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Jüdische Rundschau · 1909-10-29 · Heft 44 (29.10.1909) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 44 (29.10.1909)
Date
1909-10-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 44. JUEDISCHE RUNDSCHAU Seile 487. Das H. A.-K. wählt selbst eine» Präsidenten, einen Vizepräsidenten und einen Schriftführer. Was die Hraw der Einrichtung von Ressorts an« so verstelle ich nicht, warum man hier SpeziaiabieilunKcn schalten will. Die Mitglieder des ti. A.-K. müsse» selbstverständlich alle Fräsen pc- ,״einsam besprechen und erledigen. Die Verunwörums׳ iur die ganze Bewegung und ihre einzelnen fraget» muss ein Kollegium tragen. nicht aber einzelne iVrsoncn. Ebenso können auch Aufträge nicht von citi/chicn Leuten ausgehen. Wenn wir statutarisch em/elnc Ressorts aufstcllen, werden wir gar keine Leitung mehr haben.!׳*Iselicr ist ebenfalls für eine Beschränkung der Anzahl der A.-K.-Mitglieder. Anderseits ist zu ne• denken, dass die Bedeutung des Amtes als A.-K.*Mitglied nicht allein in der Teilnahme an den Sitzungen liegt, sondern dass das A.-K.-Mitglicd vor allein zu 11.111*0. in seinem l.nmlc wirken und als Vermittler /wischen Leitung und Organisation fungieren soll. tirmicniaim spricht sieh iiir die Wahl des Präsi.lciiteii des I״ A.-K. durch den Kongress mul nicht •Imeh das A.-K. aus. Die Stellung des Präsidenten •kr Organisation soll eben hervorgehoben werden. Dr. Salz wendet sieb entschieden gegen die von Pr. Hodeiilieimcr vorgesehlagcite Änderung der Wahl- 1׳mvhtigung. Wenn die Zugehörigkeit zu einem Vern ie zur Vorbedingung des Wahlrechts gemacht wird, wurde die Bewegung in Galizien zugrunde gerichtet v erden. Kann: Das Grosse A.־K. sollte nicht ans zu wenig .Mitgliedern bestehen. Ihre Hauptbedeutung liegt in imeiii Wirken innerhalb ihres Landes. Die Länder, die nicht im A.-K. vertreten sind, entbehren des knmgen Impulses, der von den A.-K.-Mitgliedern .usgclit oder ausgeheu soll. Beim A.-K. hängt alles davon ab, wer an der Spitze stellt. Von der riehneu» Wahl dieses Mannes hängt die gute Wirksamseit der ganzen Leitung ab. Ich hätte nichts dagegen «,m/uwenden. dass ein Mann die ganze Leitung dar- *icllt. Die Bedingung, dass drei Mitglieder des A.-K. .!n einem Orte wohnen sollen, ist iiberiliissig. Denn o kommt doch nur auf die Arbeit des Vorsitzen- . ..1 an. Lcvy-Illel wünscht die Einführung des sogeiuumten ewigen Schekels. Hs soll den Zionisten möglich ,.ciiiaclit werden, durch Zahlung eines einmaligen issern Betrages den Schekel im vorhinein auf Lebenszeit zu entrichten. Wolhsohii halt diese Einführung nicht für •:morum, denn cs könne Vorkommen, dass der, der heute auf Grund des Sclickcls das ewige Wahlrecht besitzt, später der Bewegung gar nicht mehr angci.örc mul doch das Wahlrecht habe. Bülnu; Ich wäre dafür, die Zahl der A.-K■- Mitglieder nicht so niedrig festzusetzen. Die Mitglieder sollen auf Vorschlag der Lutulsmamtsclntftcn gewählt werden. Was das IL A.-K. anbetriift. muss bestimmt werden, dass mindestens drei Mitglieder des E.-A. uml darunter der Präsident an einem Orte wohnen müssen. Wir haben bisher keine Leitung, wir haben nur Mitglieder der Leitung, und die Einheitlichkeit ist gar mehl vorhanden. Daher musste es kommen, dass Ule Verantwortung Immer auf einen einzelnen fällt, der dann die Schuld .־ui tragen hat. weil er siel» mit den andern Herren der Leitung nicht genügend hat verständigen können. Wenn aber die drei Leute ein Kollegium an einem Orte bilden, werden sic eine viel grössere Autorität bilden. Dr. Sebmarjn Lcwln ist dafür, dass das 1L A.-K. aus siel) en Mitgliedern bestellt. Hs ist ihm unverständlich, wie man in der heutigen demokratiseiten Zeit ernstlich daran denken kann, die ganze Bewegung in die Hände eines Mannes zu legen. Und bis jetzt batte das H. A.