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Jüdische Rundschau · 1909-10-15 · Heft 42 (15.10.1909) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 42 (15.10.1909)
Date
1909-10-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Ganz leicht wird eine Änderung der bestellenden Gesetze in diesem Sinne kaum sein, da sie mit dem auf dein Koran beruhenden und seit Jahrhunderten fcstKclialtcncn Grundsätze bricht, dass der Boden — mit wenigen Ausnahmen — Staatseigentum und dem einzelnen nur ׳zur erblichen Nntzniessnng überlassen ist. Aber da die jetzige türkische Regierung mit aller Macht fremdes Kapital ins Land ziehen will, ist cs immerhin wahrscheinlich, dass sic schrittweise die Beschränkungen beseitigen und vielleicht in einem oder einigen Jahren die gesamte Reform durchgeflihrt haben wird. Ich setze also voraus, dass die Reform erfolgt Ist, und wende mich sofort zu der Frage: Was kamt ein mit grossem Kapital ausgestatietcs Agrarkreditiustitut, welchem durch eine liberale Bodengesetzgobung j Immobiliengcseltivfte aller Art möglich sind, für die j Förderung der jüdischen Kolonisation in Palästina tun? } Es wird die Antwort erleichtern, wenn wir zunächst j den möglichen Nutzen für die in Palästina bereits j ansässigen Kolonisten und später die Möglichkeit der! Ausbreitung der Kolonisation durch Schaffung neuer Kolonien ins Auge fassen. li. Nutzen für die schon ansässigen Kolonisten. Die weitaus meisten der in Palästina bestehenden jüdischen Kolonien sind auf rein philanthropischer Basis gegründet worden. Die Kolonisten bosassen keinerlei eigne Mittel, sondern erhielten alles, was sie notig hatten. Land, Haus und Inventar, von der Kolonisatiousgescllschaft. Natürlich behielt sieh die Kolotnsationsgesellsehaft das Eigentum an Land und Haus vor, so dass die Kolonisten rechtlich nur ein Nutznicssungsrcclit an Land und Haus haben, aber nicht darüber verfügen, z, B. es hypothekarisch belasten können. Neben diesen sogenannten abhängigen Kolonisten gibt es, besonders in einigen judüisclicn Kolonien, auch eine gewisse Zahl von unabhängigen Kolonisten, d. h. von solchen Kolonisten, die entweder von vornherein Land und Haus aus eigenen Mitteln gekauft oder später durch irgendwelche Leistungen an die Koloiiisationsgcscllschaft von dieser.das freie ] Eigentum an Land und Haus erhalten haben. Aber auch diese unabhängigen Kolonisten können ihr nn• ׳ bewegliches Eigentum nicht rechtsgültig liypo• thckariscli belasten, weil ihr Land nicht auf ihren Namen im türkischen Kataster eingetragen ist, sondern aui• den Namen des Vertrauensmannes der Kolotii• sationsgescllschaft, die einst das Land aus arabischer Hand erwarb. Das hängt damit zusammen, dass bis• her in Palästina für den Eigentümer einer kleinen Parzelle die Eintragung ins Grundbuch sehr kostspielig war, so dass allseitig von der Eintragung Abstand genommen wurde. Die Kolonisten begnügten sieh damit, dass sie in einem vom Vorstände der Kolonie geführten Buche als Eigentümer ihrer Parzelle ver• zeichnet waren. Aber diese Eintragung In das söge• nannte jüdische Grundbuch" hat natürlich nach den türkischen Gesetzen keinerlei rechtliche Bedeutung, Wenn in einigen Kolonien das jüdische Grundbuch so grosses Ansehen genicsst, dass bei einem Kauf der Käufer zufrieden ist, wenn er in dieses Grundbuch eingetragen wird, so mag dies im einzelnen Kalle kein Bedenken haben. Ein Agrarkreditinstitut jedoch, das nach dem Muster europäischer Hypothekenbanken