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Jüdische Rundschau · 1909-10-29 · Heft 44 (29.10.1909) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 44 (29.10.1909)
Date
1909-10-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 480. t >;cr te. ui- -11c '•'i t גי n '1!. Sie. ■011. nie Jer bc in - r0 f II. ,I. •‘III nie 4:e '׳.,I ehr Ohl o.S -'ht 011, 1 i j s f I I J;1 I . 1 1L fl 11. ir, ®I in <>. er 1!; 8. (• fl. »I Kl 1• I; I 11 I; f No. 44. Nunmehr ergreift Präsident WoHisolm das Scliliissworc ״Ich danke den Herren, dass sic liicrlicr^ckotnuicu .sind. Ich gestehe, dass ich etwas beunruhigt war, als ich von der österreichischen und russischen Zentrale die Mitteilung bekam, die Herren würden nicht zur 8it.mng kommen, weil entgegen ihren Wünschen die Sitzung nach Köln und nicht nach Berlin cinbe- ,״!Vn worden ist. Ich wunderte mich über diese Viinciliing. üeim ich konnte mir gar nicht denken, ,uss die Herren sich wirklich aus solchen Gründen ,!..von ahhalten lassen würden, au den Beratungen :cil.'uiiehiuen. Ich freue mich, dass ich mich in 1״einen Erwartungen nicht getiiiisclit habe, und dass ,in• IH’inn doch noch Vi1׳l11il111l«.111il<,<dn /iililn-lcli ,11 :ai/iiiig mi liumeii sind, Meine lleiicu, ich habe ja auch bei dieser Mi/11ng, wie das schon einmal bei uns üblich ist, eine '•־ '* hörige Dosis Kritik zu hören bekommen. ־W siud ja in unserer Bewegung von Anfang an gewohnt gewesen, zu kritisieren. Ich wundere mich acslialh nicht, dass Sie mit mir nicht zufrieden sind, '.lieh ich habe keine Ursache, mit allem zufrieden zu vin. ich bitte Sie aber zu berücksichtigen, dass kein Mensch mehr geben kann, als er imstande ist. An ,einem guten Willen zweifeln Sie ja nicht, und wer- •len hoffentlich auch überzeugt sein, dass ich mein : K'stes gegeben habe, wie ich von Ihnen weiss, dass »e nur das Gute wollen. Wenn wir öfters zusammen .•׳niiiien und die ganze Arbeit öfters überschauen .uimten, dann wäre damit schon viel erreicht, dann u urdc die Kritik wahrscheinlich zu einem grossen 1 eil verstummen. Ich habe auch in dieser Sitzung gesehen, dass der und jener in unserer Bewegung sich vom Pessinisimis gefangen nehmen liisst. Ich begreife ja. dass solche Augenblicke vor- Minimen, Momente der Entmutigung keimt jede Bewegiing. Wenn wir aber einen Rückblick werfen auf die ganze Geschichte der Bewegung, wenn wir uns vor Augen halten, was die Bewegung in ihren zwölf •!:ihren alles geschaffen, und was wir auch in der letzten Zeit geleistet haben, dann haben wir wahrlieh keinen Grund zu Pessimismus. Auch in den letzten Jahren sind wir Schritt um Schritt vorwärts gekommen, und ich denke, dass wir keine Ursache haben, unzufrieden zu sein. Indem ich die Sitzung sehlicsse, rufe ich Ihnen zu: ״Auf frohes Wiedersehen beim Neunten Kongress in Hamburg!" Das zionistische Palästinaprogramm*) Von Davis Trlctsch -Berlin Einicilung Unser heutiges Thema heisst ״Das zi0■ n i s t i s c h e Pnlästina-Prograin m“. Es muss also eines geben, ein sozusagen bcstimnites, wenn Sie das Thema gewühlt haben, und wenn Sie gerade mich aufgefordert haben, darüber zu referieren, so werden Sic wohl, wenn ich nicht Zufall atmehmen soll, der Ansicht gewesen sein, dass ich ein authentischer Interpret des zionistischen Palästina-Program• mes sei. Ich glaube dies für meine Person auch oinigermassen acceptieren zu dürfen, denn das zionistische Palästina-Programm das heute Geltung hat, hat in der Tat nicht immer Geltung gehabt, ist aber von mir zu einer Zeit verfochten worden, als es durchaus nicht Allgcmeingut der zionistischen Organisation gewesen ist. Bis zum VII. Kongress galt ein anderes Palästina - Programm, und das hiess merkwür• dtgerwelsc*. Nichts tunt Dieses inzwischen überwundene Programm sagte, in Palästina sei mit der Tätigkeit erst zu beginnen, nachdem die rechtlichen Grund• lagen gegeben seien. Dieser Satz hat im Laufe ’der Zeit verschiedene Formen erlebt. Zunächst