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Jüdische Rundschau · 1909-10-22 · Heft 43 (22.10.1909) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 43 (22.10.1909)
Date
1909-10-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 480 JUEDISCHE RUNDSCHAU No. 43.!4 Auch au( anderen Gebiete» herrscht Systemiosigkeit sondergleichen, nämlich beim Nationalionds. Dr. Kuppln hat gesagt, der N.-F. soll kein Land mehr kaufe», vergesse» Sie nicht, was Sie damit »»richten. Nur weil Boden gekauft wird, nur deshalb gebe» die Leute das Geld her. .Wird das Geld nicht zu Godenkau( benutzt, dann wiirc das Statut dahin zu ändern• dass die Gelder auch zur Bearbeitung des Bodens verwandt werden sollen. Ich vermisse einen festen Plan. Vielleicht könnte man mit Hilfe der P.L.D.C. indirekt das Land bearbeiten lassen. Dann komme ich auf die Hauptfrage: das ist die Leitung■ Meine Ansicht ist die, dass die Leitung sich nicht in einem Provinznest wie Köln vergraben solle. Berlin hätte doch das Gute, dass cs in der Nähe Russlands liegt ln die Leitung müssten unsere Vertreter in Konstant(• nopel und Jaffa hinein. Dann muss ein Ressort• System cingefiilirt werden mit verantwortliehen Persönlichkeiten• sowohl filr die Finanzen wie für die Organisation, Institutionen, Leitung nach innen und aussen. Ein weiterer wunder Punkt ist, dass nur Leute im Ehrenamt die Geschäfte erledigen. Namentlich bei der Agitation ist% es er• forderlich, dass ein möglichst redegewandter Sekretär ruhelos herumreist, Beziehungen unknüpft, zusammen• hält und die Zentrale auf dem Laufenden hält. Kann! Ich muss gegenüber verschiedenen Angriffen feststellen, das die Jüdische Kolonialbank geradc durch ihre Beteiligung an der A.P.C. die eminent politischen Interessen der Bewegung in Palästina dokumentiert iiat. Redner führt einige Ziffern an, die dies deutlich illustrieren. .Die Bank wird sich für alles mögliche interessieren, aber es muss in einer kaufmännisch geschäftlichen Form geschehen. Das Direktorium ist sielt dessen voll bewusst, dass tue Bank in erster Linie für zionistische Zwecke da ist. Rechtsanwalt üroiiemami wendet sich gegen die hier geübte Kritik. Sie sprechen vom Abflauen der Begeisterung für den Zionismus. Das trifft nicht zu. ln Berlin gibt cs heute zwanzig Mal mehr Leute, die unser» Standpunkt teilen, als organisierte Zionisten selbst. Wenn ein Teil dieser Leute beitreten wird, dann wäre das schon viel. Diese Leute itaben nicht die erste Zeit des Zionismus mitgemacht. Sic finden kein richtiges Betätigungsgcfüiil. Es muss etwas dafür gesucht und gefunden werden. Ich kann auf ein schönes Ziel hinweisc», das ist die kulturelle Richtung, die Frage der nationalen Erziehung. Vor Jahren einmal tauchte das Projekt der liocliscliulc auf. Über die Verwirklichung jedoch habe ich noch keinen Artikel gelesen. Was uns not tut, ist ein Zentreum der jüdischen Kultur, eine jüdische Akademie, eine Stiftung, wo das geistige jüdische Leben einen gesicherten Ruhepunkt findet. Dann aber ist noch eines wichtig. Wir müsse n unsere Leute wieder auf das Warten trainieren. Wir haben tms viel zu sehr daran gewöhnt, momentane Erfolge zu verlangen, anstatt dass wir abwarten, bis uns ein grosser Erfolg zuteil wird. Daher rührt dann die Unzufriedenheit, die keineswegs berechtigt ist. Professor Wartung: Ich muss auf einige Bemerlumgcn, die zum Berichte des Palästinaressorts gemacht wurden, zurückkommen. In bezug auf den Nationalfonds muss ich auf eine Bemerkung des Herrn Podliscliewski zuriickkoinmen, dass wir kein Land in der bisherige Weise :taufen sollen, weil dadurch nur eine schlechte Kategorie von Bauern entsteht. Es ist ganz richtig, dass der Ansiedler auf eigener Scholle viel besser arbeitet. Aber es gibt auch eine gute Qualität von landwirtsehafiliclien Arbeitern, die auf Pachtbesitz gut arbeiion. Herr Böhm vertritt den Standpunkt, dass man deswegen mit dem Nationalfonds nichts machen soll, weil er bald erschöpft sein wird. Sie werden aber aus dem letzten Bilanzberichte des N.