-K. eigentlich nur ein Mitglied. Herrn Woli'isolm. Die beiden anderen Herreit haben‘ ihre Spezlalatifgabcn zwar gewissenhait erfüllt, an der Leitung haben sie keinen Anteil genomine». Hs ist aber nicht nur gegen die demokrailscheit Grundlagen der Bewegung gehandelt, wenn c i n Mann an der Spitze steht. — die Aufgäbe ist für einen au ch zu gross. Daher riilirt doch die viele Kritik, über die man sich jetzt beklagt. Sodann muss in der Leitung Russland unbedingt vertreten sein. Es wäre unsererseits sehr unvorsichtig, wenn wir Russiand übergehen würden. Wenn wir noch Leben im Zionismus haben, verdanken wir das den grossen jüdischen Massen in Russland. Dort ist der jüdische Geist Immer lebendig. Wenn man Russland aussclillcsst, wird überhaupt kein Leben mehr da sein. Wenn Russland sich dem l’arteifonds gegenüber Indifferent verhalten hat, so Ist daran der Umstand schuld, dass Russland im E. A.-K. keinen Platz ge* tuiulen hat. Russland darf nicht aus dem K. A.-K. ausgeschlossen werden, ebensowenig Österreich, auch nicht England. Wenn man einen Herrn aus Russland Liiizuiiliiiiiit, einen ans Österreich usw., so buben wir wieder ein Kollegium, wie cs zu Hcrzls Zelten war. Man wird dann mehr Kräfte zur Verfügung haben. Dieses A.-K. oder das Grosse A.-K. werden dann einen Präsidenten wählen, das ist besser, als wenn der Kongress diese Wahl vornimmt. Dieses Kollegium wird auch der Entfremdung zwischen den einzelnen Ländern entgegcnwirken und dann wird auch bessere Arbeit geleistet werden. Sic müssen doch zugeben, dass sich die Verhältnisse radikal geändert haben. Man muss mehr Beweglichkeit in die Leitung lilneiiibringen. Wir milssc’.i in allen Ländern arbeiten, Reisen machen usw. Mit einer Person allein geht das nicht. Hs müssen meiner Ansicht nach sieben sein. Woltfsolm: Ich möchte nicht auf Theorien eingclien. ich will mir über die tatsächlichen Dinge sprechen. Denn ich habe ja in praktischer Hinsicht grossere Erfahrungen als Sie alle, stehe icii doch, 1 seitdem Hcrzl nicht mehr da ist, ununterbrochen in , der Praxis der Leitung. Was das Grosse A.-K. an- | langt, so hat Herr Ussischkiit ganz recht. Je grösser I die Zahl der Mitglieder, um so geringer seine Be-! dentung. Herr Böhm hat sich dagegen gewandt, die > Zahl der Mitglieder des Grossen A.-K. etwa auf •10 zu beschränken, und hat dies damit motiviert, dass die einzelnen Länder im A.-K. vertreten sein müssen. Das aber ist gerade der Hehler. Sehen iMe doch, wieviel Mitglieder des A.-K. zur heutigen Sitzung gekommen sind, uml betrachten Sic, aus welche» Ländern sic kommen. Bei der vorigen Sitzung waren zum Teil andere Herren und auch aus andern Ländern da. Daher kommt ca dann, dass die eine Sitzung unter Umständen ganz andere He- Schlüsse fasst als die vorhergehende, weil eben iimucr ganz andere Teilnehmer zugegen sind. Der heutige Wahhtiodtts für das Gross A.-K. ist jedenfalls ganz verkehrt. Mau wählt nicht nach den Qualitäten der Leute, man wählt nach den Vorschlägen der Landsmannschaftcn, und der Kongress hat kaum Zeit und Gelegenheit, sich zu vergewissern, oh diese Vorschlage auch wirklich den Interessen der Bewegung entsprechen. Auf diese Weise fehlt tatsächlich jede Kontrolle darüber, oh die vorgeschlagcueit Personen .׳mell wirklich die Eigenschaften besitzen, die zur Wahl zum A.-K. notwendig sind. Heute entscheiden fast mir lokale und Parteirlicksichtcn. Anderseits ist es natürlich unbedingt erforderlich, dass die Vorsitzenden der Laiulesorganisationen dem A.-K. angchören, sonst kaiiii der Hall eimrctc», wie cs tatsächlieh friilier vorgekommen ist, (lass die Leitung einer Landesorganisation ausser jedem Konnex mit dem A.-K. steht. Was das IL A.