hat es geheissen: Wir müssen eine rechtliehe Basis haben, bevor wir hingchen. Diese rechtliche Bass wurde erweitert in einen C11 a r t e r. der Bedeutung haben sollte für d i c Juden, die erst kommen sollten — denn von den Juden, die schon im Lande waren, war in diesem Zusammenhänge nicht die Rede — ein Charter, der Rechte über das Land ein* räumen sollte, unbekümmert um die dortige Be* volkcrung und unbekümmert um die Regierung und unbekümmert um die Landesverhältnisse. Dieses Programm musste fallen, es fiel auf dem VII. Kongress, und das sogenannte *) Mit heutiger Nummer beginnt der Abdruck der zweiten der seinerzeit angckündlgtcn Vorlesungen aus dem Wiener Palästina-Kursus. — D. Red. Programm cler ״realen A r b c i t“ in Pal äs t i n a , das an die Stelle des früheren gesetzt wurde, war vollständig im Sinne der Opposition, in der ich früher gestanden, soweit in deren Sinne, dass ein sogar in seinem Wortlaut von mir beeinflusstes neues^ Palästinaprogramin auf der Konferenz in Frei bürg akzeptiert wurde. Das Palästinaprogramm ist i dabei nicht stehen geblieben. Fs hat sich weiter entwickelt, besonders dadurch, dass die Tätigkeit in Palästina tatsächlich begann. Ihid in Palästina haben wir dann eine neue Pliii1•.(• di(-:;(•‘: /i<)11Mh1־l1111־ I11׳lüMi11u־Prngm111111n 1*111111־ und /war dmvli die neue ״l.u 11 d au 1111־ . sch a i t P a 1 ä s t i n a“ der zionistischen Organisation, die im Jahre 1007 konstituiert wurde. Auch an diese m Programm habe ich einen speziellen Anteil genommen, soweit sogar, dass auch das im wesentlichen in m einer Fassung accepticrt worden ist. Das l\tUis:ma־iJr<H1ramm dcrl'alüslinenscr Wir nannten dieses Programm das ״Programni der realen Arbeit in Palästina, in politischer, kultürel-1 ler und wirtschaftlicher Bezie• h u n g.“ Zum politischen Programm gehören folgende Punkte: 1. Die reale jüdische Politik verfolgt das . Ziel, eine immer grössere jüdische Ansiedlung im Lande herbeizuführen und die ji'tdisch-wirtschaftliehe Position in Palästina zu stärken. 2. Sie wird hierbei auf die Interessen der Regierung, des Landes und seiner Bewohner bcdacht sein müssen. 3. Die vom Baseler Programm geforderte, ״öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte“ ist als Ziel und nichtals Voraussetzung jeder realen Arbeit zu verstehen. Zum wirtschaftlichen Pro* gramni zählen wir folgende Punkte: 1. Die Stärkung der wirtschaftlichen Position der Juden in Palästina ist soweit als möglieh auf al 1 c n Gebieten und ohne u n n ö - t i g e Ze i t v c r 1 u s t e anzustreben. 2. Die landwirschaftlichc Kolonisation soll durch systematische Frlcichtcrungen aller Art gefördert werden. 3. Der städtischen und in- Uustricllcu Kolonisation, sowie den Verkeh ^Unternehmungen soll erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet werden, 4. Handel und Handwerk sollen durch geeignete Kredit- und genossens c 11 a f 11 i c 11 e Einrichtungen erleichtert werden. 5. Speziell sollet! die bereits vorhandenen Mittel (des Trust, des Nationalfonds usw.) baldigst zur grösstmöglichen Wirks a m k e i t im Lande gebracht werden. Ausserdem sollen durch die jüdischen Institute neue Geldmittel auf gcschäftsmässige Weise beschafft werden. 6. Ein entsprechender Informationsdienst soll alle Zweige der jüdisch-wirtschädlichen Tätigkeit im Lande umfassen. Das kulturelle Programm umfasst folgende Bestimmungen: 1. Eine Organisation der kulturellen Einrichtungen im Lande ist an zu streben respektive auszubauen. 2. Hauptaufgabe der Schulen soll cs sein, der Jugend eine Erziehung für Pa- 1 ä s t i n a zu geben. 3. Die Unterrichtssprache sei hebräisch, doch soll auch die a r a b i s c h e und türkische Sprache in grösserem Um• fange als bisher gepflegt werden. 4. Kaufmännische, technische und landwirt* schädliche Fortbildungskurse sollen die Jugend befähigen, besser an der Entwicklung des Landes tcilzunehmen. 