-F. er* sehen, dass das Gegenteil der Fall ist, indem au bar und Effekten 55 000 £ vorhanden war, während in Landbesitz nur 11295 £ angelegt waren. Bezüglich der industriellen Tätigkeit in Palästina glaubte mau einen Widerspruch zwischen meinen heutigen Jle- )»erklingen und früheren Äusserungen gefunden zu haben. Ich vertrete aber heute noch den Standpunkt, dass die Industriemöglichkeiten in Palästina nicht so bedeutend sind, wie die landwirtschaftliche». Zimt Schlüsse möchte ich noch auf die Kulturfrage zurück• konunen. Ich halte das Mikrobiologische Institut für keine solche verfehlte Idee, wie Herr Trictsch dies tut. Wir haben auch den Bczalei ganz klein angefangen. Das Institut soll das Zentrum sein, von dem die ganze hygienische Frngo Palästinas behandelt wird. Wenn wir Palästina nicht von Malaria frei bekommen, werden wir sehr schwer arbeiten können, und cs ist leicht, das ..an.^. davon zu befreien, ln bezug auf die Külturfragc stimme ich durchaus mit Herrn Dr. Gronemann überein, dass sic für uns von grosser Wichtigkeit ist. Wir können mit dieser Frage in Palästina am meisten nach aussen hin wirken. Es ist das ein grosses Gebiet, auf dem wir arbeiten können, und darum strebe ich dafür, dass wir unsern KKulturfonds vermehren. Er ist bisher leider sehr klein geblieben Wir haben ja für Kulturzwcckc speziell die Olbaumspcndc begründet, die das Zentrum r״Kuiturbcstrebungen sein soll. Diese wächst tagtäglich, und ich glaube daher, wir brauchen in bezug auf die Kulturfragc uns keine Sorgen für die Zukunft zu machen. ״ ו!, Pfd*'dcnt Wolffsohii kommt auf die an der Leitung geübte Kritik zurück. Ich werde versuchen, Urnen zu zeigen, dass ihre Kritik nicht ganz gerechtfertigt ist. Die Herren aus Österreich beklagen sich darüber, dass die Sitzung in Köln und nicht in Berlin abgchalten wird. Die Herren gingen soweit, auch im Namen der russischen Mitglieder zu sprechen. Ich habe mm mit den russischen Herren Gelegenheit gehabt, in Konstantinopel zu sprechen, die mich Kleienfalls veranlassen wollten, dass die Sitzung m Berlin stattfindc. Es ist mir aber gelungen, die Herren zu überzeugen, dass cs nicht möglich ist, und sic haben sie!» damit zufrieden gegeben. Ich habe auch den Herren nach Österreich geschrieben, doch ich sehe, dass durch Korrespondenzen doclt nicht alles erlcdigt werden kann. Wir haben schon einmal eine Sitzung in Berlin abgchalten, cs war eine der wichtigsten Sitzungen, und erschienen sind auch damals nur insgesamt 27 Herren. Welcher grosse Unterschied liegt min darin, ob die Herren nach Köln oder Berlin fahren? Ich gebe Ihnen die Versicherung, dass cs für mich persönlich beuuemer wäre, wenn die Sitzung in Berlin sein könnte. Aber cs geht eben nicht, weil wir das ganze Bureau h i n il b c r n c 11 m e n müsste n. Der Nationalfonds müsste schon einige Tage vorher 3-4 Beamte liinliberschickcii. Ebenso das Zcutralbureau. Wir haben über keinen so grossen Beamtenstab, um die Herren auf so lange Zeit hier entbehren zu können. Man vermisst ein Programm, eine Parole der Leitung, diese Klago höre ich seit langem. Wenn aber dann das A.-K. Zusammentritt und das E. A.-K. gibt Bericht über seine Tätigkeit, wird immer wieder nur kritisiert und immer wieder wird gesagt, das Grosse A.-K. werde nicht genügend herangezogen. Wie würde aber erst die Kritik aiisfailen. wenn die Leitung wirklieh diese berühmten Parolen ausgäbe? Würden Sie nicht wieder darüber klagen, dass das A.