälite der ganzen Jmlenhcit begrüssen zu müssen. »׳, hätte er die ״Pikanteric" dieser Situation noch viel besser ausgescltöpit. Der jüdische Uürgerua! ter der heiligen Stadt Rom und der Zar aller Reusset! — das ist iu der Tat mehr als eine politische P1k..n. tcric. ' Eiir uns bewusste Juden ist es sogar ein pulitisches Problem. Türkei Spanien will seine Juden haben Ein Artikel der Konstantinopvler Tageszeit•!;:.: ״Levant Herald" fuhrt mit grossem Elan die Verteidigütig des Spuniolischcn als Sprache der orientalische:׳, Juden gegen die Grabrede,'die ihr die ״Aurore" vor kurzem widmete. Er begeistert sich fur den Plan des Redakteurs der ״Epoca", der den s p a n i o I i s c ä e « Jargon an der grussspaniselicu Muttcrspneii« veredeln, wenn mt glich, durch sie ersetzen 111׳, Was diesem Artikel eine ganz besondere l'ika.1. riv verleiht, ist. dass der Direktor des Blattes ..,.ev.im Iferald" der Konstantinopvler — Viz ckonstil von Spanien ist! Pie ״Aurore" gibt ihm in •niceii Randbemerkungen einen feinen Abschied. Wie verlautet, hegt die spanische Regierung den Plan, in der '1 urkei S 111 11 ־.׳ e 11 für ü i c s c p h a :;. seilen Juden zu gründen, um die m».o . v Kultur zu verbreiten. ״Wir glauben." logt uv ״Aurorc" dieser Meldung hinzu, ״dass wedu die Pracht der Gebäude uuelt der ireie Unterricht ׳ .ef sonstige lockende Versprechungen einen ein׳.׳gen .luden, einen einzigen Nuwhkommcn der Vciincm.'.cn von UD2, dazu bringen wird, sicli zu rühren. 11׳ : mese Anstalten zu besuchen." PALA€STINA־RUM05CHAU Die Mnni/ipalitüt der Stadt Jerusalem vcruM,;• liciit die Einzelheiten eines provisorischen Vertu den sic mit der deutschen Firma Karl IT.uk׳' : n Bremen abgeschlossen hat, und ladet auch u1.!׳.re Bewerber zur Einreichung ihrer Uiierten ein. Ihc Firma Karl Franckc verpflichtet sich, aus der A4,. Faratpiclle, 18 Kilometer nördlich von Jeru-.tkin. Wasser n^yli der Stadt zu leiten, und 2—luuu cbm täglich zu liefern. Tu cbm werden täglich der >t * 1t- Verwaltung zur unentgcltlichchn Verteilung an ״ie arme Bevölkerung Jerusalems überlassen, den i.vy verkauft die Gesellschaft zum Höchstpreise von 1..י׳ Fres. pro Kubikmeter, Die dem Staat oder der >:.11״ gehörigen Terrains, die zur Errichtung der Wasser- Icitimg für die Gesellschaft notwendig sm I. werden ihr unentgeltlich übertragen, die priemen Grundstücke zu einem von der Regierung fcstgcsG/• ten Schätzungswerte abgetreten. Der Import sa utlieber Materialien für das Wasserwerk ist zol'üei. Die Konzession wird auf dreissig Jahre erteilt: nach Ablauf dieser Frist geht das gesamte von der he- Seilschaft errichtete Wasserwerk mit aller Einn.'li• tung ohne Entschädigung ins Eigentum der Stadt verwaltuug über. >*A pk. Pünktlich stellte sich am Kl. Oktober, em.n Tag nach den Siikkoth-Festtagen, in denen m allen Synagogen fleissig um Regen gebetet wurde, zur allgemeinen grossen Freude ein Iteitiger Wiutcrrcecu ein. Da es nämlich vor einigen Wochen allzu indizeitig längs der palästinischen Küste drei Tage hm• durch stark geregnet hatte, bcf.irehtetc man. vi.isv die eigentlichen Winterregen in diesem Jahr sehr spät cintrctcn würden. Zum Gluck ist dies mm nicht der Fall gewesen. Hoffentlich ist damit der Sommer, der diesmal besonders empfindlich war uml sehr zahlreiche Ficbcrfällc mit sich brachte, nun zu Ende, um der gesunden schönen Wintcrzcit den 1*1•»*/- zu rUtunon, ijr ... ״ Ein sehr gutes Werk, die Schaffung eines neuen Jüdischen Stadtteiles In Jerusalem, beabsichtigt ein vermögender •grusinischer Jude durchzuiühren. Er will ein grösseres Torrain, in gesunder Lage, eine (Fortsetzung auf Seite W״•)

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