5. Es ist zu versuchen, mit den breiteren ' Schichten der iüdischep Bevölkerung des Landes Fühlung zu nehmen und durch Schaffung von Fortbildungs-, Unterrichts- und Arbeitsgelegenheiten auch die bisher rückständigeren Elemente der Bevölkerung zu , יי#•ו; * wirtschaftlich wertvollen entwickeln zu helfen. 6. Schliesslich sollen die Verhältnisse des Landes in rechtlicher, ökonomischer und kul* turellcr Beziehung systematisch erforscht und die Kenntnis davon in der gesamten J u d c n h e i t verbreitet werden. Das ist das Palästinaprogramm, das von der zionistischen Föderation in Jalta im Mai des Jahres 1907 entworfen wurde. Daraus folgt, dass ch uncli 111111*1* dem nllcn Regime in (Irl* lilila■! enMaiidcii hl, und sciilnr ist iiianclnr* lei geschehen, das als I׳. r f ü 11 u n g oder wenigstens teilweise Erfüllung dieses Programms gelten kann. Infolgedessen hat sich auch manches inzwischen verändert, aber die Veränderungen sind unwesentlicher Natur. Das Prinzip des damaligen Programms deckt sich völlig mit dem Gedankcninlialt des Programms, das auf dem VH. Kongress und auf der Palästinakonferenz in Freiburg festgestellt worden war. Ich will nun die einzelnen Punkte durchgelten, um einmal in übersichtlicher Weise und zusammenhängend die Fragen, die uns interessicren, auseinander zu setzen und später die Themata einzeln attszuführen, auch solche, die in unserem Programme nicht direkt enthalten sind, sondern die wir erst daraus s c 111 i e s s e n können. Wir sprechen also in den ersten Punkten von einem ״politischen P r 0 g r a m m“, von einer realen jüdischen Politik, die darauf ausgeilt oder deren erster Punkt es sei, ״e i n e immer grössere jüdische Sied- 1 u 11 g im Lande herbeizuf ii h r c n und die jüdische wirtschaftliche Position zu stärken. Dabei ist zunächst von keiner s p c zielle n Methode die Rede. Und darin, dass davon nicht die Rede ist, liegt eben der Gedanke, dass mit allen Mitteln eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung angestrebt werden solle. Der zweite Punkt sagt, dass hierbei auf die Interessen der Regierung, des Landes und seiner Bewohner Bedacht genommen wird. Und das ist von grosser Wichtigkeit, denn das frühere Programm, wenn cs ein solches war, hat sich ni c n t um die Regierung und nicht um das Land und nicht um die derzeitigen Verhältnisse gekümmert. Es hat wohl mich früher schon verschiedene Acusserungen gegeben, aber sic waren eben verschieden, so dass niemand recht sehen konnte, was wirklich gelten solle. Pie Dinge, die wir heute innerhalb der gegen* wärtig giltigen Anschauungen voraussetzen, diese Dinge sind schon vor uns gesagt worden, in dem Arsenal der ״C h o we vv e Z i o n“ sind alle diese Forderungen schon enthalten gewesen. Ich glaube kaum, dass ein einziger Punkt, den wir hier aufstellen, früher der jüdischen Gesamtheit völlig entgangen ist. Aber cs kommt doch darauf an, dass man nicht dieses und jenes sagt, sondern sich auf b e s t i m m t e Vorlagen einigt. Programm heisst nicht, dass unzusammenhängend und unmassgeblich alle mögliehen Dinge durchgesprochen und aufgesetzt werden, sondern unter einem Programm versiehe ich die Einigung auf eine Summe b e s t i m m t e r Tätigkeiten und Bestrebungen, die als ein einheitliches d u r c 11 f ii h r - bares Programm für die Gegenw a r t s a r b e i t erscheinen. Besonders bei diesem Passus bezüglich der Interessen der Regierung, des Lindes und seiner Bewohner, will ich Ihnen zeigen, in welch prononcicrtcr Weise das schon vor diesem Programme gesagt wurde, und besonders deshalb möchte ich dies tun, weil im selben Zusammenhang auch fast gegenteilige Sachen gesagt wurden. So dass aus jenem Stadium der Zionistischen Bewegung verschiedene spätere Bewegungen und Parteiungen sich ableiten lassen und jede einzelne von ihnen sich auf frühere Dinge berufen und daraus ihre Existenzberechtigung her* leiten konnte.- (Fortsetzung folgt.) ■ I!■■I i .

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