-K. nicht variier gefragt worden sei? Und dann vergessen Sie nicht, dass es mit dem Uusseren Aplomb allein nicht getan ist. Die wirkliche Arbeit wird doch getan, ohne dass wir darüber immer gross berichten. Denn es lüittc doch Keinen Wert, die öftentlieltkeit mit sensationellen Mitteilungen über Versuche. Aussichten, Möglichkeiten zu verblüffen. Ich bin gewiss der Meinung, dass wir nicht unfehlbar sind und ich werde mich freuen, wenn sic Tüchtigere, Geeignetere, Berufenere finden, die sie in die Leitung wählen. Aller mit Worten, Begriffen, ist cs nicht getan. Sie miissen der Leitung die Möglichkeit geben, zu arbeiten, dadurch, dass Sie Männer hincinwählen, die wirklich arbeiten wollen und auch können. Dann aber müssen Sic endlich für geordnete FimmzvurliäUitlssc sorgen, ich bin der Ansicht derjenigen Herren, die sielt dafür eingesetzt haben, dass unsere Institutionen, die wir geschaffen haben, unser Budget zu tragen )iahen, ich hin aber nicht der Ansicht des Herrn Böhm, dass der Nationalfonds hierbei eine Ausnahme spielt und man von ihm nichts nehmen darf. AHu Institutionell müssen zur Erhaltung der Bewegung beitragen. Wenn Sie diesen Antrag tmterstiitzen, können wir endlich zu jener idealen Organisation konunen, wo nur bezahlte Mitglieder an der Spitze der Bewegung stehen. Das kann aber nur emöglicht werden durch ein geordnetes Budget, Treten Sie nur dafür ein, und Sic werden mich an ihrer Seite itaben. Noch ein Wort zum Organisationsstatut. Die Sache wird, fürchte ich, .wie früher gehen. Wir werden es vor den Kongress bringen, der dann keine Zeit findet mul es wieder dem Aktionskomitee überträgt. Ich glaube, dass wäre ein grosser Felder. Herr Dr. Oppenheimer hat bei der Abfassung des Orgmiisutioii.sstaiiits auch au eine Änderung der Leitung gedacht. Icii bin nicht gegen ein grösseres Komitee, mir bin ich dagegen, dass Leute in die Leitung licreiiikoinmeu. die in der Leitung nicht zu arbeiten wissen, in der Leitung muss jeder etwas zu tim Italien. Nach einer kurzen Pause folgte eine Abend- Sitzung, die bis 12 Uhr nachts dauerte, und sich hauptsächlich mit der Frage der Tafjesordnunfl ocs nüchslcn Kongresses befasste. Es wurde beschlossen, dass der Kongress nur fünf läge dauern solle, nämlich vat\ Sonntag, den 20. bis einschliesslich Donnerstag, den 30. Dezember, Die Tagesordnung wurde in grossen Zügen wie folgt festgesetzt: Sonntag vormittags: Eröffnungsrede, Rede Dr. Nordaus; Wahlen flir das Kongresspräsidium. Sonntug nachmittags: Bericht des Aktions• komltccs; Bericht des Zcntralburcaus; Bericht des Pulästinarcssorts; Generaldcbattc. Montag: Generaldebatte. Dienstag vormittags: Organisatiosstatu t. Der Nachmittag soll möglichst für Kommissionssitzungen usw. frei bleiben. Mittwoch: Bericht des Nationalfonds: Berieht der ö I ba 11 m sp c n d<n Bericht über die Banken: Spezialrefcratc. Donnerstag; Spezialrefcratc, Diskussion, Anträge, Wahlen. Als Spezialrefcratc sind vorgesehen: Vorträge über die kulturelle Lage der türkischen Juden, über die Einwanderung in die Türkei, über die landwirtschaftliclicn und über die industriellen Möglichkeiten Palästinas. Die genaue Bestimmung der Tagesordnung wurde dein E. A.-K. überlassen, Hinsichtlich der Vorbereitung der Wahlen für das Engere und das Grosso A.-K. wurde beschlossen, den Permanenzausschuss zu beauftragen, scino Vorschlüge bereits einen Tag vor Schluss des Kongresses den Landsmannschaften bekannt zu geben. Es wurde noch mitgcteilt, das gelegentlich des Kongresses eine Reihe öffentlicher Voranstaltun gen geplant sind. Unter anderem sind vorgesehen: ein öffentlicher Vortrag Dr. Max Norduus. ein grosser Studentenkommers, ein Schauturnen der jüdisch-nationalen Turnvereine usw. usw. Am Donnerstag vormittag fand eine Sitzung des Direktoriums des Jüdischen Nationalfonds und hiernach die Generalversammlung des Nationalfonds statt, die auch noch den grossem Teil des Nachmittags einnahm. Daran schloss sich die Sitzung des Aufsichtrats der Jüdischen Kolonialbank. Mit einem warmen Schlusswort des Präsidenten schloss die Sitzung. Das Jubiläum der Kattowitzer