-K. anlangt, so sehen die Vorschläge des Herrn Dr. Lewin an und für sieh gar nicht so iibel aus. In Wirklichkeit aber habe ich die Erfüllrung gemacht, dass cs ganz umuöglicli ist. mit sieben Mitgliedern zusammen zu arbeiten. Die Mitglieder sind in der ganzen Welt zerstreut und können beim besten Willen doch nur recht selten zusammenkommen. Die schriftliche Information genügt natür-. lieh bei weitem nicht. Daher ist es natürlich auch bei diesem System so, dass faktisch die Leitung in einer Hand ruht. Und seihst als in Wien unter llcrzl die fünf Mitglieder in einer Stadt gewohnt haben, verstummte nicht die Klage über das autokratische System Hcrzls. ich will mich gewiss nicht mit Hcrzl vergleichen, man tritt mir ja auch ganz anders gegenüber als Hcrzl, Mau sollte aber doch diese Erinnerung nicht ausscracht lassen. Sic sagen, Russland und Österreich müsse in der Leitung vertreten sein. Wir haben aber doch weder russische »och österreichische Interessen wahrzimelimen, nicht die Interessen irgendeines Landes, wir haben mir allgemein-zionistische Interssen. Sie ,wollen doch in Wirklichkeit auch nicht Ehrenämter schauen. Sie wollen, dass besser gearbeitet wird. Das erreichen Sie aber nicht, indem Sic sich von Theorien leiten lassen, das erreichen Sic nur, wenn Sie solche Leute in die Leitung wählen, die arbeiten und miteinander arbeiten können. Bei dem heutigen System war cs immerhin möglich, öfters /.usammenzukummen, auch die Korrespondenz mit zwei Herren war leicht zu bewerkstelligen. Wenn Sic sieben Mitglieder haben, und immer anfragen müssen, so bekommen Sic sechs verschiedene Antxvorten. Entweder muss man dann wieder rückfragen, oder mau muss die Entscheidung doch selbständig treffen. Diesem System könnte allenfalls dadurch Abhilfe geschaffen werden, dass wir Ressorts schaffen. Jedes Mitglied hat dann ein bestimmtes Ressort zu verwalten und ist dafür verantwortlich. Und daun müssen natürlich dafür solche Herren gewählt werden. die auch in der Lage sind, ein solches Ressort praktisch zu leiten und die nicht, wie es früher war, nur Ratgeber, sondern wirkliche Mitarbeiter sind. Hs genügt nicht, dass Sie Herren wähle», die vielleicht würdiger und berufener sind, als die jetzigen Mitglieder des H. A.-K. Notwendig ist. dass die Herren auch für die Leitung wirklich in Betracht kommen. Sic sagen. Sie rnhlcn die Leitung nicht. Und doch üben Sic so scharfe Kritik, dass sie zu selbständig ist. Sie sagen, wir wissen hier nicht, was in Russland vorgeht. Steht denn unser General- Sekretär Herr Sokolow nicht in der engsten Verbindüng mit Russland.׳־ Und für die anderen Dinge ist ia noch Herr Dr. Boilenhclmcr liier, dessen Rat ich hei allen wichtigen Hragen zuziehe. Der ldeaiziistaitd wäre natürlich, wenn w׳ir an der Spitze der Bewegung ausschliesslich solche Männer hätten, die sich den zionistischen Arbeiten voll u n d ׳gam w i dm e n könnten mul 11 i e 11t noch irgendeinen Beruf nacligehcn müssten, Kräne, die dann natürlich auch honoriert werden müssten. Bis dahin aber werden wir uns damit helfen mi.sscii. dass wir die Arbeit der Leitung ressortweise verteilen. Herr UssiscliKin hat sieh dagegen gewandt, dass auf dem VIII. Kongress der Präsident vom Kongress und nicht, wie cs bis dahin üblich war. v׳m Akationskomitcc gewählt worden ist. Ich selbst bm es gewesen, der sieh iur diese Änderung eingesetzt hat. Ich habe schon friilier gesagt, dass man Hcrzl ganz anders gegcnubergetreteii ist als mir. Bei Hcrzl war es sc I b s t v c r s t ä n U - lieh, dass er der Präsident war, a u c 11 o 11» c U a ss er v 0 m K o 11 g r e s s g e w ü k 1 t wurde. Bei mir war das gar nicht '• ״ k״s { v c r צ t ä n d i i c h. Das habe ich heim Vli. Kongress gesellen. Nachdem das Engere A-K. vom Kongress gewählt worden war. stellte man nur Mendel sali Fawisch fortwährend heimlich mit besorgten Blicken an;der junge Mensch war ganz ausser Fassung, die Hände schienen ihm den Dienst zu versagen, denn er Hess zwei Gläser fallen und verschüttete zwei Liter Brannt* wein. Und die ganze Zeit über schlürfte Cha* tianja seinen Schnaps uiul wusste, dass jedes Auge im Zimmer auf ihn und seine Tochter gerichtet war. ״Beeile dich, Chauanja,“ sagte Mendel ausser sich vor Besorgnis. ״Sichst du nicht, dass du den anderen Kunden im Wege stehst?