arbeiten um) dieselbe Sicherheit wie diese bieten will, kann sieh selbstverständlich nicht auf dieses Grund- , buch verlassen, sondern muss als erstes Erfordernis die absolute Rcclitsgültigkcit ull seiner Geschäfte mit den Kolonisten verlangen, und diese setzt eben die Eintragung der Kolonisten in das staatliche Grundbuch voraus. Kolonisten, welche als Eigen• tiimer ihres Bodens im staatlichen Orundbuchc eilige* tragen sind und einen Bcsitz.titel (Kuschan) darüber besitzen, dürfte es aber in ganz Palästina kaum einige Dutzend geben. Eilr einen Hypotliekenkrcdit seitens eines Agrar• Kreditinstituts kommen also vorerst nur diese wenigen Kolonisten in Betracht. Die andern unabhängigen Kolonisten könnten später in Erage kommen, wenn einmal, was au sielt sehr wünschenswert wäre, von seiten der Kolonisationsgcscllschtftcn und Kolonisten allgemein an die Berichtigung des türkischen Grund- Imchs entsprechend dem jetzigen Besitzstände geschritten wird. Eine solche allgemeine Berichtigung wird nicht leicht sein, da die Eigentumsverhältnisse vielfach recht kompliziert sind. Möglich ist die Berichtigimg allerdings, und sic wird wohl früher oder später einmal erfolgen. Dann wird die Zahl der Kokmisteii, deren Eigentum hypothekarisch bclcihbar ist, ן auf einige hundert steigen. Die grosse Mehrheit der Kolonisten wird aber auch dann von dem Hypothekenj Kredit ausgeschlossen sein, weil sic eben abhängige Kolonisten, d. h. nicht Eigentümer ihres Landes und Hauses sind. Es ergibt sieh hieraus, dass ein Agrarkreditiiistitut für die Gewährung von Hypotliekenkrcdit in den bestellenden Kolonien nur ein recht beschränktes Eeld hätte und für die Förderung der Kolonien schwerlieh viel zu leisten vermöchte, da es die Hauptmasse der Kolonisten ausserhalb seines Tätigkeitsgebietes lassen müsste. Die philanthropische Ko- Ionisation ist eben keine Basis für eine kom merz i eie Go währ urig von Kredit, am wenigsten von langf r i s t i g c m H y 0 o t h c k c n k r c d i t. Neben den geäussertcu Bedenken rechtlicher Natur erlicht sieh die wirtschaftliche Frage, ol> durch Gewährung von llypotliekciikiedit an die vorhandenen Kolonisten wirklich eine Förderung des Kolonisations- Werkes erreicht wird. Es bedarf keines Beweises, dass diese Eördorimg nur dann erreicht wird, wenn der gewährte Kredit in rationeller Weise zur Er* Weiterung oder Verbesserung der Wirtschaft verwendet wird. Eine Erweiterung durch Zukauf von Land wird jetzt, nachdem im vergangenen Jahrzehnt die grösseren Kolonien durch Laiidzukäufc bedeutend erweitert sind, keine grosse Rolle spielen. Der Land- Inmger der Kolonisten ist im grossen und ganzen gestillt: die Bestrebungen der Koionisationsgcscil.schüfteil, jedem Kolonisten eine für eine bäuerliche Existenz, ausreichende Hodenfläche zuzuweisen, sind von Erfolg gewesen. Wenn nicht alles täuscht, so wird der Hypotliekenkrcdit, ~ von den Eüllcn nbgc* sehen, wo ein Kolonist den Kredit dazu verlangen wird, um seiner Tochter eine Mitgift zu geben oder einen Solm studieren zu lassen, was natürlich gar nicht mit den Zwecken des Agrarkreditinstuts im Einklang steht, — hauptsächlich dazu in Anspruch ge* nominell werden, um Meliorationen aller Art vorzu* nehmen, d. h. Gebäude zu reparieren oder zu er* richten, landwirtschaftliche Geräte oder Maschinen anz.iisehaffen und ganz besonders, um Pflanzungen 1 von Orangen, Mandeln, Oliven usw. anzulcgcn. Der;Gefangene vonSebastopol Von Samuel Gordon. Fr — Salomou