Konferenz Am 18 Cltcscltwan d. J. (2. November) werden cs 25 Jahre sein, seitdem in der Stadt Kuttowitz >.,c erste Konferenz der Chowewe-Zio» > 11• snnnnen getreten ist, — jene Konferenz, die von d,;n Schöpfern und den ersten Führern unserer »atm. nnlcn Bewegung, wie Dr. Pinsker, David Gord.,11, Rabbi Samuel Moliiicwer, P. Rabinowitz u. a. u:s Leben gerufen wurde und nachmals in der Entwichiung unserer Bewegung einen Ehrenplatz einnel1׳,u.n sollte. Bescheiden und anspruchslos war die Kattowi;/.cr Konferenz, ihre Bedeutung in der Geschichte unsiar Bewegung kann aber nicht hoch genug cingcschat/.t werden.— Der Gedanke der nationalen Wiedergeburt, der damals erst im Entstehen begriffen war und in der Clübaih-Zion-Bewegung seinen bescheidenen Am,, druck fand, war in jenen Tagen nicht mehr als das intime Ideal einiger weniger Männer, die von pr; k• tiseher Betätigung sehr weit entfernt waren. Er haue keinen konkreten Inhalt, keine konkrete Form. I 1c vereinzelten und versprengten Kräfte der ersten Cu.,. wcwc-Zio» fanden vor sieh nichts, was das 0!>i kt ihrer Tätigkeit, oder Bestrebungen hatte bilden können: und es braucht nicht erst gesagt zu werden, dass für eine nationale Tätigkeit in plamnässigcr, <1׳• ganisierter Form kein Raum war, da die notwendige Voraussetzung hierfür fehlte; es fehlte die zct,. trale Institution, das berufene, autoritative, unentwegt wirkende Zentrum, wo sümltiche Faden der Arbeit zusammcnliefen, die die Keime der /.»• künftigen Entwicklung in sich berge. Eine solche Institution gab uns die Kattow i;׳.cr Konferenz. Das Odessaer Palästina-Komitee, das mt Jahre 1890 die offizielle Sanktion erhielt, ist ein l׳n׳• dukt der Kattowitzer Konferenz. Mit der Gründung des Komitees trat unsere Bewegung in ein neues Stadium ein, in das Stadium vereinheitlichter, plan• »nissiger und organisierter Arbeit. Auf diese Weise betrat unsere Bewegung den ihr jede öffentliche l»etätigung, ganz besonders aber für jede grosse Volks* aktion einzig gangbaren Weg. Die Kattowitzer hon* icrenz darf also als der erste Keim angesehen werden, dem unsere nationale Arbeit in den vcrschie* denen Formen entsprossen ist, die sic im Laufe ihrer fünfuudzwanzigiähriget» stufenweisen Entwicklung ...1* genommen hui. Das Odessaer Palästina-Komitee sieht es u.i'.cr als seine heilige Pflicht an, seinen Freunden allerorts zu empfehlen, das fünfmulzwanzigjährigc Jubiläum hier Kattowitzer Konferenz feierlich zu begehen mul ״m Sonntag, 23 Chcschwnn, dem Schlusstage der Ko!־.* ferenz, folgende Veranstaltungen zu treffe»: 1) In den Synagogen soll das Andenken jener verewigten hervorragenden Chowcwc-Zion, die vch an den Kattowitzer Beratungen beteiligten ), allen voran das Andenken des Vorsitzenden der Konwieat Dr. Pinsker durch eine Gedenkfeier (Haskor.uh* N’schomaus) geehrt und entsprechende OcdcnkrcJc« gehalten werden; 2) des Ferneren soll an diesem Tage zu gtiuv.ui dc.s vom Odessaer Palästina-Komitee gegründeten und den Namen Dr. Pinskers führenden pal äs litt iselten Scltttlfonds eifrig gesammelt werden. Wir hoffen, dass unsere Freunde und Gesinnung:» genossen bestrebt sein werden, unseren Anregungen zu entsprechen und so das Andenken der ersten /סו• nistischcn Konferenz und der ersten hervorragenden Führer unserer Regenerations-Bewegung würdig zu feiern. Das Odessaer Palästina-Komitee. Der Präsiden!: M. Ussischkin. >;< Die fünlundzwanzigiührigc Jubelfeier der Katto* witzer Konteren wird am 7. November 1909 zu Katto• Anwesenheit des Präsidenten des Zionistischen Ak* ilons-Komitecs, Herrn D. Wulffsohn, des Deie- ) Leon Pinsker, Rabbi Samuel Moliiicwer, Dr. J. M. Rabbinowitz, Alexander Zederbaum, David Gordon, Kionimos Wissotzky, Jakob Daiclics, L. Kliwansky, M. Moses, J. M. Mayersohn, Dr, Driibi* nowltz, L. Schallt, L. Kaiischcr. י.!

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