“ ״Was geht das mich an?“ erwiderte Cha• m.nja, indem er Mendel frech ins Gesicht sah. .,׳labe ich nicht mein Geld gezahlt wie jeder andere und habe ich nicht ein Recht, schnell oder langsam zu trinken, wie’s mir beliebt?“ ״Ganz recht, Melchizedek, oder wie du sonst hassest,“ mischte sich Christoph Talka hinein. Fr war der Grösste im Zimmer, hatte einen langen roten Bart und war Schweinehändler. .,Lass den alten Mann in Ruh’; er kann bleiben, so lange es ihm beliebt,“ fuhr er fort, zu dem Wirte gewendet. Aber jedermann wusste, was Christoph wollte; er verteidigte Jenta, nicht ihren Vater, denn so manchesmal hatte er einen armen, reisemüden Hausierer gestossen und mit den Worten hinausgedrängt: ״Geh’ nach Hause und sammle I!tut ein für die Kühe und Kälber und überlasse das Trinken anderen Leuten.“ ״Gehen wir, Vater!“ sagte Jenta sanft, in* dem sie zugleich Christoph einen Blick zuwarf, ״wir wollen keinen Streit verursachen; wenn diese Leute so ungastlich sind, so wird uns Gott eine andere Unterkunft gewähren.“ Chattania ging sehr ungern; er wusste, dass er der Held der Stunde war und wollte seinen Triumph über Mendel länger gemessen. Aber Fawisch hatte Venda gesehen, und das war die Hauptsache. Sie gingen also, und der Blick des Fawisch folgte ihnen, solange sic auf dem Hofe zu sehen waren; an der Ecke wandte sic sich um, lächelte ihm zu, ihm, ganz bestimmt. Dann verschwanden sie, und Fawisch meinte, die Dunkelheit sei an jenem Tage zu früh hercingc• brochen; seine Knie wankten, als wären ihm die Sehnen zerschnitten worden. So begann das Unglück. Von diesem Tage an war Fawisch ein anderer; mit Schmerzen sah dies sein Vater, erriet die Ursache seine!• bleichen Wangen und verfluchte Chananja an Leib und Seele wegen des Leides, das er über den Jungen gebracht. Denn Fawisch konnte weder essen noch schlafen; den ganzen Tag hielt er sich auf der Strasse auf, die nach Uldrodno führt, als erwartete er jemanden von dofi her. Anfangs unterhielt er sich noch mit seinem Flügelhorn, aber das hörte auch aui und Stille herrschte in dem Hause, welches die zwei armen Menschen bewohnten, denn vor zwei Jahren hatten sie Chawah, die treue Frau und Mutter, mit den Füssen zuerst aus dem Hause getragen. Das ging so wochenlang und Fawisch wurde zum Skelett; aber Mendel sagte noch immer nichts, weil er meinte, das Ucbel werde mit der Zeit schon vergehen. Aber da kam Fawisch eines Tages, legte den Kopf auf die Schulter des Vaters und brach in Iränen aus. ״Schicke um sie, wenn du willst, dass ich am Leben bleibe,“ schluchzte er. ״Ich habe alles versucht, aber ich kann nicht mehr — schicke um sie.“ Mendel wartete, bis er seine Tränen binuntergewürgt hatte. ״Sohn, teurer Sohn, überwinde dich, sie ist nicht für deinesgleichen, sie wird dich unglücklich machen. Lass sic ihre Wege gehen und geh’ du deine.“ ״Ich kann nicht, Vater,“ flüsterte Fawisch, ״ihr Gesicht verfolgt mich und scheint mich zu verspotten, wegen meiner ohnmächtigen Bemühung, sie zu vergessen. Ach! Ich bin so hilflos und das Herzeleid tötet mich. Du kannst mir helfen, Vater — hilf mir!“ ״Aber ich würde dir ja nur zu deinem U11glücke verhelfen “ jammerte Mendel.

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