nämlich — war das Orakel des Ortes. Seine Autorität in Politik, Kunst, Wissenschaft und allen anderen Dingen, welche diese und die andere Welt mehr oder weniger berühren, war unbestritten. Am Sabbath erteilte er von Mittag an bis zum Nachmittagsgottcs• dienste von seinem Sitze aus Konsultationen und verkündete seine Offenbarungen. Die Familienhäupter, welche zu den Habituds des klei- , nen Gotteshauses gehörten, pflegten ihm mit 1 offenen Ohren zuzuhören; wemt aber gelcgentj lieh ein zufälliger Gast, welcher Salomons j Grösse nicht kannte, einen Einwurf wagte, so 1 öffneten sich die Schleusen von Salomons Weisheit und sein Wissen ergoss sich wie ein Strom über den kühnen Frager und verhöhnte seine Ansicht in einem Strudel sinnverwirrender Be- Ichrung. Ich war vielleicht der Einzige in seiner Zuliorerschaft, der wusste, was für ein Aufschneider der alte Salomou war; ich wusste wenigstens, dass das, was die anderen für die Äusserungen emer mühsam erworbenen Weltweisheit hielten, die w*>chclEingebung des Augenblicks war, Salomon hatte eine lebhafte Einbildungskraft, nur diese konnte die Verdrehungen in der natürlichen Ordnung der Dinge erklären, deren er sich schuldig machte — die Bündnisse feind lieber Dynastien, die Versetzung gewaltiger Ge biete, welche alle unsere überkommenen Begriff( von der Geographie Lügen straften — Reform pliine, die in Kurzem die Erde zu einem Para diese machen würden. Dach war er sehr amü sunt und verheil den sonst schläfrigen und lang wciligcn Siibbatlinaclunittagcn einen ausge sprocheuen Reiz. Fr war der Sehammes der kleinen Gemeind! und verkaufte in profanen Stunden Lose. 11 seinen Musscstunden schrieb er Mcsuscs. II war auch — aus irgend einem geheimnisvolle! Grunde —#der beste Schofarbliiser an den höhet Feiertagen‘und der Ruhm seiner Fertigkeit au diesem Gebiete schaffte ihm viele Schüler. Sonst war er ein alleinstehender Mann ohne Blutsverwandte in London. Doch schic! ihm־ durchaus niemand zu fehlen, denn er wir! schäftete sehr gut auf eigene Faust, kaufte selbs Proviant ein und hielt selbst Haus — in einen einzigen Zimmer, und niemand, der die untei setzte, stämmige Gestalt mit dem schwarzci Bart sali, würde geglaubt haben, dass sie einer Sechziger gehört. Ich hatte Salomon sich wie einen Halbgol geberden sehen und war sehr neugierig, ihn al Menschen kennen zu lernen. Jeder Zug seine Manche von diesen Verbesserungen werden gcwi$s sehr niiizlioh sein und dem gesamten Kolonisations. werke zugute kommen. Auch gegen die Anlage von Pflanzungen ist, sofern der Körnerbau die Grundlage der Wirtschaft bleibt «nd die Pllanzungen nur eine Ergänzung bilden, nichts zu sagen. Es besteht aber die Gefahr, dass der I fypothekenkredil die in Palästina an sich schon vorhandene Tendenz, den Körnerhau zugunsten des Pflanzungsbaues ganz hinanl/.usei/.cii, noch verstärken wird. Das ist bedenklich, denn <;$ bedeute! mehr oder weniger die Umbildung des Ko. hmistcn aus einem seihst niiturbeiienden bäuerlichen Getreideproduzemen zn einem mit Lohnarbeitern arbeitenden kapitalistischen Plantagenhesitzer. Man könnte vielleicht sagen, dass das Agrar. Kreditinstitut den II׳־pothekenkredit nur in solchen Füllen geben darf, in denen das Darlehen wirklich;!ן produktiver und rationeller Weise verwendet wir<j. Das ist theoretisch sehr schön, praktisch aller tust undurchführbar. Würde das Kreditinstitut tatsächlich nach dem Zwecke des Kredits fragen, so musste es einen umfangreichen Kontrollapparat entrichten, »m fcstzustellcn, dass das Darlehen wirklich nur t:ir die vorgegebenen Zwecke in sucligemasser Weise verwendet wird. Eine solche Kontrolle würde das Kr«, ditinstitut zwingen, sich mit allen Einzelheiten der Wirtschaft des Kreditnehmers zu befassen, würde dj. durch dem Kreditinstitut wie dem Kreditnehmer m gleicher Weise lästig sein und würde ausserdem durch die notwendige Anstellung von landwirtschaftlichen Sachverständigen bei den immerhin kleinen pakötmi. sehen Verhältnissen den Kredit erheblich verteuern. Meines Erachtens muss auch in Palästina ein Agr,!ז• Kreditinstitut bei dem Gvscltäftsprinzip aller privaten Hypothekenbanken in Europa bleiben: sich bei Ihn••, tlickcndarlelicu nur von der gebotenen Sicherheit leiten zu lassen, die Verwendung des Darlehens aber vollständig dem Darlehnsnehmer uiihcimzugcben. Als Resultat der bisherigen Ausführungen ergibt sich: 1. Augenblicklich hat ein Agrarkreditinstitut inner den in Palästina ansässigen Kolonisten keinen Wirkungskreis, da nur ganz wenige Kolonisten im staatlichen Grundbuch eingetragen sind. 2. Nach der in einigen Jahren mögliclieii Ein;:.!, gütig der unabhängigen Kolonisten in das Staat• liehe Grundbuch wird das Agrarkreditinstuut einen gewissen Kundenkreis haben; um der Mehrheit der Kolonisten, den sogen, abhäugigen Kolonisten, wird cs aber auch dann keine Geschäfte machen können. 3. Der gewahrte Hypotliekenkrcdit wird aller Wahrscheinlichkeit nach nur zu einem Teile in einer inr das Koloiiisationswcrk nut/hchen! Weise verwendet werden. I lli. Nutzen f ij r ח c u c Kolonisten.! l.iess sieh im vorhergehenden der Nutzen euer Hypothekenbank fiir die in Palästina vorhandenen Ko. lonien nicht sehr hoch bemessen, so ist damit nicht gesagt, dass das Hypothckengcseliüfi in l'akisuiu überhaupt keine grosse Bedeutung erlangen wird. Die Gewährung von Hypothekendarlehen kann eine sehr grosse Rolle spielen, aber erst dann, wenn eine gro^c!*arzellierungs- und Besiedelungxtüügkeit vorungegmi• gen ist. Das Agrarkreditiustitut muss i sic 11 die Kunden fli r den Hypotheken• I Kredit durch eine gross angelegte I ׳.! r ן Gesichtes trug den Stempel einer starken Ituli* vidualitüt, so dass man ihre Derbheit übersah, und der Ausdruck desselben war nicht in der Elementarschule des Tii'tbsals erworben. Fr schien eine jener Lehren empfangen zu haben, welche einem Menschen für sein Kauzes Leben seinen Charakter verleihen. Wenn dies nur Vermutung von meiner Seite war, so voran* lnsstc midi vielleicht seine gewohnte Schweif* samkeit über seine Person, seine Vergangenheit mit Schatten auszufüllea. Doch gab ich cs nicht auf, dieses sechzigjährige Rätsel einmal zu losen. Eines Sabbatlmachmittags fand ich ihn in einsamer Grösse auf seinem Sitze. Er erklärte mir, dass in dem Mause Stocklinskis, des Ge• meindekassiers, ein freudiges Ereignis statiec־ funden habe, und dass ein Auszug en!nasse nach Nummer 2 in der Pennystrasse stnttgeiun• den habe, aus Freundschaft fiir den Nettankönnn• ling und die dafür verantwortlichen beiden Leut• eiten. Salomon und der Kassier lebten in boiä״; diger Ed ule miteinander, weil der letztere darauf bestand, die Quittungen mit seiner Gegenzeich• nunpf zu yersehen, was Salomon für einen Zwei• fei an seiner Vertrauenswürdigkeit hielt. R“ segnete Stocklinski für seine Schreibest, weil sie mir endlich eine Gelegenheit zu einem ruhigen Kte-ä-töte mit Salomon gab.

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